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Can

The Peel Sessions

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1995
Besonderheiten/Stil: Krautrock
Label: Strange Fruit
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Holger Czukay Bass
Michael Karoli Gitarre
Jaki Liebezeit Schlagzeug
Irmin Schmidt Tasten
Damo Suzuki Stimme (Track 1)

Tracklist

Disc 1
1. Up the Bakerloo line with Anne 18:48
2. Return to BB City 8:26
3. Tape Kebab 8:58
4. Tony Wanna Go 14:31
5. Geheim 6:42
6. Mighty girl 8:41
Gesamtlaufzeit66:06


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Viermal wurden Can von John Peel ins Studio der BBC gebeten um jeweils eine Live-Session einzuspielen, und zwar am 20. Februar 1973, am 29. Januar 1974, am 8. Oktober desselben Jahres und schließlich am 14. Mai 1975. Dabei entstanden sechs umfangreiche, meistenteils frei improvisierte Nummern. 1995 wurde das Material von Strange Fruit auf CD veröffentlicht. Inzwischen ist "The Peel Sessions" lange vergriffen und ein gesuchtes Sammlerstück geworden. Zu Recht!

Die vier Sessions spiegeln die Entwicklung der Kölner Avant-Krautrocker in den Jahren 1973 bis 1975 wieder. Die erste Session wurde noch mit Damo Suzuki eingespielt und lehnt sich klanglich an die Musik von "Tago Mago" und "Ege Bamyasi" an. "Up the Bakerloo line with Anne" ist ein treibender, rhythmisch-monotoner Jam im Stile von "Halleluhwah", vorangetrieben von der metronomhaften Rhythmusarbeit, dominiert von den wirren Gitarreneskapaden Karolis und versehen mit diversen, sich eher im Hintergrund abspielenden Tastenergänzungen (Orgel- und Spinettartiges) und natürlich Suzukis Sprechgesang. Die Nummer treibt fast 20 Minuten spannend dahin und könnte noch stundenlang so weitergehen. Auf der John-Peel-Seite der BBC wird die Aufnahme übrigens unter dem Titel "Spare a light" geführt.

Zeitlich gesehen das nächste Stück ist "Tony Wanna Go" (Track 4), eingespielt am 29.01.1974. Der Tony im Titel ist Tony Wilson, der Produzent und Toningenieur der Session. Hier ist das Can-Quartett rein instrumental zu Gange. Die Musik ist etwas leichtgewichtiger geworden, bleibt aber immer noch reichlich schräg. Schmidts elektronisches Tastengewölk und Karolis sägende Gitarren beherrschen nun das Geschehen. Die Nummer wirkt wie ein Verbindungsglied zwischen "Future Days" und "Soon Over Babaluma", zwischen dem knarzigen Krautrock der frühen Can-Alben und dem gepflegteren Avantgardeklängen der Alben ab "Soon Over Babaluma".

Ganz in "Soon-Over-Babaluma"-Gefilden befinden wir uns mit "Return to BB City" und "Tape Kebap". Ersteres ist ein recht freiformatiges, düster-bedrohliches Klangebilde aus Gitarren, elektronisch-analogen Tastengebirgen, Bass und Schlagzeug, während "Tape Kebap" als lockerflockiger, aber kernig-schräger Jam aus den Boxen geplätschert kommt.

Mit den letzten beiden Stücken bewegen wir uns dann in krautig-experimetelle Artpopgefilde. "Geheim" ist eine ausgedehnte, freie Improvisation über den Song "Half past one" vom Album "Landed" (mit Gesang von Karoli), der wieder sehr locker, aber immer noch reichlich seltsam voranrockt. Vermutlich wurde "Tony Wanna Go" deshalb zwischen "Tape Kebap" und "Geheim" geschoben, damit nicht zwei Nummern mit ähnlichem Charakter direkt aufeinander treffen. Das abschließende "Mighty girl" beginnt für Can-Verhältnisse ungewöhnlich geradlinig und melodiös, mit perlenden Pianokaskaden und fast kitschigen, bluesigen E-Gitarreneinwürfen. Doch entwickelt sich daraus schnell ein typischer, schräg-bizarrer Can-Jam, der mit den vermeintlich trivialen Melodien spielt um dabei umso seltsamere Klangkonstrukte hervorzubringen. Avantgardistische Unterhaltungsmusik?

"The Peel Sessions" bietet sechs hochwertige und "neue" Can-Nummern, die so auf keinem der Studioalben zu finden sind. Die Klangqualität ist durchweg hervorragend und die Musiker sind wie immer sehr gut aufgelegt. Das Album dokumentiert die einzigartige Fähigkeit der Kölner drauflos zu Improvisieren und dabei sehr dichte, komplexe und stimmige Stücke zu schaffen, die nicht nur Aneinaderreihungen von virtuosen Soli darstellen. Krautrockfreaks und Can-Fans brauchen diese Scheibe!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.8.2007
Letzte Änderung: 30.8.2007
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Can

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Monster Movie 13.00 3
1970 Soundtracks 11.50 2
1971 Tago Mago 13.67 3
1972 Ege Bamyasi 13.00 3
1973 Future Days 12.50 2
1974 Soon Over Babaluma 13.00 2
1975 Landed 11.00 2
1976 Flow Motion 7.00 2
1976 Unlimited Edition 12.00 2
1977 Saw Delight 10.67 3
1978 Out Of Reach 8.00 2
1979 Can 8.00 2
1981 Delay 1968 11.00 2
1989 Rite Time 10.00 2
1999 Can Live 10.50 2
1999 The Legendary Can 8.50 2
2003 DVD - 1
2012 the lost tapes 12.00 1

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