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Van der Graaf (Generator)

Trisector

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2008
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: Virgin
Durchschnittswertung: 11.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Peter Hammill vocals, pianos, guitars
Hugh Banton organ, bass guitar
Guy Evans drums, percussions

Tracklist

Disc 1
1. The Hurlyburly   (Instrumental) 4:35
2. Interference Patterns 3:50
3. The final reel 5:47
4. Lifetime 4:45
5. Drop dead 4:47
6. Only in a whisper 6:44
7. All that before 6:26
8. Over the hill 12:26
9. (We are) not here 4:06
Gesamtlaufzeit53:26


Rezensionen


Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 1 von 3)


Selten war ich neugieriger und zugleich auch ängstlicher in der Erwartung einer neuen CD als bei dieser. Neugierig, weil ich VdGG als eine meiner absoluten Lieblinge betrachte, ängstlicher, weil VdGG für mich immer hießen: Hammill, Banton, Evans und David Jackson. Aus in Fankreisen heftig diskutieren Gründen ist letzterer nicht mehr dabei, somit fehlt ein integraler Bestandteil des alten Gruppensounds bei diesen Aufnahmen.

Schon das Cover mit dem Trio in einem Industriebau hebt sich deutlich von früheren ab, es erinnert mich eher an New Wave Platten der frühen 80er und mit entsprechenden Fabrikklängen wird das Album die erste Minute auch dezent eröffnet, die Band spielt sich ein und Hammill übernimmt mit seiner Gitarre rockend die Führung. Ungewohnt gradlinig und für VdGG ist "The Hurlyburly" ein furioser instrumentaler Auftakt, schnell, treibend und mit exzellentem Orgel- bzw. Percussionspiel.

"Interference Patterns" ist proggig in bester VdGG-Manie und zugleich modern. Es gibt selbst für VdGG sehr schräge Passagen, stakkatohafte Drums und Keyboards rasen förmlich durch den Song, als ob der Teufel hinter ihnen her wäre und Hammill singt opernhaft teilweise mit sich selbst. Bis hierhin wird dem Hörer keinerlei Ruhepause gegönnt, Jackson wird vermisst, fehlt aber nicht wirklich. Für mich ist dieser Song quasi das "Sound chaser" von VdGG.

Erstmalig an den "alten" Klang erinnert das Trio in "The final reel", was nicht zuletzt daran liegt, dass zu Beginn neben dem Klavier elektronische Flötensounds erklingen. Hier vermisse ich persönlich den abwesenden D.J. Das ändert aber nichts daran, dass der Song sehr melodisch daherkommt, die Melodieführung übernimmt die Orgel, dazu kommen ein paar Einsprengsel der Gitarre. Heraus kommt eine wunderschöne "Ballade" á la Hammill.

Lifetime lebt vom Kontrast Schlagzeug - Melodie. Dieser Song wurde auf der vorangegangenen Tour schon live gespielt. Evans unterlegt die eher getragene Melodie Hammills, die langezogenen Orgelakkorde mit einem schnellen durchgehenden Beat auf den Becken, wie ein Zug rast er durch den Titel, leise, aber treibend.

"Drop dead" ist ein straighter Rocker, wie ich ihn so von VdGG noch nicht gehört habe. Erinnert mich in seiner Art an Songs von Hammills Solowerk "The noise", allerdings mit deutlich mehr Qualität. Hammill rifft sich mit verzerrter Gitarre durch die Gegend, und Banton spielt dazu 'ne Orgel, als ob er sich bei Deep Purple bewerben möchte. Und Guy trommelt dazu auf allem was das Set hergibt.

Im Gegensatz dazu ist "Only in a whisper" fast jazzig-elegisch mit perlenden Pianotönen. Langsam wird hier die Melodie- und Gesangslinie entwickelt, der Song bleibt leise und verspielt, aber eindringlich in der Atmosphäre.

Proggig-brutal ist "All that before". Auch dieser Song wurde auf der letzten Tour schon gespielt. Hier gibt es Tempiwechsel, brutale Gitarrenriffs neben Orgel, mittendrin klingen VdGG wie 'ne Mischung aus ELP und Sex Pistols.

An die alten Epen aus den 70ern knüpft "Over the hill" an. Zwölfeinhalb Minuten gibt es Wechselbad an Stimmungen. Beginnt der Song getragen, langsam wie eine typische Hammillballade, mutiert er mittendrin zum Freejazz. Tempiwechsel, Stakkatoeinlagen auf Orgel und Piano, und dann heben sie ab zu einem der VdGG-typischen Melodiebögen, wie sie auch "The sleepwalkers" oder "A plague of lighthouse keepers" vorkommen.

Der letzte Song "(We are) not here" geht instrumental in seinem Fundament noch etwas weiter zurück in Richtung Debütalbum. Allerdings zieht die Band das Tempo deutlich an, Hammills Stimme wird durch diverse Effektgeräte verfremdet und Evans tobt sich wieder an allen möglichen Schlaginstrumenten aus. Mit den Soundeinlagen des Anfangs endet das Album auch wieder.

Was bleibt als Zusammenfassung zu sagen? Es sind grandiose Songs. In meiner Kritik zu Hammills Soloalbum Incoherence schrieb ich, Hammill sollte bei aller Qualität seinen Elfenbeiturm verlassen und sich adäquate Mitmusiker suchen. Er hat sie gefunden!! Was Banton und Evans auf diesem Album leisten ist mehr als Begleitband. Nicht umsonst sind sie bis auf "Lifetime" alle drei als Komponisten genannt. Beide spielen auf hohem Niveau, und gerade Evans zeigt mir, wie sehr ich einen anständigen Schlagzeuger bei Hammills Solowerken vermisse. An manchen Stellen, gerade bei den ruhigeren Titeln, vermisse ich persönlich natürlich das Saxophon oder die Flöten von David Jackson, aber es wäre mehr als ungerecht, das dem Trio anzulasten. Sie strahlen eine Zusammengehörigkeit und Spielfreude aus, die ich nur wenigen zutraue. Diese CD ist grandios. VdGG sind im neuen Jahrtausend angekommen, und wie...

Anspieltipp(s): Interference Patterns, Drop Dead
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.3.2008
Letzte Änderung: 15.3.2008
Wertung: 13/15
2 Pünktchen hebe ich mir aus Sentimentalität auf, ich vermisse D.J. doch etwas

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 3)


Die Gründe für David Jacksons Ausstieg wurden irgendwann mal auf Peter Hammills Webseite dargelegt. Der Artikel scheint aber dort nicht mehr vorhanden zu sein, und so intensiv habe ich ihn mir damals auch nicht durchgelesen, da mich die Gründe für personelle Querelen im Allgemeinen nicht so interessieren. Aber es ging wohl darum, dass Jackson in der VdGG-Reunion eher eine kurzfristige Angelegenheit sah, sprich neue CD plus ein paar Konzerte und aus, während die anderen sich dauerhaft (na ja, längerfristig zumindest) darin engagieren wollten.

Jedenfalls hatte mich ein VdGG-Konzert im April 2007 überzeugt, dass die Band auch als Trio funktioniert, sie schienen mir sogar kraftvoller und aggressiver als zuvor. Das fehlende Saxofon wurde vor allem durch verstärkten Gitarreneinsatz (da schien PH auch fleißig geübt zu haben) kompensiert.

Um so erstaunlicher, dass Trisector nun so ganz anders klingt, als es die Konzerterfahrung erwarten ließ. Auch die Tatsache, dass die meisten Songs kürzer als fünf Minuten sind, ist für VdGG ungewöhnlich. Der etwas simple, rockige Auftakt Hurlyburly, sicher kein Glanzpunkt im Œuvre der Band (ebenso wie das ganz ähnlich gehaltene Drop Dead), führt dabei zunächst auf eine falsche Fährte, denn danach geht es, von einigen lauten Ausbrüchen abgesehen, fast durchweg sehr ruhig, geradezu introvertiert zur Sache. Trisector erinnert dabei viel mehr an Hammill Soloscheiben der letzten Jahre, nur eben mit erweiterter Besetzung aufgenommen: statt Plastiksynthies (die haben mich z.B. auf Incoherence mächtig gestört) gibt es Bantons kraftvolle Orgel, es gibt einen ordentlichen Schlagzeuger (die nervös zischelnden Becken auf dem ansonsten sehr getragenen Lifetime sind einfach fantastisch), dafür fehlt halt Stuart Gordons Violine.

Insgesamt finde ich Trisector nicht ganz so gelungen wie Present, das insbesondere auf der zweiten CD um einiges avantgardistischer daherkam. Aber Herren um die 60 kann man nicht vorwerfen, dass sie es mal etwas ruhiger angehen lassen. Zum alten Eisen gehören VdGG jedenfalls nicht.

Anspieltipp(s): Lifetime
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 16.3.2008
Letzte Änderung: 24.3.2013
Wertung: 11/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 3 von 3)


Bass erstaunt von der Schnelligkeit der Kollegen, mache ich mich nun auch mal daran, ein paar Gedanken zur neuen Veröffentlichung von Van der Graaf Generator in Worte zu fassen. Die Sensationen liegen nun schon etwas zurück. 2005 hat die Wiedervereinigung der "klassischen" Besetzung mitsamt dem Album "Present" wie eine Bombe eingeschlagen. Nicht minder spektakulär war der folgende Ausstieg von David Jackson und die Ankündigung der verbliebenen Musiker nun eben als Trio weiter zu machen. Warum Jackson nun wirklich raus ist, werden wir wahrscheinlich niemals erfahren, denn Peter Hammill betont in jedem Interview, dass die Band beschlossen hat, darüber Stillschweigen zu bewahren. Ende der Diskussion. Das die Band aber auch als Trio bestehen kann, hat sie dann bei diversen Konzerten 2007 (von denen ich auch eines erleben durfte) bewiesen. Daher konnte man "Trisector" mit einer gewissen Gelassenheit erwarten.

Nun ist es also da, das erste Album von Van der Graaf Generator als Trio. Dürfen sie sich überhaupt noch so nennen? Nachdem ersten Ausstieg von Banton und Evans in den 70ern, hatte Hammill den Bandnamen verkürzt, um der anderen musikalischen Ausrichtung Rechnung zu tragen. Dies wäre hier sicherlich auch diskutabel gewesen. "Trisector" beginnt wie ein Hammill-Soloalbum (Phase späte 70er, Anfang 80er Jahre). Das seltsame Instrumental "The Hurlyburly", in dem man Spuren des Instrumentalklassikers "Apache" erahnen kann, das hektische "Interference Patterns", das ruhige, intensive "The final reel", das ist klassischer Hammill-Solo-Stoff, hier nur begleitet von adäquaten Mitmusikern. Mit Banton und Evans besteht anscheinend ein blindes Verständnis, eine Geistesverwandschaft, die das nötige Quentchen Atmosphäre hinzufügt, die Hammills eigenbrötlerischen Veröffentlichungen sonst oftmals fehlt. "Lifetime", mit grandioser Schlagzeugarbeit, während Bantons Orgeln fast etwas Genesis-, sprich Banks-Feeling, aufkommen lassen, und das drollige "Drop Dead" ("The Noise" und "There goes the daylight" lassen aus der Ferne grüßen) schlagen in die gleiche Kerbe. Gerade Hammills etwas ungelenkes (und trotzdem verbessertes) Gitarrenspiel setzt hier punkige Akzente, die den Fan sicherlich zum schmuntzeln, aber auch zum mitwippen bringen.

Mit "Only in a whisper" beginnt dann aber der "richtige" Van der Graaf-Teil. Der hochemotionale Gesang von Hammill wird von den Orgelwellen Bantons förmlich umwogt. Dazu sorgt die verspielte, aber druckvolle Percussionarbeit von Evans für den nötigen Druck und Drive. Gänsehauterlebnisse sind hier gleich am Stück garantiert, wenn auch vielleicht "All that before" mit seinem unverhohlenen "You really got me"-Riff für eine kleine Irritation sorgt. Aber was solls, der Song hat live schon funktionier, hier auf dem Album auch. Anschließend mündet das Album in den Höhepunkt und präsentiert mit "Over the hill" einen verzwirbelten, vertrackten, verschrobenen Longtrack, der es mit den Großtaten der 70er locker aufnehmen kann und vielleicht der Prog-Longtrack des Jahres 2008 werden wird. Mit "(We are) Not here" klingt das Album gelungen aus.

Ähnlich wie bei den Konzerten vermisst man David Jackson kaum. Die Klangfülle von Bantons Orgelspiel, Hammills Einlagen an Piano, Rhodes und Gitarre und nicht zuletzt das kreative Drumming von Evans, fangen alles auf. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass der ursprüngliche Plan, Hammills Kumpel Stuart Gordon mitsamt seiner Violine miteinzuladen, Wirklichkeit geworden wäre. Aber insgesamt ist auch das Nichtzustandekommen dieses Arrangements verschmerzbar.

50% Hammill-Solo-Stoff in Bestform und 50% gelungene Wiederbelebung von Van der Graaf Generator mit ein paar modernen Einsprengseln, grandiose Instrumentalleistungen von Hugh Banton, dem Orgelkönig, und Guy Evans, der als einziger hier sozusagen Amateurstatus genießt, da er hauptamtlich als Lehrer arbeitet, verbinden sich zum einem gelungenen Werk, welches mindestens auf Augenhöhe zu den Klassikern aus den früheren Jahren lebt. Van der Graaf Generator und Hammill erfinden sich nicht neu, entwickeln sich aber sanft und bestimmt weiter, sehr gelungen.

Anspieltipp(s): Only a whisper, All that before
Vergleichbar mit: Peter Hammill solo meets Van der Graaf Generator ;-)
Veröffentlicht am: 20.3.2008
Letzte Änderung: 9.6.2012
Wertung: 11/15
...so gut wie "Still Life" ist "Trisector" allemal...

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Van der Graaf (Generator)

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 The Aerosol Grey Machine 10.00 3
1970 H to He Who am the Only One 14.00 4
1970 The Least We Can Do Is Wave To Each Other 10.67 3
1971 Pawn Hearts 12.33 3
1974 The long hello Vol. I 10.00 1
1975 Godbluff 13.00 4
1976 Still Life 12.50 4
1976 World Record 10.33 3
1977 The Quiet Zone / The Pleasure Dome 10.75 4
1978 Vital 11.00 4
1985 Time Vaults 8.50 3
1986 First Generation (Scenes From 1969-1971) - 1
1986 Second Generation (Scenes From 1975-1977) - 1
1993 'I Prophesy Disaster' - 1
1994 Maida Vale 12.00 1
2000 The Box 13.50 2
2003 Godbluff Live 1975 Charleroi Palais des Expos 27.09.75 (DVD) 13.00 1
2005 Present 11.75 4
2007 Real Time 12.00 2
2009 Live At The Paradiso, 14.04.07 10.00 1
2011 A Grounding in Numbers 11.50 2
2012 Recorded Live In Concert At Metropolis Studios, London 12.50 2
2012 ALT 10.00 2
2015 Merlin Atmos 12.00 2
2015 After The Flood / At The BBC 1968-1977 13.00 1
2016 Do Not Disturb 12.00 4

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