SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
19.10.2017
John Zorn - Simulacrum
18.10.2017
Amorphis - My Kantele
Reckoning Storm - The Storm Engine
17.10.2017
Aquaserge - laisse ça être
Southern Empire - Southern Empire
TNNE - Wonderland
16.10.2017
Pere Ubu - 20 Years in a Montana Missile Silo
Nump - Sun is cycling
15.10.2017
Tangerine Dream - Quantum Gate
Collapse Under The Empire - The Fallen Ones
Kolkhöze Printanium - Vol. 1 Kolkhöznitsa
14.10.2017
Zeit - Waves from the Sky
35007 - Especially for You
Shadow Ray - Eyes,Gleaming Through The Dark
13.10.2017
John Zorn - Simulacrum
Anubis Gate - Covered in Black
12.10.2017
The Alan Parsons Project - The Turn of a Friendly Card
Phlox - Keri
ARCHIV
STATISTIK
23967 Rezensionen zu 16370 Alben von 6363 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Hermann Szobel

Szobel

(Archiv-Tipp 9/2012)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1976 (CD-Reissue 2012, The Laser's Edge)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazzrock / Fusion; Zappaeskes
Label: Arista
Durchschnittswertung: 12.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Hermann Szobel Klavier
David Samuels Akustisches und elektrisches Vibraphon, Marimba, Percussion
Michael Visceglia Bass
Bob Goldman Schlagzeug
Vadim Vyadro Tenorsaxophon, Flöte, Klarinette

Tracklist

Disc 1
1. Mr. Softee 6:35
2. The Szuite 12:30
3. Between 7 & 11 5:14
4. Transcendental Floss 6:12
5. New York City, 6 a.m. 6:45
Gesamtlaufzeit37:16


Rezensionen


Von: Charly Heidenreich @ (Rezension 1 von 3)


Die Gnade der frühen Geburt hat es ermöglicht: stunden- bzw. tagelanges Wühlen in obskuren, alternativen Plattenläden und Second-Hand-Shops auf der Suche nach dem ultimativen Sammlerkick war in den goldenen 70ern und bis weit in die 80er des letzten Jahrhunderts der Zeitvertreib eines jeden besessenen Rock- und Plattenfans - und davon gab es nicht wenige!!!

Die alphabetisch geordneten Abteilungen für arrivierte Bands und Musiker wie Deep Purple, Black Sabbath und Pink Floyd ließ man achtlos links liegen auf der Jagd nach Unbekanntem, Exotischem, Aufregendem. Natürlich verlief diese Suche gerade für die Liebhaber der ausgefallenen Klänge nach gewissen Mechanismen, denen man akribisch huldigte: die Covergestaltung war das erste Indiz für die "richtige" Richtung (Roger Dean, Paul Whitehead und Hypgnosis hatten Zeichen gesetzt), es folgte der Blick auf die Rückseite, um anhand des Line-ups und der Laufdauer der Einzeltracks Vermutungen über Genre bzw. Qualität der Arrangements anstellen zu können. Erst nach Bestehen all dieser Eingangstests erfolgte die Hörprobe.

Das hier vorliegende Kleinod war bei meinen damaligen Suchaktionen mindestens fünfmal schon bei Sichtung des Covers zurück in den Orkus verdammt worden, erst ein Aushilfsjob in einem Second-Hand-Shop, in dessen Rahmen wirklich jede einzelne unbekannte Scheibe genauestens unter die Lupe genommen wurde, brachte mich dazu, der Rückseite und damit dem Line-up etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen, und - Peng! - schon war's um die Fassung geschehen.

Spielte doch tatsächlich ein gewisser David Samuels Vibraphon, der auf Zappas "Live in New York" dem Meister bereits seine zarten Griffel geliehen hatte! Außerdem waren nur fünf Stücke angegeben, es gab keinen Sänger (das Cover hatte ganz andere Assoziationen geweckt...), dafür aber einen jungen Pianisten, der der Chef war, einen Bläser, einen Drummer und einen Bassgitarristen, was darauf hoffen ließ, daß die Jungs kein esoterisches Jazzgesäusel vom Stapel lassen würden. Das einzig Störende war die Tatsache, daß die lobhudelnden Linernotes von einer gewissen Roberta Flack verfaßt worden waren (ausgerechnet die, die sich mit weichgespülten Songs killen läßt!!), aber, was soll's, probieren geht über studieren.

Nach den ersten paar verträumten Pianoakkorden des Titelhelden in "Mr. Softee" leitet ein geflangeter Bass in zappaeske Unisonoeskapaden aller Beteiligten über, die, ihre agogischen Zentren ständig variiert wiederholend, den rhythmischen Kontrapunkt zu den sperrig groovenden Melodielinien bilden.

"The szuite" tastet sich vorsichtig aus dem Adagio über das Presto bis zum Molto Vivace, alle Protagonisten wirbeln deliriös um sich selbst, immer neue rhythmische Schichten entstehen, bis weiche Klarinettenklänge ein sanftes Ende ankündigen, daß dann doch nicht kommt, weil alle sich nochmal für ein erneutes Aufbäumen in brillante Unisonoriffs entschieden haben, die mit einem fulminanten Tusch enden. Oder, anders ausgedrückt, das Ganze geht dermaßen ab, und zwar über die gesamte Spieldauer, daß dem geneigten Hörer vor Begeisterung fast die Sinne schwinden.

Der damals erst 17-jährige Pianist Hermann Szobel hat alle Kompositionen und Arrangements selbst geschrieben und mit seiner leider einzigen Veröffentlichung die Meßlatte im Jazzrock so hoch gelegt, daß nur wenige nach ihm dieses Niveau erreichen konnten. Andererseits war's natürlich auch ganz gut, daß diese Scheibe nie bekannt geworden ist, denn dann hätte vielleicht keiner mehr gewagt, sich in diesem Genre zu betätigen.

Wer viel Glück hat, findet das Teil vielleicht als cut-out in einer Grabbelkiste, wer weniger Glück hat, zahlt einen ziemlichen Batzen beim Antiquitätenhändler seiner Wahl, und wer gar kein Glück hat, wird diese Scheibe vielleicht nie zu hören bekommen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.12.2005
Letzte Änderung: 29.12.2005
Wertung: 14/15

Zum Seitenanfang

Von: Udo Gerhards (Rezension 2 von 3)


Das ungehemmte Stöbern durch Plattenläden, das Begutachten von Coverbildern, Laufzeiten und Besetzungen mag uns heutzutage abgehen. Aber dafür haben wir ja unzählige Rezensionen wie die obige, obendrein mundwässernde (das falsche Bild eigentlich, ich weiss, aber vor "ohrenschmalzproduktionsanregende" schrecke ich aus irgendwelchen Gründen zurück) von Charly in Reichweite weniger Mausklicks. Außerdem Shopping-Portale und Google. Kreditkarten. Und mit alledem ist es nicht übermäßig schwer, bei verschiedenen Gebraucht-Vinyl-Dealern in Übersee an das erste, einzige - und auch andersweitig irgendwie einmalige - "Szobel"-Album heranzukommen, sogar zu vertretbaren Preisen.

Langer Rede kurzer Sinn: Szobel rocken. Und das, obwohl sich zwischen die wahnwitzigen Unisono-Kaskaden in Zappa-Manier immer wieder introspektive, aber spannende ruhigere Passagen mischen, bevor es wieder zum einem Ausbruch des manischen kollektiven Gewusels kommt, das Hörerherzen höher schlagen läßt. Neben den bereits erwähnten Eckpunkten kraftvoller Jazzrock und deutlich zappaeske Instrumental-Eskapaden läßt sich hier und da in den kantigen Riffs und Läufen auch eine schräge Düsterheit vernehmen, die ganz leichte Anklänge an RIO-Gruppen wie Present erkennen lässt, allerdings trotz auch hier vorhandenem fetten Bass und Schlagzeug ohne deren monolithische Wuchtigkeit.

