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Frank Zappa

Sheik Yerbouti

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1979
Besonderheiten/Stil: Zappaeskes
Label: zappa records
Durchschnittswertung: 12.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Frank Zappa lead guitar,vocals
Adrian Belew rhythm guitar,vocals
Tommy Mars keyboards,vocals
Peter Wolf keyboards,butter
Patrick O'Hearn bass,vocals
Terry Bozzio drums,vocals
Ed Mann percussion,vocals
David Ocker clarinets on Wild Love
Napoleon Murphy Brock background vocals
Andre Lewis background vocals
Randy Thornton background vocals
Davey Moire background vocals

Tracklist

Disc 1
1. I have been in you 3.33
2. flakes 6.41
3. broken hearts are for assholes 3.42
4. I'm so cute 3.09
5. Jones Crusher 2.49
6. what ever happened to all the fun in the world 0.33
7. rat tomango 5.15
8. wait a minute 0.33
9. Bobby Brown goes down 2.49
10. rubber shirt 2.45
11. the sheik yerbouti tango 3.56
12. baby snakes 1.50
13. tryin'to grow a chin 3.31
14. city of tiny lites 5.32
15. dancing fool 3.43
16. jewish princess 3.16
17. wild love 4.09
18. yo' mama 12.36
Gesamtlaufzeit70:22


Rezensionen


Von: Holger Grützner @ (Rezension 1 von 2)


Oweh .... Zappa zum Mitsingen ... Den Zappaismus erfasst das Progsterben der späten 70er ... Kommerzkacke ....the end of a legend???

No.

Absurd, witzig, zotig war er ja immer - hier sind diese Bestandteile jedoch nicht Selbstzweck, weil Musik ab und an auch ein paar Worte braucht, sondern Bausteine für eine Soziologievorlesung à la Dieter Nuhr oder Django Asül.

Das zynische Denkmal für Seine Unausrottbarkeit, den allgegenwärtigen, umwälzungsresistenten Spießer.

Wir beginnen in den Fifties mit „I was in you": Doowop.

Nix da mit „tell me why are the stars in the sky" Süßholzgeraspel! Zur Sache Baby! „We are so intimatly ..."; gefolgt von „Flakes", den Tagedieben, die dir Service/Beistand/was auch immer versprechen, jedoch nur Zeit, Nerven und natürlich Geld klauen, um dich anschließend, doppelt frustriert, buchstäblich in der Scheiße deines verstopften Klos sitzen zu lassen.

Er vermutet die meisten dieser unkontrollierbar heckenden Zeitgenossen bei sich in Kalifornien, jedoch bei näherer Überlegung handelt es sich schlicht und ergreifend um die zappatische Version mehrerer Reinhard Mey Songs: Klempner von Beruf/ Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars/Laßt sie reisen/...

Trost folgt: „broken hearts are for assholes!" Na klar! Unverzichtbar hier auch der Hinweis, dass man selbst als Frau durchaus eins sein kann.

„I'm so cute" schlachtet fix mal in knapp 3 Minuten den Punk. „...screams of agony..."

Laß sie ruhig ihre Einzigartigkeit feiern, diese Al Bundys von morgen!

Das deutsche Pendant dazu wäre Lindenbergs Verslein von der goldenen Sicherheitsnadel mit Revolutionsappeal in „Guten Tag ich heiße Schmidt ...", jedoch musikalisch nicht halb so abgefahr'n.

„Jones crusher" - Nach dem eben pubertär abgefeierten Weltuntergang ist es nun wiederum Zeit für - nennen wir es: die Verwertung hormoneller Überschüsse, denn jener „Jones" heißt anderswo meistens „Dick", Koseform „Dickie" und wohnt zwangsweise in der Nachbarschaft sogenannter „Big Balls" - you know?

„Auf'm Bahnhof Zoo im Damenklo/ mein Hackenschuh war scharf wie du ..."; Nina Hagen hielt damals schon eher Anschluß und kam zeitweilig sogar beim selben Management unter. (War aber nicht gerade ein Karriereschub für sie.)

Sexreflex contra Untergangsneurose. Stammtisch ahoi!

Anschließend muß man ein wenig verschnaufen; Zeit für Instrumentals und ein paar Pausengeräusche.

Dann aber beflügelt den Meister der Musenkuss zur GAAANZ großen Amerikaanalyse: „Bobby Brown" - der Macho, dem die Frauenemanzipation übel mitgespielt hat, schwul, impotent und dem Sado-Maso verfallen. Diederich Heßling goes USA.

