SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
24.9.2017
Electric Orange - EOXXV
Cosmograf - The Hay​-​Man Dreams
23.9.2017
Grobschnitt - Jumbo
22.9.2017
Violent Attitude If Noticed - Ourselves and Otherwise
The Tangent - The Slow Rust Of Forgotten Machinery
21.9.2017
7C - Compartment C
The Great Discord - The Rabbit Hole
White Moth Black Butterfly - Atone
20.9.2017
Panther & C. - Il Giusto Equilibrio
19.9.2017
Mastermind - Until Eternity
Hällas - Hällas
Pere Ubu - The Pere Ubu Moon Unit
Arabs in Aspic - Victim of Your Father´s Agony
17.9.2017
VagusNerve - Lo Pan
Guerilla Toss - Gay Disco
Igorrr - Hallelujah
Zanov - Moebius 256 301
Zelinka - Zelinka
ARCHIV
STATISTIK
23880 Rezensionen zu 16316 Alben von 6338 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Tiles

Window Dressing

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2004 (am 03.05. (auch als special-edition mit Live-Bonus-CD))
Besonderheiten/Stil: HardRock; Progmetal
Label: InsideOut
Durchschnittswertung: 9/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Chris Herin guitar
Paul Rarick vocals
Jeff Whittle bass
Pat DeLeon drums

Gastmusiker

Kim Mitchell guitar
Matthew Parmenter violin
Hugh Syme keyboards

Tracklist

Disc 1
1. Window Dressing 17:11
2. Remember to forget 4:58
3. All she knows 4:35
4. Capture the flag 8:54
5. Tear-water tea 4:13
6. Stop gap   (instrumental) 2:53
7. Unicornicopia   (instrumental) 5:10
8. Paintings 4:39
9. A.02   (instrumental) 1:14
10. Slippers in the snow 4:05
11. Spindrift 9:25
Gesamtlaufzeit67:17


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 2)


Wenn mal irgendwann der Progmetal in eine ernsthafte Krise gerät (und falls die nicht schon da ist), könnten Platten wie diese daran eine Mitschuld tragen. Ja, das klingt böse, ist aber gar nicht so gemeint: Musik, die vielfaches Missfallen ihrem Genre gegenüber auslösen könnte, muss selbst gar nicht schlecht sein - sie zeigt oft nur die Probleme auf, die in ihrem Genre früher oder später aufkommen mussten.

"Window dressing" scheint mir ein solches Problemanzeiger-Album zu sein.

Zunächst das Positive: Die Band hat nach etwa zehn Jahren Reifungsprozess jetzt ein beachtliches Niveau an manchen Stellen erreicht, auf dem sie sich wie selbstverständlich sehr persönliche Noten erlaubt, scheinbare Fremdkörper im Stilkonzept passend einsetzt und gelungene Vorstöße in Richtung Rahmenerweiterung unternimmt:

Sehr sympathisch ist mir der einleitende, titelgebende "Longtrack", der in Wirklichkeit eher eine Suite aus je kurzer Ein- und Ausleitung und langem, seinerseits zweigeteiltem Mittelteil darstellt; nach der Einleitung und vor dem Schlussteil ist eine kurze Sendepause, die den Suitencharakter besonders deutlich werden lässt; außerdem ist der letzte Teil eine Art Reprise des ersten. Im Mittelteil gefällt mir die Passage am besten, die nach etwa acht Minuten beginnt und sich großzügig mit Akustikgitarren-Gerüst und spannungssteigerndem Solo aufbaut, das sich sehr schön in ein sparsames Keyboard-Arrangement einbettet.

Ein weiterer, recht gelungener Longtrack ist "Capture the flag" mit der deutlichsten Nähe zu Frickel-Metal a la Dream Theater, wenn er auch etwas zu dicht am typischen DT-Songaufbau klebt. Und für besonders anerkennenswert halte ich die beiden instrumentalen Tracks 6 und 7, vor allem das "Unicornicopia" (schon dieser Titel: "Einhorn-Menge"), das rein kammermusikalisch mit Violine und Piano daherkommt: gerade ein sehr langes Album braucht solche differenzierenden Einlagen, damit es als "Album" erkennbar bleibt und nicht zur stumpfsinnigen Parade von Abrocknummern wird.