Hier treffen Obskurität und Hype tatsächlich auf ein Feld von musikalischer Kreativität und instrumental-technischer Brillianz. Wer noch einen Plattenspieler sein eigen nennt und wirbeligen ProgJazzRock erster Güteklasse zu schätzen weiß, kann bedenkenlos lossuchen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.2.2006
Letzte Änderung: 19.2.2006
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

Von: Achim Breiling @ (Rezension 3 von 3)


Szobel war eigentlich keine Band. "Szobel" hieß das erste und einzige Album von Hermann Szobel, geboren 1958 in Wien und offenbar der Neffe von Bill "Fillmore" Graham (der mit dem Namen Wolodia Grajonca in Berlin das Licht der Welt erblickt hatte). 1974 kam Szobel, nachdem er seine Kindheit vermutlich weitestgehend mit Klavierspielen verbracht hatte, nach New York um berühmt zu werden. Mit etwas Hilfe seines Onkels und mit sehr viel Talent und Können überzeugte er Clive Davis (der Macher von Arista Records) davon, eine Schallplattenproduktion zu finanzieren. Eine Band ward zusammengestellt und im Oktober 1975 entstand in den Record Plant Studios Szobels erstes und einziges Album. Komponiert und arrangiert hatte der damals 17-Jährige alles selbst.

Allzu viel Aufsehen hat das 1976 erschienene "Szobel" nicht erregt. Im Gegenteil. So obskur ist dieses von Kennern allerdings als Meisterwerk gepriesene Album (siehe die erste Rezension weiter oben) geblieben, dass es erst 2012 auf CD wieder veröffentlicht wurde. Vermutlich war Szobel mit dieser Musik etwas zu spät dran. Außerdem war der Markt Anfang der zweiten Hälfte der 70er Jahre mit erstklassig produzierten und virtuos vorgetragenen Jazzrockscheiben ziemlich gesättigt. Die Auflage der LP war ordentlich (was man daran sieht, dass die LP immer noch zu recht moderaten Preisen im Gebrauchthandel zu finden ist), daran lag es nicht. Eher war es die mangelnde Promotion, was aber nicht zu geringen Teilen dem Künstler selbst anzulasten war.

Einen recht schwierigen Charakter scheint Szobel nämlich gehabt zu haben. Grenzenloses Selbstbewusstsein und musikalisches Genie trafen auf ebensogrosse Ungeduld und Sturheit, was auf Dauer nicht gut gehen konnte. Nachdem er einige kleinere Konzerte zwecks Albumpromotion abgeleistet hatte (mit meistenteils anderen Musikern, als auf dem Album zu hören sind), teilte er Davis mit, dass er keine Lust mehr hätte die kleinen Jazzclubs zu bespielen. Er wolle für das Mahavishnu Orchstra in der Carnegie Hall eröffnen oder gar nicht mehr live spielen. Letzteres war die Folge.

Wenig später hat er sich dann wohl auch mit seinen Mitmusikern überworfen (die ein paar eigene Ideen einbringen wollten), als man gerade begonnen hatte ein zweites Album aufzunehmen. Michael Visceglia (dessen umfangreichem Beiheftessay ich die meisten der hier verwendeten Details verdanke) packte jedenfalls nach einem Streit seinen Bass ein und verließ das Studio. Danach hat er nie mehr etwas von Szobel gehört. Der Rest der musikproduzierenden oder -konsumierenden Menschheit offenbar auch nicht. Szobel verschwand und ist bis heute verschwunden geblieben.

Jazzrock gibt es also auf "Szobel" zu hören, der gelegentlich ein wenig nach Zappa klingt (immer dann, wenn sich das Vibraphon hektisch in den Vordergrund spielt), aber auch gewisse Kammerprogmomente aufweist (wenn z.B. in der zweiten Hälfte der "Szuite" Klarinette, Piano, Bass und Schlagzeug kantig umeinander tanzen). Ansonsten wird hier druckvoll, dabei luftig und elegant, leicht angeschrägt und sehr virtuos (neben der flotten Bedienung des Pianos durch den Meister ist vor allem das sehr vielseitige Bassspiel bemerkenswert) jazzgerockt. Natürlich kann man nicht behaupten, dass Hermann Szobel mit seiner Musik irgendein Rad neu erfunden hätte (damit war er - wie schon angemerkt - etwas zu spät dran), doch qualifizierte er sich mit dieser Scheibe problemlos für die erste Liga des Genres (und Szobels Band hätte sich bestimmt sehr gut als Vorgruppe des Mahavishnu Orchestra gemacht!). Ein gewisses eigenes Gepräge hat die Musik durchaus auch, insbesondere wegen Szobels sehr klassisch geprägtem Pianospiel. Wer den damals noch einigermassen innovativen Jazzrock der mittleren 70er Jahre schätzt, der kommt an dieser, nun auch auf CD problemlos erhältlichen Scheibe nicht vorbei!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 16.8.2012
Letzte Änderung: 27.4.2014
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum