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Peter Gabriel

Growing up Live (DVD)

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2003
Besonderheiten/Stil: live; DVD; Dokumentation
Label: Realworld/Warner Music Vision
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Peter Gabriel vocals, keyboards
Ged Lynch drums
Tony Levin bass, vocals
David Rhodes guitar, vocals
Richard Evans guitar, mandolin, whistle, vocals
Rachel Z keyboards, vocals
Melanie Gabriel vocals

Gastmusiker

Sevara Nazarkhan (with friends) vocals, diverse
The blind boys of Alabama vocals

Tracklist

Disc 1
1. Here comes the flood
2. Darkness
3. Red rain
4. Secret world
5. Sky blue
6. Downside up
7. The Barry Williams Show
8. More than this
9. Mercy Street
10. Digging in the dirt
11. Growing up
12. Animal nation
13. Solsbury Hill
14. Sledgehammer
15. Signal to noise
16. In your eyes
17. Father son


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 2)


Wir leben in einer Zweiklassengesellschaft ? Peter Gabriel auch. Er bringt sie uns sogar auf die Bühne.

Wer Live dabei war, kennt das schon; ich war es nicht, also saß ich sprachlos vor dem Fernseher, während ich die DVD genoss: da ist also diese Bühne, rund und weitgehend leer ? na ja, alle wichtigen Musiker sind drauf, aber sie wirkt leer; wie ein Appartement, in dem z.B. ein Balletttänzer wohnen könnte. Die Bühne hat aber einen Unterbau; dort hocken Leute mit orangefarbenen Arbeitsklamotten und Taschenlampen, zum Teil mit Grubenlampen um den Kopf, die fast wie Krankenpfleger aussehen und immer dann rauskommen, wenn es oben was zu bauen gibt oder wenn Instrumente nachgereicht werden müssen. Ein paar von denen, wie man sich denken kann, sieht man demnach fast immer. Mich erinnert das leicht an den James-Bond-Film ?Die Welt ist nicht genug?, in dem die wirklich schlimmen Dinge unter Tage geschehen und von Arbeitern ausgeführt werden, die kaum wissen, was sie da machen.

Irgendwie gut, dass man bei Peter Gabriel diese zahl- und meistens gesichtslosen Arbeiter einer Tournee mal zu sehen bekommt...

Auf der Hülle nennt sich dieses Konzertvideo auch nicht ?Video?, sondern ?Film?, was durchaus zutrifft, denn die Darbietung ist in der Tat spannend wie ein Spielfilm. Was sich unter der Bühne abspielt, ist auch nur ein Bruchteil des Ganzen; oben gibt es ebenfalls so manches zu sehen: da wäre z.B. in der Mitte ein Gebilde aus Tuch, das sich hinabsenkt wie ein Fesselballon und das man von unten auseinander falten kann ? dann erinnert es mich geradezu an die Sandwürmer aus Frank Herberts ?Dune?. Aus diesem Objekt heraus lässt sich noch ein durchsichtiger und riesiger Ball herabseilen, der alle möglichen Farben annehmen kann: in ?More than this? ist er der Mond, aber er lässt sich auch aus seiner Verankerung lösen, und dann kann Peter Gabriel in ihn hineinklettern und mit ihm hoch und runterspringen bzw. ihn rund um die Bühne rollen lassen, während ?sein Geist wandern muss? (?My ghost has to travel...?) ? und er selbst mit ihm.

Und dann ist da noch dieses Gestänge rund um den anfangs erwähnten Ballon: das sieht in etwa so aus wie ein Karussell mit Geländer; es hat auch einen kleinen Unterbau, an den man sich anbinden kann, um während des Songs ?Downside up? tatsächlich mit dem Kopf nach unten ?auf? ihm entlang zu gehen. Man kann ihn zusammen mit dem Ballon auch wie einen Turm aufragen lassen, an dessen Fuß Peter Gabriel zu ?Signal to noise? majestätisch entlang schreitet ? rein optisch erinnerte mich das an den Zauberer Saruman im ?Herrn der Ringe?, aber das liegt nur daran, dass ich den Film erst kürzlich wieder gesehen habe ? Gabriel ist weit von solchen Verdachtsmomenten entfernt, wenn es sich auch bei seinen Bühnenexperimenten um Magie zu handeln scheint.

Man kann auch Videoclips an diesen Turm projizieren, so dass es kein Problem darstellt, für einige Minuten die ?Barry-Williams-Show? zu inszenieren (auf dem Bildschirm erscheint zu Beginn der Hinweis ?Don?t adjust your set?, falls der DVD-Zuschauer sich über die abgehackten Bilder wundern sollte. Aber wer wundert sich schon bei Peter Gabriel über IRGENDWAS? Selbstredend kommt auf der ?Mercy Street? auch das Ruderboot um die Bühne zirkuliert (?Just take the boat down...wait until darkness?), und bei ?Solsbury Hill? hat der Peter auf einmal ein Fahrrad, mit dem er die Bühne umrundet, während diese sich bewegt.

