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Dream Theater

Train of thought

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2003
Besonderheiten/Stil: Progmetal
Label: Elektra Entertainment Group
Durchschnittswertung: 9.67/15 (6 Rezensionen)

Besetzung

James LaBrie vocals
John Myung bass
John Petrucci guitars
Mike Portnoy drums
Jordan Rudess keyboards

Tracklist

Disc 1
1. As I am 7:47
2. This dying soul

1. IV: Reflections of reality (Revisited)
2. V: Release

11:28
3. Endless sacrifice 11:23
4. Honor thy father 10:14
5. Vacant 2:58
6. Stream of consciousness 11:16
7. In the name of God 14:16
Gesamtlaufzeit69:22


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 6)


Wir erinnern uns: der Vorgänger zu diesem Album ("Six degrees...") endete mit einem langsam ausgeblendeten Keyboardakkord. Ich schiebe nun die neueste Scheibe der Band (das vorliegende "Train of thought") in den Player – und da isser wieder, der Akkord! Nahtlos knüpft diese CD an die vorherige an, wie auch schon "Six degrees..." mit dem Zischgeräusch begann, mit dem "Metropolis II" geendet hatte. Aber dieser wiederentdeckte Akkord bleibt keineswegs das Einzige, was dem Hörer bekannt vorkommen könnte: einen ganzen Tag lang war ich dumm genug zu glauben, mein Booklet zum Album sei falsch verarbeitet worden – anders konnte ich mir nicht erklären, wieso der zweite Song ("This dying soul") in die Teile "IV" und "V" statt "I" und "II" aufgeteilt ist. Schließlich wies ein Freund mich darauf hin, dass der ganze Song eine Fortsetzung des in drei Teile gegliederten "Glass prison" vom Vorgänger darstellt: mein Freund hat Recht – auch musikalisch wird an "Glass prison" angeknüpft, aber in variierter Form; und mitten im neuen Song findet sich ein rhythmischer Anklang an den Song "Mirror" vom "Awaken"-Album – und siehe da: der Text von "Dying soul" beginnt mit den Worten "Hello mirror"! Tja, diese Musik ist nicht nur zum Vergnügen da, sondern zum Mitlernen und allenfalls zum intellektuellen Vergnügen. Und der Albumtitel scheint Programm zu sein – als sei die gesamte Musik von DT ein einziger "Gedankenzug". Ich würde jede Wette eingehen, dass sich hier noch viel mehr Andeutungen finden lassen, die aber eben nicht so leicht zu finden sind, da sie nie in Abklatsch ausarten.

Diese Musiker sind für mich der Inbegriff musikalischer Workaholics. So kommt eben auch dieses Album daher: Arbeit, nichts als handfeste Arbeit. Aber das ist wörtlich zu verstehen: Es ist wirklich nur harte Arbeit ohne Kompositionsschnörkel und Sentimentalitäten-Schnickschnack: das Album ereilte den Fan wie ein Dieb in der Nacht; es erfuhr, soweit ich das verfolgt habe, kaum eine größere Werbekampagne, es stand plötzlich einfach so in den Läden, es sieht auch ganz unspektakulär aus – schwarzweißes Cover, schlichte Verpackung, keine Special Edition mit Anhängen, kein Pomp, keine Bonus-DVDs oder Ähnliches; wer weiß, vielleicht nutzt die Band den Umstand, dass sie noch nicht bei InsideOut gelandet ist, für einen Schuss in die Gegenrichtung und steht einfach nur mit ihrem Namen für Qualität. Und das kann sie sich leisten, wird doch der Fan gerade das sympathisch finden und bedenkenlos zugreifen.

Das sollte er allerdings auch tun, was aber nicht heißt, dass er für sein Geld das vordergründig Erwartete im x-ten Aufguss bekommt: kritische Anmerkungen von Fans und Presse zum Bombast des Vorgängeralbums "Six degrees..." könnten dazu beigetragen haben, dass die Band sich neuerdings noch mehr von extrem harten Musikstilen hat inspirieren lassen und dass sie den Stil von "Glass prison" weiter ausbaut. Jeder Song des neuen Albums scheint ein Ausruf zu sein, der da sagt: "Nein, wir werden nicht wie andere Bands mit jedem Jahr älter, müder und harmoniesüchtiger!!".

