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The Muffins

Secret Signals 1

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1989 (CD-Reissue 2017, New House Music)
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; live; Canterbury; Jazzrock / Fusion; RIO / Avant
Label: Hand Systems
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Dave Newhouse keys, woodwinds, tambourine, xylophone (Why Pursue It)
Billy Swann electric zoom bass, narration, maracas, keys (Commander Scott)
Tom Scott woodwinds
Michael Zentner guitars, violin, bells
Mike Appareti drums (Brix, Machine, Apparently, Ears, Why Pursue It, English, Cave Tetra)
Michael Bass drums (Spoons, Uncle Don, Crezner), xylophone (English)
Stuart Abramowitz drums (Permutations, Commander Scott, Wombat, The Bush)
Barney Jones chromatic harmonica/voice (Spoons)
Scott Raffel soprano sax (Commander Scott)
Colleen Allen Lady Ashley (English)
John Paige WGTB countdown

Tracklist

Disc 1
1. Labor Day 3:38
2. Brix 3:19
3. Like a Machine That Only Works When It's Working Right 2:05
4. Big Spoons 1:41
5. Apparently 3:42
6. Early American Ears 1:21
7. Why Pursue It? (You Already Blew It) 3:24
8. English 2:09
9. The Hot Band 2:13
10. Countdown / Permutations / Commander Scott On Mars 4:47
11. Cutups 1:51
12. Wombat 2:53
13. Uncle Don 3:54
14. Crezner Okay / Blind Cave Tetra 5:33
15. The Bush 3:25
16. Uncle Don Says Good Night 0:17
Gesamtlaufzeit46:12


Rezensionen


Von: Volkmar Mantei @ (Rezension 1 von 2)


Die bereits für letztes Jahr angekündigte Serie „Secret Signals“ der Muffins aus dem Archiv Dave Newhouse‘ hat nun ihr erstes Resultat gefunden. Enthalten sind 16 Tracks, überwiegend sehr kurze Stücke, viel Schnipselwerk, ungemein Humorvolles zwischen Musik und Gespräch, jazztriefende Radikale, instrumentale Nonsens-Extreme, zuhöchst anspruchsvolle Kompositionen, verrückt gutes und ungemein flüssiges Jazzrock-Liedgut, bis in den Free Jazz flatterndes, absolut durchgeknalltes und schön chaotisches Musikmaterial, das stets seinem idealen Vorbild nacheifert: Canterbury, aber oftmals auch stark an Frank Zappa erinnert.

Aufgenommen live und im Studio in den Jahren 1974 bis 1976 wechseln ernsthafte Musik, die einfach mitreißend und grandios erstklassig ist mit besonders schrägem Humor, der mal am Bahnhof aufgenommen ist, dann während des Auftritts einer Kinderband, die einen Popsong singt (was am anstrengendsten ist, die Lead-Stimme ist so laut und dicht am Mikrophon, dass die Aufnahme sich hier und da überschlägt), bei der Interpretation eines Motivs von Peter und der Wolf oder einer Soft Machine-Idee – viel mehr. Hier gibt es eine Menge zu entdecken.

Vor allem jedoch ist der Muffins-Sound in diesen Schnipseln perfekt präsent. Eben noch floss der Jazzrock-Strom elegant dahin, da bauen sich abstrakte Muster auf, die mit kraftvollen Basston an den Tasten enorm Wucht mit sich bringen. Die Band – in vielfachen frühen Besetzungen – beweist handwerkliche und technische Perfektion, lässt es allerdings sehr locker angehen, treibt sich in bewussten Fehlern herum und experimentiert mit Jazz-Radikalen.

Vielleicht ist „Secret Signals 1“ das bislang avantgardistischste Werk der Band – unbeabsichtigt. Gut zu hören, wie die Jungs mit Lust und Hingabe arbeiten, wie intensiv sie sich in ihre Songs stürzen, die hier in fast jedem Fall nur angedachte Ideen sind, allerdings traumhaft angedacht. Der Reigen ist sehr kurzweilig und überraschungsreich, ständig wechselt der Sound seine Spur, nagt an disharmonischen Mustern, die flott melodisch ins Ohr gehen – für Geübte dieser Spielart wohlgemerkt – und ihren hinreißenden Unsinn, Pardon, Nonsens-Sinn selbstbewusst parken.

Niemand wollte damals daraus eine Platte machen. Aber das Archivmaterial ist von so guter Qualität, dass nur zu staunen und neugierig zu hören bleibt, auf diese Fülle fruchtbaren und äußerst verrückten Materials.

Der Mittsiebziger Jazzrocksound trieft vor Ideen. Der Klang der Aufnahmen ist nicht Studio-ideal, aber perfekt für die Archivschau und sehr gut anzuhören. Schade, dass wir jetzt bis zum nächsten Jahr warten müssen auf die beiden nächsten angekündigten Secret Signals CDs.

