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Heldon

Electronique Guerilla

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1974 (auf CD zusammen mit "It's Always Rock'n'Roll")
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik
Label: Cuneiform
Durchschnittswertung: 9.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Richard Pinhas Synthesizer, Gitarre

Gastmusiker

Alain Renaud Gitarre ("Northernland Lady")
Georges Grunblatt VCS3 ("Le Voyageur")
Gilles Deleuze Stimme ("Le Voyageur")
Patrick Gauthier Klavier, VCS3 ("Le Voyageur")
Coco Roussel Schlagzeug ("Le Voyageur")
Pierrot Roussel Bass ("Le Voyageur")

Tracklist

Disc 1
1. Zind 2:18
2. Back to Heldon 8:31
3. Northernland Lady 6:57
4. Ouais Marchais, mieux qu'en 68 [ex: "Le Voyageur"] 4:22
5. Circulus Vitiosus 8:43
6. Ballade pour Puig Antich [révolutionnaire assassiné en Espagne] 2:19
Gesamtlaufzeit33:10


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


Das Debüt der französischen Formation Heldon ist faktisch ein Soloalbum von Richard Pinhas, der lediglich auf zwei Titeln von weiteren Musikern unterstützt wird.

Auf "Electronique Guerilla" überwiegt bei den meisten Stücken die Elektronik. Meist baut die Musik auf einem Sequencer-Muster auf, das jedoch nicht in Form einer rhythmischen Grundlage wie häufig bei den klassischen Tangerine Dream daherkommt, sondern mehr wie ein auf und ab schwellender, fast sirenenartiger Ton. Darüber legt Pinhas verzerrte E-Gitarrentöne, die sägend oder kratzend klingen, oder weitere elektronische Klänge, die hier manchmal noch nach der Devise "mal schauen, was die Kiste alles kann" erzeugt scheinen. "Back to Heldon" ist ein gutes Beispiel hierfür, gerade in der zweiten Hälfte dieses Stücks fiept und zwitschert der Synthesizer hemmungslos. Ähnlich ist auch "Circulus Vitiosus" aufgebaut, mit etwas mehr Gitarreneinsatz, aber immer noch überwiegend elektronisch.

"Northernland Lady" und "Ouais Marchais..." zeigen die gitarrenorientierte Seite von Heldon, ersteres mit Loopeffekten im Stil der Fripp&Eno-Alben, letzteres dann in etwas breiterer Instrumentierung, inklusive Schlagzeug. Dadurch klingt "Ouais Marchais..." etwas bewegter und "rockiger" als die anderen Stücke auf "Electronique Guerilla". Dies ist außerdem das einzige Stück mit Text (von Friedrich Nietzsche), gesprochen von dem Philosophen Gilles Deleuze.

Verglichen mit späteren Heldon-Alben wirkt "Electronique Guerilla" streckenweise noch etwas unausgereift, trotzdem ist es ein faszinierendes Klangerlebnis für den Elektronik-Fan. Zusammen mit dem dritten Heldon-Album "It's Always Rock'n'Roll" ist es auf einer Doppel-CD bei Cuneiform Records erschienen.

Anspieltipp(s): Back to Heldon
Vergleichbar mit: Fripp & Eno
Veröffentlicht am: 11.5.2004
Letzte Änderung: 11.5.2004
Wertung: 9/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


"Adolf Hitler, geboren am 20. April 1989 in Österreich, unterhielt kurz nach dem Krieg Kontakte zu einer radikalpolitischen Gruppe in München, wanderte aber, von der Entwicklung enttäuscht, 1919 nach New York aus. Er lernte English, schlug sich als Comic-Zeichner, Illustrator und Gelegenheitsübersetzer durch und gab jahrelang das Fanzine "Strom" heraus. In den dreißiger Jahren war er regelmäßiger Mitarbeiter von Hugo Gernsback.

Seine arischen Großmachtsträume fanden Niederschlag in seinem großen Epos "Der Herr des Hakenkreuzes", das er kurz vor seinem Tod im Jahre 1953 vollendete. Für den Roman wurde Adolf Hitler auf dem Weltcon 1955 posthum der Hugo Gernsback Award verliehen."

