SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
15.10.2018
Sherpa - Tigris & Euphrates
14.10.2018
Hokr - Klid V Bezčasí
The Flaming Lips - Clouds Taste Metallic
Seventh Wonder - Tiara
Bi Kyo Ran - Anthology vol.1
Sanguine Hum - Now We Have Power
13.10.2018
DRH - Thin Ice
Various Artists - Hamtai! - Hommage à la musique de Christian Vander
ALU - Die Vertreibung der Zeit (1980-1986)
Riverside - Wasteland
12.10.2018
Datashock - Kräuter der Provinz
Rotor - Sechs
Gösta Berlings Saga - ET EX
11.10.2018
Dream Theater - When dream and day reunite (Official bootleg)
Dan Caine - Cascades
Crippled Black Phoenix - A Love Of Shared Disasters
Neal Morse - The Similitude Of A Dream Live In Tilburg 2017
10.10.2018
Kuusumun Profeetta - Hymyilevien Laivojen Satama
ARCHIV
STATISTIK
24967 Rezensionen zu 17120 Alben von 6671 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Neal Morse

One

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2004
Besonderheiten/Stil: mit Orchester; Konzeptalbum; Neoprog; Rock / Pop / Mainstream; RetroProg
Label: Inside/Out
Durchschnittswertung: 10.8/15 (6 Rezensionen)

Besetzung

Neal Morse Vocals, Guitars, Keyboards
Mike Portnoy Drums, Backing Vocals
Randy George Bass

Gastmusiker

Phil Keaggy E-Guitar Solo on 1; Acc-Guitar Solo on 2; 2nd Lead Vocals on 5
Chris Carmichael Violin, Viola, Background Vocals
Gene Miller Background Vocals
Rick Altizer Background Vocals
Nichael Thurman French Horn
Rachel Rigdon Violin
Hannah Vanderpool Cello
David Jaques String Bass
Jim Hoke Sax
Neil Rosengarden Trumpet
Bill Huber Trombone
Glenn Caruba Percussion
Aaron Marshall Background Vocals
Missy Hale Background Vocals

Tracklist

Disc 1
1. The Creation

1. One Mind
2. In A Perfect Light
3. Where Are You?
4. Reaching From the Heart

18.23
2. The Man's Gone 2.51
3. Author Of Confusion 9.31
4. The Sepearted Man

1. I'm In A Cage
2. I Am the Man
3. The Man's Gone (Reprise)
4. Something Within Me Remembers

18.00
5. Cradle To The Grave 4.56
6. Help Me / The Spirit And The Flesh 11.15
7. Father Of Forgiveness 5.48
8. Reunion

1. No Separation
2. Grande Finale
3. Make Us One

9.11
Gesamtlaufzeit79:55
Disc 2
1. Back to the Garden   (Bonus-CD der Special Edition) 4:26
2. Nothing to Believe 3:29
3. Cradle to the Grave (Neal's Voc) 4:55
4. King Jesus 4:48
5. What Is Life? 4:28
6. Where the Streets Have No Name 5:46
7. Day After Day 3:25
8. Chris Carmichael's Aria 1:07
9. I'm Free / Sparks 6:36
Gesamtlaufzeit39:00


Rezensionen


Von: Christian Rode @ (Rezension 1 von 6)


"Spock hat nur einen Bart - und der heißt Neal Morse!" schrieb ein geschätzter Kollege anlässlich des ersten Post-Bärte-Solo-Albums von Neal Morse. Dies gilt in verstärktem Maße für One.

Nachdem Neal Morse seine spirituelle Erweckung hatte (die ja schon zu Spock's Beard-Zeiten mehr oder weniger deutlich zu spüren war), die er mit Testimony verarbeitete, bearbeitet er jetzt die Suche nach dem verlorenen Paradies. Das ist textlich nicht unbedingt so "authentisch" oder "spannend" wie seine Erweckungsgeschichte (die mich persönlich allerdings auch nicht so vom Hocker gerissen hat). Immerhin weiß man jetzt, dass Neal Morse nicht nur weitermusiziert hat, um uns seine Läuterung nahe zu bringen, sondern dass es noch weiter geht.

