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Ihsahn

The Adversary

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2006
Besonderheiten/Stil: Progmetal
Label: Mnemosyne
Durchschnittswertung: 8.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Ihsahn Gitarren, Vocals, Keyboards, Bass
Asgeir Mickelson Drums

Gastmusiker

Garm Vocals auf 'Homecoming'

Tracklist

Disc 1
1. Invocation 05:08
2. Called By The Fire 04:57
3. Citizen 05:22
4. Homecoming 04:20
5. Astera Ton Proinon 05:10
6. Panem Et Circenses 04:57
7. And He Shall Walk In Empty Places 04:53
8. Will You Love Me Now 05:06
Gesamtlaufzeit39:53


Rezensionen


Von: Jan Hamm (Rezension 1 von 2)


Vegard 'Ihsahn' Tveitan war in den Neunzigern die herausragende Persönlichkeit des Black Metal. Mit seinen Weggefährten von Emperor dehnte er die engen Grenzen eines um Purismus bemühten Genres stets weiter aus, um mit dem Abschlusswerk 'Prometheus' endgültig darüber hinwegzusteigen. Das Ende der Band bedeutete jedoch mitnichten ein Ende des kreativen Schaffens. Mit seiner Frau Heidi 'Ihriel' Tveitan navigierte er das Projekt Peccatum durch diverse stilistische Gewässer, von Schwarzmetall und Gothic durch Ambiente und Industrial-Soundlandschaften bis hin zu nahezu jazzigen Tönen. Vielen Emperor-Anhängern wird Peccatum zu avantgardistisch gewesen sein, das Projekt erreichte zumindest nie den legendären Status Emperors. Sehr zum Wohlgefallen vieler alter Fans dürfte also die plötzliche Ankündigung eines Soloalbums gewesen sein. Peccatum wurde kurz darauf aufgelöst. Immerhin machen die beiden nun mit ihrem gemeinsamen Label Mnemosyne in Form von nebeneinanderstehenden Soloprojekten (bisher Ihsahn und Star Of Ash) weiter. Nun liegt also seit kurzem 'The Adversary', Ihsahns erstes Soloalbum, vor, dem nach vagen Ankündigungen noch weitere folgen könnten. Und nach einer Auseinandersetzung mit 'The Adversary' halte ich die Fortführung des Solowerkes für sehr begrüßenswert.

Ihsahn hat das Album alleine konzipiert und aufgenommen, mit Ausnahme der Drums, die der befreundete Schlagwerker Asgeir Mickelson (seit seiner Arbeit für Spiral Architect, Borknagar und Vintersorg ein Garant für ein dynamisches und frickeliges Rhythmusgerüst) einspielte, und einem Gastauftritt des ehemaligen Borknagar-Sängers Garm im Stück 'Homecoming'. Schon beim Songwriting der 'Prometheus' war Ihsahn federführend. Und so ist 'The Adversary' in mancherlei Hinsicht eine Fortsetzung des Emperor-Abschiedsalbums. Immer wieder blitzen die verstörenden, atonalen Riffkonzepte des vorigen Albums durch, und auch der Gesang, stets zwischen aggressiv und hymnisch-klar pendelnd, ist ein altbekanntes Markenzeichen. Und doch wirkt das Album anders. Das liegt hauptsächlich daran, dass über weite Strecken eine melancholischerere Atmosphäre aus der Musik spricht. Natürlich gibt es nach wie vor Passagen, die vor Dunkelheit und Grimmigkeit triefen, und doch wirken manche Abschnitte regelrecht traurig, selbst, wenn sie von Blastbeats und klirrend-kalten Gitarren getragen werden. Diese Elemente werden in 'Homecoming' auf die Spitze getrieben – welches den Hörer durch schwermütige Riffs, wie man sie bei Emperor vergeblich sucht, trägt - passend zum Text, der den Verlust des Glaubens an einen guten Zukunftsweg der Menschheit thematisiert. Und auch im folgenden, schleppenden 'Astera Ton Proinon' steht eine von tiefmelancholischem Pathos geprägte Stimmung im Vordergrund. An diesen Stellen wird deutlich, dass 'The Adversary' nicht nur das Erbe Emperors sondern auch den Geist Peccatums in sich trägt.

Freunde extremer, metallischer Kunst kommen natürlich dennoch auf ihre Kosten. Der apokalyptische Opener 'Incovation' oder das zynische 'Panem Et Circenses', welches die Brot und Spiele-Mentalität der heutigen Medienszenerie reflektiert, bedienen die spätere Emperor-Fangemeinde bestens, und brodeln vor herrlich schwarzer Atmosphäre. Diese größere Bandbreite wird auch stilistisch repräsentiert – einige Passagen wirken eher Heavy/Thrash Metal- oder Rock-, denn Black Metal-lastig. Das entspricht durchaus Ihsahns Werdegang und seinem eindeutigen Willen, relativ genrefreie Musik zu spielen. Und es zeichnet die Platte aus, denn stets wirkt das Songmaterial konsequent und aus einem Guss. An keiner Stelle hat man das Gefühl, das von einem zum anderen Song ein abrupter Genre- oder Stimmungswechsel forciert würde.

Technisch bietet 'The Adversary' das von Ihsahn gewohnt solide Schaffen. Die Riffarbeit, die dieses Album mehr als alles andere trägt, ist von schönen Breaks durchsetzt und stets anspruchsvoll genug, um über einen längeren Zeitraum spannend zu bleiben. So akribisch und detailverliebt wie auf 'Prometheus' wird hier dennoch nicht hantiert. Leider fehlen über weite Passagen echte Höhepunkte, so wie beispielsweise der nur einmal auftauchende Refrain von 'Will You Love Me Now'. Klimaktische Riffentwicklungen wie in 'The Tongue Of Fire' wären ein toller, weiterer Akzent gewesen, gerade weil die Keyboards und vor allem der Bass kaum Raum im Klangkosmos einnehmen. Auch Asgeir Mickelson bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Zwar spielt er präzise und dem musikalischen Konzept dienlich, die virtuosen Breaks seines Spiral Architect-Schaffens oder die lebendigen und dynamischen Rhythmusfundamente, die er Vintersorg für seine letzten beiden Alben lieferte, bleiben aber aus.

Fazit: 'The Adversary' bleibt trotz dieser Schwächen im Detail ein gutes Werk eines routinierten und erfahrenen Progmetal-Musikers. Um tatsächlich an die Brillanz Emperors anzuschließen oder die durchdachte und hypnotische Kraft Peccatums freizusetzen, sollte Herr Tveitan seine zweifelsfrei guten Ideen beim nächsten Sologang dennoch weiter ausreifen lassen und mit Höhepunkten ausstatten. Das scheint mir, nebenbei bemerkt, das einzig nennenswerte, größere Problem vieler Post-Black Metal-Musiker zu sein. Bei Enslaveds 'Below The Lights' bekam ich einen ähnlichen Eindruck, obgleich es musikalisch nicht direkt mit Ihsahns Schaffen vergleichbar ist. 'The Adversary' bleibt durchaus positiv haften, wohl aber mit einem latent zynischen 'Emperor light' im Hinterkopf.

Anspieltipp(s): Homecoming, Called By The Fire, Will You Love Me Now
Vergleichbar mit: Emperor, Peccatum
Veröffentlicht am: 8.11.2006
Letzte Änderung: 9.11.2006
Wertung: 10/15
gelungener Solo-Entwurf Emperors, dem ein paar Höhepunkte mehr gut getan hätten

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 2 von 2)


Herrje, Ihsahns Solodebüt "The Adversary". Wenn man bedenkt, was der Herr mittlerweile so draufhaut ("After", "Eremita"), könnte man hier glatt das kalte Grausen kriegen. Nicht, dass das Album hier wirklich so schlecht wäre. Aber im Vergleich zu den Alben der Jahre 2010 und 2012 klingt "The Adversary" flach, wenn nicht sogar eindimensional. Denn orientieren tut man sich offenbar noch sehr am Black Metal, wie die Vorgänger- bzw. Exband Emperor ihn an schlechteren Tagen hätte spielen können. So gibt es dann im eröffnenden "Invocation" Riff-Gerase zu einem lustig pfeifenden, wenn auch stets neben der eigentlichen Spur liegenden Keyboardorchester, und erst das interessante halbakustische Break in der Mitte sorgt für Aufhorchen. Klaro, das Gesangsorgan von Herrn Tveitan erkennt man auch wieder, aber insgesamt ist das hier so tiefgründig und gefährlich wie Naglfars unsägliches Plastiksoundverbrechen "Pariah" von anno 2005.

Erste Anzeichen einer Besserung gibt es im rhythmisch spannenden und mit interessanter Gitarrenarbeit versehenen "Called By The Fire", das aber recht fragmetarisch und sprunghaft ausgefallen ist. Auch den luftigen Part nach ca. 1:20 mit seinem jazzigen Schlagzeug könnte man als fortschrittlich bezeichnen, aber dieser Spaß währt gerade mal 40 Sekunden. In "Citizen" hat der Hörer das Emperor-Riffing wieder, diesmal aber ansatzweise auf dem Niveau von "IX Equilibrium" & Co., und auch hier wieder mit einem abrupten Pianoeinsatz nach ca. zweieinhalb Minuten und folgendem Wiederaufbau der Raserei. Das folgende "Homecoming" ist zur Abwechslung wieder recht fortschrittlich ausgefallen, zumal die Strophe sämtliche New-Artrock-Kriterien erfüllt.

Weiter geht es mit dem eher balladesken "Astera Ton Proinon", mit dem sich Ihsahn an Science-Fiction-Theatralik à la Vintersorg versucht, was aber hüben wie drüben nur mäßig spannend ist. "Panem Et Circenses" liegt mit interessantem und durchdachten Riffing nochmals auf Emperor-Linie, krankt aber wie so vieles hier an der völlig überdrehten Keyboardbegleitung und einer regelrecht zerrissen wirkenden Inkonsistenz der inneren Struktur. Die Keyboards halten sich im folgenden "And He Shall Walk In Empty Places" dezent im Hintergrund, was dem Stück gleich mal etwas mehr Schwere verleiht und es nicht ansatzweise albern wirken lässt. Andererseits offenbart dieses Arrangement auch, dass abseits von einigen netten Harmoniepassagen an der Gitarre das Songwriting noch ein paar zwingende Momente mehr nötig gehabt hätte.

Den Abschluss bildet zunächst das völlig untypisch betitelte "Will You Love Me Now?", das die zugegebenermaßen gelungenste Black-Metal-Raserei (vergleiche Keep Of Kalessin) dieses Albums bietet, und schließlich das avantgardistische "The Pain Is Still Mine". Eine interessante Klavierfigur leitet diese Nummer ein, anschließend sorgt das Keyboardorchester für (eher überflüssigen) Bombast, es folgen verschiedentliche Parts und ein paar theatralische Einlagen, bis nach knapp 4:20 Minuten endlich mal einer jener verzehrenden Mahlstrom-Parts auftaucht, die Ihsahn später so überragend hingebkommen sollte. Eine Keyboard-Aufnahme des Motivs vom anfang lässt die Nummer dann ausklingen. Auch nicht so überragend, aber zumindest ganz interessant.

Das Fazit zu "The Adversary" also? Ein nicht allzu empfehlenswerter Einstieg, den Vegard Tveitan hier vorlegt. Der Großteil des Materials verharrt im teilweise orchestralen Black Metal und kann in dieser Kategorie weder den hier wohl mehr aus personellen denn musikalischen Gründen zu referenzierenden Emperor noch eher vergleichbaren Kapellen wie Dimmu Borgir das Wasser reichen. Dazu wirkt die Musik einfach zu überdreht oder zu sprunghaft. Sobald dieser Bereich mal vergessen wird, trifft immer noch der zweitgenannte Punkt zu; hinzu kommt noch die eher billig und blechern tönende Produktion des Albums, die keinesfalls mit den organischen Werken der jüngeren Zeit konkurrieren kann. Gut, abschließend muss ich vielleicht noch sagen, dass "The Adversary" genau genommen keine musikalische Totalkatastrophe ist, dafür liegt das musikalische Grundniveau einfach zu hoch. Nach oben hin bleibt aber noch mindestens ebensoviel Luft.

Anspieltipp(s): Called By The Fire, Will You Love Me Now?, The Pain Is Still Mine
Vergleichbar mit: Emperor, Dimmu Borgir, Naglfar, Vintersorg
Veröffentlicht am: 29.8.2012
Letzte Änderung: 17.11.2012
Wertung: 7/15
Gemessen an den Nachfolgern äußerst schwach, gemessen am zeitgenössischen Black Metal zumindest passabel.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Ihsahn

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2008 angL 8.00 1
2010 After 13.00 1
2012 Eremita 12.00 1

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