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Radiohead

In Rainbows

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2007 (ab 10.10.07 als digitaler Download - Bonus CD nur als CD)
Besonderheiten/Stil: New Artrock; Rock / Pop / Mainstream; Postrock
Label: Eigenvertrieb
Durchschnittswertung: 10.25/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Thom Yorke Lead vocals, piano, guitar
Johnny Greenwood Lead guitar, electronics
Ed O'Brien Rhythm guitar, backing vocals
Colin Greenwood Bass guitar, synthesizers
Phil Selway Drums, percussion

Gastmusiker

The Millennia Ensemble strings

Tracklist

Disc 1
1. 15 Step 3:57
2. Bodysnatchers 4:02
3. Nude 4:15
4. Weird Fishes/Arpeggi 5:18
5. All I Need 3:48
6. Faust Arp 2:09
7. Reckoner 4:50
8. House of Cards 5:28
9. Jigsaw Falling into Place 4:09
10. Videotape 4:39
Gesamtlaufzeit42:35
Disc 2
1. Mk1 1:04
2. Down is the New Up 4:59
3. Go Slowly 3:48
4. Mk2 0:53
5. Last Flowers 4:27
6. Up On The Ladder 4:17
7. Bangers + Mash 3:20
8. 4 Minute Warning 4:06
Gesamtlaufzeit26:54


Rezensionen


Von: Sal Pichireddu @ (Rezension 1 von 4)


Vieles ist über "In Rainbows" geschrieben worden, bevor es überhaupt veröffentlicht wurde. Das hat sicher etwas mit dem ungewöhnlichen Vertriebsweg, dem ungewöhnlichen Marketing zu tun, das die Jungs von Radiohead gewählt haben. Ohne hier zu weit auf das Pro und Kontra dieses Experiments (oder dieses neuen Vertriebsweges?) einzugehen, möchte ich nur die Fakten zusammentragen, dass Radiohead das Album zunächst nur im Internet als MP3 (160 KBps) veröffentlicht haben und die Downloader selbst bestimmen konnten, ob und wieviel sie für dies zahlen wollten. Gleichzeitig bestand die Möglichkeit eine exklusive Sammleredition ("Discbox") vorzubestellen (VÖ. 3.12.2007), bestehend aus dem Album auf CD, als Download und in einer Doppel-Vinyl-Fassung desselben. Ferner beinhaltet die Discbox eine enhanced Bonus-CD mit weiteren Audiotracks, Photos und Artwork; dazu gibt es Artwork-und Lyrics-Booklets, das alles aufwendig verpackt £40.00. Anfang 2008 wird das Album auch im regulären Handel erhältlich sein. Dieser ungewöhnliche Vertriebsweg sorgte für viel Aufmerksamkeit, Bewunderung, Häme, Sympathie und Verständnislosigkeit, je nach Interessengruppe; die Band selbst hat sich bis zum Zeitpunkt dieser Rezension (Anfang November 2007) noch nicht zum Erfolg/Misserfolg dieser ungewöhnlichen Vorgehensweise geäußert.

Bei so viel Medienrummel um das Wie ist fast ein wenig das Was untergegangen denn, ungewöhnlicher Vertriebsweg ohne (böse) Plattenfirma hin oder her, "In Rainbows" bleibt in erster Linie ein ganz normales Album, das mittlerweile siebte Studioalbum der englischen Postrock-Truppe um den Sänger Thom Yorke. Und wenn ich "ganz normal" schreibe, dann meine ich das durchaus so, wie man es ohne das ganze Vertriebsbrimborium verstehen würde: "In Rainbows" ist ein typisches Radiohead-Album geworden. Auf "In Rainbows" ist es vorbei mit den Experimenten (à la Kid A, Amnesiac), vorbei auch die Zeit der Kommerzialisierung und der hippen Hype-Haftigkeit (à la der maßlos überschätzen OK Computer) vielleicht ist es sogar vorbei mit der etwas lendenlahmen Lustlosigkeit, die Radiohead auf ihrem letzten Longplayer Hail To The Thief befallen hatte, dessen Halbwertszeit deutlich unter den vorangegangenen Alben lag. "In Rainbows" bietet alles, was man von Radiohead erwartet: Weinerlicher Gesang und hübsch traurig-kryptische Texte, nett wabernde Keyboards, ein paar kecke Beats, Gitarren schräg, Gitarren clean, ein paar orchestrale Strings (aus der Dose), eigentlich alles wie gehabt. Wer geglaubt hat, dass Radiohead ohne den Zwang der bösen Plattenfirma nun alles anders macht, der muss vom Album enttäuscht sein (und außerdem war er ziemlich naiv).