Wie ein Mann, der versucht, durch Bodybuilding dem drohenden Altersverfall seines Körpers zu begegnen, stellen Dream Theater uns harte Sound-Granitblöcke vor die Ohren, die nicht so ohne Weiteres auch in die inneren Gehörgänge dringen und eine oberflächliche Beschäftigung von vornherein unmöglich machen; der Hörer wird daran erinnert, dass der Slogan "I like Genuss sofort" auf Progmetal nicht anwendbar sein sollte.

Aber ein genauer Blick auf die Details lohnt sich in jeder Hinsicht. Es beginnt schon beim Auspacken der Scheibe: auf die CD gedruckt ist das alte (von den ersten Alben bekannte) Logo der Band, ebenfalls in schwarzgrau gehalten wie die Coverbilder. Deutlicher kann man die "Back to the roots"-Tendenz nicht auf den Punkt bringen. Dieser optische Eindruck spiegelt sich akustisch sofort wieder: hatte Rudess noch seit "Metropolis II" den Sound der Band durch Breitwand-Keyboards neu geprägt, so zeigt er jetzt, dass er sehr wohl auch anders kann und wahrscheinlich doch nicht vorhat, demnächst bei Yes einzusteigen: in den meistenteils gitarrendominierten Songs sucht er sich doch immer wieder seine Nischen zum Austoben, aber seine Keys klingen teilweise schon selbst wie Gitarren, und wenn nicht, dann werden sie metallisch kalt in den Sound geschnitten, und selbst das Piano klingt sogar an ruhigeren Stellen wie ein Sezierinstrument.

Und die anderen? Nun ja, Petrucci zieht die Gitarre in Höhen, die es eigentlich kaum gibt, Portnoy gibt wie gewohnt alles (besonders eindrucksvoll bringt er im Instrumental "Stream of consciousness" das ganze Equipment wie besessen zum Einsatz) und Myung's Bass kam in der Abmischung selten so perfekt gefiltert rüber wie jetzt.

Ich muss zwar zugeben, dass der Breitwandsound von "Six degrees" meinem persönlichen Geschmack etwas mehr entgegenkommt als dieses Album, das ja schon irgendwie schwer verdaulich wie ein Hinkelstein auf den Trommelfellen liegt, aber ich kann nicht umhin, diesem Werk höchsten Respekt zu zollen. So was wie das hier bietet selbst die heutige breitgefächerte Musiklandschaft nur selten. Kein Progfan sollte um diesen Findling einen Bogen machen...

Anspieltipp(s): alles
Vergleichbar mit: wahrscheinlich mit Manchem, was ich gar nicht kenne; mal sehen, was die Band demnächst in den Interviews selbst dazu sagt...
Veröffentlicht am: 11.11.2003
Letzte Änderung: 21.3.2013
Wertung: 13/15

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Von: Kai Lorenz Kruppa @ (Rezension 2 von 6)


Die Musik von Dream Theater hat endgültig ihre Naivität verloren. Die überflüssige musikalische Häutung der amerikanischen Gruppe, die mit „Six degrees...“ ohne großen Anlauf ihren Höhepunkt fand, ist mit „Train of Thought“ offensichtlich abgeschlossen. Immerhin wich die quälende Orientierungslosigkeit, die beim 2001er-Album noch mit großem Schmerz registriert werden mußte. Vor zwei Jahren war das Bedürfnis nach Veränderung nicht zu übersehen – genutzt hat es Ihnen wenig. Dream Theater sind über das Ziel hinausgeschossen. Vermutlich wollte jemand mal über den Tellerrand schauen, vergaß aber gleichzeitig, daß der Teller – der Gestaltungsraum – progressiver Musik Veränderungen bzw. Weiterentwicklungen in großem Maße zuläßt. Der akademische Hintergrund der Musiker war also nur von geringem Nutzen. Offenkundig rückte das eigene Spaßbedürfnis, die eigene Lustmaximierung der Musiker in den Vordergrund.

Das neue Album der Progressive-Metal-Professionels bietet handwerklich perfekt inszenierte Unterhaltung für junge Menschen, denen nach monotoner Härte zumute ist. Hier finden sie in zirka 70 recht homogen komponierten Minuten ihre Befriedigung. Progressive Elemente werden in der Mehrheit zu schmückendem Beiwerk reduziert. Versagt hat vor allem Jordan Rudess: Auf seinen Einsatz wartet er (mal wieder) vergeblich. Merkwürdig, daß sein unumstrittenes Potential so vehement unterdrückt wird. Die Wahrheit kann also unterm Strich mit einem kurzen Satz umrissen werden: Extrem harte heavy-metal-artige Rockmusik ist das Grundgerüst dieses Albums.

Ein kleines Trostpflaster bleibt zumindest für die Audiophilen: Im Hinblick auf den produktionstechnischen Aspekt von Musikaufnahmen reicht niemand Dream Theater das Wasser. Zumindest an diesem Punkt lassen die fünf Amerikaner nichts anbrennen. Seit „Scenes from a memory“ ist dieses Niveau konstant.

Immerhin bietet sich (nach einiger Zeit des Zuhörens!) doch die Chance, jene „Verspieltheit“ zu erahnen, die bei „Images and Words“ im wahrsten Sinne des Wortes tonangebend war. Vielleicht wurde es den Herren Portnoy und Petrucci unwohl bei dem Gedanken, den Fans ausschließlich Metallica-ähnliche Gitarrenriffs zu bieten. Wie für den Rezensenten gemacht, wirkt das über elf Minuten lange Instrumentalstück, das wie ein musikgewordenes Gegengewicht wirkt. Hier soll das Gewicht als Ausgleich für jene Auswirkungen dienen, die ihren Ursprung in dem oben fixierten musikalischen Veränderungswillen haben. Die Balance ist dennoch nicht wiederhergestellt – der Grundansatz dieses Albums ist einfach zu dominant, zu schwer.

Es wird langsam Zeit, daß andere Musiker neue Maßstäbe im Bereich der progressiven Metalmusik setzen. Dream Theater haben ihre „Sache“ in den neunziger Jahren tadellos gemacht. Mehr kann man (fast) nicht erwarten. Um so spannender wäre es für die Szene, wenn es endlich anderen Musikgruppen gelänge, in die riesengroßen Fußstapfen von Dream Theater zu treten. Zur Zeit ist niemand in Sicht!

Anspieltipp(s): Stream of Consciousness
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.11.2003
Letzte Änderung: 24.12.2005
Wertung: 8/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 3 von 6)


Vorbemerkung: Ich bin eher der melodisch-symphonischen Seite des Prog zugetan. Weder Prog-Metal oder gar Metal an sich zählen zu meinen grossen Vorlieben, ich habe immer nur mal in diese Bereiche "reingeschmeckt" (Ergänzung Anfangs 2004: ...in letzter Zeit aber immer öfter und mit zunehmender Begeisterung für's "Metallische"). Zu Dream Theater habe ich ziemlich spät, erst mit der "Live Scenes..." Kontakt aufgenommen. Wirklich begeistern kann mich Dream Theater eigentlich nicht, aber "Images And Words" und vor allem "Awake" sind Alben, die sich trotzdem immer mal wieder in meinem Player befinden (und die ich auch mag).

Genug der Vorrede, nun zum eigentlichen Thema "Train Of Thoughts".... Wie meine Vorschreiber schon sehr richtig bemerkten, dies ist sicherlich das Dream Theater-Album, welches am nähesten am Metal gebaut ist, überwiegend richtig hart und heftig ist. Gerade die ersten 4 Titel sind daher für Proggies meiner Prägung teilweise eine harte Probe (Ausnahme vielleicht der Opener "As I Am", der ein bisschen langweilig daherkommt, was dann wieder eine andere Art Probe ist). Hier gibt es kaum offensichtliche Melodien, Gefrickel und Geriffe der heftigen Art beherrschen die Szenerie. Keine Verschnaufpausen und eben auch kaum etwas, welchem das Ohr in angenehmer Weise folgen könnte. Ja, es gibt atemberaubende Drums-Parts, die Gitarre glänzt mit schier unglaublichen Läufen und den vielleicht höchsten Tönen, die diesem Instrument zu entlocken sind. Aber es gibt auch manche Passagen, die könnten auch die Vertonung des Rasenmähers des Gartennachbarn oder das Starten eines 20-Tonner-LKWs sein.... das ist für mich ein bisschen wie strukturierter Krach. Solche Klänge habe ich auf einem Prog-Metal-Album noch nicht gehört und vor allem nicht erwartet, da wir uns ja eben nicht auf dem Feld des "profanen" normalen Metals bewegen. Jordan Rudess darf nur ab und zu ein paar Soundspielereien beisteuern, damit der Keyboarder nicht vollends in Vergessenheit gerät.

Dann kommt aber mit "Vacant" erstens der erste (und einzige) ruhige Titel des Albums und zweitens ein richtig schönes balladeskes Prog-Stück mit einem wunderschönen Cello-Part. Und anschliessend wird's dann so richtig gut: Das Instrumental "Stream Of Consciousness" ist ein echter Hammer und Hinhörer, sicherlich mein Lieblingsstück auf dieser CD. Der Abschluss "In The Name Of God" zeigt dann, wie ein guter Prog-Metal-Song ohne übertriebene Härte, mit einem Minimum an vordergründiger Melodie (sowie ein bisschen Bombast) und - ja, sogar das gibt's hier - einigen schönen Keys-Parts klingen kann.

Fazit: Ein zwiespältiges Album... einerseits scheint die Grenze zum "normalen" Metal manchmal arg weit überschritten, andererseits geht von den Songs ein gewisse (morbide?) Faszination aus, die mich die Scheibe doch immer wieder in den Player packen lässt. Im Gegensatz zu den früheren Alben ist hier John Myung wenigstens ab und an mal gut zu hören. Jordan Rudess geht hingegen ziemlich unter. Schade, wie dieser hervorragende Keyboarder hier verschenkt wird.

Immerhin hat sich das Album in relativ kurzer Zeit in meinen Ohren von "ungeniessbar" zu "interessant" entwickelt, das lässt hoffen und schon deswegen würde ich jedem an dieser Musikrichtung Interessiertem empfehlen, eigene Erfahrungen zu machen. Das definitve Dream Theater-Album bleibt für mich allerdings auch nach "Train Of Thought" immer noch "Awake" mit seiner unglaublichen Dichte und seiner kühlen Eleganz, die einen frösteln lässt, aber eben auch fasziniert.

Nachtrag 18.03.2004: Liegt's an meiner bereits weiter oben beschriebenen zunehmend erwachten Begeisterung für's Prog-Metallische? Oder wächst dieses Album doch mit jedem Hördurchlauf? Dann wäre es natürlich doch ein Empfehlungs-Kanditat, sei es wie es sei: Eigentlich kann ich nun allen Stücken dieses Albums bis auf "Honor Thy Father" etwas abgewinnen... dieses Phänomen wird mit einem zusätzlichen Bewertungspunkt "belohnt".

Anspieltipp(s): Vacant, Honor Thy Father (dann weiss man bescheid...)
Vergleichbar mit: (virtuosen) Metallica???
Veröffentlicht am: 23.11.2003
Letzte Änderung: 18.3.2004
Wertung: 11/15

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Von: Piotre Walter @ (Rezension 4 von 6)


Da es ja schon mehrere Rezensionen gibt - eigentlich nur ein Fazit: Dream Theater - endlich den "Kinderschuhen" entwachsen, verzichten hier auf "Frickel-Weltrekorde" zugunsten eines prägnanten, mitreißenden und erfrischend direkten Progmetal. Frickelpassagen sind hier wohldosiert und wirken deshalb um so mehr. Auch die Besinnung auf ehrlichen Hardrock, der manchmal an Metallica erinnert, empfinde ich als wohltuend. Fast schnörkelos sind die Songs auf den Punkt gebracht. Schnörkelos auch die Stimmung des Albums, hart und eher düster haben D.T. mit ihren eigenen Klischees aufgeräumt. Gerade auch mit dieser vieleicht gar nicht so typischen Scheibe sind die Progmetal-Rocker Nr.1 mal wieder obenauf. Macht mich neugierig auf die weitere Entwicklung der Band.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: aber nur manchmal Metallica
Veröffentlicht am: 16.3.2004
Letzte Änderung: 16.3.2004
Wertung: 13/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 5 von 6)


Sitze ich auf meinen Ohren? Im Schnitt 11 Punkte für dieses Album? "As I am" ist, mit Verlaub, grässlich variationsarm und klingt von A-Z nach Metallica. War sogar kurzzeitig überzeugt, dass Hetfield selbst die vocals gesungen hat. So, Mund abputzen und weiter...

