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Solstice Coil

A Prescription For Paper Cuts

(Tipp des Monats 12/2005)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2005
Besonderheiten/Stil: Independent / Alternative; Neoprog; New Artrock; RetroProg
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 10.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Shir Deutch vocals, guitar
Ofer Vishnia guitar, e-bow, effects
Shai Yallin keyboards, synth, piano
Diego Olschansky bass
Uri Goldberg drums

Gastmusiker

Oran Ben-Avi saxophone (on "Photosensitivity" and "Enjoy The Ride")
Netta Choen-Shani cello (on "Brilliance")
Inbal Deutch vocals (on "Enjoy The Ride")
Hani 'Honeybee' Barmanski vocals (on "Accidents")
Gil Natanzon, Dorin Gilardi, Marian Shay spoken parts

Tracklist

Disc 1
1. Photosensitivity 4:13
2. Caveat Emptor 1:33
3. Selling Smoke 9:09
4. Deep Child 6:15
5. Even Poets Die 7:18
6. Accidents 6:01
7. Enjoy The Ride 5:31
8. Anyone Can Be 6:45
9. Brilliance 4:42
Gesamtlaufzeit51:27


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 1 von 3)


Es erwischt mich halt immer wieder... beim Surfen auf den Seiten der üblichen Verdächtigen im Mailorderbereich stiess ich auf den Eintrag: "Vielversprechender Newcomer aus Israel. Progressive Rock meets New Artrock! Die Haupteinflüsse von Bands wie Radiohead, Muse, Mars Volta, Porcupine Tree, Pain Of Salvation & King Crimson lassen erahnen, womit wir es stilistisch zu tun haben." Ja, was bleibt denn einem da anderes übrig, als den Bestell-Button zu klicken, um das Teil anzutesten...

So. Solstice Coil kommen also aus Israel, cool, mein erstes Album einer israelischen Band. Gegründet wurde die Gruppe bereits 2001, als sich Sänger, Gitarrist und Bandleader Deutch und Bassist Matityahu in einem Internet-Chat (progrock-il? Na ja, wohl eher nicht) kennengelernt hatten. Danach ging es durch einige Besetzungswirren, sonstige Unpässlichkeiten und Irrwege, bis schliesslich im September 2005 das Debütalbum erschien (Mitbegründer Matityahu hatte die Band da schon längst wieder verlassen).

Erste Erfolge feierten Solstice Coil (noch unter dem kürzeren Namen "Solstice") aber tatsächlich als Muse- und Radiohead-Coverband. Da waren sie sogar ein angesagter Act in Israel, spielten auf einem 'Radiohead-Gedächtnis'-Festival und tourten durchs Land. Ich kenne weder Radiohead noch Muse besonders gut (Muse eigentlich gar nicht), so kann ich nicht sagen, was davon noch in der aktuellen Musik von Solstice Coil übriggeblieben ist.

Musik, die sich im übrigen eher schwierig in Worte fassen lässt, für mich zumindest, deswegen gehe ich mit dieser Rezi schon ziemlich lange schwanger. Diesem Umstand verdanke ich aber auch, dass ich das Album in letzter Zeit sehr, sehr oft gehört habe... aber immer wieder drängt sich ein anderer Aspekt in der Vordergrund.

Nach einem ruhigen, piano-getragenen Einstieg breitet die Band fette Gitarren, wuseliges, aber solides Drumming, rauhen Bass und elegische Keyboards aus. Überhaupt spielen die Songs geschickt mit Laut-Leise-Passagen, folgen aggressiv-dynamische Ausbrüche auf atmosphärisch-lyrische Parts. Die Gitarren solieren selten, sondern türmen lieber ausladende Klangwälle auf.

Die glasklare Produktion, die melancholische Musik, die teilweise so einen technisch-kühlen Hauch verbreitet (so ein bisschen wie die neueren Fates Warning-Alben, also vom Gefühl her, sicherlich nicht von der Art der Musik), die ab und an futuristisch-schrägen bis leicht neoproggigen Keyboard-Sounds sprechen die Sprache des modernen Rocks, der sich "New Artrock" als Etikett verpassen lassen muss.

Aber dann versprüht die Musik gerade in den aggressiven Momenten, wenn sich die Band zu verdichten scheint und ihre Musik geradezu in die Welt hinausschreit, wieder so ein Van der Graaf- / Crimson-Feeling... insbesondere, wenn der Gastsaxophonist ordentlich ins Horn stösst. Überhaupt wabert da durchaus auch noch so ein Discipline-Feeling durch die Songs. Besonders heftig kommt diese Melange im starken Track "Accidents". Auch Keyboarder Yallin (wohl nicht unwesentlich beteiligt am musikalischen Stilwechsel der Band) benutzt in solchen Momenten entweder wohlige 70er-Jahre-Orgel-Sounds oder spielt schräge Läufe am akustischen Piano. Und wenn dann noch Drummer Goldberg mit Verve Bruford'sche Snare-Attacken abfeuert... ja, dann ist die Retro-New Artrock-Mischung perfekt.

Zwischen den ruhigen und heftigen Polen gibt es noch jede Menge Zwischentöne zu entdecken, das macht das Album darüber hinaus noch interessant und spannend für einen langen Hörgenuss (siehe, vielmehr höre, auch das hinreissende Cello-Spiel im Abschlusstrack).

