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Paatos

Kallocain

(Tipp des Monats 7/2004)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2004
Besonderheiten/Stil: Postrock; RetroProg
Label: InsideOut
Durchschnittswertung: 10.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Huxflux Nettermalm Schlagzeug, Programming, Keyboards
Stefan Dimle Bass
Johan Wallén Keyboards
Peter Nylander Gitarre
Petronella Nettermalm Gesang, Cello

Gastmusiker

Anders Bergman Violine

Tracklist

Disc 1
1. Gasoline 5:55
2. Holding On 5:01
3. Happiness 5:20
4. Absinth Minded 4:50
5. Look At Us 5:26
6. Reality 7:38
7. Stream 5:18
8. Won't Be Coming Back 5:33
9. In Time 6:35
Gesamtlaufzeit51:36
Disc 2
1. Won't Be Coming Back   (Bonus-DVD der "Special Edition")
2. Gasoline
3. Reality
4. Hypnotique


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


"Kallocain" ist der Titel eines utopischen (oder eher dystopischen) Romans der schwedischen Schriftstellerin Karin Boye (1900-1941). Vor Urzeiten habe ich den mal gelesen, er handelt von einem totalitären Staat à la 1984, der seine Bewohner mittels einer Art Wahrheitsdroge (eben dem "Kallocain") zu überwachen versucht. In wie weit dieser Roman die Songs der gleichnamigen CD inspiriert hat, weiß ich nicht.

Auf "Kallocain" hat es eine kleine Besetzungsänderung gegeben: für den ehemaligen Landberk-Gitarristen Reiner Fiske kam Peter Nylander.

Das einleitende "Gasoline" beginnt mit einem leicht folkloristisch anmutenden Violinensolo, danach wandelt sich der Song in eine gelungene Kombination von Retro-Elementen und flotten, Drum'n'Bass-inspirierten Rhythmen. Nach diesem überraschenden Auftakt geht es aber im bewährten Paatos-Sound weiter: sanfte Melancholie, schwelgerische Mellotronklänge, dazu die hauchzarte Stimme von Petronella Nettermalm. Der Retro-Sound wird dabei immer wieder durch moderne Elemente, meist in Form triphoppiger Rhythmen und postrockiger Klänge, erweitert. Manchmal gerät die Musik gefährlich nahe an die Kitschgrenze ("Look At Us"), auch flirtet man hie und da ein wenig mit Pop-Elementen ("Won't Be Coming Back")

Die auf "Timeloss" noch bisweilen recht deutlichen Anklänge an Landberk treten auf "Kallocain" eher in den Hintergrund, was sicherlich auch mit dem erwähnten Besetzungswechsel zu tun hat. Dennoch sind Einflüsse der Vorgängerband von Paatos nach wie vor vorhanden.

Was mir auf "Kallocain" ein bisschen fehlt, ist ein Kracher wie auf dem Vorgänger der abschließende Titel "Quits", wo die Band mal richtig die Sau rauslässt. Ansonsten ist es aber ein würdiger Nachfolger des Paatos-Debüts.

Die "Special Edition" enthält noch eine Bonus-DVD mit vier Titeln vom Rockpalast-Auftritt der Band im Januar 2004, darunter mit "Hypnotique" auch ein Song von "Timeloss".

Anspieltipp(s): Holding On, Won't Be Coming Back
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.6.2004
Letzte Änderung: 21.6.2004
Wertung: 11/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 2 von 2)


Stockholm, O-Baren, 9.6.2004: Paatos geben nach der offiziellen Releaseparty vom 26.5.04 das erste Konzert mit den Stücken der neuen CD "Kallocain". Etwa zwei Dutzend Zuschauer haben sich eingefunden, die Musikbar ist halb gefüllt, als die Band die Bühne betritt. Mit tiefen Computerbeats beginnt "Happiness". Die ersten Töne, die ich von Paatos höre. Und dann beginnt Petronella Nettermalm zu singen. Was für eine Stimme, was für eine Bühnenpräsenz und Ausstrahlung! In der folgenden Stunde bin ich gebannt von der Performance der Band. Herausstechend sind neben der Stimme das Schlagzeugspiel, welches variabel und gefühlvoll ist.