Nun braucht das attackierte Hörerlein eine Denkpause, um zu ermitteln, ob es sich angesprochen fühlen sollte. Man muß dazu nicht unbedingt im Mutterland der platten Klopse und des ungenießbaren Pappbecherkaffees aufgewachsen sein!

So shut up and play guitar/bzw. bass - for a while!

(„Rubber shirt" und „Sheik Yerbouti tango" sind kleine Bastelübungen mittels Studiotechnik, wie von Udo in den vorangegangenen Rezensionen bereits beschrieben. Letzteres verhöhnt im Titel obendrein „Shake your body" von KC & The Sunshineband, ist aber keine Coverversion)

Schließlich begeben wir uns in den Trost und Freude Sektor. „Baby Snakes", „tryin' to grow a chin", „city of tiny lites" und „dancin' fool" - halten für dich die Auswege bereit, wenn die oben gewürdigten Flakes dich allzusehr in Richtung Amok getrieben haben: Werde lieber Sexprotz, Selbstmörder, Konsumtrottel oder tanz dich debil!

Sind das Auswege!

Welchen davon hast DU probiert?

Auf dass dir das Lachen im Halse stecken bleibe!

Und somit kommen wir zum finalen Genickschuß, der ehemals 4. Plattenseite des Opus:

Darauf eingestimmt wird man durch„Jewish Princess" - dem deftigsten Text unter der Gürtellinie. Bloß mal so ein Tabubruch nebenbei?

Oder eher ein Bobby Brown Nachschlag, weil ja auch jeder bierbäuchige Hetero mit Haarausfall seine Gelüste hat und beispielsweise mild rassistisch von der exotischen Leinwandschönen träumt?

Zappas Generation überstand die Pubertät mittels monumentaler Ben Hur-, Caesar- und Bibelverfilmungen im Kino.

Ein „muss" für den kleinen Francesco Zappa.

Hinweg mit all der zivilisatorischen Tünche: Lass das Tier (bzw. die Sau) raus!, verlangt hier der streng monogam lebende, erwachsene Frank „McCartney" Zappa.

„Wild Love" bestärkt dich: Egal, was passiert - trau dich! Bleib hip! Fehler von heute sind Erfolge von morgen! Tu's! Lebe deine Triebe aus! Hh-hh-hh- ....Schnitt!

......ach nee, bleib bei deiner Mama, die für dich putzt und kocht!

„Yo' Mama"

Ausgerechnet der Longtrack, das sozusagen progressivste Stück des Werkes, kleistert dich in deiner anständigen, durch Normen und Werte geregelten Spitzendeckchenwelt fest. Wer versucht, die Partitur für Frankieboys Guitarsolo in all seiner Komplexität (-hier Augen gen Himmel verdrehen und Auserwähltenseufz absondern-) zu erfassen, hat zu tun und stellt keine Gefahr für die Umwelt dar: Nix da mit Revoluuschn, Wixerlein! Überlaß das Männern; und noch was:

„Rauch nicht im Bett. Es könnte brennen. Hör' auf Mutti!"

So weit, so unerhört, aber: „Wir können bis an unsere Grenzen geh'n/hast du schon mal drüber hinweg gesehen?" So reimten einst Sandow (auch Avantgarde), Gott hab' sie selig! Für wen oder was reißt der Meistro hier eigentlich Grenzen nieder?

Für Eminem?

War's das wert?

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: seinen 80er Jahre Werken; nur textlich stimmiger
Veröffentlicht am: 12.6.2003
Letzte Änderung: 21.6.2003
Wertung: 13/15

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 2 von 2)


Heute ist so ein Tag, an dem ich Lust habe, Rezensionen zu schreiben. Kommt ja in letzter Zeit nicht mehr so oft vor. Aber das liegt mehr an mangelnder Prog-Kompatibilität der Musik, die ich zurzeit höre, als an meiner Faulheit, die Finger über die Tastatur fliegen zu lassen.

Wie dem auch sei. Ausflüge in jazzige Gefilde ermöglichten mir plötzlich die Auseinandersetzung mit Musik, die ich bisher nicht verstand. Unter anderem entdecke ich gerade den zappaesken Kosmos und bin erstaunt, welche Vielfalt darin liegt. Mit zunehmender Horizonterweiterung meiner Hörgewohnheiten lohnt es sich dann auch, mal wieder Alben einzulegen, die schon jahrelang im CD Regal stehen. Sheik Yerbouti ist so eines.