Das sind die Stärken des Albums. Es sind nicht wenige, aber leider die einzigen.

Der Rest erregt dagegen schon nach kurzer Zeit meinen Überdruss: uninspiriert wirken die Versuche, die Keyboard-Entsagung des Rush-Albums "Vapor Trails" nachzuahmen - das nervt so ziemlich in jedem der Shorttracks und amüsiert allenfalls in "All she knows" - das klingt, als hätten Rush eine Art Witzversion von "New world man" für "Vapor Trails" eingespielt. Für so etwas braucht man eben die Klasse von Rush, sonst ist es weder Fisch noch Fleisch, kein guter Rock und kein echter Prog (ich bin gerade versucht, den Begriff "Prog´n´Proll" zu erfinden).

Insgesamt ist dies ein durchaus brauchbares Album, und wer bisher schon Tiles mochte, wird von "Window Dressing" vielleicht sogar hellauf begeistert sein. Aber die Band sollte sich m.E. für ihr nächstes Vorhaben die radikale Abkehr von Rush auf ihre Fahnen schreiben (und sei es nur, um diesen nervigen Kritikervergleichen zu entgehen) und vielleicht auch mal den Produzenten wechseln: nichts gegen Terry Brown, ganz im Gegenteil, aber für eine Kurserneuerung (die sich ja bereits jetzt andeutet) ist vielleicht auch mal eine neue Art von Input erforderlich.

Und was schon gar nicht aus der künstlerischen Sackgasse herausführt, ist diese schwammige Gratwanderung zwischen verhaltenem Metal und progbemühtem Hardrock: das mögen Rush beherrschen, aber eben das macht sie einmalig, weil diese spezielle Stilbeherrschung wahrscheinlich einmalig ist.

Aber genug gelästert: man kann sich schließlich auch noch am Cover erfreuen, das in seinem schlichten Witz wirklich genial ist (obwohl es ja irgendwie auch zu Rush gepasst hätte)...

Anspieltipp(s): Window dressing; Capture the flag; Unicornicopia
Vergleichbar mit: es gibt viel Rush, wenig Dream Theater und mäßige, aber regelmäßige Eigenständigkeit
Veröffentlicht am: 29.4.2004
Letzte Änderung: 3.7.2014
Wertung: 8/15
wie gesagt: kein schlechtes Album; je mehr man die Probleme überhört, umso besser wird es

Zum Seitenanfang

Von: Thomas Kohlruß (Rezension 2 von 2)


Immerhin fünf Jahre hat es gedauert, bis wieder etwas Neues von der Band Tiles zu hören ist. Warum dies solange gedauert hat, wird leider weder im Booklet noch auf der Website der Band erläutert. Schade, mich zumindest hätte es interessiert. Die Bandbesetzung ist gegenüber dem Vorgänger-Album unverändert.

So, nun liegt das neue Werk "Window Dressing" aber im Player und legt mit dem titelgebenden Opus gleich ordentlich los. Wie Henning schon schrieb: Es ist eigentlich eine Suite, die zwischen heftigen und lyrisch-atmosphärischen Passagen oszilliert... ein richtiges "Mini-A Pleasant Shade Of Gray", bei dem insbesondere Sänger Paul Rarick eine sehr überzeugende Leistung abliefert. Ungeschickterweise dominiert damit das stärkste Stück des Albums gleich den Anfang, was es für die folgenden Titel recht schwer macht und der CD damit einen tendenziell absteigenden Spannungsverlauf verpasst...

Tiles legen einen Rock-Dreierpack mit "Remember To Forget", "All She Knows" und "Capture The Flag" nach. Sirrende Gitarre, relativ straightes Drumming und knackiger Bass bestimmen das Hörbild. Dabei huldigen sie unterschiedlichen musikalischen Einflüssen: "Remember..." weist noch den einen oder anderen Rush-A-like-Sound auf und "Capture..." ist die obligatorische Dream Theater-Nummer. "All She Knows" ist von diesen dreien vielleicht die überzeugenste Nummer und überrascht mit einem coolen King's X-Groove.