Zur CD: "Gasoline": eine grummelnde Basslinie, ein schleppender groove, zarte Mellotron-Akkorde, zerrendes Gitarrenriffing, eine Violine, immer wieder eruptive Zwischenparts, in den man es krachen lässt und darüber schwebt Petronellas Stimme.

"Holding on": eine ruhig dahinfliessende Ballade, der Gesang zerbrechlich, manchmal fast mehr gehaucht als gesungen.

"Happiness": ein hypnotisierender tiefer Computerbeat grummelt, daraufgesetzt ein schleppender 13/12-Takt, schliesslich eine zarte Instrumentierung mit leisen Gitarrenakkorden und die sanfte Stimme obendrauf. Fertig ist die Glückseligkeit. Doch Paatos wären nicht Paatos, wenn sie diese Stimmung nicht immer wieder mit krachenden, bombastischen Interludien aufbrechen würden, in denen Huxflux sich an seinem Schlagzeug nach Herzenslust austobt, der Bassist kratvoll in die Saiten greift und das Mellotron hervorgeholt und dem Ganzen damit eine Portion "Vemod" verpasst wird.

"Absinth minded" sieht die Stimme sehr im Vordergrund, nur begleitet von zerrenden Computerbeats und Geräuschen. Sehr modern. Dann setzen das Mellotron und das Schlagzeug ein, schwermütige Stufen, der Gesang wird eindringlicher, Endzeitstimmung.

"Look at us": ist erst eine friedliche Heilewelt-Ballade, die wiederum durch die beeindruckende Stimme glänzt. Man kann das kitschig nennen, ich finde es wunderschön. Doch Paatos wären nicht Paatos.... In der Mitte des Stückes wird kurz angedeutet, dass es so nicht weitergehen wird.... Doch bevor das Stück eine Wendung zum Härteren, Schrägeren nimmt, wird noch einmal in die BalladenStrasse eingebogen, das Anfangsthema dreht eine weitere Runde. Dann Piano, Frauenchor, das Schlagzeug nimmt Fahrt auf, die Gitarre legt ein Solo drüber, der Bass hämmert immer den gleichen Ton, das Schlagzeug explodiert. Der Höhepunkt des Albums.

"Reality": ein spartanischer, rollender Schlagzeuggroove ist das dominierende Element diese Stückes, welches mit vielerlei elektronischen Gimmicks gespickt ist, eine eher düstere Grundstimmung hat und für meinen Geschmack am Schluss etwas zu lang geraten ist.

"Stream": klassisches Piano, zarter Besenschlag, ein Kontrabass, zwischendurch schwermütige Mellotronklänge und die luftige, eindringliche Stimme sind die Ingredienzien dieser wunderschönen Ballade. Der Schluss ist grosses Kino mit viel Pathos und Grandezza. Highlightalarm.

"Won`t be coming back": ein weiterer Höhepunkt des Albums, in welchem wieder Tempo gemacht wird, der Bass treibende grummelnde Linien spielt und die sirenenhafte Stimme ihren ganzen Umfang und ihre Variabilität zeigt. Zum Schluss gibts noch eine Portion Krummtakt auf die Ohren, das Stück klingt etwas improvisiert wirkend aus.

"In time": beendet das Album ruhig und entspannt.

Mit Kallocain ist Paatos ein würdiger Nachfolger für das starke Debutalbum Timeloss gelungen. Für mich stehen beide Alben etwa auf einer Stufe. Kallocain ist etwas moderner und reifer, Timeloss etwas "klassischer" im skandinavischen Stil. Auf jeden Fall ist auch für dieses Album eine klare Kaufempfehlung auszusprechen. Gehört sicher zu den stärksten Alben dieses Sommers.

Anspieltipp(s): look at us, stream
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.6.2004
Letzte Änderung: 25.6.2004
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Paatos

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2002 Timeloss 10.67 6
2006 Silence Of Another Kind 11.00 2
2007 Sensors 11.00 2

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