Immerhin: Man hört wieder mehr Gitarren (sogar akustische!), sogar echte Drums und, wer unbedingt drauf steht, konventionellere Songstrukturen (gut, die waren auf Hail auch schon wieder da), ansonsten ist es vor allem weniger: Weniger Avantgarde, auch weniger gewollte Avantgarde, weniger Experimente, sogar die Weinerlichkeit hat abgenommen. Das Motto lautet "Mehr Normalität". In der Quintessenz ist "In Rainbows" also ein solides Album, ohne wichtigere Besonderheiten (außer einem besonders scheußlichen Song: 'House of Cards', der irgendwie so klingt, als ob Radiohead einen Doo Wop-Song aus den 1950ern covern wollten ohne dabei so klingen zu wollen, wie die frühen Rock'n'Roll-Bands), außer eben einem riesigen Medienrummel um den Vertrieb (nota bene: nicht ums Album!). Von "Meilenstein", "Album des Jahrhunderts", "neue Ära" und ähnlichen Superlativen, die die Rock-Gazetten-Feuilletonisten bei vorigen Alben (vorzugsweise OK Computer und Kid A) von sich gaben, kann hier keine Rede mehr sein (und das tut auch niemand mehr). "In Rainbows" ist gut, besser als der Vorgänger, aber nicht bahnbrechend. Ein paar Songs auf "In Rainbows" mag ich wirklich sehr (s.u.), aber das Album gibt mir keine Rätsel auf wie Kid A und fesselt mich nicht wie Amnesiac, kurzum: Es haut mich nicht vom Hocker und ich bekomme auch keine Ürgsel-Attacke. Um ehrlich zu sein: Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir die experimentellen (proggigen?) Radiohead ad acta legen können. Bei der Jahresendabrechnung dürfte dieses Album fairerweise keine Rolle spielen, auch wenn es die Fan-Heerscharen und ein paar wackere Musik-Journalisten es partout anders sehen werden.

Anspieltipp(s): 15 Step, Nude, Jigsaw Falling Into Place, Videotape
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.11.2007
Letzte Änderung: 8.11.2007
Wertung: 10/15
Ich würde eigentlich "9,5" sagen, hab es aber netterweise aufgerundet

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Von: Thomas Thielen @ (Rezension 2 von 4)


Im großen und ganzen stimme ich Sals Sichtweise auf "In Rainbows" zu: Yorkes Truppe bewegt sich weg davon, Avantgarde zu sein, und legt wieder "gewöhnlichere" (wichtig ist hier der Komparativ) Songs vor. Das scheint aber auch nur logisch; experimentierte man auf Kid A usw. munter drauf los, versuchte man auf Hail to the Thief schon, die Kurve zum Rock zu kriegen. Insofern ist In Rainbows m.E. das Ergebnis einer 3-4 Alben währenden Suche, eine Art "OK, Kid A, hail to you!".

Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass dadurch im Nachhinein die Experimente sogar noch gewinnen, weil ihnen der Verdacht der Ziel- und Sinnlosigkeit nun komplett abgeht. Radiohead scheinen echt auf der Suche gewesen zu sein, haben wirklich experimentiert, haben eine tatsächliche Entwicklung versucht und gemacht und diese nun mit ihren altbekannten (The Bends, OK Computer) Stärken verbunden, wie auf Hail to the Thief schon zu sehen war. Wir hören auf In Rainbows Rock + X, relativ klare Songs im avantgardesken Klanggewand, und es stellt sich immer mehr die Wahrnehmung eines von der Band kreierten unverwechselbaren Sounds ein.

Die Songs selbst sind nun verschieden gut gelungene Produkte dieses Prozesses. Mal wird der ergreifende Charakter einer Komposition gerade durch ein eher sprödes, gar inhuman anmutendes Arrangement noch herausgearbeitet (Weird Fishes/Arpeggi oder Videotape), mal verwischt aber auch dieses Gefangensein im gefundenen Sound interessante Ideen (besonders so bei House of Cards). In jedem Fall aber fesselt das Album bei den ersten Hördurchläufen durch seine widersprüchliche Verbindung von Minimalismus und Detailreichtum, Rock und Drum n Bass, Elektro und Retro so sehr, dass die Kompositionen mir sowieso erst viel später aufgefallen sind.

Mir tut es gut, Radiohead zurück im Rock zu wissen. Ich bin ein großer Fan von Kid A, aber noch stärker fand ich die Band in Songs wie Street Spirit und Exit Music. Es muss nicht immer Avantgarde sein, und wenn auf das Finden nicht die Bequemlichkeit folgt, bin ich sicher, dass Radiohead weiterhin für in jeglicher Hinsicht Lohnendes sorgen werden - Proggehalt hin oder her.

Anspieltipp(s): Weird Fishes/Arpeggi (!), 15 steps
Vergleichbar mit: OK, Kid A
Veröffentlicht am: 22.11.2007
Letzte Änderung: 22.11.2007
Wertung: 12/15
Weil das Album eben DOCH so fesselt, wenn auch nicht unbedingt durch die Kompositionen

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 4)


Ich habe mir dieses Album weder als Download besorgt (will was zum Anfassen), noch als Super-Duper-Deluxe-Version, sondern die ganz normale CD-Veröffentlichung abgewartet. Grund für diese Zurückhaltung war u.a., dass mir aus den Rezensionen der Kollegen vor allem Begriffe wie "gewöhnlicher", "normaler", "weniger Experimente", "zurück im Rock" usw. im Gedächtnis geblieben sind, was mich eher skeptisch gestimmt hat. Zu Unrecht!

Tatsächlich haben Radiohead die "Dekonstruktion von Songstrukturen", die vor allem Kid A prägte, hier aufgegeben. Stattdessen ist es ihnen gelungen, den experimentellen Ansatz dieses Albums mit Alternative-Rock und einigen Retro-Anleihen (Mellotron hie und da) zu einem homogenen Ganzen zu verbinden. Die Klangexperimente bilden nicht mehr die Songs selbst, sondern sind Teil derselben; das wirkt nicht mehr so neuartig wie Kid A, ist aber von massenkompatibler Musik weit entfernt.

Möglicherweise haben Radiohead nach den "suchenden" Alben der letzten Jahre nunmehr ihren typischen Sound gefunden. Das birgt natürlich die Gefahr des Morse/Stolt-Syndroms, in regelmäßigen Abständen dasselbe Album unter neuem Namen rauszubringen. Aber warten wir's ab, Radiohead sind immer für eine Überraschung gut.

Anspieltipp(s): 15 Step, Nude
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.1.2008
Letzte Änderung: 20.1.2008
Wertung: 10/15
wer auf Progressivität keinen so großen Wert legt, kann noch 1-2 Punkte drauflegen

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Von: Marc Colling @ (Rezension 4 von 4)


Mit Hail to the thief hatten Radiohead für mich einen Tiefpunkt erreicht, nachdem sie vorher mit Kid A und Amnesiac die Rockwelt umgekrempelt hatten indem sie elektronische Experimente in fast nicht mehr vorhandene Songstrukturen einbauten. Das war sicher nicht der Geschmack von allen Fans, aber Stillstand konnte man ihnen auf keinen Fall vorwerfen. Und jetzt versuchen sie hier, sich wieder von den Experimenten zu lösen und in konventionelle Rockbahnen zurück zu kehren.

Radiohead sind aber nun mal keine konventionelle Band. Ja sie spielen doch eigentlich nicht mal richtigen Rock. Haben sie vor Kid A doch auch nicht gemacht. Warum sollten sie dies jetzt hier tun? Und so klingt ein „Rocksong“ bei ihnen stets hektischer, nervöser und aggressiver als bei herkömmlichen Rockbands (15 STEPS mit schnell gespielter Percussion, BODYSNATCHERS mit schriller Gitarre, WEIRD FISHES mit sehr nervösen Becken). All diese Songs sind unruhig und irgendwie unheimlich. Auch JIGSAW FALLING INTO PLACE gehört zu dieser Kategorie, auch wenn hier mehr Melodie im Song steckt.

Die langsameren Lieder dagegen sind immer vollgestopft mit Wehmut, Weinerlichkeit und Trauer. Man höre nur NUDE (sehr schöne Ballade), VIDEOTAPE (fast nur Klavierbegleitung und sehr deprimierend) oder ALL I NEED (etwas zu sehr aufgeblasen). FAUST ARP setzt mit vielen künstlichen Streichern noch einen drauf in Punkto Melancholie.

Mit RECKONER hören wir wieder Streicher, allerdings dezenter eingebaut. Der Song kann aber wieder nicht gänzlich überzeugen. Vielleicht habe ich ähnliche Sachen schon zu oft von Radiohead gehört. Und HOUSE OF CARDS ist etwas einschläfernd mit seinem langweiligen Rhythmus.

Sicher sind Radiohead hier wieder zurück auf dem Weg zu ihren Wurzeln. Doch ganz überzeugen können sie mich leider nicht. Trotz allem ein Album für die Fans.

Anspieltipp(s): 15 steps, Nude
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.6.2016
Letzte Änderung: 14.6.2016
Wertung: 9/15
noch nicht ganz aus dem künstlerischen Tief raus

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Radiohead

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1993 Pablo Honey 7.50 2
1994 Itch - 1
1995 The Bends 10.33 3
1997 OK Computer 10.67 6
2000 Kid A 13.50 4
2001 Amnesiac 9.50 2
2001 I Might Be Wrong - Live Recordings 9.00 1
2003 Hail To The Thief 6.75 4
2008 The Best Of - 2
2011 The King Of Limbs 9.00 2
2011 The King Of Limbs - Live From The Basement (DVD) - 1
2016 A Moon Shaped Pool 11.00 1

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