So lautet der Klappentext, der auf der Rückseite von Norman Spinrads 1972 erschienenem Roman "Der stählerne Traum" zu finden ist. Das Buch gibt den im obigen Text erwähnten, fiktiven Sience Fiction Roman wieder, den der Comic-Zeichner, Illustrator und Gelegenheitsübersetzer Hitler gegen Ende seines Lebens verfasst hat; ein anderer Hitler natürlich, ein Hitler aus einer Parallelwelt, der gegen Ende des zweiten Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert war. Der Roman gibt recht genau die Geschichte des Dritten Reiches wieder (wenn auch mit "siegreichem" Ende), übertragen allerdings auf den Phantasiestaat Heldon, welcher nach einem verheerenden atomaren Krieg als einziges genetisch reines Land gegen die Mutantenscharen aus dem Osten, aus dem widerlichen Zind, ankämpft. Mit seiner sehr drastischen, wortgewaltigen Sprache und der bis ins Absurde übersteigerten, ideologisch verklärten, überfaschistoiden Zeichnung der Charaktere und ihrer Handlungsweisen, übt Spinrads Satire eine beängstigende Faszination aus (was wohl auch der Grund dafür war, dass der Roman in Deutschland zeitweilig auf dem Index stand).

Heldon wählte Richard Pinhas auch als Namen für sein Anfang der 70er Jahre gegründetes Bandprojekt. Offenbar waren (und sind) Pinhas und Spinrad recht gut befreundet. Spinrads Science-Fiction-Welt(en) dienten dann auch als Inspirationsquelle für Pinhas' Musik, auch wenn er nur selten direkt auf Spinrads Roman Bezug nimmt. Einzig Zind und Heldon tauchen in einigen wenigen Songtiteln auf. Entsprechend der unwirtlichen Weiten von Zind bestimmen kalte Elektronikklänge das Debüt von Heldon. Kantige Klanglandschaften, erzeugt von Gitarre und Synthesizer dröhnen und wabern auf "Electronique Guerilla" dicht verwoben aus den Boxen. Nur ab und zu wird Pinhas von einigen Gastmusikern unterstützt (hauptsächlich in "Ouais Marchais", dem einzigen Stück in dem Bass und Schlagzeug für einen rockenden Rhythmus sorgen).

Verglichen wird die Musik von Pinhas oft mit Robert Fripp, insbesondere mit dem Erstling von Fripp & Eno. Die klanglichen Ähnlichkeiten sind nicht von der Hand zu weisen, und auch die Art und Weise wie hier die Töne erzeugt werden, dürfte nicht allzu verschieden sein. Tonbandschleifen, dicht geschichtete Lagen von Klang, zeitlupenhafte Sequenzermuster und allerlei elektronische Sounds werden zu einem lauten, an- und abschwellenden Ganzen verbunden. Allerdings hat Pinhas schon seit den frühen 70ern mit diesen Techniken experimentiert, so dass man seine Musik - auch wenn er immer ergeben Eno und Fripp als seine Vorbilder angibt - als Parallelentwicklung zu der der beiden Briten ansehen kann. Zudem kommt bei dem Franzosen noch ein krautig-elektronisches Element dazu, die sich in der Experimentierfreude manifestiert, mit dem er die unterschiedlichsten Klänge des Synthesizers durch die Stücke purzeln lässt.

"Electronique Guerilla" ist ein gelungenes, erfrischend rohes Debüt eines kreativen Musikers, welches zwar noch nicht komplett ausgereift ist, aber rudimentär schon alle Stilmerkmale aufweißt, die die Musik von Pinhas bis heute bestimmen. Krautrock-, Elektronik- und Avantgardeliebhaber sollten hier mit der Erforschung von Heldon beginnen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.2.2007
Letzte Änderung: 9.12.2007
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Heldon

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1975 Allez Teia 11.00 2
1975 It's Always Rock'n'Roll 10.00 1
1976 Heldon IV "Agneta Nilsson" 11.00 1
1976 Un Rêve Sans Consequence Spéciale 11.00 1
1977 Interface 13.00 1
1979 Stand By 11.50 2
1998 only chaos is real 7.00 1
2006 Well And Live In France - Live In Nancy 1979 9.00 1
2006 Live Electronik Guerilla: Paris 1975-76 11.00 1

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