Wessen Interesse britischem (!) Jazzrock und amerikanischem Canterbury-Sound ausgeliefert ist, der nahe bei Hatfield and the North und Soft Machine liegt, sehr ansprechend komponiert und gespielt und überaus leidenschaftlich, dabei verrückt gut versammelt wurde, der darf sich auf „Secret Signals 1“ als exzellent und wahnsinnig genialem Reigen lustvoller Songs freuen, die schon mal in lyrische Ballade, melancholische Verträumtheit oder vor allem durchgeknallte und humorverseuchte Radikale ausbrechen können.

Macht sehr viel Spaß. Bitte mehr davon.

Anspieltipp(s): English, Brix, Crezner Okay, Blind Cave Tetra
Vergleichbar mit: Hatfield and the North, Soft Machine, Frank Zappa
Veröffentlicht am: 5.7.2017
Letzte Änderung: 5.7.2017
Wertung: 13/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


"Secret Signals 1" wurde erstmals 1989 veröffentlicht, als Tonbandkassette in kleiner Auflage, und als zweite Muffins-Archivsammlung (nach der 1985 bei Cuneiform Records erschienenen LP "Open City"). 1992 gab es dann "Secret Signals 2" im gleichen Format, dem 1996 "Secret Signals 3" folgte. Da sich die drei Kassetten zu gesuchten Sammlerstücken entwickelt hatten, entschied sich Dave Newhouse gut 30 Jahre später das Material wieder zugänglich zu machen. Dementsprechend legte er 2017 "Secret Signals 1" als CD auf seinem Label New House Music wieder auf. Die weiteren Teile sollen im Jahresabstand folgen.

Wie hinten auf dem Cover zu lesen ist bietet "Secret Signals 1" 'live / studio recordings 1974-1976', also allerlei Musik, die in diesem Zeitraum bei Konzerten, bei Demosessions in einem Studio, oder im Probenraum der Band mitgeschnitten wurden, und bisher (zumindest bei Erscheinen der Kassette) unveröffentlicht waren. Einige wenige der Stücke tauchten dann auf der 1993 bei Cuneiform erschienenen Muffins-CD "Chronometers" wieder auf, aber offenhörlich in etwas anderen, bzw. neu abgemischten Versionen. Zumindest ist der Sound auf "Chronometers" besser. Schlecht klingt "Secret Signals 1" aber sicher nicht, etwas roher und kantiger vielleicht.

Die Musik von "Chronometers" ist auch in stilistischer Hinsicht ein guter Vergleich zu "Secret Signals 1". Ein lockerer, bisweilen schön vertrackter Instrumentaljazzrock ist hier zu finden, der deutlich an zeitgleich (oder etwas früher) entstandene Canterbury-Produktionen angelehnt ist, aber durchaus einen eigenen Charakter entwickelt (insbesondere wenn Michael Zentner an der Geige tätig ist). Zudem weist die Musik der Muffins etwas mehr Humor auf (wobei auch die Britischen Kollegen ja meist recht gut drauf wahren), was z.B. das drollig-lockere "English" zeigt (inklusive Peter-und-der-Wolf-Zitat).

Ansonsten verweise ich auf die Ausführungen meines Vorschreibers, dessen euphorische Sicht zum Album ich aber nicht ganz teile. "Secret Signals 1" ist sicher eine schöne Sammlung für Muffin-Fans und Freunde Canterbury-verwandter Klänge, doch wirkt die Zusammenstellung doch ziemlich fragmentiert, werden hier im Grunde diverse übriggebliebene Aufnahmeschnipsel von 2-4 Minuten Länge aneinander gehängt (wie auch auf dem Großteil des schön erwähnten "Chronometers").

Das Zuhören macht natürlich trotzdem Spaß (bis auf ein paar Nummern mit etwas ziellosem Konzert-Durcheinander, oder dem krummen Kinderchor in "Hot Band"), doch gibt es hier kaum etwas, was man nicht schon von den regulären Muffins-Scheibe bzw. den anderen Archivalben (insbesondere "Chronometers") kennt. Daher sehe ich " Secret Signals 1" eher als nette und willkommene Sammlungsergänzung für den Fan (der Band oder des Genres). Der sollte schnell zugreifen. Die Auflage ist nicht hoch.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.8.2018
Letzte Änderung: 11.8.2018
Wertung: 9/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von The Muffins

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1978 Manna/Mirage 12.00 1
1981 <185> 14.00 1
1985 Open City 13.00 1
1992 Secret Signals 2 10.00 1
1993 Chronometers 11.00 1
2002 Bandwidth 8.50 2
2004 Double Negative 10.50 2
2010 Palindrome 12.00 1

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