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Gentle Giant

Gentle Giant

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1970
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: Vertigo
Durchschnittswertung: 10.2/15 (5 Rezensionen)

Besetzung

Gary Green lead guitar, 12 string guitar
Kerry Minnear keyboard, some bass, cello, lead vocals, backing vocals, some tuned percussion
Derek Shulman lead vocals, backing vocals, some bass
Phil Shulman sax, trumpet, recorder, lead vocals, backing vocals
Ray Shulman most bass, violin, some guitar, percussion, backing vocals
Martin Smith drums, percussion

Gastmusiker

Paul Cosh tenor horn on Giant
Claire Deniz cello on Isn't It Quiet And Cold

Tracklist

Disc 1
1. Giant 6:22
2. Funny Ways 4:21
3. Alucard 6:00
4. Isn't It Quite And Cold? 3:51
5. Nothing At All 9:08
6. Why Not? 5:31
7. The Queen 1:40
Gesamtlaufzeit36:53


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 5)


Ordentliches Debut-Album der Ausnahme-Progger "Gentle Giant", das mehr Berührpunkte mit der zeitgenössischen populären Musik aufzeigt als die nachfolgenden Platten der Band.

"Giant" beginnt das Album kraftvoll und rockig mit engagiertem Gesang und fetter Hammond-Orgel, geht aber irgendwann in einen zeit-typischen Psychedelic-Teil mit fließendem, repetitivem Riff über, der aber von einer kurzen, hymnischen, klassisch angehauchten Chor-Passagen unterbrochen wird und danach zum Anfangsteil zurückkehrt. Der Beginn des akustischem "Funny Ways" könnte auch von einer melancholisch gesinnten Pfadfindergruppe rund ums Lagerfeuer geschrammelt werden, wenn auch nicht unbedingt begleitet von einem kleinen Streicher-Ensemble und in mehrstimmigem Gesang, und geht abrupt und irgendwie unmotiviert in einen bewegteren Teil über mit flottem 7/4-Rhythmus, schrägen Bläsern und Orgelsolo, danach wieder die Akkorde vom Anfang, diesmal elektrifiziert und mit Gitarrensolo und Bläsersatz der auch von "Magical Mystery Tour" stammen könnte. Das nachfolgende rockende "Alucard" begeistert vor allem durch den offensiven Einsatz eines fetten, analogen Baßsynthies und den seltsam verzögernden Gesang. Mit seinen mehrstimmigen Stellen und bewegten Linien erinnert dieses Stück noch mit am meisten an die zukünftigen "Gentle Giant"-Platten. "Isn't It Quite And Cold" läßt mit seinem Salon-Walzer-Sound und McCartneyeskem Gesang wieder eher an "White Album"-Ära-Beatles denken.

Das längste Stück der Platte ist "Nothing At All", das mich im Anfangsteil von Akkorden und Linien in Gesang und Begleitung sehr an "Stairway To Heaven" erinnert (wenn man dazu noch die Blockflöten-Begleitung aus dem nächsten Stück "Why Not?" nimmt, könnte man schon auf die Idee kommen, das "Led Zeppelin" dieses Album vielleicht kannten...). Allerdings kommt es nur auf mehr als 9 Minuten durch ein aufgeblähtes Drumsolo mittendrin, inklusive zeittypischer Phasing-Effekte (kennt jemand "Just A Poke" von "Sweet Smoke"?), das allerdings durch impressionistische Klavier-Zitate und -Impros kontrastiert wird. Ganz interessant, aber zu lang für meinen Geschmack, und auch der bluesige Mittelteil mit monotonem Riff ist nicht wirklich originell. "Why Not?" ist wieder ein engagierter Rocker ganz im Stil von "Giant" mit eingestreuten pseudo-klassischen Zitaten und einem sanften Zwischenteil mit Blockflötenbegleitung, fällt aber dann in einen (hoffentlich nicht ganz ernst gemeinten) billigen Rock'n'Roll-Teil als Schluß. "The Queen" ist ein kurzes Rockbandarrangement von "God Save The Queen", vielleicht nach dem Vorbild von Hendrix "Star Spangled Banner", aber bei weitem nicht so zynisch wie jenes.

Insgesamt hört man deutlich, wie "Gentle Giant" auf der Suche nach einem eigenen Stil sind, den sie aber erst im Laufe der nächsten Platten entwickelten. Dennoch ein nettes, nicht unbedingt besonders aufregendes Debüt-Album, aber ein Versprechen auf mehr.

Anspieltipp(s): Alucard
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.5.2002
Letzte Änderung: 6.5.2002
Wertung: 8/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 5)


Wer anno 1970 in das Debut von Gentle Giant reingehört hat, weil ihn der Verkäufer im Plattenladen darauf hingewiesen hat, dass dies die neue Band der Shulman-Brüder wäre, die einige Jahre früher als Simon Dupree and the Big Sound mit "Kites" einen Top-10-Hit hatten, wird sich wohl etwas gewundert haben. Aus der relativ unspektakulären Beat-Band war eine progressive Rockband geworden.

Eine bunte Mischung aus komplexen, schrägen, lauten, folkigen, rockigen, bluesigen und jazzigen Klängen setzten Gentle Giant hier vor, die man zwar als Stilsuche interpretieren, aber auch etwas positiver als abwechslungsreiches Potpourri ansehen könnte. Mir macht "Gentle Giant" nämlich durchaus Spass und ich finde, dass hier doch einiges Aufregendes vorhanden ist. "Giant", "Funny Ways" und "Alucard" bieten eigentlich schon alles auf, was den späteren Stil von Gentle Giant prägen sollte, und sind Klassiker der Band. Die vielseitige Instrumentation, die komplexen Arrangements, die klassische Vorbilder imitierenden Passagen, der mehrstimmiger Gesang und die aüsserst gelungene Integration von Bläser- und Streicherklängen, die die späteren Scheiben der Gruppe auszeichnen sind schon hier vorhanden und nicht nur dass, sie sind auch hier schon sehr gelungen verwirklicht. Natürlich ist der Erstling von Gentle Giant noch etwas simpler gestrickt und in seiner Gesamtheit deutlich (blues)rockiger als die Nachfolger (man achte z.B. auf Gary Greens diverse E-Gitarren-Soli). "Isn't It Quiet And Cold", der Schlagzeugmittelteil von "Nothing At All" und der Rock'n'Rollschlussteil von "Why Not" sind wirklich nicht so der Hit, doch gibt es auf "Gentle Giant" auch einige schlichte, beschaulich-folkige Passagen - der Beginn von "Funny Ways", "Nothing At All" und der flötenbegleitete Abschnitt in "Why Not" -, die in den späteren Werken der Gruppe nur noch selten zu finden sind.

"Gentle Giant" ist ein sehr sympathisches Debut, das durchaus zu den besten Progscheiben des Jahres 1970 zählt. Zudem halte ich die Scheibe als die ideale Einstiegsplatte, um sich an den Stil der Riesen zu gewöhnen. Von hier kann man sich dann, wenn Interesse geweckt wurde, vorantasten.

Anspieltipp(s): Giant, Funny Ways
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.9.2004
Letzte Änderung: 26.6.2009
Wertung: 10/15

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Von: Piotre Walter @ (Rezension 3 von 5)


Das Debut der "Riesen" ist wie viele Alben der Band wieder mal ein oft unterschätzter Prog-Meilenstein. Woran das liegt, habe ich mich schon oft gefragt. Meiner Meinung nach hat es weniger mit ihrer Musik zu tun. Ich denke G.G. hatten immer ein "Marketing"-Problem. Vermutlich fehlte es an einer charismatischen Figur wie Peter Gabriel bei Genesis oder Robert Fripp bei King Crimson und, so nett die Idee mit dem sanften Riesen ist, eine kultigere Inszenierung der Band hätte vermutlich ihrer genialen Musik mehr Erfolg beschert.

Ihr Debut ist für mich eines ihrer besten Alben, und wenn man genau hinhört, haben sie auch hier schon ihren Stil gefunden. Alles was die Band auszeichnet ist hier vertreten (ein unorthodoxer Mix aus Rock, Blues, Jazz, Folk und Klassik im typischen G.G.-Stil, auch die kammerspielartigen Elemente sind vorhanden). Es folgten zwei experimentelle Alben, um auf "Octopus" den Stil des Debuts in rockigerem Gewand auferstehen zu lassen. Ein Unterschied zu älteren Alben ist, dass das Debut eine bluesigere Note hat. Aber ich glaube, das ist typisch für diese Zeit, man denke z.B. an die ersten "Jethro Tull" oder "Colosseum"-Alben.

Die herrausragenden Stücke des Albums sind: "Giant", "Funny Ways", "Alucard" und "Nothing at all". Hier findet man Progmusik vom Feinsten: komplexe Strukturen, mehrstimmiger Gesang, ungewöhnliche und ausgefeilte Bläser- und Streicher-Arrangements. Abgesehen von bluesigen Soli ist auch hier der typisch verquere Gitarrensound von G.G. schon zu finden, ebenso das spannende Zusammenspiel von Keyboards und Gitarre, nicht zu vergessen ein umfangreiches Arsenal an Instrumenten, klassische Zitate und kammerspielartige Einlagen. Das Schlagzeugsolo auf "Nothing at all" ist vielleicht nicht hervorragend, aber durch die Kombination mit wild improvisierendem Klavier doch wieder einzigartig.

Wie Achim bin ich der Meinung, dass das Album als Einstiegsalbum durchaus geeignet ist. Spätere Alben optimieren diesen spannenden Musikstil, ein "Rohdiamant" sozusagen.

Anspieltipp(s): Giant, Funny Ways, Alucard, Nothing at all
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.11.2004
Letzte Änderung: 24.3.2013
Wertung: 12/15

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Von: Markus Peltner @ (Rezension 4 von 5)


“Gentle Giant” heißt das Debut der gleichnamigen Band aus dem Jahr 1970. Und es war ein sehr gelungenes Debut, welches die sechs Briten und Multiinstrumentalisten da vorlegten. Ein gelungenes Debut mit progressiver Rockmusik. Und obwohl Gentle Giant nie den gleichen Erfolg haben sollte wie einige andere progressive Bands zur damaligen Zeit, so beeinflusste Gentle Giant mit ihrer Musik, in den etwas mehr als zehn Jahren ihres Bestehens, doch ebenfalls eine ganze Menge anderer Bands und Solokünstler.

Doch nun zum Erstling der Band Gentle Giant. Auf dem Innencover werden die Stücke mit „These are the giant’s favourites:“ angekündigt. Und so beginnt die Platte mit dem Stück „Giant“. Langsam schwebt eine Hammond Orgel herein, bis schließlich, in dieser Reihenfolge, Bass, Schlagzeug, Gesang und E-Gitarre einsetzen. Und sofort ist das Stück eine herrlich treibende Nummer progressiver Rockmusik. Hier gibt es die Rhythmus- und Stilwechsel, mehrstimmige Gesangseinlagen, schräge und wunderschön melodiöse Abschnitte. Hier wird gleich im ersten Stück alles geboten: Passagen zum Überraschtsein, genauso wie Stellen zum Schwelgen. Klar muss man bei diesem Lied etwas mit progressiver Rockmusik der 70er anfangen können, um dieses Stück genießen zu können. Wenn man das allerdings kann, eröffnet sich hier ein wahres Füllhorn von Ideen.

Der nächste Track „Funny Ways“ kommt da dann schon sehr viel eingängiger daher. Auch in diesem Stück gibt es zwar schrägere Abschnitte, geprägt ist das Lied allerdings von einer sehr melodiösen Grundstimmung, die sofort ins Ohr geht. Klasse hier auch wieder die Gesangsarrangements, die perfekt durchkomponiert sind und keine Wünsche offen lassen – genau wie der Einsatz der Streicher.

Weiter geht es mit „Alucard“. Wieder ein Track in bester progressiver Machart. Den Anfang beherrschen Saxophon, Keyboard und E-Gitarre und lassen das Stück, perfekt aufeinander abgestimmt, schön schräg beginnen. Wenn dann auch noch der Gesang einsetzt, der auf diesem Stück so klingt, als wäre er zunächst rückwärts aufgenommen worden, dann ist die Mixtur des Prog-Rock-Songs perfekt erreicht. Es folgen noch Zutaten wie fette Hammond-Orgel-Klänge und ganz leise Passagen. Was lediglich fehlt, sind die überaus melodischen Klänge, die sofort ins Ohr gehen und dort auch lange verbleiben.

Diese gibt es dann allerdings im Überfluss in dem nächsten Stück. „Isn’t It Quiet And Cold?“ Eine tolle melodiöse Nummer, bei der die Violinen gestrichen oder aber gezupft werden und alles vor Leichtigkeit und Freude zu hüpfen scheint. Ein toller Song, der so gar nicht zum Rest der Platte passen will und genau dadurch wieder eine Überraschung bereit hält und Spaß macht.

Und noch melodiöser geht es weiter. Der Beginn von „Nothing At All“ ist wohl eines der eingängigsten Stücke, die Gentle Giant überhaupt geschrieben haben. Absolute Klasse und ein Höhepunkt des Albums. Nach 2:30 ist es dann aber vorbei mit dem „Schmusekurs“ und es geht deutlich rockiger zu Werke. Ganz anders wird es dann ab 4:30, denn jetzt hören wir ein Drumsolo, in welches ab 5:50 zunächst sehr melodiöse, später dann auch dissonante Pianotöne ihren Einzug finden. Und bei 7:45 löst sich alles wieder auf und wir befinden uns wieder im allerersten Teil des Liedes. So schön wie die Nummer angefangen hat, genauso schön endet sie auch. Auf das Drumsolo hätte man vielleicht verzichten können, andererseits wirkt es nach diesem, kombiniert mit der atonalen Pianoeinlage, wie ein Aufklaren des Himmels, wenn das Lied wieder in seinen ersten Teil überführt wird.

„Why Not?“ ist der vorletzte Track auf dem Album. Von seiner Machart erinnert es ein wenig an die erste Nummer „Giant“. Auch hier gibt es treibende und schräge Abschnitte, genauso wie herrlich schwebende, melodiöse Teile. Das Stück endet in einem schnellen, gitarrendominierten Rockteil, den man so auch nur selten bei Gentle Giant hört.

Ganz zum Schluss gibt es anschließend noch die Gentle Giant Adaption der englischen Nationalhymne. „The Queen“ heißt das Stück, lebt von dem Gitarrensound und den Breaks, würde allerdings auch nicht fehlen, wenn es nicht auf der Platte zu finden wäre.

Fazit: Ein schönes, spannendes und abwechslungsreiches Debut haben Gentle Giant mit der gleichnamigen Platte da 1970 vorgelegt. Hier gibt es alles, was das Herz des Prog-Fans höher schlagen lässt. Und Vieles, was da noch kommen sollte, lässt sich auf diesem Album schon erahnen. Warum Gentle Giant allerdings nie den gleichen Stellenwert und Erfolg wie andere Bands des gleichen Genres zur damaligen Zeit, also zum Beispiel Genesis, Yes oder King Crimson, erreichten, liegt vielleicht am Fehlen eines charismatischen Frontmannes wie es Peter Gabriel, Jon Anderson oder Robert Fripp waren. Oder aber es liegt an den, im geringeren Maße vorhandenen Songs, mit überaus eingehender Melodie. Diese Stücke gibt es zwar auch bei Gentle Giant, allerdings in kleinerer Anzahl. Dafür lebt Gentle Giant die anderen Facetten einer Prog-Band mehr aus, als die oben genannten Bands. Alles in allem ein tolles Debut von Gentle Giant, was zur damaligen Zeit sicherlich viel Vorfreude auf künftige Werke der Band heraufbeschwor. Und diese Werke sollten auch folgen.

Anspieltipp(s): Giant, Funny Ways, Isn’t It Quiet And Cold?, Nothing At All
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.3.2012
Letzte Änderung: 18.6.2012
Wertung: 11/15
Sehr gelungenes Debut.

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 5 von 5)


Wie auch die Debutalben anderer damaliger Szenegrößen (eine Szene, die sich erst im Entstehungsprozess befand nota bene), so ist auch Gentle Giant ein Album, das die Band noch bei der Suche nach einem eigenen Stil zeigt. Es steckt noch bluesiger Rock in diesem Album ebenso wie repetitive, psychedelische Figuren. Die typischen Trademarks des späteren unikaten Stils werden aber schon hier angelegt, wenn auch noch zurückhaltend. Das Album schlägt die Brücke zwischen End-60er Psychedelic bzw. Protoprog zum klassischen Prog der 70er.

Witzigerweise erinnert mich der Titel Giant in Teilen stilistisch an Kobaïa aus dem selben Jahr. Das rockig Treibende, der Gesang, die Bläser; irgendwie verwandt. Ab 3:15 folgt ein repetitives Riff des Bass, darüber Orgel, Streicher (Mellotron?), eine Trompete, ein psychedelischer Nachhall. Dann wieder das Anfangsthema.

Funny Ways ist herrlich kontrastreich: zuerst ein schräges Celloeinspiel, dann eine ruhige, beinahe angeschwermütigte Ballade, die unvermittelt in einen 7/4-Rhythmus, dessen Basslinie an einen Ragtime erinnert, ausbricht. Es folgt ein mit großer Kelle angerührter, mit epischen Fanfaren garnierter und einem Gitarrensolo verzierter Zwischenteil, ehe es wieder in die ruhige Stimmung des Anfangs zurückfällt. Wirklich "funny".

Alucard erinnert in einigen Bläserparts an gewisse Neal Morse-Kompositionen. Der Mann könnte sich hier inspiriert haben lassen. Auch hier finden sich wieder repetitive Muster. Das Stück glänzt mit viel schräger Harmonie und Dissonanzen sowie wohltuender Dynamik zwischen rockigen und ruhigeren Momenten. Seltsam die vermeintlich rückwärts gesungenen Zeilen in den ruhigen Parts. Für mich der Höhepunkt des Albums.

Gefolgt wird der von einem kammermusikartigen, zarten Oeuvre, das an die Beatles erinnert und gut in ein Varieté, eine Kleinkunstbühne oder eine gemütliche Teestube passen würde. Die Streicher streichen mal, mal zupfen sie. Witzig ein kurzes Xylophonsolo.

Der von Udo herangezogene Vergleich von Nothing at all mit "Stairway to Heaven" ist teffend. Erst ein sanftes Einspiel, dann die Steigerung der Intensität, eine Klimax. Es folgt ein an Hendrix erinnerndes Riff, ein Gitarrensolo, schließlich das auch für meinen Geschmack etwas zu lange und zu monotone Drumsolo. Hier stört mich auch der Sound. Der Soloausflug ist sehr TomTom-lastig, wodurch das ganze etwas wummerig und breiig wird. Dennoch mutig, sowas in dieser Form in eine Studioplatte einzubauen.

Mit "Why not" rocken GG nochmal etwas ab, was nicht allzu besonders ist. Immerhin wird das Stück durch ein gekonnt aufgebautes und gesteigertes Zwischenspiel aufgemotzt, in welchem sich Gitarrist Green in einem Solo austoben kann. Why not!?

Das abschließende God save the Queen kann man sicher auch schlechter machen, einen wirklichen Mehrwert erfährt das Debutalbum des sanften Riesen dadurch aber nicht.

Insgesamt ein gelungenes, abwechslungsreiches Album, das Gentle Giant noch auf der Suche zeigt, aber schon einige typische spätere Trademarks des Bandstils einführt. Sollte man kennen. Nicht zuletzt sollte man das Album auch wegen des Plattencovers haben...

Anspieltipp(s): Alucard
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.1.2013
Letzte Änderung: 17.1.2013
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Gentle Giant

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1971 Acquiring The Taste 12.00 3
1972 Octopus 12.67 3
1972 Three Friends 11.50 4
1973 In A Glass House 13.00 1
1974 The Power And The Glory 12.50 3
1975 Free Hand 12.00 2
1976 Interview 9.50 2
1977 Live - Playing The Fool 14.33 3
1977 The Missing Piece 7.33 3
1978 Giant for a day 3.67 3
1980 Civilian 7.25 4
1994 In Concert 9.00 1
1996 Edge Of Twilight - 1
1996 The Last Steps 9.00 1
1997 Under Construction 11.00 1
1998 Live on the King Biscuit Flower Hour 13.00 1
1998 Out of the fire - The BBC Concerts 10.00 1
2000 Totally out of the woods-The BBC Sessions 12.00 1
2000 Live Rome 1974 11.00 1
2001 In'terview in concert - 1
2002 Endless Life 9.00 1
2002 artistically cryme 8.00 1
2003 Way of life - 1
2004 Scraping the Barrel - 1
2004 Giant on the Box (DVD) 12.50 4
2006 GG at the GG (DVD) 10.00 1
2009 King Alfred's College Winchester 1971 10.00 1
2009 Live in Stockholm '75 11.00 1
2014 Live at the Bicentennial 12.00 1
2017 Three Piece Suite - 1

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