Liest sich das, was ich bisher geschrieben habe, etwa streckenweise ironisch? Falls das so ist, stelle ich hiermit richtig: ich bin von diesem Konzert wirklich beeindruckt und tief berührt. Peter Gabriel versucht hier, Altersweisheit mit Leidenschaft zu verknüpfen, und die Mischung geht zweifellos auf (er sieht ja auch fast schon Sean Connery ähnlich). Wäre der Peter ein Einskunstläufer, hätte er für diesen Auftritt die höchstmögliche A- und B-Note verdient, keine Frage: ich traue keinem anderen Musiker dieser Welt zu, dass er es dermaßen schafft, technischen Aufwand und Kreativität zu einem Gesamtkunstwerk zu verbinden, und ich kann mir auch niemanden vorstellen, der überhaupt auf die ehrgeizige Idee käme, für fast JEDEN Song eine eigene visuelle Umsetzung zu finden, nicht etwa nur für die Show als Ganzes, wie es fast jeder andere tut.

Nur frage ich mich (ein wenig überkritisch, wie ich zugebe): Hätte es etwas weniger Materialschlacht nicht auch getan? Für die mechanischen Raffinessen der Bühnentechnik kann man ja auch in ein Musical gehen, aber bei einem reinen Konzert reicht es mir, wenn ich eine Bühne sehe, auf der gut gerockt wird. Kann es sein, dass Peter Gabriel hier versucht, seine lang zurückliegende ?Secret-World?-Tour zu toppen, ohne daran zu denken, dass weniger manchmal mehr sein kann? Die Tour von damals ist m.E. sowieso unerreichbar, und ruhig, wie sich das aktuelle Album ?UP? gibt, hätte ich mir eine irgendwie kontemplativere Show vorgestellt (und schon widerspreche ich mir selbst: zum ?Anschauen? gibt?s hier reichlich, wenn ich allein daran denke, wie genial der ?UP?-Gedanke durch das Auf und Ab des Bühnenbildes wiedergegeben wird).

In diesem Sinne sollten meine blöden Fragen auch nur als solche verstanden werden, die ich nur geäußert habe, damit sie mal wer äußert. Falls jemand eine Musik-DVD anschaffen will, die er bestimmt nicht nach einmaligem Hören für immer wegstellen wird, dann ist es diese!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.11.2003
Letzte Änderung: 24.11.2003
Wertung: 12/15

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Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 2 von 2)


Jüngst gab es in der Mailing-Liste [progrock-dt] eine kleine Diskussion über Peter Gabriel und der Wahrnehmung von dessen aktueller Musik... von "musikalisch tot, langweilig, unflüssige Melodien" war da die Rede, aber auch von engagierter Gegenrede. Entsponnen hatte sich das Ganze an einem Posting über die Sendung einer "Growing Up"-Live-Show auf irgendeinem ZDF-Digitalkanal. Grund genug, mir endlich mal die Zeit zu nehmen, meine kürzlich erworbene DVD von der "Growing Up"-Tour anzusehen...

Ich selbst habe Peter Gabriel in Nürnberg im Rahmen der "Still Growing Up"-Tour (also ein Jahr nach der eigentlichen "Growing Up"-Tour) gesehen. Aber auch in Nürnberg gab's die grosse Show mit runder Bühne in der Hallenmitte und allem Drum und Dran an Effekten und Gimmicks (das war wohl nicht bei allen Konzerten dieser Folgetour so, siehe auch die entsprechende DVD). Allerdings habe ich dieses Konzert nicht in so herausragender Erinnerung, wie die "Secret World"-Show etwa 10 Jahre zuvor. Das liegt zum einen an der Halle, die "Arena" (jetzt: "Arena Nürnberger Versicherung") ist keine besonders stimmungsvolle Konzerthalle (sonst als Basketball- und Eishockey-Halle in Benutzung) und hat ein bisschen den Charme einer Mehrzweck-Turnhalle. Dazu war das Konzert nicht ausverkauft und der Sound war alles andere als perfekt.

Bei der DVD stellt sich vieles anders dar. Ich finde die DVD im Prinzip besser als das tatsächliche Liveerlebnis. Der Sound ist brilliant und man kann zwischen DTS 5.1, Dolby Surround 5.1 und normalem Stereosound wählen.

