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Glass Hammer

The Inconsolable Secret

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2005
Besonderheiten/Stil: mit Orchester; Konzeptalbum; Folk; Neoprog; RetroProg; sonstiges
Label: Arion Records
Durchschnittswertung: 8.5/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Steve Babb Keyboards, Bass Guitar, Vocals
Fred Schendel Keyboards, Electric Guitar, Steel Guitar, Vocals
Walter Moore Vocals
Susie Bogdanowicz Vocals
Matt Menians Drums

Gastmusiker

Sarah Snyder Featured Soprano
Bethany Warren Backing Vocals and Girls Choirs
Flo Paris Vocals on "Long And Long Ago" & "Having Caught A Glimpse"
Eric Parker Acoustic Guitar
Rebecca James Concert Master & Violin
Susan Hawkins Viola
Rachel Hackenberger Cello
Laura Lindstrom Vocals on "Morrigan's Song"
Stephanie Rumpza Recorder & Choir
Tom Hammer Featured Tenor
David Carter Lead Guitar on "Long and Long Ago"
Haley McGuire Girls Choir
Summer Hullender Girls Choir
Emily Hammett Girls Choir
Natalie Pittman Girls Choir

Tracklist

Disc 1
1. A Maker Of Crowns 15.21
2. The Knight Of The North 24.39
3. Roger Dean Desktop Art
4. The Inconsolable Lyrics
5. The Inconsolable Sessions Video
6. The Lay Of Lirazel (an epic poem by Steve Babb)
Disc 2
1. Long And Long Ago 10.23
2. The Morning She Woke 5.36
3. Lirazel 4.30
4. The High Place 3.33
5. Morrigan's Song 2.23
6. Walking Toward Doom 2.06
7. Mog Ruith 2.03
8. Through A Glass Darkly 6.55
9. The Lady Waits 5.46
10. The Mirror Cracks 2.12
11. Having Caught A Glimpse 13.23
Gesamtlaufzeit58:50


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 4)


Wenn in einem Konzept-Doppelalbum die erste CD mit "The Knights" und die zweite mit "The Lady" überschrieben ist, dann habe ich schon einen ersten Verdacht, in welche Richtung sich die Prog-Tafelrunde nun wieder einmal drehen könnte. Dieser Verdacht hat sich bestätigt (obwohl ich das Cover von Roger Dean nicht recht in ein solches Inhaltskonzept einordnen kann), aber die Story (und vor allem ihre Überlieferungsgeschichte) erweist sich als erheblich komplizierter, als ich zunächst vermutet hatte:

Eine mittelalterliche Legende (deren Einzelheiten längst vergessen sind) inspiriert einen gewissen Alfred Lord Tennyson 1832 zu einem Gedicht (The Lady of Shallot). Dieses Gedicht inspiriert dann den Maler John W. Waterhouse (1849-1917) zu einem Gemälde (The Lady of Shallot; sie hockt in einem Boot) und einen weiteren Maler namens Sidney Harold Meteyard (1868-1947) zu einem weiteren Gemälde (I am half-sick of shadows, said The Lady of Shallot; sie sitzt vor einem Spiegel und einem handgewebten Teppich). Diese beiden Bilder inspirieren ihrerseits einen amerikanischen Musiker namens Steve Babb jahrelang, bis dann noch ein Maler namens Bart Lindstrom, der auch Photograph der Band Glass Hammer ist, noch ein Gemälde für Glass Hammers Studio mitbringt. Nun gibt es für Steve Babb kein Halten mehr: nachdem sowohl seine Frau wie auch seine Schwester für diese Idee entflammt sind, dichtet er eine Ballade im alten Jambus-Stil, die 20000 (in Worten: zwanzigtausend) Worte umfasst, und gibt ihr den Titel "The Lay of Lirazel". Basierend auf diesem Eigenwerk konzipiert er schließlich zusammen mit Bandkollege Fred Schendel ein - wir ahnen es längst - neues Doppelalbum von Glass Hammer (The unconsolable secret).

Und das ist nur ein Teil der ganzen Tragödie - bei Tennyson geht die Story der Lady in etwa wie folgt (und ich bitte den Leser, mir die wenig romantischen Termini nachzusehen): Die Lady ist in einem Turmzimmer gefangen, weil ein Fluch auf ihr lastet, der schlimmer ist als der schlimmste Computervirus und der sich dann aktiviert, wenn sie den Turm verlässt oder auch nur aus dem Fenster schaut. Die Wirklichkeit außerhalb ihres Gefängnisses sieht sie nur durch einen Spiegel in ihrem Zimmer, der wie ein Monitor die Außenwelt reflektiert. Sie verbringt ihre wenig interaktiven Tage damit, dass sie die gesehenen Eindrücke des Spiegel-Monitors in Teppiche einwebt. Eines Tages erblickt sie am Rande des Spiegels in einer Art plötzlichem Pop-Up das Antlitz des Ritters Lancelot, und nun hat sie endlich einen Grund gefunden, den Turm zu verlassen. Lancelots wegen läuft sie schnell ans Fenster, und da ist es auch schon um sie geschehen: Sie flieht und rudert mit einem Boot nach Camelot, Lancelot hinterher, aber sie spürt sofort, wie der Fluch-Virus ihr Lebenssystem infiziert. Dennoch überquert sie das Wasser, öffnet dabei singend alle noch zugänglichen Audio-Dateien und wird schließlich von Lancelot gefunden. Sie ist schon tot, aber es war die Sache wert: sie hat kurz die Welt und Lancelot hat SIE gesehen!

Wenn das keine Story für ein Prog-Konzeptalbum ist! Im Vorwort zu seinem Gedicht schreibt Steve Babb, ihn habe an der alten Legende immer der Umstand nicht zufrieden stellen können, dass so viele Fragen offen bleiben: in keinem Wort erwähnt Tennyson, wieso die Lady verflucht wurde und wer sie mit dem Fluch belegt hat. Steve Babb dagegen bleibt keine Antworten schuldig: seine Textfassung wartet auf mit Helden, Kentauren, Engel-Armeen, Zwergen, Elfen, einem mächtigen, gerechten König (= Vater der Lady) und einem finsteren Ritter (= Verursacher des Fluchs). Manche Begriffe, die Babb benutzt, haben ihre eigene Geschichte: Der Autor C.S. Lewis erwähnt den Begriff "Inconsolable secret" in seinem Buch "The weight of glory", und "Lirazel", der neue Name der Lady (die in der Legende auch als "Elaine" bekannt ist) stammt aus Lord Dunsany´s "The King of Elfland´s Daughter". Man kann das auch wie folgt zusammenfassen: so, wie diese Story jetzt vorliegt, gibt es darin nichts, was es als Prog-Klischee nicht gibt. Und Hollywood hat auch Pate gestanden: Jeder liebt ein Happyend, und deshalb lauten die Schlussverse aus Steve Babb´s Ballade denn auch: "The curse was lifted, life restored, through the mercy and grace of her father and lord."

Übrigens enthält das gefaltete Digipak keinerlei Lyrics und erst recht kein Gedicht; das alles ist aber als Enhanced-Bonus auf der ersten CD enthalten, dazu noch ein Session-Video und das Coverbild für den Desktop.

Ach Herrje, jetzt rede ich hier über alte Rittersagen und holde Frolleins, hab aber noch kein Wort über die Musik verloren: nun, die ist so, wie man sie mittlerweile von Glass Hammer nicht anders erwartet: dicht strukturierter Retroprog mit unbezwingbarer Keyboard-Dominanz - logisch bei zwei Keyboardspielern, von denen der eine die Mellotron-Teppiche und der andere die Soloparts übernehmen kann; dazu ein gut ins Spiel gebrachter Bass, der sich mit dem Schlagzeug ergänzt: übrigens glänzt an den Drums wieder der beeindruckende Matt Mendians, der m.E. schon 2004 den NEARfest-Auftritt gerettet hat - ich werde den Verdacht nicht los, dass allein dieses Mannes wegen die Produktionsqualität der Glass-Hammer-Alben deutlich besser als früher geworden ist - wer seine Kunst so beherrscht, will ja auch deutlich gehört werden, und das könnte dazu geführt haben, dass die früher oft einseitig und zu blechern in den Vordergrund gemischten Keys jetzt zurückgefahren werden und der Sound Raum für mehr Tiefe lässt.

Was geblieben ist wie früher, ist leider der schwache Gesang - bis auf die Soloparts von Susie Bogdanowicz, wenn sie die Lady Of Shallot persönlich gibt. Dazu kommt mir der Gedanke, dass Glass Hammer mit nur weiblichen Vocals auch mal eine gute Idee wäre...

Und mit Gitarren haben sie´s ja auch nicht so: im Equipment sind zwar welche angegeben, aber die muss ich mit dem Hörrohr suchen - was natürlich kein Problem darstellt, wenn eine Band sich in die Fußstapfen von Greenslade oder ELP begibt, was Glass Hammer eben auch bewusst tun. Jedoch erreichen sie noch immer nicht die kompositorische Dichte ihrer altenglischen Prog-Vorbilder, was ich ein wenig bedauerlich finde, vor allem angesichts der Story des Konzepts: mal abgesehen davon, ob man sie mag und ansprechend findet oder nicht: es sollte möglich sein, ihre helleren und dunkleren Aspekte in jeweils euphorischeren oder düstereren Klängen zu interpretieren, als es der Band gelingt. Ihre spieltechnische Versiertheit ist über jeden Zweifel erhaben, aber emotionale Tiefe drückt die Musik nur selten aus, und deshalb ist sie auch kaum wirklich ergreifend; dabei wird an Ausdrucksmöglichkeiten nirgendwo gespart: vom Band-Equipment über Chor bis zum Orchester ist jede äußerliche Voraussetzung vorhanden, aber die Ergebnisse bleiben leider zumeist an der Gefühls-Oberfläche.

Abschließend: Glass Hammer (und ganz besonders Steve Babb) haben auf ihre Art großen Fleiß und Engagement in dieses Projekt investiert, und ich finde, sie sollten damit wenigstens bei allen Retro-Fans, Vintage-Proggies und Keyboard-Wizards entsprechend großen Erfolg haben. Retro-Hasser dagegen werden höchstwahrscheinlich kaum ein gutes Haar an der Lady Of Shallot lassen - obwohl die gar nichts dafür kann...

Anspieltipp(s): "The morning she woke" und "Walking toward doom": die 2 Songs repräsentieren m.E. am besten die unterschiedlichen Stimmungen der Story.
Vergleichbar mit: vor allem ELP und Rick Wakeman
Veröffentlicht am: 6.7.2005
Letzte Änderung: 10.5.2013
Wertung: 9/15
Trotz gelegentlich ironischer Bemerkungen mag ich solche Musik; wer das von sich nicht behaupten kann, sollte sich 2 Punkte wegdenken.

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 2 von 4)


Ich habe eine gewisse Schwäche für Glass Hammer, aber das ist ja kein Geheimnis. Mit "Chronometree" und "Lex Rex" haben Fred Schendel und Steve Babb zwei der besten Alben aufgenommen, die es in der extremen Retro-Schiene so gibt.

Also freue ich mich auf ein neues Glass Hammer-Album. Aber wenn ich dann höre, dass es sich um ein Konzeptalbum handelt, noch dazu ein Album mit 2 CDs. Wenn ich lese wieviele Beteiligte da im Studio waren, wenn ich sehe, dass Roger Dean für's Artwork bemüht und dass die zugrundeliegende Geschichte von Steve Babb himself geschrieben wurde. Dann wird es mir allerdings etwas bange. So ein Overkill geht selten gut und endet meistens irgendwo in einem kitschigen Sumpf. Ein Ort, an dessen Ufern Glass Hammer ohnehin oftmals gefährlich wandeln...

Da sich die Kollegen oben einige Mühe mit der Beschreibung dieses Doppelalbum gegeben haben, will ich mich versuchen kurz zu fassen.

So schlimm wie erwartet, wird es dann doch nicht. Irgendwie bekommen Glass Hammer die Kurve, auch wenn "The Inconsolalble Secrets" sicherlich kein Meilenstein in der Bandhistorie wird. "Inconsolable" das kann immerhin auch "trostlos" heissen, also Vorsicht!

Auf der ersten CD (benannt "The Knights") liefern Glass Hammer zwei typische Longtracks ab, wobei der zweite sogar ziemlich eigenständig daherkommt. Eine Unmenge an klassischen Zitaten versteckt sich ohnehin immer in der Musik der Amerikaner, aber bei "A Maker Of Crowns" ist die Anlehnung an Yes und ELP deutlicher als eben bei "The Knight Of The North". Ausserdem hat "The Knight..." deutlich mehr Drive als der Opener. Das liegt schon daran, dass hier Drummer Matt Mendians mal richtig prägnant spielt. Leider der einzige Track auf beiden CDs, bei dem dies so ist. So wird der durchaus positive Einfluss von Mendians leider ziemlich verschenkt. Gitarren sind hier noch seltener als ohnehin schon bei Glass Hammer und dann wird das beste Solo auch noch gleich im ersten Track verbraten.

Eine Ohrenweide ist wie immer die Keyboardarbeit. Allerdings kommt sie für mich auch nicht so füllig und mitreissend 'rüber wie auf früheren Glass Hammer-Alben. Mir scheint, dass sich Steve Babb diesmal viel stärker auf das Bassspiel konzentriert hat und daher Fred Schendel das Tastenarsenal ein Stück als Einzelkämpfer bedienen muss. Das entschlackt den Gesamtsound zwar ein bisschen, aber es nimmt auch einiges von dieser ganz speziellen Glass Hammer-Atmosphäre. Klarer Sieger dabei ist allerdings der Bass. So druckvoll und präsent hat man den Bass bei Glass Hammer noch nicht gehört.

Der Beginn von "The Knight..." mit dem wunderbaren Streicherensemble ist für mich der Höhepunkt der beiden CDs.

Auch die zweite CD ("The Lady") beginnt noch mit einem dieser typischen yes-lastigen Glass Hammer-Epen. Dabei geht "Long And Long Ago" auch noch so richtig ab. Toller Einstieg!

Dann wird es aber - für mich - schwierig. Glass Hammer ordnen im folgenden ihre Musik ziemlich der erzählten Geschichte unter. Vermutlich eigentlich richtig, wenn man ein Konzeptalbum darbieten will, aber für mich geht hier die Atmosphäre vollends verloren. Ich ertappe mich desöfteren dabei, dass die Musik einfach so an mir vorbeiplätschert. Alle herausragenden musikalischen Teile kommen nur noch wie durch eine Schalldämmung gehemmt an. Und damit geht sowohl die Dynamik wie auch das Mitreissende vieler Parts einfach verloren. Vielleicht liegt es auch daran, dass hier relativ viele Passagen eher ruhig und, bei allem Wohlklang, mit so einer pseudo-düsteren Attitüde daherkommen, die ich einfach nicht mit Glass Hammer verbinde. "Lirazel" mag hier als Beispiel dienen.

Das klingt jetzt sehr negativ... es ist immer noch sehr schöner Retro-Prog mit allerlei Anleihen von Genesis über Yes bis ELP, sehr typisch Glass Hammer. Aber es packt mich nicht... vielleicht bin ich einfach nicht bereit den Musikern in dieses verwunschene Dorf zu folgen ;-)

Das wurde jetzt doch wieder etwas länger... Was bleibt ist ein solides Glass Hammer-Album, nämlich die erste CD "The Knights" und ein bisschen ein seltsames, oftmals an ein Musical (wobei ich Musicals nicht per se schlecht finde) erinnerndes Experiment mit Glass Hammer-Ingredenzien auf der zweiten CD. Zu diesem eher durchwachsenen Eindruck passt sicherlich auch, dass das Artwork von Roger Dean zwar auf den ersten Blick erkennbar ist, aber keinen besonders gelungenen Eindruck macht.

Vielleicht sollten Schendel und Babb beim nächsten Album wieder einen Gang zurückschalten und einfach wieder ein tolles retrolastiges Tastenorgien-Album abliefern...

Anspieltipp(s): The Knight Of The North ;-)
Vergleichbar mit: wie immer... 70er Prog aller Orten, vor allem Yes, ELP, Wakeman, Genesis etc.
Veröffentlicht am: 7.7.2005
Letzte Änderung: 8.7.2005
Wertung: 9/15
Mit mindestens einem Bonuspunkt aus alter Verbundenheit

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 3 von 4)


Es gibt eine Menge Progbands, die gerne das Rad neu erfinden. Hauptsache, man kann damit rückwärts rollen. Dahin, wo alle schon mal gewesen sind. Und so wächst die Zahl der vertonten Ritter, Könige, Jungfrauen, Gaukler, Clowns, Ufos, Götter, Hobbits und Drachen Jahr für Jahr munter weiter. Bei so einer Massenproduktion muss sich natürlich mancher König mit einer Krone aus Goldfolie bescheiden und mancher Ritter mit nem Schwert aus Pappe. Wie es sich für Imitate gehört.

Treu dem Motto, es wurde bereits alles gespielt, bloß noch nicht von allen, bringen auch Glass Hammer die Musik unserer Klassiker noch mal heraus, gleich verpackt, aber wie die meisten Reprints nicht ganz mit dem Charme der Originale. Sie zitieren z.B. "Parallels" von Yes, aber so wie sich Parallelen erst im Unendlichen schneiden, kann man auch hier unendlich lange darauf warten, dass die Sache den Reiz der Vorlage erreichen würde.

Klar, auch Wiederholungen können Spaß machen. Ausgerechnet immer das zu wiederholen, was am Prog am peinlichsten ist, nämlich seine Elastolin-Ritter-Romantik und Freizeitpark-Fantasy, führt aber zu einer Kirmesmusik im 7/8-Takt. Und die ist auch nicht viel besser als die im 3/4-Takt.

CD 2 - die Story mit der Lady - ist ein Musical, tatsächlich, und wenn ich Musical sage, meine ich das negativ. Musicals sind Ausdruck musikalischer Meinungslosigkeit, verkündete jüngst das Mitglied einer berühmten Band, über die gerade ein erfolgreiches Musical im Umlauf ist. Und da hat er Recht, während er sich die Taschen vollstopft.

CD 1 beinhaltet zwei Longtracks wie oben beschrieben.

Ohne Musical, ohne Könige und Ladies und ohne all den Retro-Zwang könnten Glass Hammer ganz gut sein. Die Musik hat im wesentlichen zwei direkte Schwächen: den äußerst intonationsschwachen Gesang und das einfallslose Drumming. Dass meine Mitrezensenten dem Schlagzeuger hier teilweise Kränze flechten, hat mich wirklich verblüfft. Auf den BBS sind hunderte Platten besprochen, auf denen exzellentes, differenziertes, farbenreiches, atemberaubendes Schlagzeugspiel zu hören ist. Dieses Album gehört bestimmt nicht dazu. Soweit der Schlagzeuger Spitzenwerte erreicht, tut er es nur auf der nach oben geschlossenen Alan White-Skala.

Trotzdem glaube ich (doppelt unterstrichen!), dass sich hier Musiker unter Wert verkaufen. Das Publikum ists offenbar, das nach solchen Surrogaten lechzt. Ich bin erfreut, dass meine Mitschreiberlinge dazu schon ne Menge kritische Worte gefunden haben. Und Hennning hat mir ja auch schon den Weg zur Benotung gewiesen.

Anspieltipp(s): Die Anspieltipps sind alle schon vor dreißig Jahren erschienen.
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.7.2005
Letzte Änderung: 8.7.2005
Wertung: 7/15
Nach Hennings Anleitung.

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 4 von 4)


Mir hat das Cover dieser CD von Anfang an gefallen. Und zwar nicht das Motiv (da weiß ich nicht so recht, was das überhaupt sein soll: Kartoffel mit Knospen, aufgeblasenes Strandspielzeug oder doch futuristisches Hochhaus), sondern die Farbwahl. Das türkis-hellblau auf schwarz ist einfach klasse. Aber eigentlich interessieren mich Cover nicht wirklich...

Musikalisch machen Glass Hammer dort weiter, wo sie mit Shadowlands aufgehört haben: mit perfekt zubereitetem und angerichtetem 70er Jahre-Prog, der den Odem der "Großen" atmet, hier v.a. den von Yes und Emerson, Lake and Palmer.

Babb und Schendel haben sich erneut einige tolle Stücke auf den Leib komponiert, die farbig, abwechslungsreich und trotz der unüberhörbaren Färbung durch die Vorbilder eigenständig sind. Und die durch den Schlagzeuger aus Fleisch und Blut endlich auch die nötige Power und "Erdung" erfahren, die ProgROCK für meinen Geschmack haben muss. Dabei hat Ralf durchaus Recht, wenn er Mendians Spiel nicht besonders farbenreich oder gar atemberaubend findet. Das stört mich im Gesamtkontext der Stücke aber überhaupt nicht, da es sich perfekt ins Gesamtbild der Musik einbettet. Allzu verschnörkeltes Drumming würde hier nicht passen, da die Stücke gesamthaft eher episch und ruhig angelegt sind und nicht vertrackt oder rhythmisch komplex. So legt das Schlagzeug hier zusammen mit dem Bass ein solides Rhythmus-Fundament, auf dem die Tastenmänner ihre Tongebäude errichten können.

Wer Glass Hammer bisher mochte, der kommt auch an diesem Album nicht vorbei. Zu gut ist das hier Gebotene. Alle, die mit Retro- / Neoprog der beschriebenen Machart nichts anzufangen wissen; bitte nicht weiter darüber aufregen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.2.2011
Letzte Änderung: 20.6.2011
Wertung: 9/15
Unter Zuhilfenahme des Mangold-Günther-Bewertungsschlüssels kann man jeweils 2-3 Punkte addieren oder subtrahieren

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Glass Hammer

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1993 Journey of the Dunadan 5.00 2
1995 Perelandra 7.67 3
1997 Live And Revived 5.50 2
1998 On To Evermore - The Story Of Ariana And The Sculptor 8.33 3
2000 Chronometree 12.00 4
2001 The Middle Earth Album - 3
2002 Lex Rex 11.67 3
2004 Shadowlands 9.75 4
2004 Lex Live (DVD) 7.00 1
2004 Live at NEARfest 11.75 4
2006 Live At Belmont (DVD) 7.00 2
2007 The Compilations 1996 - 2004 10.50 2
2007 Culture of Ascent 8.80 5
2008 Live At The Tivoli (DVD) 8.00 1
2009 Three Cheers For The Broken Hearted 4.00 2
2010 IF 8.33 6
2011 Cor Cordium 7.67 3
2012 Perilous 10.50 2
2014 Ode To Echo 11.00 2
2015 The Breaking Of The World 11.50 2
2015 Double Live 10.00 1
2016 Valkyrie 10.50 2
2017 Untold Tales 12.00 1

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