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Gentle Giant

Civilian

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1980
Besonderheiten/Stil: HardRock; Rock / Pop / Mainstream
Label: Chrysalis
Durchschnittswertung: 7.25/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Derek Shulman vocals
Ray Shulman bass,acoustic guitars,backing vocals
Kerry Minnear keyboards,vocals
Gary Green all guitars
John Weathers drums,backing vocals

Tracklist

Disc 1
1. Convenience (clean and easy)   (Green/D.Shulman) 3.12
2. All through the night   (R.Shulman/D.Shulman/Minnear) 4.20
3. Shadows on the street   (R.Shulman/D.Shulman/Minnear) 3.17
4. Number one   (R.Shulman/D.Shulman/Minnear) 4.44
5. Underground   (R.Shulman/D.Shulman/Minnear) 3.47
6. I am a camera   (R.Shulman/D.Shulman/Minnear) 3.29
7. Inside out   (R.Shulman/D.Shulman/Minnear) 5.50
8. It's not imagination   (R.Shulman/D.Shulman/Minnear) 3.57
Gesamtlaufzeit32:36


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 4)


Die Platte sollte der letzte Versuch von Gentle Giant bleiben, den amerikanischen Markt zu erobern. Für die Aufnahmen zu "Civilian" zogen die Musiker 1979 nach Los Angeles, was eine Idee von Derek Shulman war, der schon früher seinen Wohnort nach California verlegte. Der Bassist Ray Shulman war von diesen Vorgängen ebenso wenig begeistert, wie der Keyboarder Kerry Minnear, der unter Trennung von der Familie litt. Nachdem die Aufnahmen fertig waren, zeigte sich jedoch der Drummer John Weathers von dem Endresultat begeistert und Minnear war auch ganz zufrieden.

Auch wenn "Civilian" stilistisch nichts mit den besten Alben von Gentle Giant gemein hat, bleibt es immerhin faktisch ein Abschiedsgeschenk von einer großen Band. Die musikalische Richtung der Platte stellt die konsequente Weiterentwicklung von "Giant for a day" dar, die Musiker beschränken sich auf die wenigen konventionellen Rock-Instrumente, der GG-Sound ist noch niemals zuvor so rockig-satt gewesen. Obwohl sein Bass-Spiel für mich so ziemlich das Highlight dieses Albums war, sagt Ray Shulman auch heute noch: "It didn't feel as if it was going anywhere... even now, I just can't listen to it." Als Hörer hat man trotzdem das Gefühl, dass die Band endlich das gefunden hat, wonach sie nach "Interview" erfolglos gesucht hat.Während "The missing piece" noch sehr unentschlossen wirkte und "Giant for a day" vor allem mit flachem Sound nervte, klingt "Civilian" homogen und kraftvoll. Songtechnisch bleibt das Album guter Hard-Rock/Mainstream-Durchschnitt, mit einigen interessanten Songs wie von Minnear gesungener Ballade "Shadows on the street", dem traurig-schönen Song "Inside out", sowie dem Rocker "Underground".

Derek Shulman und Kerry Minnear beschlossen kurz danach, dass nachdem einige Konzerte in den USA absolviert sind, sie beide die Band verlassen werden. Damit war das Ende von Gentle Giant besiegelt.

Anspieltipp(s): Shadows on the street,Inside out
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.5.2002
Letzte Änderung: 1.5.2002
Wertung: 8/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 2 von 4)


Civilian war der Schlusspunkt einer Entwicklung, die Gentle Giant zunächst von relativ anspruchsvoller Ausgangsbasis zu immer höherer Komplexität geführt hatte, um dann ab Interview allmählich kompositorisch wie instrumentell Komplexität wieder zu reduzieren. Der Vorgänger, Giant for a Day, war noch eine ziemlich unausgegorene Mischung aus letzten progressiven Resten und ganz viel Pop-Rock im Stil des späteren (!) Alan Parsons. Civilian hingegen hat zumindest Flair, verbreitet eine einheitliche Stimmung. Es handelt sich um ein letztes Konzeptalbum der ehemaligen Giganten des Prog.

Das Cover macht deutlich, worum es geht: Menschen als gesichtslose Masse in einer modernen, technisierten Gesellschaft. Die Songs widmen sich einzelnen Aspekten. Der Opener Convenience gibt einen Überblick über das Thema: Wegwerfgesellschaft, Bequemlichkeit, Fernsehen statt lesen, die Gesellschaft als gut geölte Maschine. Die weiteren Songs widmen sich dem normierten Arbeitsalltag (All throught the Night, Shadows on the Street), dem Ärger arrivierter Geschäftsleute über die undankbare Jugend und Arbeiterschaft (Number One), dem Leben in der U-Bahn (Underground), der Kameraüberwachung (I am a Camera), dem Selbst- und Realitätsverlust in der normierten Gesellschaft (Inside out, It's not imagination).

Wenn man also bedenkt, dass es thematisch um eine gefühlskalte, maschinisierte Gesellschaft geht, dann entspricht dem die glatte, gradlinige, mechanische Musik in kongenialer Weise. Man darf es nur nicht mit den alten Gentle Giant zu deren absoluten Sternstunden (In a Glass House, The power and the glory und Freehand) vergleichen. Die Stücke klingen vom Sound her in sich gleichförmig, unterscheiden sich untereinander auch nicht sehr (o.k., Shadows on the Street ist die ruhige Nummer auf der 1. Seite und Inside out die Einschlafhilfe auf der 2.), haben aber z.T. nette Melodien, klingen manchmal ziemlich amerikanisch (I am a Camera könnte auch von Foreigner stammen...) und mit Underground ist auch ein echter Ohrwurm auf der Scheibe, der auch nach dem 10. Durchlauf noch gut klingt.

Dank der beschriebenen Übereinstimmung von Musik und Gegenstand klingt die Platte aber leider auch wie die Gesellschaft, die sie kritisiert. Was danach zu erwarten gewesen wäre, wäre einfach Mainstream gewesen. Insofern haben Gentle Giant den richtigen Zeitpunkt zur Selbstauflösung gewählt. Ihr musikalisches Reservoir hatte sich mit Civilian endgültig verbraucht. Wären Gentle Giant mit Civilian aber so erfolgreich gewesen wie Phil Collins in den 80-er Jahren, hätten sie sicher auch alle Jahre wieder die gleiche CD unter anderem Titel heraus gebracht...

Anspieltipp(s): Underground, Shadows on the Street
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.2.2003
Letzte Änderung: 3.3.2012
Wertung: 8/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 3 von 4)


Gentle-Giant-Alben lebten nicht nur von raffinierten Arrangements, großartigem mehrstimmigen Gesang, Bezügen in die Renaissance oder den multiinstrumentalen Fähigkeiten der Musiker, sie lebten auch und vor allem von winzigen intelligenten Gags, die die Band auf ihren Platten zu verstecken wusste. Diese Easter-Eggs zu suchen und zu finden gehört bis heute zu den spaßigsten Beschäftigungen für Gentle-Giant-Fans. Darunter sind etwa Wortspiele wie der Titel "Octopus", der sich nicht nur auf das auf dem Cover des Albums abgebildete Tier bezieht, sondern, aufgelöst als "octo-opus", auch auf die acht Songs der Platte, der Titel "Alucard", den man unbedingt mal rückwärts lesen sollte, oder die Textzeile "The moon is down", die ein Macbeth-Zitat ist. Es finden sich natürlich auch musikalische Gags, etwa Klassikzitate, wie etwa das aus Arnold Schönbergs "Heimfahrt" in "Edge of Twilight", Selbstzitate (der Anfang von "Talybont" zitiert "Just the same") oder Raffinessen wie etwa in "Design", wo nicht nur die Texte, die von den einzelnen Stimmen gesungen werden, einen Sinn ergeben, sondern auch sozusagen quer durch die Gesangstimmen ein zusätzlicher, von niemandem wirklich gesungener sinnhafter Text entsteht - der prompt im Booklet nachzulesen ist.

Lange Zeit hatte ich gedacht, es sei neben den schlichteren Arrangements das Fehlen solcher Finessen, die aus den späten Gentle-Giant-Alben so schwache Platten machen. Ich dachte, auf "Civilian" sei das einzig Raffinierte die Art, wie man den Albumtitel trotz seiner knalligen roten Farbe auf dem Cover fast unsichtbar gemacht hat (alle mal die Hand heben, die jetzt nachschauen und den Albumtitel zum ersten Mal lesen - bei mir hat's Jahre gedauert!). Doch es gibt immer noch einige dieser Spielereien, selbst hier, auf dem weitgehend desillusionierten letzten Album der Band. Unterhaltsam ist zum Beispiel die kleine Montage am Ende von "Civilian", die aus allen Songs der Platte zusammengeschnipselt wurde. Oder der Song "Convenience", der aus Strawinskys "Le sacre du printemps" zitiert - allerdings rückwärts! Letzteres musste ich natürlich nachlesen, netterweise gibt es eine Sammlung solcher und ähnlicher Gags im Netz. Aber ich will niemandem des Spaß verderben - und deshalb verrate ich nicht, wo!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.7.2009
Letzte Änderung: 21.7.2009
Wertung: 4/15

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Von: Horst Straske @ (Rezension 4 von 4)


Gentle Giants Album "Civilian" enthält in Form von groovenden Melodien und vordergründigen Ohrwurmrefrains alle Elemente, die den Ausverkauf des klassischen Progrocks an den Mainstream-Sound dokumentieren. Eine die Band vormals so auszeichnende Virtuosität, vertrackte Rhythmik sowie verschachtelte Arrangements ohne die üblichen Bombastschübe des Genres gezielt auf den Punkt zu bringen, waren einem kraftvollen AOR gewichen, der aber trotz nicht überhörbarer Tendenz zum amerikanischen Stadion-Rock-Sound kaum wie eine feindliche Übernahme seitens des gesichtslosen Einheitsklangs der späten 70er Jahre anmutet. Trotz aller stilistischen Zugeständnisse steht bereits der kraftvolle Opener "Convenience (clean and easy)" im dezent verschachtelt-groovenden Drive einem zu befürchtendem blutleeren Mainstream entgegen. Auch im nachfolgenden "All through the night" kann die Linie des soliden Rock-Entertainments beibehalten werden, ohne als kommerzielle Entgleisung zu enttäuschen. Auch wenn es angesichts der eingangs geschilderten Stilistik kaum glaubhaft erscheint, strotzen die dargebotenen Mainstream-Grooves vor positiver Energie, ohne den zu erwartenden Kulturschock darzustellen.

"Shadows on the street" ist als perlende Ballade noch am ehesten im Stil der frühen 70er Jahre gehalten, während der lockere Pop-Rock von "Underground" schon wie eine dezente New Wave-Version des klassischen Gentle Giant-Sounds anmutet. Mit dem relaxt dahin fließenden "Inside out" kann das Album sogar mit einem unerwarteten Highlight aufwarten, auch wenn Puristen dies in den ausgefeilten Gesangsharmonien als eine britische Version von Styx ansehen könnten. Recht hätten sie schon.

Mit dem das Album abschließenden Stampf-Rocker "It's not imagination" haben sich Gentle Giant aber doch eher unrühmlich von der musikalischen Bildfläche verabschiedet. Trotz allem bleibt unter dem Strich ein insgesamt doch erstaunlich hörbares Mainstream-Rock-Album einer schon damaligen Legende. Die vollzogene stilistische Wende klingt schlüssig, ohne dass der runderneuerte Sound dem einstigen progressiven Edel-Gewächs den Lebenssaft entziehen konnte. Dies bewahrte Gentle Giant vor der für das Jahr 1980 zu erwartenden kreativen Bankrotterklärung, indem sich die Band einem frischen Rocksound öffnete, ohne die alten Tugenden halbherzig in ein poppiges Nirvana zu überführen.

Anspieltipp(s): Inside out
Vergleichbar mit: Gentle Giant meets Styx
Veröffentlicht am: 14.12.2015
Letzte Änderung: 10.12.2015
Wertung: 9/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Gentle Giant

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 Gentle Giant 10.20 5
1971 Acquiring The Taste 12.00 3
1972 Octopus 12.67 3
1972 Three Friends 11.50 4
1973 In A Glass House 13.00 1
1974 The Power And The Glory 12.50 3
1975 Free Hand 12.00 2
1976 Interview 9.50 2
1977 Live - Playing The Fool 14.33 3
1977 The Missing Piece 7.33 3
1978 Giant for a day 3.67 3
1994 In Concert 9.00 1
1996 Edge Of Twilight - 1
1996 The Last Steps 9.00 1
1997 Under Construction 11.00 1
1998 Live on the King Biscuit Flower Hour 13.00 1
1998 Out of the fire - The BBC Concerts 10.00 1
2000 Totally out of the woods-The BBC Sessions 12.00 1
2000 Live Rome 1974 11.00 1
2001 In'terview in concert - 1
2002 Endless Life 9.00 1
2002 artistically cryme 8.00 1
2003 Way of life - 1
2004 Scraping the Barrel - 1
2004 Giant on the Box (DVD) 12.50 4
2006 GG at the GG (DVD) 10.00 1
2009 King Alfred's College Winchester 1971 10.00 1
2009 Live in Stockholm '75 11.00 1
2014 Live at the Bicentennial 12.00 1
2017 Three Piece Suite - 1

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