Sola Scriptura
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Informationen
Allgemeine Angaben
| Erscheinungsjahr: |
2007 |
| Besonderheiten/Stil: |
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| Label: |
Inside/Out |
| Durchschnittswertung: |
7.5/15 (9 Rezensionen) |
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Besetzung
| Neal Morse |
Vocals, Keyboards, Guitars |
| Mike Portnoy |
Drums, Vocals |
| Randy George |
Bass, Vocals |
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| Paul Gilbert |
Guitars |
| Orchestra |
unknown |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
The Door
1. Introduction 2. In The Name Of God 3. All I Ask For 4. Mercy For Sale 5. Keep Silent 6. Upon The Door
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29.14
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| 2. |
The Conflict
1. Do You Know My Name? 2. Party To The Lie 3. Underground 4. Two Down, One To Go 5. The Vineyard 6. Already Home
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25.00
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| 3. |
Heaven In My Heart
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5.11
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| 4. |
The Conclusion
1. Randy's Jam 2. Long Night Journey 3. Re-Introduction 4. Come Out Of Her 5. Clothed With The Sun 6. In Clothing...
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16.34
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| Gesamtlaufzeit | 75:59 |
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Rezensionen
Von: Fix Sadler (Rezension 1 von 9)

Es nervt! Es nervt total! Kollege Stolt ist schon unerträglich, aber Kollege Morse ist wirklich zum Kotzen!
Beginnend mit The Doorway, weitergehend mit The Devil's Got My Throat, zu The Light, zurück zu Beware Of Darkness. My Name is Senor Valasco, I do my stuff as I used to... Scheiss auf die grottigen Texte, scheiss drauf, dass sich Morse an europäischer Kultur vergreift - ich habe keine Ahnung von Martin Luther, Neal Morse hat gar keine... - die Mucke geht mir jetzt wirklich auf den Keks! War Testimony noch die schmalzige Version von Snow, ging es weiter mit "Ich liebte meine Bärte" (One), gab er uns schliesslich die "seit gut, bis ihr bekehrt seid" (?) Scheibe... Nun ist der gute Puzzle-Neal bei seinem "Side-Superstar-Project" (Transatlantic) angelangt. Who cares, tell me, who cares?
Das Positive? - Paul Gilbert, der spielt Gitarre! Dann kriegen wir Randy Georges' immergleichen Bass; Danke! Mike Portnoy holpert, souverän - cool oder egal. Neal Morse; er quietscht, er sinniert, er bekehrt, er nervt, er ist verantwortlich für die "ach so harte" Scheibe. Same procedure as ever!!! same - same... Und was mich noch mehr anpisst; es ist absolut solide, wie immer! Der Mann kann es einfach, aber es stört, oder man will es immer wieder haben... Das entscheidest Du, der Leser, der Hörer, wie auch immer... Entscheide Dich: Neal Morse ist grosser, verständlicher Sport, oder aber: Neal Morse macht immer wieder den gleichen Scheiss. Mir reichts!
Bei der nächsten Scheibe mache ich mein "how to produce a real Neal Morse Song" Featurette - versprochen; einstweilen gebe ich mit Bauchschmerzen immer noch ein: ok... aber eigentlich hasse ich diesen professionellen "Dieter Morse" inzwischen.
| Anspieltipp(s): |
schnurz |
| Vergleichbar mit: |
NEAL MORSE (hier deutlich: Transatlantic) |
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| Veröffentlicht am: |
10.2.2007 |
| Letzte Änderung: |
10.2.2007 |
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An einigen Stellen im Internet wurde Kollege Fix vorgewerfen, er habe sich in seiner Rezi zu wenig um die Musik auf "Sola Scriptura" und zu sehr ums eigene "Auskotzen" gekümmert. Darum gleich hier die Warnung: Auch diese Rezension wird sich nicht hauptamtlich mit der Musik beschäftigen. Das aber scheint mir, mit Verlaub, auch nicht nötig. Wer bereits mehr als zwei Alben aus der Rockschiene Morseschen Schaffens sein eigen nennt oder zumindest kennt, der weiß ohnehin, was ihn hier erwartet. Neal Morse macht Neal-Morse-Mucke und das macht er in einer ähnlichen Qualität wie immer. Wer also mit "more of the same" leben kann oder das sogar will, der kann aus rein musikalischer Sicht bedenkenlos zugreifen und wird glücklich werden. Wem es dagegen ziemlich auf die Eier gehen dürfte, dass man in "The Conclusion" statt "It was a long night's journey..." genauso "It's been such a long a time suffering..." singen kann – und das ist bei weitem nicht die einzige, aber die augenfälligste Stelle -, der sollte einen großen Bogen um die Scheibe schlagen. Auch ich reihe mich von Album zu Album mehr in diese Gruppe ein, da sich Neal Morse spätestens ab "Testimony" leider nicht mehr viel Neues hat einfallen lassen.
Doch ist das eigentlich nicht der Grund, aus dem ich mit einem veritablen Grimm auf „Sola Scriptura“ blicke – der eigentliche Grund sind die Texte. Die sind nämlich peinlichste Predigt auf Kindergartenniveau frei nach dem Motto „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm“ und haben mit der tiefgreifenden Kirchenkritik von Luther, Calvin und Konsorten (soviel Blödsinn die nebenher auch noch so von sich gegeben haben mögen) ungefähr so viel gemein wie Sloterdijk mit den Teletubbies. Das hier ist Bibel TV fürs Progprekariat und hat mit echter, sachlicher Kirchenkritik (und diesen Anspruch stellt Morse in der Liner Notes an sich selber) äußerst wenig zu tun. Mal ein Zitat gefällig?
Not just from the Mother but the daughters of the harlot
Everything that comes from her it must be left behind
Her rituals and teaching smells of death and bloody scarlet
Like Martin did before us let the scripture be our guide
Jawohl, so sieht mal fundierte Kritik an der Kirche aus. Und Vergleiche mit Nutten waren ja schon immer toll, wenn man jemanden diskreditieren will, in solchen Fällen darf man solche bösen Worte auch mal als wiedergeborener Christ benutzen. Und, wer weiß, wenn man immer schön weiter billige mit musikalischer Resteverwertung unterlegte Peinlichstpredigten unters Volk bringt, darf man vielleicht auch mal „Ficken“ sagen – wenn einem der liebe Gott das erlaubt, natürlich.
Nein, sorry lieber Neal, aber die Hörer zum Überdenken und Reformieren ihres Glaubens animieren (egal, wie man diesem Ansinnen prinzipiell gegenüber stehen mag) geht anders, zumindest wenn man es ernst meint. Das hier ist jedenfalls wie das Vorlesen eines Pixi-Buches in einer Debatte zur Steuerpolitik vor allem eines: Verdammt peinlich.
| Anspieltipp(s): |
hört besser die alten Scheiben der Bärte |
| Vergleichbar mit: |
Morse of the same |
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| Veröffentlicht am: |
28.2.2007 |
| Letzte Änderung: |
1.3.2007 |
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Sola Scriptura. Auch wenn die Musik natürlich das Wichtigste ist: wenn ein Konzeptalbum einen derart deutlichen Titel trägt, dann sollte eine Analyse des Textes keinesfalls vernachlässigt werden. Denn während die Musik sich gewohnt phantasievoll auf bewährten Pfaden bewegt, bieten Konzept und Lyrics ungeahnte Ansätze.
Dabei sind es die Hörer von Neal-Morse-Alben ja eigentlich gewöhnt, bei den Texten wegzuhören. Dies hat seinen guten Grund darin, dass diese in etwa dem Schema folgen: Mensch oder Welt mit böser Vergangenheit wird erlöst durch den Glauben. Das kann auf Dauer langweilig werden, vor allem für die Hörer, die von Jubelarien auf die Größe Gottes eher genervt sind.
Diesmal ist es jedoch ein wenig anders. Zum einen nimmt sich Morse eines historischen Themas an, zum anderen wird der Glaube selbst thematisiert, ja einer Kritik unterworfen. Dies führt zu einer folgenreichen Verwicklung, die sich schlicht aus der Behandlung des Themas selbst ergibt. Dabei versucht Morse erst gar nicht, die äußerlichen Ereignisse der Geschichte Luthers minutiös nachzuerzählen, sondern konzentriert sich im Hauptteil mehr auf den Glaubenskonflikt als solchen. Auf diese Weise dient die Glaubensgeschichte Luthers Morse auf einer allgemeineren Ebene dazu zu schildern, wie die Kirche - mit guten Intentionen begründet - bald im Dunkel landete, um nun wieder zu neuem Glanz gebracht zu werden. „My purpose in making this album is to open people’s eyes that the church that started in the full light […] went into darkness and is now in the process of coming back into the light.” So als Interpretationshilfe im Booklet nachlesbar. Die Katholische Kirche ist damit auch nicht unbedingt allein gemeint, sondern vielleicht eher der (christliche) Glauben im allgemeinen. Also scheinbar wieder the same procedure as every year. Die Sache hat nur einen Haken, der in der Sache der Glaubenskritik selbst begründet ist.
Die in Sola Scriptura kritisierte Kirche vertritt mit Wahrheitsanspruch die von ihr tradierte christliche Botschaft. „In the name of God you must die, all that is not our truth is a lie.“ (In the name of God). Der Protagonist (Martin) findet im Studium der Bibel (sola scriptura) aber zu einer anderen Wahrheit der christlichen Botschaft und sorgt dafür, dass die Schrift in eine dem Volk verständliche Sprache übertragen wird. „How can I keep silent when I know the truth?“ (Keep silent)
Dies wirft nun das Problem auf, dass wir es mit zwei konkurrierenden Wahrheitsvorstellungen zu tun haben, d.h. eigentlich mit einer Vielzahl von Wahrheitsvorstellungen, da jeder Leser bzw. Hörer der übersetzten Bibel nun seine eigene Vorstellung von der Wahrheit der christlichen Lehre entwickeln kann - und die schiere Zahl der Bibelübersetzungen und -interpretationen legt davon beredtes Zeugnis ab. Diesen, der Sache angemessenen Schluss zieht Morse jedoch nicht, sondern erliegt im abschließenden The Conclusion seiner bekannten religiösen Schwärmerei, die somit auch als notwendige Folge einer Versteifung auf einen absoluten religiösen Wahrheitsanspruch gelesen werden kann.
Natürlich kann die Geschichte von Sola Scriptura auch anders verstanden werden. Die Intention des Autors ist auch offensichtlich eine andere. Aber – nicht zuletzt dank Luther – gibt es ja keine Instanz, die mit absoluter Autorität eine Interpretation vorschreiben kann. So ist Neal Morse mit Sola Scriptura in seiner Konzentration auf das Wesentliche, den Glaubenskonflikt, trotz der genannten Schwäche sein bislang anspruchsvollstes Werk gelungen.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
2.3.2007 |
| Letzte Änderung: |
7.3.2007 |
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In zwanzig Jahren, wenn ich in Rente bin, brauche ich ja immer noch Arbeit. Dann werde ich ein Buch über Prog schreiben, und wahrscheinlich spezialisiere ich mich auf die Entwicklung des Retroprog um die Jahrtausendwende und berichte unter anderem über Transatlantic, wie sich dieses Band-Phänomen aus dem Rückblick präsentiert haben wird. Ich zitiere aus meinem noch lange nicht existenten Buch im Folgenden schon mal vorab (Vorbestellungen zwecklos!):
„Transatlantic formierten sich als eine der damals beliebten Supergroups um 2000 und veröffentlichten bis 2007 sechs Studioalben. Es gab in ihrer Entwicklung einen kurzen, wenn auch unwesentlichen Bruch, weil Sänger, Keyboarder bzw. Frontmann Neal Morse 2001 aus religiösen Gründen kurz ausstieg. Diese Auszeit währte jedoch nicht lange: 2003 fand sich die Band wieder zusammen und Morse veröffentlichte mit Drummer Mike Portnoy das dritte Transatlantic-Album unter dem Titel „Testimony“. Wie der Titel andeutete, betonte Morse fortan noch stärker seine religiöse Botschaft; außerdem wurden Gitarrist Stolt und Bassist Trewavas durch andere Musiker ersetzt, was aber kaum eine Änderung im musikalischen Stil von Transatlantic hervorrief; auch dass die Band ihre Releases von nun an unter dem schlichten Bandnamen „Neal Morse“ herausbrachte, war nur eine äußerlich bemerkbare Änderung: weiterhin dominierte der typische Transatlantic-Sound, der immer durch Morse’s Songwriter-Präsenz geprägt gewesen war: orchestral angedeutete Einleitungen seiner Longtracks (von 2003 an mit echten Orchestermusikern) mündeten in frickelige Prog-Brücken, die zielstrebig den Weg in typische Morse-Vokalmelodien fanden, und erweitert durch zusätzliche liedhafte Versatzstücke sowie deren unzählige Reprisen entstanden auf jedem folgenden Transatlantic-Album die scheinbar so gewaltigen Longtracks, von denen Kritiker oft sagten, sie seien im Grunde vor allem Aneinanderreihungen des Immergleichen. 2007 erschien „Sola Scriptura“, ein Konzeptalbum über Martin Luther, und Fix Sadler, einer der bekanntesten Prog-Kritiker dieser Zeit, deutete in seiner unvergleichlich subtilen Art an, er habe das Interesse an der Musik von Morse verloren – ungeachtet der gerade auf diesem Album hervortretenden Elemente des Progmetal, die wahrscheinlich von Dream-Theater-Drummer Portnoy angeregt worden waren. Aber in der Tat schien dieses Album einmal mehr das typische Gesicht seines Labels „InsideOut“ wiederzuspiegeln, das dafür berüchtigt geworden war, handwerklich guten, aber gleichförmigen Prog zu produzieren. Und daher ist der Begriff „Gesicht“ durchaus wörtlich zu nehmen: schon die Covergestaltungen von InsideOut-Haus-Künstler Thomas Ewerhard ließen damals kaum noch einen Unterschied zwischen den Veröffentlichungen des Labels erkennen; das Frontbild von „Sola Scriptura“ hätte ebenso gut auch ein Album von z.B. Vanden Plas zieren können. Jedenfalls kam es so, wie es kommen musste: die Spur von Transatlantic verlor sich kurz danach in den unwegsamen Gefilden, die seither schon so manche andere Band des InsideOut-Labels verschluckt haben…“
…nein, jetzt muss ich mal abbrechen, denn die ganze Zukunft kenne ja nicht einmal ich. Aber wirklich ernst gemeint ist von dieser Prog-Nose mein Eindruck, dass es Transatlantic unter dem Namen Neal Morse immer noch gibt. Der Gedanke kam mir wegen U.K.: Das war auch so eine Band, die nach nur einem Album zwei wichtige Musiker verlor (Holdsworth und Bruford), die dann aber trotzdem noch weitermachte, obwohl von der Ur-Besetzung nur zwei Leute übrig blieben (Wetton und Jobson). Der strukturelle Unterschied zu Transatlantic liegt für mich nur darin, dass U.K. auch danach noch U.K. hießen.
Was nun die Bibel (= Einzige Schrift = Sola Scriptura) des Mr. Morse betrifft: ich kann Fix verstehen, ich kann Dennis verstehen, und ich kann auch andere wenig begeisterte Kritiken zu diesem Album nachvollziehen, die ich bereits gelesen habe. Aber: ich ticke anders.
Es gibt ein Album von Transatlantic/Morse, das sogar ich langweilig finde, und das ist das mit dem Fragezeichen: da hatte m.E. die stilistische Gleichschaltung so richtig zugeschlagen und auch mir die Hoffnung geraubt, dass Morse noch mal besser werden könnte. Aber Sola Scriptura haut mich um (im positiven Sinne ;-)), und das hat mit folgenden Gründen zu tun:
Ich mag Metal-Elemente, die behutsam als Stilmittel eingesetzt werden, ohne ein ganzes Album dominieren zu müssen, und von denen gibt es hier exakt die richtige Dosierung.
Mich begeistert Begeisterung, selbst wenn ich nicht von denselben Inhalten begeistert bin wie der Begeisterte: Ich verstehe von Martin Luther gewiss nicht mehr als Fix und Neal, aber ich kaufe dem Neal sein Entzücken restlos ab, ich kann es auf diesem Album förmlich mit den Fingerspitzen greifen, mehr als irgendwas auf seinen vorausgegangenen Alben.
Ich mag es, wenn Begeisterung adäquate musikalische Umsetzungen findet, und die findet sie hier sowohl in den orchestralen Materialschlachten als auch in den balladesk-hymnischen Passagen („Heaven in my heart“) als auch in den Metal-Elementen als auch in den Frickeleinlagen.
Ich erkenne Morse’s Bestreben nach einem Neuverständnis von Kirche vollkommen an, obwohl ich selbst keiner solchen angehöre (und auch nicht vorhabe, mit ihm darüber auf seiner Website zu diskutieren, obwohl er dazu einlädt). Aber er ist nach meiner Einschätzung einen großen Schritt vorangekommen, wenn er sich überhaupt mit Martin Luther beschäftigt: ob er diesen beurteilen kann, ist dabei für mich wenig relevant – die Idee zählt! Denn der Rückblick auf die anderen Morse-Alben sagt mir: alles ist besser als ein unendliches Schmoren im eigenen Weihwasser.
Kurzum: dies ist das Album, das ich von Neal Morse immer hören wollte, und jetzt hat er es endlich gebacken gekriegt!
Dennoch – (wie Peter Hammill sagte: „Just one final word of caution from the very rim of the parapet…“) – diejenigen, die Sola Scriptura verreißen, haben auf ihre Art trotzdem Recht, denn musikalisch tritt Morse wirklich auf der Stelle und tut wenig anderes als einen Transatlantic-Longtrack nach dem anderen zu schreiben. Aber er hat es m.E. lange nicht mehr mit so viel Inbrunst getan wie ausgerechnet auf diesem umstrittenen Album.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
Transatlantic (Das kann man wahlweise positiv und auch abwertend auffassen: sollen doch alle nach ihrer Facon selig werden…) |
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| Veröffentlicht am: |
3.3.2007 |
| Letzte Änderung: |
2.3.2007 |
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„die Idee zählt!“, les' ich da, „Konzept und Lyrics“ böten „ungeahnte Ansätze“. Klar, die Thematik ist gut gewählt, die Idee sicher besser, als das, was uns Herr Morse auf „One“ und „?“ präsentiert hat. Allerdings! Während ich mich bei „?“ noch über einige Textpassagen, Marke: „Wir schlachten dir ein Lamm zu Ehren, oh Gott, oh Gott“, amüsieren kann, bleibt das auf „Sola Scriptura“ aus. Da blicke ich einfach nur fassungslos auf das dahingewatschte (ja, da kommt der Bayer in mir durch) pathetische Gejammer, das sich in der Krux doch wieder nur um eines dreht: Böse gegen Gut. Morse muss sich eben nicht an dem Ansatz oder der Idee messen lassen, sondern an der Umsetzung.
Und da verschenkt Morse einige gute Ansätze und Ideen. Nach dem, was mir der Text bietet, sehe ich nicht, dass sich Morse mit der Person Martin Luther über eine Kurzbiographie aus einem evangelikalen Kinderlexikon hinaus beschäftigt hat. So infantil wirkt das Gesungene auf mich, so märchenhaft, geschliffen, süßlich und triefend unecht. Die historische Figur Martin Luther war ja, trotz aller Errungenschaften, eine ambivalente; ein Sturkopf, durch und durch, mit Ansichten, die gar nicht in das Bild passen, das uns Morse darbietet; aber auch ein Lebemann, ein Suffkopf, der Völlerei nicht abgeneigt.
Ich hätte mir darüber, in Morse-sprech, vielleicht noch folgende Ergänzungen in den Lyrics gewünscht:
Who eats and drinks shall burp and fart Otherwise he's a retard!
oder
We can't get up from our seats But who are these sticking glues? I tell ye, folks, no herbs and beats Are grown against the jews!
Das hätte dann schon etwas farbenfroher, kritischer ausgesehen. So aber verschenkt Morse alles, was die historische Vorlage ihm bietet. Aus einem mittelalterlichen religiösen Politthriller macht er eine weichgespülte, zahnlose David-gegen-Goliath-Geschichte, ohne Steine, ohne Schleudern, aber mit Jesus und dem heiligen Geist.
Der Leser sieht an der Stelle, musikalisch läuft bei Morse nicht mehr viel, wenn die Rezensenten um die Thematik, die eigentlich an zweiter Stelle stehen sollte, diskutieren. „Sola Scriptura“ reicht mir gerade noch als Hintergrund-Beschallung – und dabei verschenkt er auch hier eine Fülle von Möglichkeiten. Warum begibt er sich nicht, wenn er es textlich schon nicht kann, wenigstens musikalisch in das Mittelalter? Eine Schalmei- und Paukenkur täte der Wischi-waschi-Mucke wirklich gut. Aber da wird deutlich: Neal Morse kann's wohl einfach nicht anders. Neal Morse macht Neal-Morse-Musik.
Während die meisten meiner Kollegen hier auf ein Transatlantic-Plagiat plädieren, halte ich es bei meiner Aussage von „?“; vergleichbar mit: Neal Morse (ab Snow). Trifft auch hier wieder wie der Nagel in die Handfläche, pardon, wie die Faust aufs Auge. Morse wiederholt sich, kopiert sich – und das bisweilen auf den Akkord genau, daher kann ich ihm auf „Sola Scriptura“ nur noch solide Handwerkskunst zusprechen, abzüglich aller Ermüdungserscheinungen, die sein Selbstplagiat hinter sich herzieht, abzüglich meiner Ärgernis, die er mit seinem strikt uniformen Wahrheitsbild, mit seiner resoluten Religiösität, in mir hervorruft.
| Anspieltipp(s): |
- |
| Vergleichbar mit: |
Neal Morse (ab Snow) |
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| Veröffentlicht am: |
6.3.2007 |
| Letzte Änderung: |
6.3.2007 |
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The Preacher Man has come again. Ein neues Jahr, ein neuer Morse. Ich muß ja gleich einmal gestehen, ich mag des Morsemannes Musik. Mal ausgenommen seine Cover- und sonstigen Alben. Aber wenn er Prog ankündigt, höre ich hin. Und so musste ich im Vorfeld vernehmen, dass ein gewisser Paul Gilbert als Gitarrist uns verkündet wurde. Das ist doch nicht etwa der... doch er ist's. Der Klampfenheinz von MR. BIG, einer dieser unsäglichen "Rock"-Bands, die Anfang der 90er das Radio zukleisterten. Sind die in derselben Bibelgruppe oder wo hat Neal Morse den jetzt aufgetrieben?
Okay – CD rein und mit einiger Skepsis, aber auch großer Neugier die Ohren aufgestellt. Holla! Dramatisch, spannend, sich rockig-aggressiv steigernd, Portnoy trommelt sich sofort 'nen Wolf, Morse legt gleich mal Herzblut in die Finger und lässt 'ne Tonfolge auf dem Piano ertönen, die noch eine Portion Dramatik drauflegt bevor er wieder zum Moog wechselt. Was für ein 2-minütiger Einstieg ins Album. Kurze schleppende Pause und schon toben die Herren wieder mit derselben wilden Melodie wie zu Anfang los. Gilbert rockt, aber nervt kein bisschen. Das ist bester, bewährter Morseprog bis hin zum perfekten beatlesken Gesangseinstieg nach rund 5 Minuten. Enorm kurzweilig geht es durch diese halbe Stunde. Großes Prog-Kino, ganz wie man es vom ehemaligen Bartträger auch erwartet. Mal balladig-ruhig, mal rockend-wild, mit hymnischen Parts für die Ergriffenheit, eigentlich mit allem was ihn eben schon bei SPOCK'S BEARD oder TRANSATLANTIC auszeichnete. An letztere erinnert die Musik diesmal übrigens auch deutlich, wie ich finde.
So positiv gestimmt freute ich mich auf The Conflict und plumpse ordentlich ins eisige Wasser. Da ist er – Paul Gilbert der phantasielose Heavy-Brutzler. Das Stück beginnt so, dass es auch einfach der Mittelteil eines anderen langen Stücks sein könnte. Sowas kann ich ja gar nicht ab, wenn ich nicht in den Song geführt werde, sondern ihn quasi um die Ohren gedroschen bekomme. Und dazu diese Dudel-dudel-dudel-dudel-ich-bin-ja-so-schnell Gitarrensoli. Gott wie ich so nen Scheiß hasse! Dann noch der ganz böse und aggressive Gesang, hey, das Stück heißt doch schließlich The Conflict. Das ist allerödester, blödester Simpelhardrock. Da zieht sich jede Minute und wenn ich nicht 'ne Rezi verfassen würde, hätte ich längst die Vorlauftaste kräftig gedrückt. Nach sieben Minuten kommt dann das schöne rasante Moogthema aus dem ersten Stück zurück und ich atme auf. Wunderbar unterbrochen von sakral anmutenden Chören. Gott sei Dank - in der Tat, oder? ;-) ) - nimmt das Stück nun wesentlich phantasievoller und kreativer seinen Lauf. Ein schöner lateinamerikanisch anmutender Teil, mit ebensolchen akustischen Gitarrenklängen eingeleitet, gefällt mir z.B. wieder außerordentlich gut.
Alles in allem geht das Album seinen Gang wie es nun so des Morses Art ist. Ob es die 5-Minuten-Ballade Heaven in my heart nun wirklich noch gebraucht hat? NM meint, er hatte am Ende des Werkes das Gefühl, das Album brauche noch etwas Leichteres als Gegengewicht zu den drei wuchtigen Longtracks und da schrieb er das Stück. Ich denke mir ja eher, ihm hat jemand gesagt, dass der Bible Belt noch 'ne Singleauskoppelung vertragen könnte, irgendwas mit 'ner ausdrücklichen Lobpreisung für den Herrn dort droben. Nicht den in Washington, noch 'ne kleine Stufe höher, meine ich. Schließlich ist doch immer noch Unterstützung für "unsere US-Jungs dort drüben im wilden Kurdistan" notwendig, oder?. Würde ich mir so denken, aber ich bin ja auch manchmal 'ne böse Zunge und das gehört ja eigentlich nicht hierher.
Longtrack Drei, der kurze Viertelstündige, ist dann im Prinzip wie eins und zwei. Üppig, für die breite Leinwand im Ohr arrangiert, treibt die Bande ihn von wild-dramatisch beginnend auch hier durch allerlei emotionale Stufen. Ich liebe "Testimony", wo Morse mehr mit Streichern als harten Gitarren arbeitete. Ich liebe "One", weils einfach großartige Stücke hat, regelrechte Ohrwürmer. Ich mag "?" ganz gern, obwohl ich mich etwas an die teils arg nervenden, harten Stellen gewöhnen musste und es darum nicht ganz so viele Hördurchgänge bekommt. Auch "Sola Scriptura" mag ich schon. Ob es Liebe werden wird? Die Zeit wird es zeigen. Es ist halt ein Neal Morse Album geworden, 'nen kleinen Tick härter, aber im Prinzip wie erwartet. Mit allem was daran gut oder langweilig ist. Nun ist ein Neal Morse Durchschnitts-Album zwar immer noch besser, als manch anderes was heute so als Prog auf den Tisch flattert. Trotzdem wird es aber langsam wirklich dringend Zeit für ihn, sich mal mit neuen musikalischen Ideen zu befassen.
"Sola Scriptura" (meint "nur nach der Schrift" - wie die Plattenfirma den Latein-unkundigen Rezensenten wie mir aus der Patsche hilft) beschäftigt sich textlich mit Martin Luther. So eine Art musikalischer Reformator ist Neal Morse nun leider nicht, aber eine feste verlässliche Größe für eine bestimmte Art des satt opulenten Progrocks, der uns diesen wohl auch die nächsten Jahre pünktlich wie der Pfarrer bei der Sonntagspredigt servieren wird.
Übrigens - Morses Texte sind mir völlig egal. Ob jemand über seinen Glauben singt, über Einhörner oder über seine letzte Liebesnacht hat für mich dieselbe Relevanz - nämlich gar keine. Von daher kann ich die Kritik der Kollegen daran nicht nachvollziehen.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
Transatlantic |
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| Veröffentlicht am: |
6.3.2007 |
| Letzte Änderung: |
6.3.2007 |
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Nun gut - ich habe auf diesen Seiten versucht, grundsätzlich Alben zu empfehlen, aber nicht zu zerfetzen. Nun sitze ich aber vor diesem Konglomerat aus "Spocks Beard vertont das Leben von Martin Luther, obwohl die Bärte das nicht wollen, sondern nur ihr mit Gott fremd gehender Neal".
Und selbst wenn Fix und ich wohl nie das Eiapopeia des gleichen Geschmacks singen werden, so sind wir uns bei dieser Scheibe definitiv einig.
Herr Morse übertreibt es mit seinen ewig gleich klingenden, sich ständig wiederholenden und ein Barthaar geht auf einsame Reise klingenden Tönen - die einen nur noch ankotzen.
Wer dieses Album kauft, ist ein Fan der Musik des Herrn Morse oder ein Fan des Glaubens des Herrn Morse (oder selber schuld) - aber garantiert kein Entdecker progressiv spannender Musik.
Lieber Neal, wann kommt dein Thesen-Anschlag nach dem Motto: "Jeder, der ehemals erfolgreiche Musik kopiert und daraus im göttlichen Sinne Profit zu schlagen versucht, gehört in die Hölle!"
Du bist der erste Anwärter dafür - und ich gottloser Atheist habe die Schnauze nur noch voll!
| Anspieltipp(s): |
Titel 5 (Den gibt's nämlich gar nicht ;-) |
| Vergleichbar mit: |
Dem unendlich langen Bart, des längst verstorbenen Spocks! |
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| Veröffentlicht am: |
24.5.2007 |
| Letzte Änderung: |
23.5.2007 |
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Ich mache es kurz. Man kann Neal Morse mögen oder nicht. Man kann seine Texte und religiöse Einstellung, seinen Hang zum Missionieren goutieren oder nicht. Man kann ihm vorwerfen, jedes Album sei eine Kopie früherer Alben, seine Musik ein stetes Wiederholen Morse`scher Versatzstücke. Wie auch immer.
Was mich betrifft, waren mir Texte schon immer egal. Was mich interessiert, ist die Musik. Und ein Künstler, der seinen Stil hat, hat seinen Stil. Welche Band erfindet sich denn dauernd neu, hat nicht ihren ureigenen Stil? Gibts kaum. Neal Morse hat seinen Stil und der hat mir schon immer gefallen. Wie er seine Stücke arrangiert, ist einfach gut. Auch wenn die Kompositionen immer mal wieder Selbstzitate enthalten, so machen sie doch immer wieder Spass und verschaffen mir für einige Zeit Hörvergnügen. Gewisse Variationen kann man ihm zudem nicht absprechen. Mal gesellen sich Streicher dazu, auf dem vorliegenden Album geht es härter zur Sache. Alles bleibt aber Morse, wie man ihn kennt.
