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King Crimson

Islands

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1971
Besonderheiten/Stil: sonstiges
Label: Island
Durchschnittswertung: 12.75/15 (6 Rezensionen)

Besetzung

Robert Fripp Gitarre, Mellotron, Harmonium
Mel Collins Querflöte, Bassflöte, Saxophon
Boz Burrell Bass, Gesang
Ian Wallace Schlagzeug

Gastmusiker

Keith Tippett Klavier
Paulina Lucas Sopran
Harry Miller Streichbass
Robin Miller Oboe
Mark Charig Horn

Tracklist

Disc 1
1. Formentera Lady 10:15
2. The Sailor's Tale 7:34
3. The Letters 4:32
4. Ladies of the Road 5:35
5. Prelude: The Song of the Gulls 4:14
6. Islands 11:54
Gesamtlaufzeit44:04


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 6)


"Islands" ist wohl eines der umstrittensten Werke von King Crimson. Bei nicht wenigen KC-Fans rangiert es ganz unten auf der Beliebtheitsskala. Um es gleich vorwegzunehmen: ich bin da völlig anderer Ansicht. Auf jeden Fall ist "Islands" ein ungewöhnlich ruhiges, geradezu zerbrechlich wirkendes Album.

Den Auftakt bildet "Formentera Lady", ein überwiegend akustisches Stück, dominiert von Streichbaß, Flöte und Gitarre. In der zweiten Hälfte des Songs wird Sänger Boz Burrell (meiner Meinung nach nicht gerade der beste KC-Sänger) von einer Sopranistin abgelöst. "Formentera Lady" geht fast nahtlos über in das istrumentale "The Sailor's Tale", einer der wenigen Titel dieses Albums, bei dem die E-Gitarre vorherrscht. "The Letters" ist ein kurzes, aber abwechslungsreiches Stückchen. Nach leisem, fast schon unhörbarem Anfang geht es abrupt in einen krachenden Mittelteil über, um dann wieder leise auszuklingen. "Ladies of the Road" ist für mich der einzige schwächere Titel dieser Platte. Nicht, daß ich ihn wirklich als schlecht bezeichnen würde, aber irgendwie spricht er mich halt nicht so an. "Prelude - The Song of the Gulls" ist ein offenbar mit Unterstützung eines Streichquartetts (um wen es sich dabei genau handelt, bleibt unklar) gespieltes Instrumentalstück. Schleißlich kommt der Titelsong, für mich der Höhepunkt des Albums. Fast ausschließlich mit Klavier instrumentiert (gespielt von Jazzpianist Keith Tippett), kann man es schon fast als romantisches Stück bezeichnen. Gegen Ende treten noch Oboe und Posaune dazu, sowie - ganz im Hintergrund gehalten - Harmonium, Mellotron, Gitarre und Schlagzeug.

Fazit: "Islands" ist sicherlich ein selbst für KC-Verhältnisse sehr ungewöhnliches Album, seine "radikale Stille" ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Dennoch finde ich es ein sehr eindrucksvolles Werk. Interessant ist auch der Kontrast zum nachfolgenden Album "Earthbound", das (abgesehen von Gastmusikern) in der gleichen Besetzung eingespielt wurde.

Anspieltipp(s): Formentera Lady, The Sailor's Tale, Islands
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.5.2002
Letzte Änderung: 5.5.2002
Wertung: 13/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 2 von 6)


Islands gefällt mir nur zum Teil. Es gibt einige starke Kompositionen und einige, die wirklich banal sind. Summa summarum ist das Album aber doch zu gut, als dass ich es zu meinem "schlechtesten KC-Album" küren würde.

Das Wechselbad beginnt mit "Formentera Lady", welches mir mit seiner leicht orientalisch angehauchten, sich endlos dahinziehenden Monotonie über laaange 10 Minuten einfach zu abwechslungsarm ist. Da passiert nichts, die Stimme ist schwach, kein Spannungsbogen wird erzeugt, kurz: ich finde das Stück belanglos.