Der Blick auf die riesige runde Bühne war zwar seinerzeit auch in der Halle sehr gut, aber die DVD perfektioniert den optischen Eindruck. Trotz Plätzen der ersten Kategorie war man doch vom Geschehen ein Stück weit weg, jetzt ist man direkt dran, teilweise mit auf und unter der Bühne. Das geschäftige Treiben der Helfer war zwar auch "live" zu beobachten, aber jetzt gewinnt man doch noch mal tiefere Einblicke. Nur die Musiker wirken ab und an immer noch etwas verloren auf der wahrhaft riesigen Bühne.

Am erstaunlichsten ist vielleicht, dass die Musik nicht einfach von dem ungeheueren Special Effects-Feuerwerk erschlagen wird. Mag auch manch einer der zahlreichen Gimmicks etwas aufgesetzt wirken, wie das Radfahren bei "Solsbury Hill" oder das Kopfüber-Gehen bei "Downside Up" (wobei das allerdings gerade durch die geschickte Bildführung der DVD einen ganz besonderen Eindruck macht), ist das Ganze doch so geschickt und symbiotisch komponiert, dass sich niemals der Eindruck einer blutleeren Gimmick-Show breit macht. Ganz im Gegenteil : ständig wird man mit emotionalen Momenten und Gänsehautschauern konfrontiert, manchmal stehen einem die Tränen vor Rührung wie vor Freude in den Augen. Und das vom hochemotionalen Beginn, "Here Comes The Flood" (was Peter Gabriel bei der "Still Growing Up"-Tour, zumindest in Nürnberg, in deutsch vorgetragen hat), bis zum ebenso erschauernden Ende, "Father, Son".

Darüberhinaus gibt es soviel zu sehen, dass man sich diese DVD garantiert häufiger zu Gemüte führt. Und sei es nur, um die Präsenz des Peter Gabriel, des "Meisters", zu geniessen. Wie dieser gemütlich wirkende, grauhaarige (na ja, es sind nur noch wenige vorhanden, ich hätte ihn ehrlichgesagt damals fast nicht mehr erkannt) Mann das Geschehen im Griff hat, seine Songs zelebriert und mit kleinen Gesten die Sache dominiert, ist wahrhaft sehenswert.

Die Musikauswahl konzentriert sich auf die letzten drei Werke von Gabriel, da mag manch einer den einen oder anderen Ausflug in frühere Zeiten vermissen. Gut man kann nicht alles haben und ich persönlich bin mit der Musikauswahl vollends zufrieden. Das Düstere, welches vor allem "Up" innewohnt, tritt naturgemäss ein gutes Stück hinter den Cinemascope-Effekt des gewaltigen Live-Auftritts zurück. Das mag man bedauern, für mich schmälert das aber den Genuss dieser Show nicht wirklich. Ein grosses Live-Werk, wenn es auch für mich "Secret World Live" nicht toppen kann, aber was macht das schon auf diesem Niveau...

Ach ja: "musikalisch tot, langweilig, unflüssige Melodien"... nur, wenn man ausschliesslich Popmusik von Herrn Gabriel erwartet. Ansonsten schafft er sich immer wieder neu zu erfinden und dermassen organisch weiterzuentwickeln, so dass er sich zwar treu bleibt, aber trotzdem immer wieder neue Ufer seiner Musik erreicht.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.12.2005
Letzte Änderung: 12.12.2005
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Peter Gabriel

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1977 I 9.00 3
1978 II 10.50 4
1980 III (Melt) - Ein deutsches Album 14.00 1
1980 III 12.67 3
1982 IV 12.33 3
1982 IV / Ein deutsches Album 13.00 1
1983 Plays Live 9.33 3
1984 Plays Live - Highlights - 1
1985 Birdy (Soundtrack) 7.00 1
1986 So 9.50 2
1989 Passion (Soundtrack: The Last Temptation of Christ) 11.00 2
1989 Passion Sources - 1
1990 Shaking The Tree - 16 Golden Greats - 1
1992 Us 10.20 5
1993 Plus From Us (Compilation) - 1
1994 Secret World Live 11.67 3
2000 Ovo 11.33 3
2002 More Than This (Maxi) - 1
2002 Up 10.75 4
2002 Long Walk Home - Music from The Rabbit-Proof Fence 9.00 1
2003 HIT - 1
2003 HIT (2CD - US version) - 1
2003 HIT (2CD - Germany Version) - 1
2003 HIT (2CD - UK Version) - 1
2003 Growing Up (DVD) 8.00 1
2003 Secret World Live (DVD) 12.50 2
2003 More Than This (DVD) - 1
2004 PLAY (DVD) 13.50 2
2004 Still Growing Up Live 2004 - 18.05.2004 Nürnberg 12.00 1
2007 The Warm Up Tour Summer 2007 - 14.06.2007 Gelsenkirchen 12.00 1
2010 Scratch My Back 11.33 3
2011 New Blood 12.00 1

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