Musikalisch ist Morse auf der gleichen Schiene geblieben wie bei Testimony (auch wieder schön symphonisch mit Streichern), hat aber durchaus wieder stärker den Prog aus Spock's Beard - Zeiten reintegriert. Wie ehedem klingt es auch meist ziemlich harmonisch bis symphonisch schwelgerisch. Das darf man aber auch getrost als Ausdruck seiner geistigen Verfassung sehen. Alles andere wäre wohl inkonsequent. Wenn man in der Stimmung für diese Musik ist, hat man wieder ein ziemlich perfektes Album in der Tradition der Bärte vor sich, das aber eben doch schon eigene Akzente setzt. Und ein Plus gegenüber Testimony: Der Hörer wird zum Ende hin nicht mit Schwulst zugeschüttet (das extrem schwülstige Cradle to the Grave im Mittelteil dauert keine 5 Minuten). Ist aber vielleicht auch dem zu schulden, dass One kein überlanges Doppel-Album geworden ist, sondern "nur" 80 min. Spielzeit aufweist.

Wer die alten Spock's Beard mag und/oder wer Testimony mag, wird keine Enttäuschung erleben. Solide und gut.

Anspieltipp(s): Author of Confusion, The separated Man
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.11.2004
Letzte Änderung: 15.6.2005
Wertung: 10/15

Zum Seitenanfang

Von: Sebastian Mack (Rezension 2 von 6)


Da ist er also wieder. Das einstige Aushängeschild für die Renaissance des Progressive Rock Mitte der 90er, als er mit seiner damaligen Band Spock’s Beard viele Progrock-Fans aus der Leere zurückholte, die die 80er und die theoretische Auflösung von Marillion (als letztes Aushängeschild der Szene) hinterlassen hatten. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs entschied er sich jedoch, sich mehr auf sein Leben als stark gläubiger Christ zu konzentrieren und verließ die Band, die seitdem alleine weitermacht und mit „Feel Euphoria“ 2003 bereits eine erste eigene Marke setzte. Aber auch Morse macht weiter Musik: Während seine ehemaligen Bandkollegen jetzt eher in Richtung „progressiver Hardrock“ tendieren, spielt er fröhlich weiter seinen farbenfrohen, symphonisch-bombastischen Progressive Rock. Einzige Änderung: Die Texte sind stark christlich beeinflusst. Etwa zur gleichen Zeit wie „Feel Euphoria“ erschien seine erste eigene, autobiographische Platte nach der Trennung, namens „Testimony“, eine Doppel-CD, auf der er seinen Weg vom unglücklichen Menschen zum durch den Glauben erfüllten Individuum beschrieb. Viele Fans waren zwar weiterhin höchst begeistert von seiner Musik, konnten aber der leicht missionarisch erscheinenden Ausrichtung seiner Texte nicht viel abgewinnen.

Auch das neue Werk „One“ befasst sich thematisch direkt mit Erzählungen aus der Bibel: Gott erschafft die Welt, die Menschen. Sie leben glücklich zusammen, bis es zum Sündenfall kommt, der Mensch seinen Gott praktisch verlässt und meint, ohne ihn besser klarkommen zu können. Aber er merkt, dass er sich irrt. Und schließlich sendet Gott Jesus Christus, der uns durch seinen Tod alle Sünden vergibt – wir sind wieder Eins mit Gott. Vorausgesetzt wird natürlich, dass der Mensch gläubig ist!

