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cosmic ground

cosmic ground IV

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik
Label: Studio Fleisch
Durchschnittswertung: 12/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Dirk Jan Müller Analogue Modular Synthesizers, String Ensemble, Tape Echoes, Audio Generator, Mellotron, Minimoog, Vocoder, Guitar, Rhodes, Hammond, Farfisa, Echocord

Tracklist

Disc 1
1. possessed 7:38
2. stained 11:31
3. obscured 7:25
4. greasy 12:29
5. progeny 20:21
6. plains 9:05
7. deep end 9:57
Gesamtlaufzeit78:26
Disc 2
1. soil   (download bonus) 38:17
Gesamtlaufzeit38:17


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 3)


Offenbar hat sich Dirk Jan Müller nun farblich festgelegt. Grün, Blau und Türkis sind jedenfalls wieder die vorherrschenden Farbtöne auf dem Cover des vierten Albums seines Soloprojekts cosmic ground. Diese Farben prägten auch die Titelbilder der beiden unmittelbaren Vorgänger ("live" und "comic ground III"). Nach der insektoiden Statue in Grabes- oder Höhlendämmern ("comic ground III"), bzw. Moogverkabelungen ("live"), ziert nun eine in den oben erwähnten Farben gehaltene Gottesanbeterin das Cover von "cosmic ground IV".

Auch in musikalischer Hinsicht hat Müller sich nun eingependelt, bewegen sich die auf "comic ground IV" zu findenden Tongemenge in Klanggefilden, die an die Hervorbringungen der Berliner Schule aus der zweiten Hälfte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gemahnen, versehen allerdings mit einer eigenen, durchaus modernen Atmosphäre, bzw. Produktion. Sequenzer bestimmen oft das Soundgeschehen, wobei das Album mit "possessed" erst einmal freiformatig-klangmalend losgeht, ganz ohne rhythmische Muster. Düster, voluminös und ambientartig gleitet das Stück voran, wirkt wie das Atmen einer gigantischen Maschine, und erinnert dabei ein wenig an rezente klanglich verwandte Tonschöpfungen von z.B. Stephen Parsick (['ramp]), Hagen von Bergen (siehe "Der Dauernde Fluss") oder Atomine Elektrine.

Auch sonst herrschen auf "cosmic ground IV" mächtige und angedüsterte Sounds vor, doch arbeiten sich in "stained" dann rhythmische Gefüge und Sequenzermuster nach vorne. Dies verstärkt sich im weiteren Verlauf des Albums, welches daher ziemlich minimalistisch-repetitiv daher kommt, und bisweilen an die Musik von Günter Schickert (siehe z.B. "Samtvogel") bzw. Manuel Göttsching gemahnt ("Inventions for electric guitar") - vor allem im Zentrum des Albums, in "greasy" und im langen "progeny" -, wobei jene ihre Klänge vorwiegend mit E-Gitarre und Echogerätschaften erzeugt haben. Aber auch allerlei kosmisches Schweben und sonores Wabern ist auf "cosmic ground IV" zu finden, ganz in der teutonisch-krautigen bzw. Berliner Tradition.

Zum ersten Mal auf einem cosmic-ground-Studioalbum sind hier mehr als vier Nummern zu finden, daher auch solche, die unter 10 Minuten Länge haben. Man kann also fast feststellen, dass es sich hier um das bisher abwechslungsreichste Album von cosmic ground handelt, auch wenn sich natürlich die stilistischen Ingredienzien der einzelnen Nummern nicht extrem voneinander unterscheiden.

Erwerber des Albums erhalten übrigens zudem einem Download-Code, der es ihnen erlaubt ein weiteres, fast 40 minütiges Stück namens "soil" herunterzuladen. Hier geht es weitestgehend sequenzerfrei zu, gleiten die Klänge retro, ambientartig, sehr mächtig und kosmisch-klangmalend dahin.

Freunde retroelektronischer Soundschöpfungen, metaphysischen Klangblubberns, repetitiver Akustik, ausladender Tonflächen, hypnotischer Monotonalität und retro-krautiger Elektronikexzesse sollten mit "cosmic ground IV" also ihre wahre Freude haben. Wer aber kompositorische Monotonie, zielloses Klangverharren und statische Tonexzesse nicht schätzt, und solcherart akustische Kunst als atmosphärische Gebrauchsmusik ansieht, der sollte das Album meiden. Der Rezensent dagegen ist weiterhin fasziniert. Kosmische Musik!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.5.2018
Letzte Änderung: 31.5.2018
Wertung: 12/15

