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Hans-Joachim Roedelius

Durch die Wüste

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1978 (auf CD 1995)
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental
Label: Sky
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Hans-Joachim Roedelius Tasten,Percussion,Episoden,Saiten,Stimme
Joso Christo Gitarren und Baß
Konrad Plank Stimme,Gitarre,Mischpult,Percussion,Synthi

Tracklist

Disc 1
1. Am Rockzipfel 5.02
2. Durch die Wüste 13.51
3. Johanneslust 5.00
4. Glaubersatz 3.26
5. Mr.Livingstone 5.40
6. Regenmacher 6.39
Gesamtlaufzeit39:38


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @


Wie könnte der folgende Widerspruch gemeint sein: Auf dem Cover von "Durch die Wüste" sieht man eine ins Wasser springende Gestalt. Bedeutet das etwa einen durch Sprung ins frische Naß symbolisierten Anfang einer Solokarriere, dieses nach langer Durststrecke, die voller halbherziger Kompromisse steckte?

Dem ersten Soloalbum des Cluster Musikers, das bereits 1976 aufgenommen wurde, wird oft vorgeworfen, die Persönlichkeit von Roedelius nicht richtig zur Geltung kommen zu lassen. Es soll angeblich eine mit Schwächen behaftete Abrechnung mit der "Krautrock-Ära" gewesen sein. Und wenn man die unentschlossen schleppende, tatsächlich leicht "krautrockige", Trio-Improvisation von "Am Rockzipfel" hört, ist man geneigt, sich solcher Kritik anzuschließen. Für mich bleibt dieses Stück aber der einzige wirkliche Schwachpunkt von "Durch die Wüste".

Der Anfang vom fast 14-minütigen Titeltrack erinnert schon viele eher an einige spätere Solowerke von Roedelius. Allerdings wird das meditative, von Naturgeräuschen unterlegte E-Piano-Intro sehr schnell durch eine Anhäufung von ebenso seltsamen wie originellen elektronischen Collagen abgelöst, die wie eine lässig-avantgardistische Reise ins Unbekannte anmuten. Gegen Ende des Stückes erwächst daraus ein klarer strukturiertes, aufsteigendes, viel Raum für Improvisationen lassendes Thema für verfremdete elektrische Gitarren und Keyboards.

"Johanneslust" deutet, dem Titel ensprechend, mittels mehrspuriger Keyboards eine verhaltene Lebenslust an. Wie viele Stücke von Roedelius, vermittelt für mich "Johanneslus", ähnlich wie das darauffolgende, mit klassisch angehauchten Keys-Arpeggios aufwartende "Glaubersalz", das Bild von einem optimistisch eingestellten, aber dennoch äußerst raffinierten Menschen, der in seiner Kunst nur einen Teil von sich nach außen trägt . Interessanterweise löst sich das so harmonisch beginnende "Glaubersalz" in Dissonanzen auf.

"Mr. Livingstone" kombiniert Fernöstliches von Synthies mit reichhaltiger Perkussion (darunter auch Kuhglocken). Eine Stimme gibt gelegentlich ein im Hintergrund zu hörendes, zufriedenes "Aaaaaaah" von sich. Nicht zuletzt durch solche Feinheiten ist das Stück ein Roedelius-typisches Beispiel von bizarrem Humor und Originalität.

Das mit rhythmischer Perkussion und Windgeräuschen beginnende "Regenmacher" wirkt auf mich wie ein Soundtrack aus längst vergangener Zeit, als einige von uns in ihrer Ohnmacht noch versuchten, mit Zaubersprüchen das Wetter zu beeinflußen. Dass unsere Vorfahren damals gerade seßhaft wurden, bezeugen die hier einige Male elektronisch erzeugten Kuhlaute. "Regenmacher", und damit auch die Platte, endet mit einem Klangbild, das sich für mich wie brutzelndes Bratenfett zum tobenden Gewitter anhört.

"Durch die Wüste", das Solo-Debüt von Hans Joachim-Roedelius, ist für mich viel besser als sein Ruf. Nach dem etwas schwachen Opener bietet das Album mit klassischer und bizarrer Schönheit, ungewohnten Arrangements und avantgardistischen Momenten einiges an Abwechslung, das alles garniert mit dezentem Humor.

Das Album mag nicht das ausgewogenste von Roedelius sein. Vielleicht fehlte da einigen die so oft bei diesem Künstler dominierende, kurzweilig-kitschfreie Harmonie. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist "Durch die Wüste" allen Freunden von außergewöhnlichen Klängen zu empfehlen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.2.2005
Letzte Änderung: 2.4.2006
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Hans-Joachim Roedelius

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1979 Selbstportrait 9.00 2
1979 Jardin au Fou 11.00 1
1980 Selbstportrait - Vol. II 9.00 1
1980 Selbstportrait Vol. III "Reise durch Arcadien" 8.00 2
1981 Wenn der Südwind weht (Selbstportrait IV) 9.00 1
1981 Lustwandel 11.00 1
1982 Wasser im Wind 11.00 1
1982 Offene Türen 10.00 1
1984 Geschenk des Augenblicks/Gift of the moment 10.00 1
1998 Aquarello 8.00 1
1999 Global Trotters Project, Vol. I: Drive 7.00 1
2000 Roedeliusweg 11.00 1
2010 Ex Animo 11.00 1
2012 Plays Piano 11.00 1
2014 Kollektion 02 (electronic music) - 1
2014 Tape Archive 1973 - 1978 - 1

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