Soweit der Bibelexkurs und die Story des Konzeptalbums. Neal hat sich wie schon auf „Testimony“ den Dream Theater-Drummer Mike Portnoy ins Studio geholt, der den Songs unweigerlich seinen eigenen Stempel aufdrückt. Da entsteht Druck und Drive, da knallt pure Power aus den Boxen, ohne dass die Musik auch nur einmal metallisch wäre. Allerdings neigt Herr Portnoy auch dazu, ruhigeren Passage durch sein komplexes Schlagzeugspiel etwas die Atmosphäre zu nehmen. Bassist Randy George ist Konzertgängern der „Testimony“-Tour bereits bekannt. Er stammt aus der ebenfalls christlichen Progrock-Band „Ajalon“. Nach „Testimony“ und dem letzten Spock’s Beard Doppelalbum „Snow“, das praktisch Neals Abschied von der Band war, hat er allerdings wieder zum 1-CD-Format zurückgefunden. Das kann hier durchaus als Vorteil gewertet werden: Im Nachhinein betrachtet, war besonders Testimony zwar musikalisch brilliant, allerdings auch mit etlichen Wiederholungen und Längen behaftet. Außerdem gibt’s hier 79:55 Minuten Musik, man hat also die volle Spielzeit einer Einzel-CD ausgenutzt.

Es wird vielleicht auch viele alte Fans freuen, dass Neal sich hier eher auf seine Wurzeln zurückbesinnt hat: Die Songs wirken kompakter, mit mehr Ecken und Kanten versehen als die Kompositionen auf den beiden oben angesprochenen Platten, und deshalb eine ganze Spur progressiver. Das erinnert an die alten Spock’s Beard. Songs wie „Author Of Confusion“ zeigen Neal so spielfreudig wie zu guten alten Transatlantic-Zeiten. Obwohl die Songs alle unterschiedliche Stile aufweisen, schafft er es durch sinnvolles Wiederaufgreifen von Motiven eine enge Verbundenheit herzustellen, die ein große Homogenität über die gesamte Spielzeit zur Folge hat. Erstmals habe ich den Eindruck, dass die Longtracks „The Creation“ und „The Separated Man“ (beide übrigens ca. 18 Minuten) nicht allein ihre volle Pracht und Schönheit offenbaren können, sondern nur mit den Stücken „The Man’s Gone“ und „Reunion“ zu einem vollkommenen Ganzen verschmelzen. Schön auch, dass er eine gesunde Ausdrucksweise für seine christlichen Gedanken gefunden hat: Es wirkt alles nicht mehr so platt und pathetisch. Die Storyline erfordert nun mal auch, dass textlich zwischen Gott und den Menschen nicht immer gute Laune ist. Oftmals erscheinen mir die Lyrics besonders in der ersten Hälfte der Platte deshalb auch in gewisser Hinsicht gesellschaftskritisch. Da werden Phrasen in den Raum gestellt, über die jeder Mensch mal nachdenken sollte. Erst mit Songs wie „Cradle To The Grave“ oder „Father Of Forgiveness“ hält das Christentum vollen Einzug in die Textgestaltung (so beinhaltet ersteres ein Duett: eine Unterhaltung zwischen Gott, gesungen von einem Gastvocalisten, und den Menschen). In „Father Of Forgiveness“ hingegen bittet der sündige Mensch seinen Gott äußerst eindringlich um Vergebung, wie der Titel schon sagt.

Natürlich darf man nicht verkennen, dass Neal seine ganz eigene Art und Weise hat, Songs zu schreiben. So kann man ihm sicherlich vorwerfen, seit längerer Zeit wenig Innovation in seinen Songs zu verbreiten und sich, vorsichtig gesagt, ab und zu selbst zu kopieren. Aber das ist eher eine Sache des Hörers. Auf manche mag es vielleicht mittlerweile eine leicht ermüdende Wirkung haben, ich hingegen lausche den Songs immer noch äußerst gespannt und ergriffen; und ich bin mir recht sicher, dass es nicht nur mir so geht.

Neal schreibt Musik, die direkt aus seinem Herzen kommt und direkt in die Herzen anderer Menschen gehen kann, wenn sie es zulassen. Und sie hat die Kraft, den Hörer aufzurichten, ihm Mut zuzusprechen, ihm ein Wohlgefühl und Zufriedenheit zu geben. Und das macht sie immer wieder zu etwas Besonderem und äußerst hörenswert.