"This dying soul" setzt da nahtlos an, die Gitarren, egal ob Riffing oder Soloparts, klingen anfangs wieder nach Metallica, manchmal beinahe 1:1 in Stil und Sound.....

Und dann erhebe ich mich von meinen Ohren: das Ganze ist ungemein druckvoll, präzise, fetzt herrlich aus den Boxen, die Power-riffing parts, die wechselnde Metrik, die Double-Bass, alles stark, LaBries Stimme agiert in Lagen, die er beherrscht und nicht umgekehrt, das Stück entwickelt sich zu einem Orkan, der gleichermassen Hirn und Zwerchfell begeistert. Ganz grosse Klasse!

"Endless sacrifice" ist erst eine bombastisch Power-Ballade, dann wird daraus ein fetziger, schneller Rocker, der mit vielen kleinen Spielereien und Effekten gespickt ist, aber leider daran krankt, dass LaBrie in hohe Tonlagen steigt, was gepresst klingt und auf Dauer nervt.

Bei "honor thy father" läuft bei mir zu Anfang irgendwo im Hinterkopf "battery" (master of puppets, Metallica) mit. Dann gibt der verzerrte Zack de la Rocha ein Rap-Gastspiel, stets dominiert Schwermetal-Riffing, man glänzt mit "auf-den-Punkt"-Präzision, sauber und fehlerlos agieren die Musiker, die letzten 3 Minuten sind grandios, umhauend, aber mit der Zeit geht mir der stets ähnliche Sound allerdings auch etwas auf den Senkel. Wo es früher noch Melodien und eine gewisse stilistische Abwechslung gab, da wird man auf "train of thought" galvanisiert. Aber je öfter man das Album hört, desto besser wird es.

"Vacant" ist ein kurzer Moment des Innehaltens, der erholsame Wirkung hat und genau richtig platziert ist. Verschnaufpause für Nackenmuskulatur und Zwerchfell. Auf jedem anderen Album hätte ich dieses Interludium wohl übersehen, hier ist es Balsam. Das Thema wird in "stream of consciousness" weitergeführt, erst ruhiger, mit "reinen" Gitarren, dann wieder distorted-guitars, riffing, ein Frickel-Solo erster Sahne von Petrucci, ein Keyboardsolo hinterher und dann ein entspannter Bass-walk, der monoton sein Ding durchzieht, drumherum wird gehämmert, gequietscht, gebratzt und gezwirbelt, dass es eine Freude ist. Dann wird das Ganze sogar melodiös, beinahe barocke Klänge mischen sich mit Ingredienzien und einem Sound, der mehr an die Images and Words-Phase erinnert.

Abschliessend wirds erst etwas orientalisch, es folgt rauhes Geklampfe, ein abgrundtiefer Bass, spannende Rhythmuswechsel, leider aber auch wieder ein etwas überforderter LaBrie, der den sehr guten Gesamteindruck verwässert. In the name of god....., replace him! Die letzten 6 Minuten bringen dann auch die Abwechslung und Vielfalt, von der ich dem ganzen Album etwas mehr gewünscht hätte. Dann wäre es ein Überhammer-Album geworden.

Es fing damit an, dass ich beschlossen hatte, diese Scheibe nicht zu mögen. Das hat sich mit jeder Minute des Albums geändert. Es gibt absolut grossartige Momente auf "train of thought", einige Stücke packen mich völlig und die härtere Gangart tut nach den letzten dürftigen, eher mainstreamigen outputs der Band nur gut. Mit Sicherheit ist dies das beste Album seit Awake. Dass die eine oder andere Stelle sowie der Sound an Metallica erinnern, nehmen wir einfach mal zu Kenntnis.