Folgerichtig kommt nun der ruhige Teil des Albums: Das balladeske "Tear-Water Tea" beginnt mit einer entspannten Akustik-Gitarre zu der sich das Violinen-Spiel des Bandfreundes und Gastes Matthew Parmenter (von Discipline) gesellt. Es folgt das eigenwillige Instrumental "Stop Gap", welches den Bassisten Jeff Whittle an der Gitarre und Chris Herin an der Trompete präsentiert. Beides starke Titel!

"Unicornicopia" ist ebenfalls rein instrumental, fast schon kammermusikalisch nur mit Piano und Violine (hier darf wieder Matthew Parmenter ran). Der Titel wirkt trotz aller tränenrührenden Schönheit ein bisschen wie ein Fremdkörper auf dem Album, allenfalls als "Anti-Klimax" zur Mitte der CD mag das durchgehen.

"Paintings" reisst den Hörer aber ziemlich brutal aus der Träumerei und bietet wieder eine rockige Nummer als Mischung aus Rush und Dream Theater. Im Instrumental "A.02" zeigt Chris Herin sein Können an allerlei akustischen Saiteninstrumenten. Bis das balladesk-angehauchte "Slippers In The Snow" das Album zu beenden scheint.

Beenden? Nicht ganz, mit "Spindrift" folgt ja noch das grosse Progepos... na ja, auch nicht ganz. "Spindrift" ist zwar ein gefälliger Longtrack mit einigen interessanten, aber auch einigen ziemlich holprigen Passagen. Ähnlich wie bei "Checkerboards" (vom "Fence The Clear"-Album) springt der Funke nicht ganz über.

Wie schreibt Henning? "...Gratwanderung zwischen verhaltenem Metal und progbemühtem Hardrock.." Das beschreibt die Musik von Tiles in der Tat recht gut. Ich finde man hört Rush im aktuellen Werk kaum noch heraus, das ist kein grösserer Anteil wie Dream Theater oder Fates Warning (welches vor allem bei "Window Dressing" Pate zu stehen schien). Von "Krise" kann ich hier eigentlich nichts hören, allenfalls der bereits beschriebene etwas ungeschickte Aufbau des Albums schadet dem Gesamteindruck. So entwickeln sich Tiles zunehmend eigenständiger und wem "Presents Of Mind" zugesagt hat, der kann hier blind zugreifen.

Die von Henning bereits angedeutete "Special Edition" enthält neben dem regulären Album noch einen Soundboard-Live-Mitschnitt von der Support-Tour für Dream Theater 1999 mit dem programatischen Titel "Presence In Europe":

  • 1. Intro (0:46)
  • 2. Patterns (4:34)
  • 3. Token Pledge (7:17)
  • 4. Static (5:51)
  • 5. Modification (3:36)
  • 6. Ballad Of The Sacred Cows (7:03)
  • 7. Facing Failure (5:44)
  • 8. Another's hand (7:03)

Die Aufnahmen entstanden vom Soundboard direkt auf DAT. Entsprechend mau ist auch die Sound-Qualität. Die Aufnahmen stammen von drei verschiedenen Auftritten, das Publikum ist meist kaum hörbar, so dass wenig Live-Charakter aufkommt.

Die Band soll damals nicht so gut angekommen sein. Würde mich nicht wundern, denn die Live-Präsentation kann bei keinem der Titel wirklich überzeugen. Gerade beim Frickel-Instrumental "Ballad Of The Sacred Cows" werden Limitierungen (insbesondere bei Drummer Pat DeLeon) überdeutlich. Witzig ist allenfalls das "Humpta-ta-ta"-Intro :-)

Diese Beigabe ist also nur für *echte* Tiles-Freaks interessant.

Anspieltipp(s): Window Dressing, Capture The Flag
Vergleichbar mit: Rush, Fates Warning, Dream Theater, Balance Of Power
Veröffentlicht am: 15.5.2004
Letzte Änderung: 23.12.2007
Wertung: 10/15
ohne Bewertung der Bonus-Live-CD

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Tiles

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1994 Tiles 9.00 1
1997 Fence The Clear 7.00 1
1999 Presents Of Mind 10.50 2
2008 Fly Paper 9.00 1
2012 Off The Floor 8.00 2
2014 Off the Floor 02 10.00 1
2016 Pretending 2 run 11.50 4

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum