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Deluge Grander

The Form of the Good

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009
Besonderheiten/Stil: instrumental; RetroProg
Label: Emkog Records
Durchschnittswertung: 10.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Dave Berggren guitars
Dan Britton keyboards
Brett d'Anon bass
Patrick Gaffney drums

Gastmusiker

Nathan Bontrager cello
Frank d'Anon chorus, wood block
Brian Falkowski clarinet,flute,saxophone
Heather MacArthur violin
Jose Luis Oviedio trumpet
N.Aaron Pancost trombone
Keli Short oboe
Kezia Terraciano art
Megan Wheatley vocals

Tracklist

Disc 1
1. Before the Common Era   (Britton) 5.22
2. The Tree Factory   (Britton,Gaffney,Berggren) 14.08
3. Common Era Caveman   (Britton) 6.26
4. Aggrandizement   (Britton) 19.12
5. The Form of the Good   (Britton) 8.41
Gesamtlaufzeit53:49


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 3)


Retroprog lebt! (Wenn auch möglicherweise nicht mehr sehr lange). Es sind zwar nicht mehr viele Bands da, die die aussterbende Tradition überzeugend aufrechterhalten können, aber Deluge Grander gehören ganz sicher zu den Besten in den sich zusehends lichtenden Reihen.

Der neuen Generation der musizierenden Retroprogger fehlen nicht zuletzt charismatische Sänger und Frontmänner, ohne die die bekannten Progressive Rock-Bands der 70er ihren Status niemals erreicht hätten.

Aus der Not eine Tugend machend, widmen sich Deluge Grander verstärkt der durchkomponierten instrumentalen Musik, so dass Vergleiche mit den stark sänger- und songorientierten Yes und Genesis stark hinken und vor allem vergleichbarer instrumentalen Ausrüstung gelten müssten.

Wirkte der Erstling "August in the Urals" stellenweise noch wie hastig und ohne ausreichende Vorbereitung in einer Garage aufgenommen, so kündigte der Mastermind und Keyboarder Dan Britton die Besserung im Bezug auf das Zweitwerk "The Form of the Good" an.

Für die Vorbereitung und Produktion von "The Form of the Good" benötigte man 2 Jahre. Schon der symphonisch-erhabene Opener überrascht mit orchestralem Rahmen und führt eindeutig vor, wofür die 8 Gastmusiker (darunter ein Cellist, eine Oboistin und eine Violinistin) gebraucht wurden.

Aber schon in "The Tree Factory" besinnt man sich auf den herkömmlichen, symphonischen Retroprog, in dem man allerdings Gastbeiträge der Geigerin, des Flötisten oder des Trompeters ausmachen kann. Die Band klingt zwar, als hätte sie die Instrumente gerade mal bei Yes der Jahre 1973-74 ausgeliehen, aber Deluge Grander musizieren meistens um einiges entspannter und...jazziger, bzw. canterbury'esker. "The tree factory" erinnert mich übrigens in den treibenderen Passagen an "The Gates of Delirium". (Auch ich kann diese komischen Vergleiche scheinbar nicht lassen).

Klangliche Fortschritte im Vergleich zum Erstling sind nicht so wie erhofft ausgefallen, aber die Band wirkt diesmal etwas besser eingespielt.

"Common Era Caveman" entwickelt einige Klangschichten, die sich zu einem interessanten Ganzen zusammenfügen. Da ist dieser verträumt-symphonische Hintergrund, über den sich die dominanten und komplexen Basslinien legen, die wiederum eine Basis für diverse Solisten - oder vielleicht eher für ein post-psychedelisches Gebräu - bilden.

"Aggrandizement" beginnt als eine schöngeistig-geheimnisvolle, Kammerrock und Retroprog verbindende Komposition für ein Rock-Quartett und Begleitmusiker. Das Schöngeistige von "Aggrandizement" weicht später leichten Anflügen von kontrolliertem Chaos. In fast 20 Minuten Dauer hatte der Komponist Britton ja genug Zeit, um seinem Stück einige Facetten einzuhauchen. (Wenn ich nicht zwischenzeitlich zu einem Retroprog-Skeptiker mutiert wäre, hätte ich zu "Aggrandizement" glatt "faszinierend" sagen können. Es klingt wahrlich wie ein Rock-Orchester). Teile davon sollen bereits 1996 geschrieben worden sein.