Mit großer Wahrscheinlichkeit mein Album des Jahres! Die Bonus-CD halte ich zwar nicht für spektakulär, aber für durchaus gelungen - sie verdient auch den ein oder anderen Hördurchgang.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.11.2004
Letzte Änderung: 13.11.2004
Wertung: keine

Zum Seitenanfang

Von: Thomas Kohlruß (Rezension 3 von 6)


Vielleicht ein Wort vorab: Aufmerksame Leser dieser Seiten werden möglicherweise mitbekommen haben, dass ich früher durchaus eine gewisse Spock's Beard / Neal Morse-Aversion mit mir herumgetragen habe. Dies führte unter anderem dazu, dass ich nicht soviel vom gewaltigen Output des Neal Morse mein Eigen nenne. Inzwischen habe ich aber meinen Frieden mindestens mit den frühen Bärten geschlossen und Transatlantic konnten mich eigentlich schon immer begeistern (schon wegen Stolt ;-) )....

Trotzdem ist mein Blick auf "One" sicherlich eher ein Blick von aussen, will sagen ohne die Überfütterung mit ähnlich gelagerten Morse'schen Erzeugnissen. Ich vermute, daher kann ich "One" voll und ganz durchweg begeistert geniessen. Zum Vergleich: "Testimony" besitze ich nicht, kenne ich aber von diversen Hörversuchen und muss sagen, dass dort gebotene war mir zu "schrammelig", zu sehr Singer-/Songwriter-Popmusik. "Snow" hingegen empfand ich in der ersten Hälfte schon immer als eher durchschnittliche Rockmusik ohne grösseren Nährwert, während mich die zweite Hälfte durchaus ansprechen, letztlich aber nicht richtig begeistern konnte.

"One" hingegen kann mich begeistern. Die Longtracks bieten durchweg eine Mischung aus den frühen Spock's Beard und Transatlantic. Wer noch Zweifel hatte, wer bei diesen Bands das Zepter in der Hand hielt, der weiss jetzt bescheid. Die Longtracks bestechen durch verspielten Bombast, unterhaltsame Komplexität und frischen Groove. Gerade "Reunion" ist da sicherlich ein gutes Beispiel, hier sorgen die integrierten Bläser sogar für eine Synthese zwischen dem Morse-Sound und erstaunlichen Anklängen an The Who ("Tommy" lässt schön grüssen). Mein persönliches Highlight ist allerdings das sowohl komplexe wie auch erfrischend rockige "Author Of Confusion". Und dazu diese tollen Gesangsparts... Klasse! Das ganze Album wirkt sozusagen "proggiger" als der Vorgänger und auch "Snow".

Die dazwischen gepackten kürzeren Stücke repräsentieren durchweg die Seite von Neal Morse, die ich so gar nicht mag. Ich kann diese kurzen, schwülstigen Kitsch-Balladen einfach nicht ab, schöne Melodien hin oder her. Das kann man aber sicherlich auch ganz anders empfinden und z.B. für die Ruhepausen zwischen den doch vielleicht etwas anstrengenden Longtracks dankbar sein.

Der geheime Held dieses Albums ist für mich im übrigen Schlagzeuger Mike Portnoy. Das immer präsente, druckvolle, ja laute Drumming mag vielleicht dem einen oder anderen ein Stück zuviel sein. Ich finde diese klasse Vorstellung gibt vor allem den rockigen Longtracks die richtige Würze.

Zur Feier des Tages habe ich mir natürlich auch die "Special Edition" mit Bonus-CD zugelegt: Nun ja, das hätte ich mir sparen können. Die Morse'schen Songs (4 von 9) schlagen genau in die von mir weiter oben beschriebene Kerbe, die ich nicht mag. Das könnten also 'richtige' Morse-Jünger gerade andersherum empfinden! Die Covers sind relativ belanglos, bis auf "I'm Free / Sparks", in welchem so richtig auf die 12 abgerockt wird, als gäbe es kein Morgen.

Fazit: Ein echtes Prog-Spass-Album, welches einen glänzend unterhält, sofern man eine Ader für diese Verschmelzung von mainstreamiger Rock-Musik mit RetroProg hat. "More of the same", wenn man schon alles von Neal Morse und Umfeld sein eigen nennt, aber auch dann sollte man das Teil noch gut geniessen können.

P.S.: Nichts gegen christliche Überzeugungen, aber die Texte habe ich erstmal nicht weiter beachtet.

Anspieltipp(s): Author Of Confusion, Reunion
Vergleichbar mit: na was schon: Spock's Beard, Transatlantic
Veröffentlicht am: 26.11.2004
Letzte Änderung: 26.11.2004
Wertung: 11/15

Zum Seitenanfang

Von: Jörg Schumann @ (Rezension 4 von 6)


Seit der Veröffentlichung von "one" ist nun bald ein Jahr vergangen. Früher dauerte es einige Tage bis wenige Wochen, bis ich Alben des Mr. Morse oder seiner Ex-Band Spock's Beard rezensiert hatte. Dass es diesmal so lange gedauert hat, lag einfach daran, dass mir zu diesem Album die Worte fehlten. Nein, nicht im positivsten bzw. negativsten aller Sinne. Es gab schlicht und ergreifend nichts Neues zu erzählen. Ich kann mich meinen Vorrezensenten im Wesentlichen nur anschliessen und möchte unterstreichen, dass sich Neal Morse auf seinem zweiten Soloalbum nach Spocks Beard und als trotzdem immer noch einziger "echter" Bart nicht neu erfunden hat. Die Stücke auf "One" klingen, wie Morse´sche Kompositionen immer geklungen haben, sie halten das hohe Niveau früherer Alben und machen immer noch Spass. Bei mir hat sich bis jetzt auch noch keine Übersättigung bemerkbar gemacht und selbst Zucker im Allerwertesten fiel mir nicht speziell auf.

Meine Highlights? Alles was länger als 9 Minuten ist.

Wer Neal Morse-Musik mag, der wird, solange Herr Morse Musik macht, jedes Jahr glücklich ein gutes neues Album in den Händen halten. Ich gehöre dazu.

Anspieltipp(s): The Creation
Vergleichbar mit: Neal Morse, Morse`s Bart
Veröffentlicht am: 13.7.2005
Letzte Änderung: 14.7.2005
Wertung: 11/15
AEG - aus Erfahrung gut!

Zum Seitenanfang

Von: Nik Brückner @ (Rezension 5 von 6)


Ich ergänze mal die Anmerkungen der Kollegen durch meine, und zwar zur Bonus-CD. Ich gebe zu, ich gehöre zu den Leuten, für die Bonus-CDs gemacht werden: uns kann man sie nämlich andrehen...

Von den Bonus-Songs sind die ersten 4 von Morse bzw. Morse/George, die anderen sind Coverversionen (5.: George Harrison, 6.: U2, 7.: Badfinger, 9.: The Who).

"Back to the Garden" ist ein Folkrocksong, der still zu akustischer Gitarre beginnt und dann mit Schlagzeug und Klavier etwas Drive gewinnt, *skip*, "Nothing to Believe" gehört in die gleiche Ecke, hat allerdings etwas mehr "Power" (etwas). *skip* "Cradle to the Grave" ist dasselbe wie auf dem regulären Album, allerdings ohne Gastsänger. Ziemlich kitschige Ballade, besser, man breitet das Mäntelchen des Schweigens drüber. *skip* Mit "King Jesus" kehrt der Rock ein, wenn auch nicht der progressive, ein straighter Rocker eben, wie er auf jedem Album jeder amerikanischen Mainstream-Rockband zu finden sein könnte, wenn da nicht das U2ige Ende wäre. *skip* "What is Life?": Spock's Beard haben mal einen Harrison-Song gecovert, hier wird nur nachgespielt. Nett, aber unnötig. *skip* Dasselbe gilt leider auch für die anderen Coverversionen. Ein Übersetzen in die Sprache des Progressive Rock findet an keiner Stelle statt. Lediglich das Morsesche Soundgewand bekommen die Stücke umgelegt. *skip* *skip* *skip* Bleibt "Chris Carmichael's Aria": Chris Carmichael spielt bekanntlich seit einigen Jahren für Neal Morse das eine oder andere Streichinstrument, so auch auf dieser Platte. Hier hat man eine Minute seiner Musik mit unisono-Vocals zusammengemischt. Nun ja. Nicht wirklich der Track, der die Bonus-CD zum Muß macht.