"Sailor`s Tale" ist gelungen. Das freejazzige Saxophon-Solo ist stark und leitet über in einen von dissonanten Gitarrenriffs dominierten, langsam dahinfliessenden Zwischenteil, der schliesslich wieder in einen fetzigen Schlussteil mit Schlagzeuggewitter und Mellotronteppich übergeht.

"The Letters" ist zwar abwechslungsreich, packt mich aber nicht. Die ruhigen parts sind mir etwas zu belanglos, die härteren parts zu gewollt schräg. Vergleiche ich zum Beispiel die Klimax der Gitarre in Starless (Red), die auch nicht unbedingt leichte Kost darstellt, mit dieser Kakophonie, dann liegen dazwischen für meinen Geschmack Welten.

"Ladies of the road" ist eine belanglose Nummer ohne Ecken und Kanten.

"Prelude" wiederum ein wunderschönes barockes Vorspiel zu Islands mit Streichquartett und Oboe (?). Friedlich und traurig-wehmütig zugleich. Für mich trotz wenig eigener Innovation der Höhepunkt des Albums. Den Abschluss macht das Titelstück, welches die Grundstimmung des Prelude fortführt und den Hörer mit ruhigen, fliessenden Linien umfängt. Solide. Und wie schon bei Lizard, so habe ich auch hier das Gefühl, dass sich After Crying aber auch die späten Talk Talk hier haben inspirieren lassen.

Anspieltipp(s): Prelude, Sailor`s Tale
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.1.2006
Letzte Änderung: 21.9.2014
Wertung: 11/15
Licht und Schatten

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Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 3 von 6)


Im Herbst 2010 erreicht uns also die nächste Ladung von Steven Wilson unter Begleitung von Robert Fripp durchgeführten King Crimson-Remasters. Diesmal sind es "Islands" und "In the Wake of Poseidon". Es ist die gleiche CD/DVD-Fan-Vollbedienung, die wir bereits von der Neuauflagen von "Lizard" und "Red" kennen. Zu "Islands": Auf der CD gibt es den 2010 Stereo Mix mit Bonus Tracks, auf der DVD Remixes in MLP Losless 5.1 Surround, DTS 5.1 Digital Surround sowie den "Original Album Mix von 2004" und nochmals die Bonus Tracks bzw. Alternate takes album. Das alles zusätzlich in drei Stereo-Versionen (MLP Losless, PCM und "normal"). Natürlich bescheren einem einige dieser Optionen eine bisher nicht dagewesene räumliche "Islands"-Erfahrung mitsamt bisher kaum wahrnehmbaren Tonspuren.

Das war noch nicht alles, ich habe noch gar nicht "Routes to Islands" erwähnt. Das sind Studio Rehearsals plus 2 bereits erschienene Konzertaufnahmen. Dann gibt es noch Additional tracks: Assorted Ladies. Dies bedeutet zwei zusätzliche Versionen von "Ladies of the Road" und drei Versionen von "Formentera Lady". Am interessantesten ist wahrscheinlich das bisher unveröffentlichte "A peacemaking stint unrolls", das bereits in Richtung "Larks' tongues in aspik part 1" weist.

Bei den Bonus Tracks/Alternate Takes wird einem nochmals klar - falls man sich dann noch die zahlreichen Live-Aufnahmen der Besetzung vergegenwärtigt - dass die "Islands"-Band in erster Linie eine stark Jazz-beeinflusste Formation war. Das zeigen die unterschiedlichen Solos in den alternativen Song-Versionen, die wiederum die improvisatorische Komponente dieser Musik verdeutlichen. Die Besetzung gehört zu den am meisten unterschätzten Erscheinungen in der Prog-Geschichte. Burrell, Wallace und Collins konnten mit der Zeit eine eigene Crimson-Identität entwickeln, mit der Fripp damals leider nicht viel anfangen konnte.

Ich nehme an, das war der Überhand gewinnende Einfluss von Peter Sinfield, der diese mitreissend jammende und heiss improvisierende Besetzung zu einem Studio-Album zwang, das von dem Konzerterlebnis, das diese Besetzung bot meilenweit entfernt war. Würde man Burrell, Wallace, Fripp und Collins 10 Takes aller Stücke von "Islands" aufnehmen lassen (die Ansätze davon hört man auf der vorliegenden "40th Anniversary Series"), so würde jede einzelne dieser Versionen deutlich anders klingen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.10.2010
Letzte Änderung: 9.10.2010
Wertung: keine

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 4 von 6)


Ich kann mich Siggy nur anschließen: Fripp und Wilson haben auch mit der Überarbeitung und Wiederveröffentlichung von "Islands" ganze Arbeit geleistet: Der DTS 5.1 Digital Surround-Remix ist erneut äußerst gelungen, Wilson versucht nicht, sich "Islands" anzueignen, vielmehr erarbeitet er das Album im Sinne seiner Erfinder neu, gibt jedem Instrument Raum für sich und verleiht sowohl diesem als auch der ganzen Musik dadurch eine Plastizität, die eindrucksvoll ist. Von raumklanglichen Spezialeffekten lässt er weitgehend die Finger, das ist gut so, umso mehr bei einem so uneinheitlichen Album, das ja eher eine Compilation darstellt ("The Letters" geht auf einen Song der ersten Besetzung namens "Drop in" zurück, "Song of the Gulls" gar auf ein Stück von Giles Giles & Fripp) und wenn überhaupt, auf Effekte setzt, die in der Musik selbst begründet liegen und nicht in ihrem Daherkommen. Wilson schafft es so, einem recht heterogenen Album einen geschlossenen Eindruck zu verleihen: Surroundliebhaber werden sich also freuen, auch wenn Wilson sensationell Neues über "Islands" nicht zu sagen hat.

Um Siggys Rezension zu ergänzen will ich noch ein wenig mehr zu den Bonustracks sagen. Es handelt sich im Detail um: "Formentera Lady" - Original recording sessions - take 2, "Sailor's Tale" - Original recording sessions - alternate mix/edit, "The Letters" - Rehearsal/outtake, "Ladies of the Road" - Rough mix, "A Peacemaking Stint Unrolls" - Previously unreleased und "Islands" - Studio run through with oboe prominent, die unter dem Titel "Islands: Alternative album" laufen, wobei die ersten drei und "A Peacemaking Stint Unrolls" von Steven Wilson von den Originalbändern neu gemischt wurden, in einem zweiten Paket "Pictures of a City" - Early rehearsal by Islands lineup, "Sailor's Tale" - Early rehearsal by Islands lineup, "Islands (fragment)" - Robert Fripp reference cassette - mellotron on vibes setting, "Formentera Lady" - Rough mix from album recording sessions, "Sailor's Tale" - Rough mix from album recording sessions, "Drop In" - Early rehearsal by Islands lineup, "The Letters" - Live at Plymouth, mastered by David Singleton und "Sailor's Tale" - Live at the Zoom Club, mastered by David Singleton, die unter dem Titel "Routes to Islands" zusammengefasst werden, sowie "Ladies of the Road" - Robert Fripp & David Singleton remix, "Ladies of the Road" - Original recording sessions - take 5, "Formentera Lady" - Original recording sessions - take 1, "Formentera Lady" - Original recording sessions - take 3 und "Formentera Lady" - Original recording sessions - take 4, die, wie Siggy schon schreibt, unter der Überschrift "Assorted Ladies" zusammengefasst werden.

Auf all diese Songs einzugehen ist unmöglich, aber ein paar Anmerkungen möchte ich loswerden. Zum Beispiel die, dass man unter "The Alternative Album" keinesfalls ein komplettes Album erwarten darf. Ausdrücke wie "edit", "rough mix" oder "outtake" lassen schon erkennen, dass hier keine vollständigen Songs zu hören sind. "Formentera Lady" etwa wird lediglich angerissen, da ist gerade mal der Anfang zu hören. Auch "Sailor's Tale" ist nicht komplett. Bei "The Letters" handelt es sich nur um den instrumentalen Mittelteil. All das sind höchst aufschlussreiche Mitschnitte, die einen tiefen Einblick in die Arbeit dieser stark improvisierenden Band gewähren - aber sie bilden kein alternatives Album.

Richtig interessant wird es mit "Routes to Islands". Hier wird vorgeführt, wie sich die neue Besetzung über das Spielen älterer Songs wie "Pictures of a City" oder "Drop in" zusammenfand und wie aus skizzenhaften Demos (großartig: Fripps Mellotron-Notiz von "Islands") Schritt für Schritt fertige Songs wurden. Wer "Drop in" von früheren Besetzungen kennt, wird sich sehr für die Versionen von eben "Drop in" und "The Letters" freuen, die hier versammelt sind.

Auch die unter "Assorted Ladies" versammelten Takes von "Formentera Lady" sind nicht vollständig. Aber sie führen deutlich erkennbar vor, wie frei die Band damals tatsächlich agierte - und warum letztlich der Take auf dem Album landete, der auf dem Album landete. Dafür ist das grandiose "Ladies of the Road" komplett, das ich sehr liebe, wegen des bluesigen Grundgefühls, des absolut herausragenden Antisolos von Fripp, der mit diesem Album ohnehin nach und nach zu einer Art Eigenständigkeit zu finden scheint, und natürlich wegen seines gänzilich unproggigen Texts: "Stone-headed Frisco spacer/ Ate all the meat I gave her"...

"Islands" ist ein inhomogenes Album habe ich oben gesagt. Tatsächlich zeigt es, wenn auch in geringerem Maße als sein Vorgänger, die Band in einem Übergangsstadium zwischen dem Breitwand-Ur-Prog des ersten Albums und dem absolut eigenständigen experimentellen Stil, der die Musik der Band in Zukunft prägen würde. Nichts dokumentiert das besser als "A Peacemeking Stint Unrolls", ein Song irgendwo zwischen "Groon" und "Larks' Toungues in Aspic", das denn auch tatsächlich zwischendurch ebenso anklingt wie "Lament" - womit "Stint" auf "Island" nichts, aber auch gar nicht zu suchen gehabt hätte. Freuen wir uns also auf die 40th-Anniversary-Ausgaben von "Larks' Tongues in Aspic" und "Starless and Bible Black"!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.10.2010
Letzte Änderung: 15.10.2010
Wertung: keine

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Von: Christian Rode @ (Rezension 5 von 6)


Islands ist mein persönlicher Geheimtipp unter den klassischen KC-Alben! Egal in welcher Version, derer es mittlerweile ja - wie bei Crimson üblich - eine Menge gibt...

Es ist gewiss kein einfaches Album, aber welches Crimson-Album ist das schon? Auf Island treffen sehr unterschiedliche Einflüsse aufeinander: Rock, Jazz, Klassik, Folk, Psychedelic, Blues. Dabei stehen sich die Gegensätze oft diametral gegenüber: auf das klassische bis folkig-psychedelische Formentera Lady folgt das jazzig-krachige Sailor's Tale. The Letters lebt als Song von den Gegensätzen. Zwischendrin dann das erfrischend urwüchsige, ebenfalls angejazzte und anpsychedelisierte Ladies of the Road, gefolgt von dem reinen Klassik-Stück Prelude, um schließlich in das seelige Finale Islands zu münden.

Gerade zum Ende hin wird das Album ruhiger. Etwas mehr Wechselspiel von laut-leise, klassisch-krachig wäre hier vielleicht angezeigt gewesen. Andererseits hätte das zu sehr den geschürten Erwartungen entsprochen. Ich persönlich finde allerdings Prelude zu nett und eigentlich überflüssig. Klar, nach Ladies of the Road stellt es einen grandiosen Kontrast dar, aber das hätte Islands auch getan. Für mich das einzige (!) Manko dieses fantastischen Albums.

Diskussion: 40th Anniversary Series

Was Steven Wilson aus dem Album rausgeholt hat, ist klanglich klarer gelungen als bei älteren Versuchen, das Album auf CD zu bannen. Beim Stück Islands gab es aber auch sehr spezielle Probleme, von denen Wilson berichtet:

"The tape for Islands had badly decomposed in some places and the original trumpet solo had tape drop outs - luckily switching to an alternate take for a few bars allowed us to retain the overall concept of the piece. We battled these kind of issues throughout the early album recordings, and I'm grateful that in the end this was an exception and we kept changes by necessity for technical reasons to an absolute minimum. (?) So if you do feel that the end of Islands has lost its magic from old to new mix (and needless to say I feel the opposite!) then at least you have both versions in the same package." http://www.dgmlive.com/news.htm

Auch wenn beim kompletten Album das Problem nicht so deutlich auftritt wie bei anderen Alben oder Remixen (z.B. auch von Genesis) so stellt sich doch auch hier wieder einmal die Frage, was generell von solchen Überarbeitungen zu halten ist. Klangliche Unzulänglichkeiten früherer CD-Ausgaben werden behoben. Manchmal - wie hier bei Islands - sogar dadurch, dass Teile einer anderen Aufnahme in das als Original einst erschienene eingefügt werden. Grundsätzlich lässt sich fragen, ob man es noch mit der ursprünglichen Aufnahme zu tun hat. Die Antwort lautet: nein. Durch jede Bearbeitung - auch wenn sie klanglich als positiv empfunden werden kann, was allerdings nicht unbedingt jedem Hörer so gehen wird! - entsteht eine neue Version der ursprünglich auf LP erschienenen Musik.

Was aber folgt daraus? Zunächst einmal spricht nichts dagegen, wenn man als Musiker - wie bei Fripp oder auch den Beatles geschehen - eine behutsame Neubearbeitung seines Werkes anstrebt. Die alten Aufnahmen behalten als historische Dokumente und ursprünglicher Bezug ihre Gültigkeit. Echte Fans werden alle Aufnahmen haben wollen. Für den Einsteiger und Normalproggie wird eine Version reichen, zumal die Differenzen nicht zu sehr ins Gewicht fallen. Die Frage, ob man am Original etwas ändern darf, ist auch eine sehr spezielle Frage, die erst durch die Existenz von Tonträgern aufkommen konnte. Niemand weiß heute mehr, wie das "Original" von Beethovens Eroica oder Mozarts Zauberflöte geklungen hat. Wir kennen nur spätere Interpretationen.

Kurzum: Jeder entscheide für sich, welche Version ihm am nächsten liegt! Der Normal-Proggie braucht gewiss nicht das Bonus-Material, während dieses für den Fan mehr oder weniger unentbehrlich ist. Ich z.B. finde, dass das Bonus-Material einfach ne prima Ergänzung ist. Das Booklet bietet ein paar hübsche Fotos, eine aktuelle Einführung in das Album von Crimson-Kenner Sid Smith und einige, nun ja, philosophische Auslassungen von Meister Fripp himself. Und das Dingen sieht auch noch gut aus im CD-Regal... Aber egal, wie die Entscheidung ausfällt: jeder Proggie sollte mindestens (!!) eine Ausgabe von Islands zu Hause stehen haben.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.10.2010
Letzte Änderung: 3.3.2012
Wertung: 14/15

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Von: Markus Peltner @ (Rezension 6 von 6)


„Islands“ taufte die englische Band King Crimson ihr viertes Album. In all den Jahren ihres Bestehens, in all ihren Wandlungen und mit all ihren Veröffentlichungen stellt diese Formation um den Gitarristen Robert Fripp für mich die Progressive Band schlechthin dar. Immer wieder wurden hier neue Pfade betreten, etwas Neues ausprobiert, unabhängig vom derzeit herrschenden Musikgeschmack der breiten Masse. Es gibt viele „Inseln“, welche man mit der Musik von King Crimson ansteuern kann. Und „Islands“ ist eine Insel in der Album-Historie der Band geworden, die eine der eingängigsten Platten darstellt – obwohl das Album gleichzeitig auch immer wieder verstörend auf den Zuhörer wirken kann. Dieser Umstand, macht diese 1971 veröffentlichte Platte jedoch genau zu dem spannenden Album, welches es letztlich geworden ist. Das gibt es nicht so oft in einer Welt, in der Lieder meist aus Strophe und Refrain und vielleicht noch einem Solo bestehen, dass die Dramaturgie der Musik, der des Textes angepasst wurde. Nur sehr selten werden zum Beispiel außerhalb des King Crimson Kosmos, in ein und demselben Lied, so melodiöse Abschnitte mit solch atonalen und „lauten“ Passagen kombiniert, wie auf dem unglaublich spannenden „The Letters“. Hier ist es so, dass sich die Musik dem Text angleicht. Das gesungene Wort ist in diesem Lied wahrlich sehr verstörend und genau dieser Gegebenheit passt sich die Musik an. „The Letters“ ist dazu nicht das einzige Beispiel. Solch unterschiedliche Abschnitte gibt es auch bei „Ladies Of The Road“, bei dem alles zwischen Free Jazz und lieblichen Beatles-Weisen hin- und herzupendeln scheint.

Ganz anders, durchgehend sehr melodiös, präsentiert sich „Prelude: Song For The Gulls“. Ein Kammermusikstück, instrumentiert mit jeder Menge Streicher und Oboe. Fast schon herzzerreißend schön. Richtig gut gelungen ist auch gleich der Beginn des Albums: „Formentera Lady“. Eine sehr ruhige Nummer, hauptsächlich akustisch mit Bass, Gitarre und Flöte instrumentiert. Aber es wäre nicht King Crimson zu hören, wenn dies über die zehn Minuten so andauern würde. Im weiteren Verlauf des Stückes wird es auch wieder deutlich schräger und abgefahrener. Ein Saxophon übernimmt das Heft des Handelns und der Gesang Buzz Burrells wird durch eine Sopranistin ersetzt, die allerdings nur sehr hohe „Aaaahs“ und „Oooohs“ intoniert. Fast fließend gelingt dann der Übergang zu „Sailor’s Tale“, dem schnellsten Stück der Platte. Deutlich rockiger klingt die Band jetzt, es gibt erneut an den Free Jazz erinnernde Abschnitte und gegen Ende wird der Hörer zwischen Symphonie und Kakophonie herumgewirbelt.

Beendet wird das Album mit dem Titellied „Islands“. Gute neun Minuten lang gibt es hier wunderschöne entspannte Musik zu hören. Sehr melodisch und harmonisch und eingängig, allerdings alles nur ganz zart und zurückhaltend angespielt. Die letzten zwei Minuten sind dann, nach einer kurzen Pause, Tonstudio-Geräusche und Unterhaltungen zwischen den Musikern.

Fazit: Ein größtenteils sehr ruhiges und auch sehr bewegendes Album ist den vier Musikern von King Crimson da im Jahr 1971 gelungen. Hier stimmen Text und Musik überein, ergänzen sich und sind nicht nur Mittel zum Zweck. „Islands“ ist eine sehr intensive und bewegende Scheibe geworden, eine der besten im Katalog von King Crimson.

Anspieltipp(s): Alles
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.1.2013
Letzte Änderung: 30.1.2013
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von King Crimson

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 In The Court Of The Crimson King - An Observation By King Crimson 14.40 6
1970 In The Wake Of Poseidon 12.00 7
1970 Lizard 14.25 5
1972 Earthbound 8.60 5
1973 Larks' Tongues In Aspic 12.50 2
1974 Red 12.50 3
1974 Starless And Bible Black 12.50 3
1975 USA 10.50 2
1976 The Young Persons' Guide to King Crimson - 1
1981 Discipline 12.00 4
1982 Beat 8.50 2
1984 Three Of A Perfect Pair 9.67 3
1986 The Compact King Crimson - 1
1991 The Essential King Crimson: Frame by Frame - 2
1992 The Great Deceiver 13.00 2
1994 Vrooom 9.00 2
1995 B'Boom 10.00 1
1995 THRAK 12.00 2
1996 THRaKaTTaK 11.00 2
1996 Schizoid Man 8.00 1
1997 The Nightwatch 14.00 2
1997 Epitaph 12.00 1
1998 Live at Jacksonville 1972 9.00 1
1998 Live at the Marquee 1969 - 1
1998 Absent Lovers 11.00 1
1999 The Beat Club Bremen 1972 10.00 1
1999 On Broadway 1995 11.00 1
1999 Deja VROOOM (DVD) 11.00 1
1999 Live at Cap D'Agde 1982 10.00 1
1999 Cirkus - The Young Person's Guide to King Crimson Live 12.00 2
1999 The Vrooom Sessions 7.00 1
2000 A Beginners' Guide To The King Crimson Collectors' Club 10.00 1
2000 The ConstruKction of Light 10.60 6
2000 Live in Central Park 1974 12.00 1
2000 Heavy ConstruKction 10.00 1
2000 Live At Summit Studios 1972 8.00 1
2000 Nashville Rehearsals 11.00 1
2000 Live at Plymouth Guildhall 1971 12.00 1
2000 Discipline - Live At Moles Club 1981 8.00 1
2001 Vroom Vroom 12.00 1
2001 Live in Mainz 1974 12.00 1
2001 Live in Berkeley - 1
2001 Level Five 11.00 1
2001 Live in Detroit 1971 10.00 1
2002 Champaign-Urbana Sessions 11.00 1
2002 Happy with what you have to be happy with 8.00 1
2002 Ladies of the Road 10.00 1
2002 Live at the Zoom Club 1972 9.00 1
2002 Live in Hyde Park 1969 11.00 1
2003 Eyes Wide Open (DVD) 14.00 1
2003 Live in Guildford 1972 13.00 1
2003 The Power To Believe 10.00 2
2003 EleKtrik (Live in Japan 2003) 13.00 1
2003 Live in Orlando 1972 10.00 1
2004 Live in Warsaw, June 11, 2000 10.00 1
2004 Live in Philadelphia, PA, July 30, 1982 11.00 1
2004 The 21st Century Guide To King Crimson Volume One (1969-1974) - 1
2004 Neal and Jack and Me (DVD) 11.00 1
2005 The 21st Century Guide To King Crimson Volume Two (1981-2003) - 1
2005 Live at the Wiltern 1995 12.00 1
2005 Inside King Crimson. 1972 - 1975. An independent critical review (DVD) 9.00 1
2005 Live in Brighton. October 16, 1971 12.00 1
2006 Zoom Club, Frankfurt, Germany, April 12, 1971 10.00 1
2006 Zoom Club, Frankfurt, Germany, April 15, 1971 10.00 1
2006 Zoom Club, Frankfurt, Germany, April 14, 1971 10.00 1
2006 Zoom Club, Frankfurt, Germany, April 13, 1971 11.00 1
2006 The Collectable King Crimson Vol.1 12.00 1
2006 The Roxy, Los Angeles, California, November 23, 1981 11.00 1
2006 Stadthalle, Cologne, Germany, October 14, 1981 11.00 1
2006 Place De Nations, Montreal, Quebec, Canada - August 4, 1982 11.00 1
2007 Olympia, Paris, France, June 25, 2000 10.00 1
2007 The Collectable King Crimson Volume 2 10.00 1
2007 Augsburg, Germany, March 27, 1974 10.00 1
2008 40th Anniversary Tour Box 12.00 1
2008 Park West, Chicago, Illinois, August 7, 2008 10.50 2
2008 The Collectable King Crimson Volume 3 - Live at the Shepherds Bush Empire, London, 1996 12.00 1
2008 Congresgebouw, Den Hague, Netherlands, May 15, 1995 11.00 1
2009 The Collectable King Crimson Volume Four - Live at Roma, Warsaw, Poland 2000 11.00 1
2011 June 04, 1996. Rosengarten-Musensaal, Mannheim, Germany 11.00 1
2012 Larks' Tongues in Aspic - The Complete Recordings 15.00 2
2012 Live at the Marquee 1971 12.00 1
2014 The Elements of King Crimson. 2014 Tour Box 13.00 1
2015 Live at the Orpheum 10.33 3
2015 The Elements of King Crimson. 2015 Tour Box 13.00 1
2015 THRAK Box - King Crimson Live and Studio Recordings 1994 - 1997 - 1
2016 Live in Toronto 12.00 2
2016 Radical Action To Unseat The Hold Of Monkey Mind 13.00 1
2016 Rehearsals & Blows (May - November 1983) 12.00 1
2017 Heroes 9.00 1

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