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Hellebore

Il y a des jours

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1985 (CD-Reissue Musea/Gazul 2000)
Besonderheiten/Stil: RIO / Avant
Label: AYAA
Durchschnittswertung: 9/15 (1 Rezension)

Besetzung

Jean Cael Bass, Crumar, Pfeife, Voice
Alain Casari Sax, Clarinet, Flute, Voice
Antoine Gindt Guitar, Crumar
Daniel Koskowitz Drums, Percussion, Voice
Denis Tagu Organ, Piano, Keyboards, Guitar, Voice

Tracklist

Disc 1
1. Introduction végéterienne 7:20
2. Tetraktys 5:10
3. Artefact 4:04
4. Film di ripratoria 4:39
5. Warme Wasser mit Grass 3:04
6. Umanak - Marquis de Saint Cricq 14:14
7. Ce sont des choses qui arrivent 6:15
8. Les Lïons   (Bonustrack des CD-Reissues) 4:00
9. Oarystis   (Bonustrack des CD-Reissues) 4:40
10. Gargamel chez les cosaques   (Bonustrack des CD-Reissues) 1:32
Gesamtlaufzeit54:58


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Kammerrock machen Hellebore auf ihrer ersten und einzigen LP "Il ya des jours". Dezent schräg und komplex verschachtelt musizieren Gitarre, Bass, Sax/Klarinette/Flöte, Piano/Orgel und Schlagzeug eher gemächlich und zurückhaltend miteinander. Eine Art RIO-Light-Version bieten die Franzosen, die bisweilen an die Kollegen von Etron Fou Leloublan erinnert, an das Solo-Schaffen von Fred Frith in den 80ern oder an die ruhigeren Momente der frühen Werke von Univers Zero, allerdings ohne deren düster-bedrohliche Atmosphäre.

Ruhig, fast etwas träge kommen die drei ersten Nummern daher, nachdem "Introduction végéterienne" mit einer Tonband- und Klangcollage noch recht abenteuerlich angefängt. Erst mit "Film di ripratoria" kommt mehr Schwung auf, wird es etwas lauter und auch experimenteller, wenn freie Klangimprovisationen den Mittelteil des Stückes bilden. "Warme Wasser mit Gras" ist dann noch flotter, leicht repetitiv und erinnert an die frühen Can (so um "Ege Bamyasi"). Durch die quäkig-krachige Gitarrenarbeit ist das Stück deutlich rockiger geraten als die vorhergehenden Nummern. Das lange "Umanak" beginnt wieder recht ruhig, mit schönem Zusammenspiel von Piano, Klarinette, Bass, Gitarre und Schlagzeug, in dem sich wechselnderweise eines der Instrumente kurz in den Vordergrund spielt. Nach rund zweieinhalb Minuten wird die "Idylle" jäh durch einen Schrei unterbrochen und die Nummer entwickelt sich zu einer bunten, wenn auch etwas unzusammenhängenden Anneinaderreihung von eher freien Improvisationsteilen. Da gibt es begleitete Soli von Sax und Klarinette, Stellen ewiggleicher E-Perkussion- und Bassbegleitung mit Chorgesang, ein Piano-Sax-Duo, ein schwebend-waberndes Klangdurcheinander mit Basssolo und dieversem Zischen, Pfeifen und Flöten, eine "80er-Jahre-Computerspielmusik" von Keyboard und E-Percussion und recht heftigem Kammerrock mit allen Beteiligten am Schluß. Das - die ursprüngliche LP - abschließende "Ce sont" setzt das eben gehörte nahtlos fort. Auch hier werden kürzere, improvisierte Abschnitte aneinandergeklatscht, darunter ein elegisch-hallendes Pianosolo. Die letzten beiden Stücke wirken leider etwas zusammengeschustert, ohne Roten Faden.

Von den Bonustracks ist "Les Lïons" recht interessant. Es ist eindeutig das bewegteste Stück hier, etwas rauher und freier als der Rest, eine Gruppenimprovisation mit recht dominante Gitarre und einem fast mellotronartigen Keyboardsound im Hintergrund. Leider hört die Nummer auf, wenn sich gerade ein flotter, fast crimsonesquer Jam zu entwickeln scheint. Das kurze "Gargamel chez les cosaques" fängt ganz gut, mit einem munter-schrägen Sax-Solo an, bricht dann aber irgendwie mittendrin ab. Schade.

Etwas träge und trotz der komplexen Schräge zu beschaulich ist diese Musik. Ich würde mir stellenweise mehr Schwung, heftigere Ausbrüche oder ein paar dominantere Soli wünschen. Insbesondere die Gitarre bleibt zu sehr im Hintergrund. "Il y a des jours" ist trotzdem ganz nett und wer unbedingt alles aus dem RIO-Bereich braucht, tut hier sicher keinen Fehlkauf. Ansonsten muß man die Scheibe aber nicht unbedingt haben.

Anspieltipp(s): Les Lïons, Warme Wasser mit Gras
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.4.2004
Letzte Änderung: 28.9.2004
Wertung: 9/15

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