Ich gebe zu, dass Werke wie The Light und Beware Of Darkness von anderer Güte sind, aber trotzdem bleibt "Sola Scriptura" für mich ein ansprechendes, gut gemachtes Album. Morse kann komponieren und er kann arrangieren. Dazu sind seine Mitstreiter Könner an ihren Instrumenten. Das Album wird keinen Platz in meiner Hall of Fame einnehmen, aber es macht Spass und wird immer mal wieder gehört werden.
Neal Morse kann, was er kann und was er kann, macht er gut.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
Transatlantic |
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| Veröffentlicht am: |
7.12.2008 |
| Letzte Änderung: |
7.12.2008 |
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Dieses Album - oder seine Rezensenten? - wirft/werfen eine ganze Reihe interessanter Fragen auf. Allen voran die, ob das gerechtfertigt ist. Die Tatsache, dass sich hier bereits acht Rezensionen versammeln, meine ist nun schon die neunte, beantwortet diese zwar, aber nur auf eine Art, andere lassen sich vorstellen. Zu den Fragen:
Ist eine Platte schlecht, wenn sie nervt?
Ist eine Platte schlecht, weil sie nervt?
Muss ein Künstler mit jedem seiner Werke die früheren übertreffen um sein Niveau auf gleichem Level zu halten?
Ist diese Auffassung - sofern sie überhaupt ernsthaft vertreten wird (oder werden kann) - dem Namen unseres Genres anzulasten?
Ist Personalstil dasselbe wie Selbstzitat? Ist es schon eine musikalische Weiterentwicklung, wenn man unterschiedlichen Sounds ein anderes Gewicht einräumt als bisher? Ist es ein Merkmal mangelnder Qualität, wenn eine musikalische Passage mehrere Fortsetzungsmöglichkeiten bietet?
Ist Musik ein reines Ausdrucksmittel, ohne kommunikative Funktion?
Hat Text einen Einfluss auf die Qualität der Musik?
Dürfen dem Musikhörer Texte völlig gleichgültig sein?
Zählt in der Kunst allein die Idee? Oder allein die Umsetzung?
Ist es für einen Rocksänger illegitim, über Religion und Glaube zu singen?
Ist Rockmusik unchristlich?
Wird Morse Luther gerecht?
Kritisiert Morse auf "Sola Scriptura" die Kirche?
Welche Kirche?
Ist der Rocksänger verpflichtet, sich kritisch oder auch nur ausgewogen zu äußern? Und zu guter letzt: Muss nicht vielleicht jeder diese Fragen für sich selbst beantworten?
Jeder kann mit gutem Gewissen alle Fragen auf dieser (offenen) Liste verneinen - bis auf eine - und könnte das auch jederzeit argumentativ stützen - aber das muss jeder für sich selbst beantworten. Nur: was kann man Morse nun eigentlich vorwerfen? Dass er Luther simplifiziert? Na, dass muss er wohl, das wird jedem sofort klar, der die Speicherkapazität einer Audio-CD mit den Regalmetern einer Lutherausgabe vergleicht. Die Mythisierung Luthers haben die Reformierten schon selbst betrieben, ganz so wie die Südtiroler die Andreas Hofers oder die Kubaner die Che Guevaras. Wer glaubt nicht gern die Version Eric Tills, nach der Luther eine Art geistlicher Obamarx war, der in geflügelten Worten sprach, die Händler aus dem Tempel fegte und nebenbei ganz allein, nur mit Kerze und Totenkopf bewaffnet, die Bibel übersetzte?
Klar, ein RIO-Musiker hätte diese Sicht gebrochen, ironisiert, aber er wäre dabei auch wohl kaum mit einem eigenen Glauben in Konflikt gekommen.
Damit sind wir bei der meines Erachtens wichtigsten der obigen Fragen: Muss ein Künstler beständig mit seinen eigenen Überzeugungen, Arbeitsweisen und gestalterischen Formen brechen, um - da haben wir's schon - glaubwürdig zu bleiben? Wie ist das im Prog? Und warum verzeihen wir Ruins bereitwilliger als Neal Morse? Und: Ist Verzeihung hier nicht ein wenig deplatziert?
"Sola Scriptura" ist so gut wie jede Spock's-Beard- oder Neal-Morse-Platte, mit den Ausnahmen "Day for night", "Snow", "Testimony" und vielleicht ein, zwei anderen. Daher vergibt man korrekterweise auch die gleiche Punktzahl für "Sola Scriptura" wie für die genannten. Richtig so?
| Anspieltipp(s): |
The Door, The Conflict, Heaven In My Heart |
| Vergleichbar mit: |
hihi! |
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| Veröffentlicht am: |
14.4.2009 |
| Letzte Änderung: |
27.10.2009 |
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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Neal Morse
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