Der Titeltrack entfaltet anfangs mal wieder eine kleine geheimnisvolle Welt, die so ähnlich vielleicht von Anthony Phillips zu erwarten wäre. Das Romantische weicht kurz den dissonanteren Tönen, die schliesslich zum konventionellen Retroprog mit dezenten orchestralen Zusätzen überleiten.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele der Retroprog-Hörer "The form of the good" für meisterhaft halten werden.

Anspieltipp(s): Aggrandizement
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.4.2009
Letzte Änderung: 24.4.2009
Wertung: 12/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 3)


Etwas obsolet ist die Musik von Deluge Grander. Klassischer Prog hätte in den 70ern wohl so geklungen, doch irgendetwas stimmt hier nicht. Selten hatte ich solche Mühe mir ein Album mehrmals anzuhören, selten hat mich Musik weniger berührt (weder im positiven noch im negativen Sinne).

Deluge Grander machen Retroprog, also Musik, die in Aufbau, Struktur und Instrumentierung sich sehr direkt an den Vorbildern der frühen und mittleren 70er Jahre orientiert. Im Grunde macht die Band das sehr ordentlich. Die Musik ist abwechslungsreich, wird meist gekonnt, wenn auch nicht wirklich virtuos vorgetragen, bindet neben dem klassischen Rockquartett eine ganze Reihe weiterer Instrumente ein und zelebriert große Klangbögen, erhabene Tongebirge und verspielt verzierte Soundkathedralen. Die großen Vorbilder von vor circa 35 Jahren sind ständig präsent, werden aber nie wirklich kopiert. Es gibt eigentlich nicht viel zu meckern. In klang- und produktionstechnischer Hinsicht gäbe es allerdings einiges zu verbessern. Etwas breiig kommt die Musik aus den Boxen, klingt wenig differenziert und trotz der vielen eingesetzten Instrumente etwas eindimensional, kraftlos und matt. Hier fehlt es der Band an Professionalität ... oder Geld.

"The Form Of The Good" orientiert sich also recht erfolgreich an den großen symphonischen Epen des klassischen Prog. Zudem integrieren Deluge Grander noch gewisse, von Bläsern und Streichern getragene Kammerrockelemente, die dem Ganzen fast eine eigene Note verleihen würden, wären sie etwas prägnanter und häufiger eingesetzt worden. So klingt das Album doch über weite Strecken nur retro, ohne sich in abgestandenen Klischees zu verlieren, ohne zu langweilen und ohne zu imitieren, doch auch ohne die Eleganz und Vertracktheit der besten Nummern von z.B. King Crimson und Yes auch nur ansatzweise zu erreichen. Etwas zu bemüht, stellenweise einfach überladen (zumindest bei dieser flachen Produktion), zusammengestückelt und mitunter auch zu holprig musiziert kommt die Musik aus den Boxen und baut nie wirklich eine eigene Atmosphäre auf.

So wie sich moderne Nachbildungen (nicht Kopien) von den echten "Antiquitäten" unterscheiden, auch wenn sie auf den ersten Blick genauso aussehen, und vielleicht sogar mit ähnlichen Mitteln hergestellt wurden, so fehlt "The Form Of The Good" etwas, um es authentisch erscheinen zu lassen. Eigener Charakter vielleicht. Da stellt sich ein ähnliches, unbefriedigendes Gefühl ein, welches mich immer beschleicht, wenn ich mir ein modernes Remake eines klassischen Horrorschinkens aus den 40er Jahren anschaue. Irgendetwas stimmt hier jedenfalls nicht. Moderner, zeitgenössischer Prog klingt anders und echter klassischer Prog auch. Anhören kann man sich das Ganze natürlich trotzdem. Es gibt aber um einiges spannendere Musik, der man seine knappe Freizeit opfern könnte. Retrofreaks haut das Ganze vielleicht trotzdem vom Hocker.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.5.2009
Letzte Änderung: 12.5.2009
Wertung: 8/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 3 von 3)


Warum die Retroprog-Bands ihre Vorbilder einfach nie erreichen? Weil sie nicht so gut sind...

Ich freue mich darüber, dass es Dan Britton gibt. Musste man doch noch vor ein paar Jahren fürchten, Spock's Beard und die Flower Kings hätten den Retromarkt unter sich aufgeteilt und allenfalls Klonen von sich selbst - meist gleichermaßen pathetische (und, nebenbei, maßlos überschätzte) Bands aus Schweden - Zugang zu dieser ohnehin schon kleinen Marktnische gewährt. Die Bands Dan Brittons (Cerebus Effect, Deluge Grander und Birds and Buildings) sind da, so sehr sie sich auch ähneln, eine willkommene Abwechslung, stellen sie doch unter Beweis, dass Retroprog nicht immer wie Genesismusik strukturiert sein und wie Yesmusik klingen muss. Die Songs der genannten drei Bands klingen - und darin liegt ihre Stärke - anders als der mittlerweile sogar in Paketform tourende (und dabei noch deutlicher seine Individualitätslosigkeit unterstreichende) Retroprogmainstream. Achim - zu seinem Glück kein großer Freund der Retroschiene - unterschätzt da meiner Meinung nach das Leid der Retrofans.

Das tut der Richtigkeit seiner Analyse allerdings keinen Abbruch: Irgendetwas fehlt dieser Musik. Es ist, populärpsychologisch ausgedrückt, ihre Mitte. Der Kunsthistoriker Hans Sedlmayr kritisierte 1948 ein einem Buch den "Verlust der Mitte" in der modernen Kunst. Dieser Sedlmayrismus ist auch hier durchaus anwendbar, auch wenn man sich nicht auf die Seite konservativer Kunsttheorie schlagen will: Fragt man nämlich z. B. Yes-Fans, was sie an ihrer Band besonders lieben, dann antworten sie oft mit dem Verweis auf Songs, die sie an der einen Stelle abholen und an einer anderen wieder absetzen. Sie beschreiben sie als Landschaften, durch die man reist, als Gedanken- oder Erlebnisabfolge. Was damit wohl gemeint sein dürfte, ist eine Folgerichtigkeit der Kompositionen, also eine Funktion ihrer Struktur, die als linear, symmetrisch oder sonstwie erkennbar geschlossen erkannt und gehört wird. Und da wir daran gewöhnt sind, dass strenge Formen klare Inhalte umgeben, interpretieren sie Yes-Songs als thematisch. Vermute ich jedenfalls.

Nun will ich Achim nicht unterstellen, er sei Yes-Fan - nichts liegt mir ferner, so etwas kann ganz schön an einem klebenbleiben - aber wenn ich ihn richtig verstehe, hört er "The Form of the Good" (welch ironischer Titel!) als geradezu ziellos. Mir geht's genauso (Yes-Fan, was auch sonst), und ich empfinde (jetzt wird's subjektiv) solche Musik entsprechend als inhaltsleer und eben ohne Mitte. Was meine ich damit? "Awaken" (schon wieder Yes, ich weiß - aber das kennen halt so viele) beruht auf den Umkehrungen einer Abfolge von nur drei Tönen - die am Ende durch den gesamten Quintenzirkel gedreht werden, aber dabei doch immer sie selbst bleiben. Dieses Spiel von Identität und Variation macht die Qualität des Songs aus. Er hat einen Kern, ein Thema: eben diese drei Töne. Den Songs auf "The Form of the Good" fehlt das Moment der Identität, sie sind reine Variation, beginnen im Nirgendwo und enden auch dort - und man könnte nicht einmal sagen, ob am gleichen oder an einem anderen Ort im Nirgendwo.

Nun kann man das mit Fug "postmodern" nennen, das ist auch getan worden - und darüber hinaus sogar mögen. Ich tue es jedenfalls, dafür ist das musikalische Material, dass hier aneinander gekleistert wurde, es passe oder nicht, einfach zu gut. Aber ich ahne schon, dass wir in einigen Jahren dieselbe Diskussion führen werden wie bei Neal Morse, die sich in diesem Fall um die Frage drehen wird, ob es genügt, sich immer wieder nur mit schnellen Stakkatopassagen in Halbtonintervallen im 6/8-Takt gegen die Flowerkingisierung der Retroszene zu wehren, oder ob man damit nicht in einem ähnlichen More-of-the-Same versinkt wie die werten Kollegen. Achim hat diese Diskussion bereits vorweggenommen, denn "moderner, zeitgenössischer Prog klingt anders und echter klassischer Prog auch".

Anspieltipp(s): Sehr geiles Album, wie alle von und mit Dan Britton. Reinhören unnötig!
Vergleichbar mit: Cerebus Effect, Deluge Grander, Birds and Buildings
Veröffentlicht am: 12.5.2009
Letzte Änderung: 16.9.2009
Wertung: 12/15
Gibt es heute noch Inhalte? Oder ist jeder Inhalt bereits per se pathetisch geworden?

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Deluge Grander

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2006 August In The Urals 11.25 4
2014 Heliotians 11.00 1
2017 Oceanarium 12.00 2

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