Sänger Deutch hat mich zu Beginn etwas genervt mit seiner ziemlich hohen Stimme und seiner Neigung zu weinerlich-nöligem Gesang (wer hat eigentlich gesagt Alternative Rock-Sänger müssten so klingen?). Aber inzwischen habe ich mich entweder daran gewöhnt oder es passt einfach doch zur Musik, wer weiss... Auf jeden Fall unterstützt die Stimme auf gelungene Weise das Gefühl des Einsamen und Verlorenen, welches diese doch eher düstere Platte begleitet.

Ein vielversprechendes Debüt, an dem die Band letztlich gut zwei Jahre gewerkelt hat. Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung... und bis dahin empfehle ich die Jungs einfach mal.

Anspieltipp(s): Accidents
Vergleichbar mit: modernem, atmsophärischem Rock mit Einsprengseln von Van der Graaf Generator, King Crimson und Discipline
Veröffentlicht am: 27.10.2005
Letzte Änderung: 31.10.2005
Wertung: 10/15

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Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 2 von 3)


Ja, ich kann ihn bei Solstice Coil wiedererkennen, den New Artrock-Geist, den Künstler wie Radiohead der Musik eingehaucht haben. (Bei Wikipedia heißt das Baby dann Postrock, bei anderen wiederum New Artrock).

Ähnlich wie z.B. The Mars Volta vermischen Solstice Coil außerdem den sog. Alternative Rock der letzten Jahre mit komplexeren Einfällen. In der Musik von Solstice Coil finden sich auch einige Versatzstücke aus über 30 Jahren der Proggeschichte.

Der resignierte, schonungslose Realismus der Texte von "A prescription for paper cuts" findet auch eine hörbare Entsprechung in der Stimmung dieser Musik.

Der Opener Photosensitivity geht bei mir als eine schwermütige Form des Neoprog durch. Danach kommt das instrumentale Caveat Emptor, eine düstere Klancollage. In Selling smoke - und in den darauffolgenden Songs - wird dann die von mir oben angedeutete Verbindung von angeproggtem Alternative Rock mit Elementen des Retro- und Neoprog verstärkt vollzogen.

Stellenweise entfaltet die elektrische Gitarre eine bemerkenswerte Aggressivität, um gleich wieder sanften Pianopassagen zu weichen. Nach einem filigranen Eröffnungsteil verwandelt sich Accidents in einen mit krummen Rhythmen und harten Gitarren ausgestatteten schrägen Song. Rhythmisch geht es zunächst in Richtung neuere King Crimson. Die anschließende rhythmische Akkordfolge scheint durch die frühen Genesis inspiriert worden zu sein.

Radiohead mögen New Artrock repräsentieren, aber dann spielen Solstice Coil bitte schön den "Alternative Retro Artrock", indem sie New Artrock und Alternative Rock konsequent um diverse Prog-Anleihen erweitern.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 18.11.2005
Letzte Änderung: 18.11.2005
Wertung: 10/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 3 von 3)


Resignierter, schonungsloser Realismus? Resigniert mag hinhauen, denn das Album hat insgesamt eine sehr melancholisch-düstere Atmosphäre. Aber Realismus? Musikalisch wird in meinen Ohren eher etwas sehr Mysteriöses bis hin zum schieren Irrsinn transportiert. Stimmungsvolle Einlagen bietet auch das Saxofon, das v.a. im Opener Erinnerungen an alte Crimson-Zeiten weckt ohne altbacken zu wirken. Dass die Gitarre selten soliert, ist mir nicht aufgefallen. Im Gegenteil finden sich reichlich Soli auf der Scheibe.

Ein deutliches New Artrock-Feeling durchzieht das Album ? sicher nicht zuletzt wegen dem allerdings längst nicht so nöligen Gesang wie bei Radioheads Thom Yorke. Im seltsam entrückten Selling Smoke, das von einem geheimnisvoll-spacigen Intro (Caveat Emptor) eingeleitet wird, besorgt der z.T. vielstimmige Gesang eine intensive Verstärkung der unheilvollen Atmosphäre. Nach den ungewöhnlich starken Songs am Anfang kommt mit ?Even Poets die? das Album etwas zur Ruhe. Das folgende ?Accidents? steckt voller guter Ideen, die auch eine Menge finsterer Stimmung transportieren, aber es wirkt noch nicht vollständig ausgereift. Die Zusammenfügung der Elemente gelingt nach meinem Eindruck bei dem sehr eigensinnigen Anyone can be besser.

Solstice Coil ist ein ganz seltsam verstörendes Werk gelungen. A Prescription for Paper Cuts erzeugt einen ganz eigenen Klang-Kosmos ? bei allen erkennbaren klassischen Bezügen. Auch ohne dass man jetzt sagen könnte, dass dieses Album sein Herkunftsland verrät, steckt es doch voller eigenartiger und geheimnisvoller Wunder.

Anspieltipp(s): Selling Smoke, Anyone can be
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.11.2005
Letzte Änderung: 27.11.2005
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Solstice Coil

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2011 Natural Causes 10.50 2

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