Gekauft habe ich es wegen "Bobby Brown Goes Down", war es doch zu meiner aktiven DJ Zeit ein Rockklassiker in meiner Heimatdiskothek. Knapp 20 Jahre später nun entdecke ich das Album, welches ich seiner Zeit nicht verstand, das mir sperrig erschien und so unausgewogen - da ist so viel Verschiedenes drauf.

Heute weiß ich: Sheik Yerbouti ist ein rotzfreches Zappa Album. Der Mann, der sich nie limitierte hat vom dreckigen Punk bis hin zum Blues so ziemlich alles auf dieses Album gepackt. Mit Bobby Brown hat er sogar eine Single am Start, die ihn weithin bekannt machen sollte. Wahre Highlights jedoch finden sich fernab des Mainstreams. Allein wenn ich das kurze "Baby Snakes" höre grinse ich unentwegt über die Großartigkeit des Künstlers Zappa, der sich keineswegs beschränkt und immer sein Ding konsequent durchgezogen hat.

Und das ist wunderbar. In den vergangenen Wochen ist bei mir kaum ein Album öfter im CD Player gewesen als Sheik Yerbouti. Selbst das so großartige und jazzige Grand Wazoo von 1972 wurde da jetzt überboten. Fazit: Es lohnt sich, Zappa zu entdecken und sich mit dieser Musik auseinander zu setzen. Sheik Yerbouti ist da nur eine Möglichkeit von vielen. Ich hoffe, bei euch dauert es nicht 20 Jahre, bis ihr entdeckt, welche Vielfalt hier drin steckt.

Anspieltipp(s): Baby Snakes
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.7.2010
Letzte Änderung: 25.7.2010
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Frank Zappa

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1966 Freak out! 7.00 1
1967 Absolutely Free 13.00 1
1968 We're only in it for the money 12.50 2
1968 Lumpy Gravy 12.00 1
1968 Cruising with Ruben & the Jets 6.00 1
1969 Uncle Meat 13.00 1
1969 Hot Rats 11.00 1
1970 Weasels Ripped My Flesh 11.00 1
1970 Chunga's Revenge 8.00 1
1970 Burnt Weeny Sandwich 10.00 1
1971 200 Motels 11.00 1
1971 Fillmore East, June 1971 9.00 1
1972 Just Another Band From L. A. 10.00 1
1972 The Grand Wazoo 12.00 1
1972 Waka/Jawaka 9.00 1
1973 Overnite Sensation 9.00 1
1974 Roxy & Elsewhere 11.50 2
1974 Apostrophe' 9.00 1
1975 Bongo Fury 9.00 1
1975 One Size Fits All 12.00 1
1976 Zoot Allures 7.00 1
1978 Zappa In New York 13.00 1
1978 Studio Tan 12.00 1
1979 Joe's Garage 11.00 1
1979 Sleep Dirt 10.00 1
1981 You Are What You Is 10.00 1
1981 Shut Up 'N Play Yer Guitar 9.00 1
1981 Tinseltown Rebellion 6.50 2
1982 Ship arriving too late to save a drowning witch 9.50 2
1983 The Man From Utopia 10.00 1
1984 Thing-Fish - 1
1984 Them or us 11.00 1
1984 Francesco Zappa 1.00 1
1986 Jazz from Hell 12.00 1
1988 You Can't Do That On Stage Anymore, Vol.2 (The Helsinki Concert) 11.00 1
1988 You Can't Do That On Stage Anymore, Vol.1 10.00 1
1988 Guitar 9.00 1
1989 Broadway The Hard Way 10.00 1
1991 Make A Jazz Noise Here 11.00 1
1991 The Best Band You Never Heard In Your Life 7.00 1
1992 You Can't Do That On Stage Anymore, Vol.6 10.00 1
1993 The Yellow Shark 13.00 1
1994 Civilization Phaze III 13.00 1
1995 Strictly Commercial - 1
1995 Does humor belong in music? 11.00 1
1996 Läther 14.00 2
1996 The Lost Episodes 10.00 1
1999 Son of Cheep Thrills 11.00 1
2003 Does Humor Belong in Music? (DVD) 7.00 1
2003 Ensemble Modern Play Frank Zappa - Greggery Peccary & Other Persuasions 11.50 2
2004 Baby Snakes (DVD) 11.00 1
2005 The Dub-Room Special (DVD) 11.00 1
2006 Imaginary Diseases 9.00 1
2006 Trance-Fusion 9.00 1
2007 Classic Albums: Apostrophe ('), Over-Nite Sensation (DVD) 10.00 1

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