Bin sehr gespannt auf das nächste Werk des Traumtheaters.

Anspieltipp(s): this dying soul, in the name of god
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.4.2004
Letzte Änderung: 29.6.2011
Wertung: 11/15
härter als je zuvor...

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Von: Franco Cappelletti (Rezension 6 von 6)


"Gespannt auf das nächste Album"???

Also, ich nicht. Dream Theater ist gleich mit zwei Alben (den ersten beiden) in meinen All-time Top Ten vertreten, und ich habe mir bislang immer brav jede neue Scheibe der Herren besorgt. Ich hatte das ziemlich verunglückte "Six Degrees of Inner Turbulence" lediglich für einen weiteren Ausrutscher neben "Falling into Infinity" gehalten, muß aber feststellen, daß es mit diesem Album jetzt wohl endgültig mit Kreativität und Klasse dieser Band vorbei ist.

Ich bin mit dem Metal großgeworden und kann eine Menge ab, aber ich schaffe es nicht, mir die ersten vier Songs in Gänze anzuhören. Metallica-mäßig? Von mir aus gerne, aber wir haben nicht mehr 1983, und was damals revolutionär war, ruft bei mir heute nur noch Langeweile und Kopfschütteln hervor. "Vacant" eine entspannende Ballade? Meinetwegen, aber das macht diesen Song noch lange nicht gut. Wer eine gute DT-Ballade hören will, muß auf "Wait for Sleep" von "Images and Words" zurückgreifen.

Track 6, das Instrumental, ist nichts anderes als ein grottenschlechter Abklatsch des grandiosen "The Dance of Eternity" von "Scenes from a Memory", und der Schlußtrack sollte wohl ein neues "Learning to Live" werden, ist aber auch in die Hose gegangen.

Also, kompositorisch nix mehr los, LaBrie wird ohnehin wohl nie mehr ein guter Sänger werden, tja, das war's dann vermutlich für mich mit dieser ehemals stilbildenden Band.

Dieses Album hat weder Atmosphäre noch Klasse, ja nicht einmal die Produktion ist ordentlich.

Anspieltipp(s): nix
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 18.2.2005
Letzte Änderung: 18.2.2005
Wertung: 2/15
Tiefpunkt und Abgesang (?) einer einst großen Band

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Dream Theater

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1986 Majesty - the official 1986 Demo 9.00 1
1989 When Dream And Day Unite 11.00 3
1992 Another day (Single) - 1
1992 Images and Words 12.00 4
1993 Live at the Marquee 7.00 1
1994 The silent man (Single) - 1
1994 Awake 12.33 3
1994 Lie (Single) - 1
1995 A Change Of Seasons 9.50 2
1997 Hollow years (Single) - 1
1997 Falling Into Infinity 6.00 2
1998 Once In a LIVEtime 7.67 3
1999 Metropolis Pt. II - Scenes From a Memory 12.00 7
2000 Through her eyes (Single) - 1
2001 Metropolis 2000: Scenes From New York 11.00 1
2001 Live Scenes From New York 10.00 1
2002 Six degrees of inner turbulence 6.00 3
2003 Master of Puppets (Official Bootleg) 10.00 2
2003 The Number of the Beast (Official bootleg) 8.00 2
2004 Live at Budokan 10.50 2
2004 Live at Budokan (DVD) 12.00 1
2004 When dream and day reunite (Official bootleg) 11.00 1
2005 Octavarium 10.29 7
2005 Dark Side of the Moon (Official bootleg) 9.00 2
2006 Score - 20th Anniversary World Tour 7.00 1
2006 Score - 20th Anniversary World Tour (DVD) 12.00 1
2006 Made in Japan (Official bootleg) 10.00 1
2007 Systematic Chaos 8.00 4
2008 Chaos in motion 2007-2008 10.00 1
2009 Uncovered 2003-2005 (Official bootleg) 8.00 1
2009 Black Clouds & Silver Linings 10.00 2
2011 A Dramatic Turn of Events 11.80 5
2013 Dream Theater 8.67 3
2013 Live at Luna Park 13.00 1
2016 The Astonishing 8.50 3

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