"This is the best bonus disc I've ever heard!!" heißt es auf der Website von Radiant. Nein. Diese Bonus-Disc wurde von vornherein als solche geplant und aufgenommen: das führt den ursprünglichen Sinn der Sache ad absurdum. Dann macht doch gleich ein Doppelalbum (um Himmels Willen!) oder eins mit Coverversionen (dito).

Meine Nachträge zum regulären Album: "The Creation", "Author Of Confusion" und "The Separated Man" sind die drei Progtracks auf dem Album, alles andere ist eher straighter, mainstreamiger Rock. Das Ganze ist eingespannt in ein Konzept, das das Gleichnis vom verlorenen Sohn variiert. Das religiöse Thema dominiert also weiterhin auf den Alben des "Wiedergeborenen Christen" Morse.

Ein Wort noch zu Portnoy. Der wird ja in Bezug auf dieses Album, aber auch in Bezug auf alles andere, was er macht, buchstäblich in den Himmel gehoben, ja sogar zum "Prog-Gott" erklärt. Meiner Meinung nach ist das vollkommen unangemessen. Portnoys Liebe gehört Dream Theater, dort spielt er erstklassig. Jenseits seiner Stammband aber finde ich ihn viel zu straight, fantasielos - und vor allem laut. Kein Vergleich mit dem geschmackvollen und weit sensibleren Spiel von Nick D'Virgilio. Ich vermisse dessen technische Raffinesse hier, Portnoys Beitrag ist mir zu konventionell und der Qualität des Albums eher abträglich.

Und noch eins: wie zum Teufel hat es Michael Steinbrecher auf das Cover geschafft?!?

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Morse, Transatlantic, Spock's Beard et al.
Veröffentlicht am: 19.9.2005
Letzte Änderung: 19.2.2013
Wertung: 10/15
Note für die Bonus-CD: 2

Zum Seitenanfang

Von: Jan Hamm (Rezension 6 von 6)


Die musikalische Seite von Mr. Morses bisher proggigstem Solowerk ist ja bereits zur Genüge beleuchtet worden. Wozu also noch eine Rezension? Von den christlichen Texten und ihrer stellenweise missionarisch anmutenden Färbung mag man halten, was man will, heisst es. Dann will ich mal etwas davon halten.

Ich bin kein Christ. Ich habe mir meine skeptische Haltung organisierten Religionen gegenüber nicht einmal aussuchen können, sie hat sich im Lauf meines Lebens ergeben und gefestigt. Und wenn Herr Morse glaubt, Menschen wie mich mit seiner Musik bekehren zu können, irrt er sich. Er kann allerdings etwas anderes, hoffentlich in seinen Augen ebenso wünschenswertes - mich berühren. Was Sebastian Mack weiter oben bereits gut formulierte, kann ich nur wiedergeben: Die Musik kommt von Herzen und kann, soweit es der Rezipient zulässt, tief berühren. Das hat er bei mir vortrefflich geschafft und ich halte es für angebracht, den skeptischen bis toleranten Perspektiven auf Morse' Texte noch eine ausgesprochen bejahende hinzuzufügen. Dabei geht es mir nicht so sehr um den zugegebenermaßen sehr kitschigen Anstrich, den 'Father Of Forgiveness' mir aufdrängt, sondern eher um die religiöse Ekstase, die aus dem Album als Gesamtwerk spricht. Ich habe als nichtreligiöser Mensch dennoch einen Zugang zu ekstatischen Gefühlen und die Geschichte des verlorenen Sohnes, die auf One entfaltet wird, berührt mich in zweierlei Hinsicht.

