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Accordo dei Contrari

Kinesis

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2007
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazzrock / Fusion; Psychedelic; RetroProg
Label: AltrOck
Durchschnittswertung: 11.25/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Marco Marzo guitar
Daniele Piccinini bass
Cristian Franchi drums
Giovanni Parmeggiani keyboards

Gastmusiker

Fabio Berti violin (2,3,4)
Giorgio Trefiletti sax (1)

Tracklist

Disc 1
1. Lester 7:16
2. Meghiste Kinesis 7:08
3. ScalaQuadro 8:52
4. Gondwana 8:11
5. Anexelenkton 6:58
6. OM 6:13
Gesamtlaufzeit44:38


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß (Rezension 1 von 4)


Das junge Label AltrOck, betrieben vom italienischen Macher des Webzines Agartha und des AltrOck-Festivals, Marcello Marinone, hat zum Auftakt mit Yugen gleich einen Überraschungserfolg gelandet. Mit Rational Diet hat man dann einen nicht minder obskuren, aber auch nicht minder aufregenden Act nachgelegt. Als dritte Veröffentlichung auf diesem kleinen, feinen Label erscheinen nun die Italiener Accordo dei Contrari.

Die gute Nachricht für alle, die unter Yugen und Rational Diet gestöhnt haben: "Kinesis", das Debüt von Accordo dei Contrari ist ein bisschen zugänglicher als diese, aber (und das ist auch eine gute Nachricht) nicht weniger aufregend. Die vier Italiener, unterstützt von zwei Gastmusikern, lieben Musik vom klassischen Prog der 70er, über JazzRock bis hin zu moderner Klassik a la Stravinskij oder Messiaen. Und so hört sich die Musik dann auch an. Durchaus heftige Gitarren, die schon mal crimsoid riffen, treffen auf wuselige Percussion und einen bohrenden, rumpelnden Bass. Dazu entwerfen die Keyboards schon mal sinfonische Flächen oder brechen in wilde Quietsch-Soli aus. Ein seltsamer Cocktail, der aber hervorragend funktioniert und den Hörer sofort mitreißt und in seinen Bann schlägt. Wenn die Italiener richtig Gas geben, dann ist das Album eine wahre Freude und verleitet gar ansatzweise zum Headbangen (für Progger-Maßstäbe natürlich). Hier wird gerockt! Aber das Album lebt auch von netten Gegensätzen, wenn unmittelbar nach einem Abgeh-Part in ruhiges, ambientes Fahrwasser geschwenkt wird. Langeweile gibt's woanders, die Italiener bieten uns Abwechslung.

Kammerrock-Gefühle kommen auf, wenn Gast Berti seine kratzige Violine ertönen lässt und giftige Riffs abfeuert. Dazu sorgt der andere Gast Trefiletti mit seinem Sax für jazzige Vibes im Opener.

Der abschließende Titel ist Olivier Messiaen gewidmet. Ob das eine besonders gelungene Hommage ist oder nicht, kann ich mangels tieferer Kenntnis von Messiaens Schaffen (ich habe nur eine in meinen Ohren ziemlich langweilige CD mit Orgelwerken desselben) nicht beurteilen. Aber die Inspiration hat die Band offensichtlich zu Höchstleistungen angespornt, denn hier geht es nochmal richtig zur Sache.

Auch das dritte Werk aus dem AltrOck-Stall genügt höchsten Ansprüchen und bietet sowohl für die Schräglingsfraktion wie auch für abenteuerlustige Melodic-Progger einiges an spannendem Futter. Nur zu kurz ist das Ganze...

Anspieltipp(s): Gondwana
Vergleichbar mit: ???
Veröffentlicht am: 16.10.2007
Letzte Änderung: 23.3.2013
Wertung: 12/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 4)


Die dritte Produktion des Mailänder AltrOck-Labels hat bisher wenig Aufsehen erregt, ganz im Gegensatz zu den ersten beiden dort erschienen Alben (siehe "Labirinto d'acqua" von Yugen und "Rational Diet" von der gleichnamigen weißrussischen Formation). Das ist eigentlich auch fast verständlich, denn sonderlich aufregend ist "Kinesis", das Debüt von Accordo dei Contrari aus Bologna, auch nicht unbedingt ausgefallen. Schlecht ist die Scheibe aber sicher nicht.

Accordo dei Contrari (was man vielleicht frei als der Kompromiss der Uneinigen übersetzen könnte), machen im Grunde symphonisch-progressiven Jazzrock mit Klassikinspiration, der deutlich in die 70er Jahre schielt und daher mit crimsonesken Retroelementen, einigen Canterbury-Reminiszenzen und einem Schuss Mahavishnu Orchestra angereichert wurde. Die Tasten bestimmen das Klangbild (alle Stücke stammen aus der Feder des Keyboarders Giovanni Parmeggiani - der Kompromiss war also wohl der, dass einer alleine die Richtung der Gruppe bestimmt), ergänzt von Marco Marzo an der E-Gitarre. Dazu kommen die vorantreibende Rhythmusabteilung und einige sparsame Gastauftritte an Violine und Sax. Das Ganze wird virtuos dargeboten und kommt druckvoll und frisch aus den Boxen. So richtig zünden tut es aber bei mir nicht.

"Kinesis" bietet einen leidlich unterhaltsamen, aber doch recht obsoleten zeitgenössischen Symphojazzrock, der den Proghörer der sich mit ähnlichen Hervorbringungen aus den letzten 30 Jahren ausgiebig beschäftigt hat, kaum überraschen wird. Der Rezensent kann den Eindruck kaum verdrängen, dass er das hier Gebotene auf die eine oder andere Weise schon oft gehört hat. Nein, Accordo dei Contrari kopieren nichts direkt, haben durchaus ihren eigenen Stil, doch ist das Ergebnis ihrer Bemühungen trotzdem sehr vorhersehbar. Überraschungen gibt es nicht, alles bleibt in dem Rahmen, den man nach den ersten ein bis zwei Minuten von "Lester" für den Rest des Albums erwartet. Diesen Rahmen haben die vier Italiener aber durchaus hoch angebracht. In intrumentaltechnischer Hinsicht gibt es nämlich nichts zu bemängeln und auch Parmeggianis Kompositionen bieten eine gelungene Mischung aus jazziger Komplexität und symphonischer Melodiösität. Schräg und wüst wird es nicht, so richtig spannend und mitreißend ist das Ganze aber auch nicht.

"Kinesis" bietet kaum Neues oder Anderes, sollte aber Retroprogger mit ausgeprägter Jazzrockader sehr gut unterhalten!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 18.3.2008
Letzte Änderung: 18.3.2008
Wertung: 9/15

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Von: Kristian Selm (Rezension 3 von 4)


Das italienische Label AltrOck hat trotz weniger Veröffentlichungen inzwischen sein ganz eigenes Profil erarbeitet. Wenn bei ihnen etwas erscheint, dann weiß man mit ziemlicher Sicherheit, dass hier anspruchsvoller, aber interessanter Stoff geboten wird. Ganz so verhält es sich auch mit den 2001 gegründeten Accordo Dei Contrari, einem Sextett aus Bologna, das eben nicht vordergründig auf emotionalen, mediterranen Italo Prog setzt, sondern vielmehr im Grenzbereich zwischen 70s Prog und Jazz Rock zu Hause ist. Vor allem, da neben der traditionellen Besetzung Gitarre - Bass - Schlagzeug - Keyboards auch noch Violine und Saxophon hinzukommen, sorgt dies für ein sehr differenziertes und überaus vielschichtiges Soundbild. Genauso verhält es sich mit den Vorbildern bzw. Inspirationsquellen, die vom Mahavishnu Orchestra, Soft Machine bis zu King Crimson, Deus Ex Machina und P.F.M. reichen.

Erstaunlicherweise wurde "Kinesis" in nur zwei(!) Tagen quasi live im Studio mit minimalen Overdubs aufgenommen. Da die Band hörbar sehr gut eingespielt ist, atmet das Album überaus agiles, lebendiges Livefeeling, wechseln sich zudem vor allem jede Menge druckvolle Soli an Keyboards (mit diversen analogen Sounds) und mal riff-orientierte, mal express davonfliegende Gitarre ab. Untermauert von einem treibenden Rhythmus, sind die Wechsel zwischen groovendem Jazz Rock und expressivem Retro Prog fließend, jedoch ohne dass sich die Band in selbstverliebten Soli verliert. Es ist vielmehr ein kräftiger, kompakter Bandsound, der durch fragile Zwischentöne immer wieder durchbrochen wird, der diesem Album seinen unbändigen Schwung und vor allem jede Menge Spannungsmomente verleiht. Gerade durch langsam, aber sich kontinuierlich aufbauende Stimmungen und vor allem die stets vorwärts treibenden Rhythmen kann dieses Album von der ersten Minute an überzeugen und bringt in knapp 44 Minuten alles kernig und knackig auf den Punkt. Kurz und knapp: großes Instrumentalkino!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.3.2010
Letzte Änderung: 29.2.2012
Wertung: 12/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 4 von 4)


My two cents. Tolles Debutalbum.

Nicht schräg und wüst? Ja woher. Im Opener "Lester" geht es für mein Dafürhalten ganz ordentlich schräg los. Mit änglagard`schen disharmonischen Harmonien und holprigem Getakte. Irgendwann rennt dann der geschäftige Bass los und das erste zwirbelige Gitarrensolo findet statt.

Auch in "Megisthe Kinesis" beginnt man unkonventionell mit einer etwas "schiefen" Violine, verheddert sich dann zwischenzeitlich aber in einer endlosen Wiederholung eines Motivs, um sich in ein ruhiges Pianointerludium zu retten. Anschliessend eine wunderschön holprige Fortsetzung mit emerson`schen Figuren, überleitend in ein hibbeliges krummtaktiges Gedrumme und das zweite Gitarensolo. So geht Post ab. Abwechslungsreich und weit weg von Langeweile.

"Scala Quadro" erinnert mich mit seinem langsam eingeblendeten Groove als erstes an Oh Yeah, der nuschelnd-nölende Japaner bleibt aber aus und es geht jazzrockig weiter, mal kommen mir als Referenz spontan Brand X in den Sinn, sind aber sofort wieder weg, wenn die Violine einsetzt. Es folgt ein sich immer mehr in seiner Intensität steigernder Teil im 11/8-Takt, zuerst von Orgelakkorden getragen, die in ein wildes fiepsendes Keyboardsolo übergehen. Der 11/8-Takt geht weiter, vom grummelden Bass getragen, das Schlagzeug geschäftig, schön die Becken, saftig die Snare, leitet das Stück über in ein zartes perlendes Klavierausspiel.

Heftige verzerrte Gitarrenriffs beginnen "Gondwana", sägen sich aus den Boxen, bis die Violine abrupt die Saiten rauf und runterquietscht, heftige Orgelakkorde setzen ein, die Violine spielt eine kurze wehmütige Melodie, die Säge sägt weiter. Plötzlich Vollbremsung, ruhige Gitarrenarpeggios, darüber eine gläserne Keyboardlinie, erinnert an Genesis und auch ein wenig an Carsten Bohns Bandstand. In diesem Stil geht das Stück weiter. Repetitive, ungrade Passagen wechseln sich mit entspannten Teilen ab.

"Anexelenkton" erinnert zu Begin ein wenig an das Thema von "Mission Impossible", bald liefern sich eine WahWah-Gitarre und Orgelostinati ein Zwiegespräch, das Schlagzeug glänzt mit variablem Spiel, der Bass grummelt stützend im Keller. Es folgt ein verspieltes Keyboardsolo über mäandernden Bassschlägen, schön krummtaktig, das Schlagzeug wird wilder, heftiger, Chinabeckengewitter, dann gar ein Schlagzeugsolo. Davon gibt es viel zu wenig im Prog. Vorhang.

Das Ende macht "OM". Xylophonesques Keyboard über gänsehautigem Beckenschwirren, dann eine wilde Snare über pumpender Bassdrum, der Bass flippt irgendwann total aus, die Gitarre spielt Scofield`sche Schrägheiten, das Keyboard tupft mal hier mal dort einen Akkord dazwischen. Schliesslich wird das Album heftig beendet. Ostinati aller Instrumente, ausser einer ansteigenden plärrenden Orgelnote, schliesslich ein zartes Ausspiel des Pianos.

Langeweile kommt hier zu keinem Zeitpunkt auf. Abwechslungsreiche Kompositionen, stark performed, toller Bandsound. Für Jazzrock/Fusion Afficionados eine glasklare Empfehlung.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 16.1.2017
Letzte Änderung: 16.1.2017
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Accordo dei Contrari

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2011 Kublai 11.00 4
2014 AdC 12.25 4
2017 Violato Intatto 12.00 2

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