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Von: Peter Meyer @ (Rezension 2 von 3)


„Wer mit elektronischen Sounds und Klangkonstrukten noch nie etwas anfangen konnte, Takte und Rhythmen, Melodien und Refrains braucht, um Musik mit Genuss zu goutieren, der sollte hier gar nicht erst reinhören“, schrieb Achim Breiling zu dem Erstling von Cosmic Ground (2014). Das wird auf die meisten Progkonsumenten zweifellos zutreffen. Zwar nicht gleich kaufen, aber reinhören sollte er/sie hier aber schon einmal, und sei es, um sich einen Eindruck von dieser statischen Musik fernab üblicher Rezeptionsgewohnheiten zu verschaffen. Ein Blick über den Tellerrand erweitert den Horizont.

Nachdem mein kompetenter Vorredner beschrieben hat, wie "Cosmic Ground" auf die elektronik-affine Zielgruppe wirken kann, werde ich versuchen darzustellen, wie die Musik gemacht ist, wie sie ihren „kosmischen“ Charakter erhält - aus der Sicht eines nicht ganz unkundigen Anwenders analoger elektronischer Klangerzeuger. Ich kann freilich diesem sicherlich interessanten Ansatz nicht allzu viel abgewinnen, obwohl ich mir immer gern einen Eindruck verschaffe: Das Wissen um die technischen Abläufe führt zu einer gewissen Entmystifizierung der Musik.

Electric Orange-Keyboarder Dirk Jan Müller, der auf ein beeindruckendes, analoges Instrumentarium zurückgreifen konnte, verzichtete bei seinem Soloprojekt bewusst auf modernes Equipment auf Seiten der Klangsynthese, wohl aber nicht bei Aufnahme und Mastering, denn der Sound ist zeitgenössisch kristallklar, komprimiert und rauschfrei.

Stellenweise wird ein Soundkonzept etabliert, an dem mehrere Klangerzeuger beteiligt sind, die mehr oder weniger geräuschhaft beschaffen sind, d.h. es entstehen keine Töne oder Klänge im eigentlichen Sinn. Diese werden aus einer Grundfrequenz mit einer festgelegten Obertonstruktur gebildet. Bei der Konzeption sei eine intuitive Herangehensweise einmal vorausgesetzt: Der Musiker probiert und addiert Amplituden, Geräusche und Sequenzen solange, bis er etwas in seinem Sinn Passendes gefunden hat. Um das gefundene Gerüst herum werden zusätzliche Klangparameter aufgebaut. Technische Kompetenz (und ein guter Toningenieur) ist hier vonnöten, eine musikalische Virtuosität nicht unbedingt erforderlich.

Possessed, Plains und Deep End z.B. warten mit irrationalen Frequenzverhältnissen auf. Man meint, in einem endlosen U-Bahntunnel festzustecken, dem entfernten Rattern der Züge und anderen metallischen Erscheinungen ausgeliefert. Das unbehagliche Klangdesign mit seiner monotonen Schwerfälligkeit (die ersten, die fluchtartig das Wohnzimmer verließen, waren die Katzen) ist gut als Soundtrack für einen David Lynch Film vorstellbar.

Interessanter hingegen sind die Experimente mit passenden Partialtönen. Es wird mit Sequenzen gearbeitet, anstatt eine wenig rhythmisierte und geräuschhafte ambience auszubreiten. Analoge Modularsysteme sind einzigartige Musikwerkzeuge, die ihre digitalen Nachfahren in puncto Bedienungsfreundlichkeit um Längen schlagen, weil sich bei denen die Funktionen in schwer überschaubaren Menüs verbergen. Modularsysteme (und auch die späteren integrierten Versionen davon) haben für jeden Parameter einen eigenen Drehknopf oder Schieberegler. In "Cosmic Ground" sind relativ kurze Sequencerpatterns vertreten, die unter ständigen Wiederholungen (Greasy dauert über 12 Minuten) fortlaufend modifiziert werden. Erkennbar sind ua. eine allmähliche Veränderung mittels Voltage Controlled Filter (wie unten beschrieben), Veränderung des Sustains innerhalb der Attack/Decay/Sustain/Release-Hüllkurve, über die Pegelverhältnisse der Obertöne, Phasenverschiebungen und Ringmodulation.

In der Equipmentliste ist zur Realisierung des Retro-Sounds auch ein Tape Echo angegeben. Dieses nimmt eine zentrale Funktion ein, weil es zusammen mit diversen Reverbs die typischen gigantischen Hallräume herstellt. Analoge Tape Echos funktionierten über Magnetband durch die Tatsache, dass der Aufnahmekopf und der Wiedergabekopf hintereinander positioniert waren und das aufgenommenen Signal den Abspielkopf ein paar Millisekunden später erreichte. Durch die Laufzeitverzögerung und die Signalrückführung (Feedback) zum Aufnahmekopf entstand das Echo (Delay).

Heutzutage werden diese Effekte sehr realistisch mittels digitaler Algorithmen simuliert, z.B. der bei der archaischen Technologie unvermeidliche Generationenverlust hinsichtlich Frequenzlinearität und Klirrgrad. Tape Delays klingen im Vergleich zu modernen zeitbasierten Effekten warm und gesättigt. Als wesentliche Parameter wurden hier der Feedbackanteil und das Verhältnis zwischen Trocken- und Effektsignal kontinuierlich verändert. Eingesetzt wird dieser Effekt, z.B. in Track 3, Obscured, als Stereo Pan Delay. Hier läuft der vom Sequencer angetriggerte Oszillator (es mögen auch mehrere gleichzeitig sein) über einen VCF, einen spannungsgesteuerten Filter, der die Höhen zyklisch dämpft und dem Klang eine Art Wah Wah Effekt gibt. Die Frequenzanteile des repetitiven Klangmusters verschieben sich, und einzelne Linien treten mehr oder weniger stark hervor. Das Signal erscheint abwechselnd im Linken und rechten Kanal - die Wirkung wird über Kopfhörer besonders plastisch.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 31.5.2018
Letzte Änderung: 10.6.2018
Wertung: keine Interessante Klangtapete, keine Wertung, da zu weit entfernt von üblichen Hörgewohnheiten.

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 3)


Album Nr. 4 des Einmannprojekts Cosmic Ground, wie seine (Studio-)Vorgänger schlicht mit einer Nummer versehen, bringt erstmals auch Stücke im einstelligen Spielzeitenbereich. Genau genommen ist sogar die Mehrzahl der Stücke unter 10 Minuten lang. Ansonsten bewegt sich Dirk Jan Müller, der hinter diesem Projekt steckt, wieder in gewohnten Klanggefilden, die deutlich von der elektronischen Musik der 70er Jahre, speziell der „Berliner Schule“, inspiriert ist.

Das Album wird mit einem Stück wahrhaft kosmischer Musik eröffnet: formfreies Wogen und Rauschen, als würde die Ursuppe des Universums langsam vor sich hinwabern und brodeln, um alsbald die ersten Sterne zu formen. Irgendwo zwischen Tangerine Dream à la Zeit und Dark Ambient bewegen sich diese Klänge, die dazu noch bedrohlich an- und abschwellen.

Danach stehen Klänge in der Tradition der Berliner Schule elektronischer Musik auf dem Programm. Die typischen Sequenzerpatterns treiben die Musik an, im Tempo meist eher verhalten, dennoch mächtig und treibend, bisweilen geradezu wie ein Hämmern oder Pochen. Die ganze Musik durchzieht dabei ein Gefühl der Bedrohung, düster brummende und raunende Klangbögen begleiten die omnipräsenten Sequenzer, stürzen manchmal gar wie ein breiter Fluss auf den Hörer ein (Anfang von Greasy).

In Plains treten die Sequenzen wieder in den Hintergrund und lassen Raum für freiformatige, dunkle Klangbögen, bis schließlich das abschließende Stück mit dem passenden Titel Deep End zur kosmischen Ursuppe vom Anfang des Albums zurückkehrt. Der Kreislauf von Geburt und Vergehen des Weltalls?

Wie bei derartiger Musik nicht unüblich, bewegt sie sich gerne „auf der Stelle“, hat oft etwas Statisch-Monotones; für solche Klangmonolithen abseits konventioneller Strukturen muss man eben ein Faible haben. Erstaunlich ist dabei wieder einmal, dass diese Musik trotz aller Inspiration durch die Klänge der 70er ein durchaus modernes oder besser: zeitloses Gepräge hat.

Die - hochinteressanten - Ausführungen meines Vorredners über die technischen Hintergründe dieser Musik führen bei mir übrigens keineswegs zu einer „Entmystifizierung“ derselben, genau wie der Zauber eines Flötenstücks nicht durch das Wissen gemindert wird, dass es sich dabei lediglich um eine schwingende Luftsäule handelt.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.6.2018
Letzte Änderung: 22.6.2018
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von cosmic ground

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2014 cosmic ground 11.60 5
2015 cosmic ground 2 11.75 4
2016 cosmic ground lll 11.50 4
2017 live 11.50 2

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