Einerseits haben christliche Texte dieser Ausrichtung generell einen harmonischen Charakter. Letzten Endes thematisiert Morse ja nichts weiter als die ewige Sinnsuche des Menschen, inklusive der möglichen Irrwege. Und wer kennt das Gefühl, einen Irrweg beschritten zu haben, nicht? Dass die Rückbesinnung auf den rechten Weg hier in christlichen Bildern ausgedrückt wird, ist nicht relevant. Viel wichtiger ist mir die Aussage, dass ein falscher Weg nicht ins Verderben führen muss - wie es zahllose Bands in schwärzesten Texten zur Genüge portraitiert haben - sondern dass man ihn mit grundlegenden Erkenntnissen beenden und hinter sich lassen kann. Diese tatsächlich frohe Botschaft kann ich problemlos auf nicht- oder zumindest lediglich quasi-religiöse Bereiche meines Lebens übertragen. Die Herrschaftsbestreben und/oder Unabhängigkeitsbekundungen des lyrischen Ichs gegen Gott (oder in adaptierter Form über einen Menschen oder eine Lebenssituation im allgemeinen?), die in 'The Seperated Man' verkündet werden, sowie die anschließende Vereinsamung und Besinnung auf einen anderen Lebensweg sind irgendwo auch ein Stück Leben abseits aller Religiösität.

Und andererseits habe ich anhand dieser Platte eine lang verschüttete Empathie gegenüber so emotionalen und in ihrer spirituellen Erfahrung glaubhaften Menschen, wie Morse es zweifelsfrei ist, wiedergefunden - wenn nicht sogar erstmals entdeckt. Es macht einfach Spaß, an derart intensiven Gefühlen zumindest fragmentarisch teilhaben zu können. Ich hätte mich fast etwas sarkastisch als Dieb bezeichnet, der, nicht in der Lage, selber so religios zu empfinden, an den Gefühle anderer teilhat. Das entspräche aber nicht meiner ehrlichen Auffassung des Hörerlebnisses.

So ist das Textkonzept für mich ein nicht zu unterschätzender Baustein im Gesamteindruck der Platte. Aller Reproduktion und gewissermaßen auch Stagnation im Schaffen des Herrn Morse zum Trotz - 'One' ist einfach schön! ;)

Anspieltipp(s): The Seperated Man, The Creation
Vergleichbar mit: Neal Morse ;)
Veröffentlicht am: 8.11.2006
Letzte Änderung: 8.11.2006
Wertung: 12/15
falls man einen Zugang zu spiritueller Musik hat ein großer Genuss

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Neal Morse

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1999 Neal Morse 6.67 3
2000 Merry Christmas From The Morse Family 10.00 1
2001 It's Not Too Late 6.33 3
2003 The Transatlantic Demos 10.00 2
2003 Testimony 9.00 6
2004 Testimony Live (DVD) 11.00 1
2005 ? 10.75 4
2006 Cover To Cover - 1
2006 Send the Fire - 1
2007 Sola Scriptura 7.33 7
2007 Songs From The Highway - 1
2007 ? Live 6.33 3
2008 Sola Scriptura And Beyond (2DVD) 12.50 2
2008 Lifeline 7.40 5
2009 So Many Roads (Live In Europe) 10.00 2
2011 Testimony two 10.33 3
2012 Momentum 11.33 3
2013 LIVE Momentum 11.00 1
2014 Songs From November - 2
2015 The Grand Experiment 9.67 3
2015 Morsefest 2014 10.50 2
2016 The Similitude Of A Dream 10.75 4
2016 Alive Again 10.00 2
2017 Morsefest 2015 12.00 2
2018 Life & Times - 1
2018 The Similitude Of A Dream Live In Tilburg 2017 11.50 2

Zum Seitenanfang

© 1999-2018; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Datenschutzerklärung - Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum