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Steven Wilson

aus: Großbritannien


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Bemerkungen


Wir trafen Steven Wilson am 20.01.2009 im Kölner Luxor im Rahmen eines Konzertes von Aviv Geffen. In einem sehr gemütlichen Tourbus beantwortete uns der wie immer sehr sympathische und vor allem redselige Workaholic einige Fragen:

BBS: Das Jahr 2009 hat ja gerade erst begonnen. Kannst du für uns dein letztes Jahr kurz zusammenfassen? Was waren z.B. die Highlights für dich?

SW: Den größten Teil des letzten Jahres habe ich damit verbracht mein Soloalbum aufzunehmen, was mir großen Spaß bereitet hat. Wenn ich schon ein Soloalbum mache, dann sollte dies auf jeden Fall etwas sein, was mir viel Spaß bereitet. Zudem war es eine Möglichkeit einige neue Dinge auszuprobieren, mit neuen Leuten zusammenzuarbeiten und herumzureisen.

Zudem haben wir ja aus dem Projekt auch ein Filmprojekt gemacht. Alles in allem hat es wahnsinnigen Spaß gemacht. Ich hatte ein Jahr, in dem ich keinerlei Verpflichtungen in Sachen Porcupine Tree hatte. Dies bot mir die Möglichkeit etwas anderes in Angriff zu nehmen. Und diese Chance habe ich ergriffen, indem ich dieses Soloalbum gemacht habe. Dies bot mir die Möglichkeit Länder zu bereisen, in denen ich zuvor noch nie gewesen war, und mit Leuten zusammen zu arbeiten, mit denen ich noch nie gearbeitet hatte.

Dieses Mal haben wir uns ja auch in Punkto Verpackung etwas besonderes einfallen lassen, was allerdings auch jede Menge Arbeit und Zeit in Anspruch genommen hat. Aber trotzdem ist es toll, dass ich die Chance hatte dies zu tun. Das letzte Jahr scheint sehr schnell vorüber gegangen zu sein, aber alles in allem war es von Anfang bis Ende ein Jahr, dass mir sehr großen Spaß bereitet hat.

BBS: Und wie kommt es, dass du so lange gebraucht hast, um endlich dein erstes Soloalbum herauszugeben?

SW: Wie ihr ja sicher wisst, habe ich ja in der Vergangenheit im Prinzip schon eine ganze Reihe von Soloalben herausgegeben. Also Soloalben in dem Sinne, dass sie sich auf einen ganz speziellen Aspekt meiner musikalischen Persönlichkeit konzentriert haben. Zum Beispiel Bass Communion mit dem Drone-Ambient-Einschlag oder die frühen Porcupine Tree-Alben, die ja auch noch Soloalben von mir waren. Auch diese Alben konzentrierten sich recht speziell auf den psychedelischen oder progressiven Aspekt.

Aber dieses Mal wollte ich eine Art Enzyklopädie meiner gesamten musikalischen Persönlichkeit machen, d.h. alle Aspekte von der Drone-Musik über die Progressiv-/Psychedelic-Schiene bis hin zur Singer-/Songwriter-Ausrichtung in einem Album vereinen und darüber hinaus noch einige neue Elemente hinzufügen, die die Leute in der Vergangenheit so noch nicht von mir gehört hatten. Hier vor allem die Noise-/Industrial-/Elektronik-Ausrichtung. All das wollte ich in einem Werk kombinieren. Zu erstem Mal habe ich somit ein Bild gestaltet, das all meine musikalischen Charakteristiken, alle Aspekte meiner musikalischen Persönlichkeit vereint. Und das konnte ich bisher noch von keinem meiner anderen Musik-Projekte behaupten.

BBS: Also bist du recht stolz auf dein neues Album?

SW: Oh ja, sehr stolz sogar. Ich glaube in vielerlei Hinsicht ist dieses Album genau das, was ich schon immer machen wollte, denn bisher habe ich mich eigentlich noch nie damit beschäftigt ein wirklich generisches Album aufzunehmen.

Obwohl ich eigentlich immer dagegen protestiert habe, dass die Leute Porcupine Tree in eine bestimmte Schublade geworfen haben und ich immer wieder betont habe, dass Porcupine Tree immer mehr waren als reiner Progressive Rock, hatte ich dieses Mal die Möglichkeit noch über die musikalischen Grenzen von Porcupine Tree hinauszugehen und dieses Mal alle musikalischen, generischen Klassifikationen zu überschreiten. Und da dies schon immer zu meinen größten musikalischen Ambitionen gehört hat, denke ich, dass ich dieses Mal zum ersten Mal behaupten kann, dass dieses Album wirklich alle Musikgenregrenzen überschreitet. Damit möchte ich nicht behaupten, dass das Album alleine dadurch automatisch gut ist. Ich halte das Material darauf insgesamt für sehr gut. Es ist insgesamt ein sehr starkes musikalisches Statement. Insgesamt bin ich darauf sehr, sehr stolz!

BBS: Das neue Album heißt „Insurgentes“. Kannst du uns erklären, wo dieser Name herkommt?

SW: Insurgentes kommt aus der spanischen Sprache. Die längste Straße der Welt heißt „Avenida de Insurgentes“ und verläuft durch Mexiko-Stadt. Und Mexiko-Stadt selbst ist eine der größten Städte der Welt. Wenn man Indien nicht mit zählt, ist es sogar die größte Stadt der Welt und besitzt die längste Straße der Welt.

Ich habe viel Zeit in Mexiko während der Arbeiten am neuen Album verbracht und habe mich in dieser Zeit genauso in Mexiko-Stadt verliebt, wie damals in Israel und Tel-Aviv. Irgendwie passiert das alle paar Jahre mal, dass ich einen Ort auf der Welt finde, mit dem ich mich besonders verbunden fühle. Und dieses Mal war es Mexiko-Stadt. Wir habe dort einige Stücke geschrieben und aufgenommen und mit einigen lokalen Musikern zusammengearbeitet.

Ich sage „wir“, weil ich die gesamte Zeit über mit einem Filmemacher durch die Gegend gereist bin. Lasse Hoile hat mich begleitet, der in dieser Zeit gefilmt hat. Und diese Straße macht einen dominierenden Teil von Mexiko-Stadt aus, man sieht das Wort „Insurgentes“ überall: An Bushaltestellen, Bahnhöfen und Straßen. Mir gefiel das Wort einfach und darüber hinaus gefiel mir der Gedanke, dass das Wort in einigen Aspekten das Projekt selbst widerspiegelte. Denn „Insurgentes“ bedeutet „Rebell“, „Rebellion“ oder „Aufstand“.

Damit möchte ich nicht behaupten, dass ich solch ein musikalischer Rebell bin, wie es zum Beispiel die Sex Pistols oder Nirvana waren. Aber auf meine eigene Art habe ich Dinge in einer recht unkonventionellen Weise gemacht, wie zum Beispiel der Verlauf meiner musikalischen Karriere. Ich habe immer Dinge getan, die mir meine musikalische Karriere erschwert haben, wie zum Beispiel die Art der Musik, für die ich mich entschieden habe oder die Art, wie ich mich entschieden habe mich selbst zu präsentieren, wie etwa das Artwork.

Alles in allem habe ich mich im Laufe der Zeit schon ein bisschen wie ein Rebell gefühlt und tue das noch immer. Denn wie ihr ja wisst, nehmen die Mainstream-Medien immer noch sehr wenig Notiz von mir, Porcupine Tree und meinen anderen Projekten. Ich glaube das liegt daran, dass sie es einfach nicht verstehen. Glücklicherweise gibt es aber sehr viele Fans, die verstehen, was ich mache. Daher ist das für mich okay, aber das hat mich zu einer Art Rebell bzw. „Insurgent“ gemacht. Daher kam mir der Titel des Albums einfach sehr passend vor, da er sich auf diese Art der Dinge bezog.

BBS: Und wieso hat es dich ausgerechnet nach Mexiko verschlagen?

SW: Wie bei allen anderen Orten auch, die ich im Laufe der Jahre entdeckt habe, bin ich auch durch Zufall nach Mexiko gekommen. Letztendlich habe ich Mexiko dadurch kennengelernt, weil ich mit Porcupine Tree dort aufgetreten bin. Genau wie damals mit Israel. Das habe ich ebenfalls dadurch entdeckt, dass wir mit Porcupine Tree dort ein paar Konzerte gespielt haben. Und dieses Mal war dies auch bei Mexiko-Stadt der Fall.

Weder Mexiko-Stadt, noch Tel-Aviv wären jemals auf meiner Liste von Städten gewesen, die ich unbedingt mal besuchen wollte. Es erstaunt mich auch immer wieder, mit welchen Orten ich mich am meisten verbunden fühle. Es waren meist die, von denen ich es am wenigsten erwartet hätte. Aber letztendlich geben die Menschen immer den Ausschlag. Wenn man Leute trifft und sich eine Freundschaft entwickelt, macht dies genau den entscheidenden Unterschied aus. Wir haben vor etwa anderthalb Jahren Mexiko-Stadt für nur ein einziges Konzert besucht, aber die Menschen und die Atmosphäre haben mich vollkommen umgehauen.

Ich habe einigen Leuten versprochen, dass ich zurückkommen und sie besuchen würde. Und das habe ich dann auch gemacht. Sie haben mir einige unglaubliche Orte gezeigt. Wenn ihr euch die Buchversion des neuen Albums anseht, dann werdet ihr einige dieser Orte wiederfinden, denn viele der Bilder sind aus Mexiko. Unglaubliche Plätze! Es kam mir insgesamt fast wie ein unentdecktes Land vor! Orte, von denen man nie in einem Reiseführer lesen oder sie in Filmen sehen würde. Und trotzdem waren es Orte, die sehr cineastisch und sehr inspirierend waren. Und das ist der Grund, warum es mich nach Mexiko-Stadt verschlagen hat.

BBS: Wenn du Songs für Porcupine Tree schreibst, dann gibt es ja immer eine Art Konzept hinter den Songs. Gibt es auf dem Soloalbum auch eine Art lyrisches Konzept?

SW: Nein, dieses Mal nicht. Das unterscheidet mein Soloalbum auch von meinen anderen Projekten, denn normalerweise versuche ich die Songtexte so zu gestalten, dass sie wie Seiten eines Buches gelesen werden können. Soll heißen, dass die Songtexte eine bestimmte Bedeutung haben, so dass wenn man sie von der Musik separiert, sie trotzdem noch verstanden werden können. Aber das wollte ich dieses Mal nicht machen.

Dieses Mal wollte ich, dass die Texte einfach einen Teil der Musik ausmachen. Und daher habe ich dieses Mal nicht versucht sie zu logisch und bedeutungsvoll zu machen. Daher sind viele der Texte auf dem Album schlicht und einfach improvisiert.Das heißt als ich das erste Mal vor dem Mikro stand, um die Songs, also die Melodien und Texte einzusingen, hatte ich noch keine Worte parat und habe versucht sie einfach unterbewusst herauskommen zu lassen.Wenn man auf diese Weise vorgeht, kommt natürlich eine Menge Müll dabei heraus, aber einige gute Dinge sind einfach herausgekommen. Keine Ahnung, wo sie herkamen, aber sie haben mir einfach gefallen. Also neben der Arbeit den Müll herauszufiltern und mich auf die Stellen zu konzentrieren, die wirklich gut waren, habe ich die Dinge, die aus meinem Unterbewusstsein gekommen sind, nicht weiter bearbeitet und versucht ihnen eine bestimmte Bedeutung zu geben.

Und aus diesem Grund werden die Texte auch nicht im Booklet abgebildet. Ich möchte nicht, dass die Leute die Texte lesen ohne Bezug auf die Musik. Die Texte sind nicht geschrieben, um sie als Prosa- oder Lyrikstücke zu lesen. Die Texte sind einfach ein Bestandteil der Musiktextur. Es gibt schon die ein oder anderen interessanten Bilder in den Texten, aber die Leute werden sie auf ihre eigene Art und Weise interpretieren. Ich selbst weiß aber nicht einmal, was sie wirklich bedeuten.

BBS: Du hast ja eben schon die Dokumentation erwähnt und das Lasse Hoile dich nach Mexiko begleitet hat.

SW: Richtig. Direkt zu beginn des Projektes habe ich mich dazu entschieden den gesamten Prozess zu filmen. Zudem hatte ich mich entschieden, dass ich das Album nicht zu Hause in meinem Studio aufnehmen, sondern in der Welt herumreisen wollte. Ich wollte einfach Spaß dabei haben und den ganzen Prozess genießen können. Ich wollte reisen, andere Leute und andere Musiker treffen und daher sagte ich zu Lasse „Hey, komm doch einfach mit, lass uns die ganze Sache filmen und sehen, was dabei herauskommt!“.

So entwickelte sich die Dokumentation zu drei Dingen: Zuerst ist sie offensichtlich eine Dokumentation über die Aufnahme des Albums. Aber nur eine solche Dokumentation wäre ja auch sehr langweilig gewesen, denn so was macht ja jeder. Also haben wir zweitens damit begonnen, überall wo wir hin gingen uns mit anderen Musikern zu unterhalten. Da waren Leute dabei, die ich schon kannte, aber auch solche, die ich vorher noch nie getroffen hatte.

Ich habe unter anderem mit ihnen darüber gesprochen, wie es ist im 20. Jahrhundert ein Musiker zu sein und was es bedeutet Musik in der Ära der IPods, MP3 und der Download-Kultur zu machen. Und wie all dies ihre Karriere beeinflusst, wie sie ihre Musik machen etc. Darüber hinaus haben wir uns zudem mit Produzenten unterhalten, also nicht nur mit Musikern, sondern auch solchen Leuten, die dabei helfen ein Album zu machen. Wir haben zum Beispiel erfolgreiche Produzenten, die meiste Zeit in einem riesigen, toll ausgestatteten Aufnahmestudio verbringen, gefragt, wie sie sich dabei fühlen, wenn sich die Kids später ihre Alben nur auf MP3-Playern in schlechter Qualität anhören. Es ist einfach interessant sich mit Musikern und Produzenten über dieses Thema zu unterhalten. Und drittens haben wir noch etwas bizarres Fiktions-Zeug geplant und improvisiert, da wir uns beide extrem für europäisches Kino und Produzenten wie David Lynch interessieren. Daher haben wir also ein paar bizarre Elemente hinzugefügt. All das wird dann in der Dokumentation zusammengefügt und wir denken, dass aus der Dokumentation ein surrealer Road Movie geworden ist. Es handelt also nur noch im weitesten Sinne von dem Machen des Albums.

Ich hoffe, dass sich dafür auch Leute interessieren, die mich bisher noch nicht kannten. Wir haben darauf geachtet, dass es auch für solche Leute interessant ist, die den Namen „Steven Wilson“ noch nie gehört haben, denn schließlich diskutieren wir ja zum Beispiel auch über die IPod-Kultur etc.

BBS: Ist die Dokumentation schon fertig?

SW: Nein, Lasse filmt immer noch neues Material. Wir haben ja schon etwa 20 Minuten der Dokumentation auf die DVD gepackt, die dem neuen Album beiliegt. Dieser 20 Minuten-Extrakt ist schon fertig und anhand dieses Extrakts bekommt man schon eine Vorstellung, in welche Richtung die Dokumentation gehen wird. Wir filmen zwar noch, aber ich denke, dass die Dokumentation demnächst fertig werden wird. Lasse möchte, dass es eine 90 Minuten-Dokumentation wird. Ich bin mir nicht sicher, ob die Leute die Ausdauer haben werden sich die kompletten 90 Minuten Steven Wilson-Material anzusehen. Aber na ja, er möchte einen richtigen Film daraus machen und ihn diesen Sommer bei Filmfestivals zeigen. Aber natürlich wird es für die Fans auch auf DVD erscheinen.

BBS: Wenn wir gerade schon beim Thema Filmprojekte sind. Du hast ja zusammen mit Mike Bennion ein Filmskript geschrieben. Gibt es zu diesem Projekt irgendwelche Neuigkeiten?

SW: Leider nicht. Wir werden nie aufgeben und zeigen es immer noch anderen Leuten, aber es ist sehr schwer ein Filmprojekt aus dem Boden zu stampfen. Der Unterschied zwischen der Dokumentation und dem Filmskript liegt ja darin, dass es in der Insurgentes-Dokumentation um mich geht, daher brauchen wir nur mich und eine Kamera, um sie zu machen. Aber bei dem Deadwing-Filmprojekt handelt es sich um ein richtiges Kino-Filmprojekt, daher brauchen wir dafür Schauspieler, eine Filmcrew, Geld und Drehorte.

Das bedeutet natürlich, dass wir für dieses Projekt einen oder mehrere Investoren brauchen. Und da ist es natürlich besonders schwer in dieser Rezessionszeit Investoren zu finden, die ein Projekt von zwei Leuten finanzieren möchte, die noch nie vorher einen Film gedreht haben. Aber wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben und so hoffe ich, dass wir eines Tages doch noch durchstarten können.

BBS: Wir haben uns letztens dein Interview mit Klaus Schulze angesehen, dass auf seiner Rheingold-DVD veröffentlicht wurde.

SW: Oh, ihr habt es schon gesehen? Ich hab’s noch gar nicht gesehen! Und wahrscheinlich will ich es mir auch nie ansehen!

BBS: Ach, es ist doch klasse geworden!

SW: Ja, okay, es hat eine Menge Spaß gemacht.

BBS: Wie ist es denn überhaupt zu dem Interview gekommen?

SW: Wie ihr ja sicher wisst, bin ich ein großer Fan von Klaus. Ich denke das sieht man ja auch im Interview. Und Michael, seine Manager, kennt mich ja schon länger. Er hat ja für InsideOut gearbeitet und dann irgendwann InsideOut verlassen, um Klaus zu managen. Als sie nach England herüberkamen, um die DVD in den Real World Studios von Peter Gabriel zu mischen, hat Michael mir einfach eine Email geschrieben und gefragt, ob ich nicht vorbeikommen möchte, um Klaus kennen zu lernen und vielleicht ergibt sich dabei ja auch etwas für die DVD.

Ich fand die Idee gut, wollte aber kein normales Interview mit einer Reihe von Fragen machen, sondern lieber eine Art Gespräch, das gefilmt werden konnte. Ich hatte den Eindruck, dass so etwas natürlicher rüberkommt und dabei vielleicht Dinge ans Tageslicht kommen würden, die sonst nicht hervorgekommen wären. Und genau das haben wir dann gemacht. Eigentlich war nur ein 15 Minuten-Gespräch geplant, aber letztendlich ist fast ne Stunde daraus geworden. Ich weiß nicht, ob ihr ihn schon mal getroffen habt, aber Klaus ist ein sehr netter, lustiger Kerl.

BBS: Würdest du so was noch einmal mit einem anderen Musiker machen?

SW: Ja, auf jeden Fall. Ihr wisst ja, dass ich selbst ein großer Musikliebhaber bin. Denn meine große Leidenschaft neben dem Musikmachen ist ja selbst Musik zu hören und dabei neue Musik zu entdecken. Wie jeder andere auch habe ja auch ich meine Musikhelden. Und dann die Möglichkeit zu haben solche Leute zu treffen und ihnen nicht als Fan, sondern als gleichwertiger Musiker gegenüber stehen zu können ist natürlich das Größte.

Es ist schon toll, dass ich so was in meiner Karriere erreicht habe, dass ich mit Leuten wie Klaus, Robert Fripp und Alex Lifeson auf demselben Musikerlevel sprechen kann und dass sie auch mich respektieren. Das ist einfach großartig!

BBS: Gibt es da einen speziellen Musiker, mit dem du dich in der Form mal gerne unterhalten würdest?

SW: Oh ja, da gibt es noch eine ganze Reihe von Menschen, die ich sehr verehre. Zum Beispiel Trent Reznor von Nine Inch Nails, ich verehre ihn nicht nur wegen der Musik, sondern vor allem als Produzenten. Es ist einfach großartig! Wie viele andere auch habe ich mir vieles im Bereich der Produktion von ihm abgeguckt. Tja, wen noch? Hm. Also Richard James von Aphex Twin würde ich auch mal gerne treffen. Da gibt es noch eine ganze Reihe anderer Leute, die mir allerdings im Moment nicht einfallen. Viele der Musiker, die ich gerne mal getroffen hätte, sind leider nicht mehr unter uns, wie zum Beispiel Nick Drake. Aber wenn ich mich für eine Person entscheiden müsste, die ich treffen und mit der ich arbeiten könnte, dann wäre es definitiv Trent Raznor. Könnt ihr das für mich arrangieren?

BBS: Äh… Wir können es mal probieren. Wenn wir uns den heutigen Tag ansehen, trittst du ja in Aviv Geffens Band auf. Wie kam das zustande?

SW: Aviv ist ja einer meiner besten Freunde und mit im zu arbeiten macht einfach Spaß. Ich bin heute aber nicht nur wegen ihm dabei, sondern weil es für mich auch die Möglichkeit eröffnet mit einigen Leuten über mein Soloalbum zu sprechen. Also kann ich so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Ich spiele Gitarre für Aviv und habe dabei ein bisschen Spaß. Und für mich gibt es da keinen Druck. Es ist auch mal schön einfach „nur“ ein anderer Typ aus der Band zu sein. Es ist einfach schön, mal ohne Druck auf der Bühne stehen zu können und nicht der Frontmann sein zu müssen. Einfach Avivs Musik spielen zu können und ihm dadurch zu helfen. Er ist ja wie ein Bruder für mich, definitiv einer meiner besten Freunde und daher freut es mich das für ihn tun zu können. Und wie gesagt kann ich dann gleichzeitig mein neues Soloalbum ein wenig promoten. Das Ganze geht ja auch nur etwa 10 Tage. Und zudem werden wir heute Abend auch ein paar Blackfield-Stücke spielen.

BBS: Wenn du gerade schon Blackfield erwähnst, wird es da demnächst ein neues Album geben?

SW: Zur Zeit ist da noch nichts geplant. Das soll nicht heißen, dass es kein weiteres Album mehr geben wird, da wird bestimmt noch mal etwas kommen. Aber im Moment steht da nichts an, denn sein Soloalbum wird ja etwa zur selben Zeit veröffentlicht werden wie mein Album. Also irgendwann im März. Das nächste Projekt, das dann für mich ansteht ist das neue Porcuine Tree-Album. Also wird es realistisch betrachtet dieses Jahr auf keinen Fall ein neues Blackfield-Album mehr geben, aber wer weiß, vielleicht ja dann nächstes Jahr.

BBS: Du hast ja schon das neue Porcupine Tree-Album angesprochen. Wie weit seid ihr damit schon?

SW: Es ist schon zu etwa 80 % geschrieben und das bedeutet, wenn die Tour beendet ist, werde ich die Zeit damit verbringen den letzten Teil fertig zu stellen. Die Aufnahmen sind dann von März bis Mai geplant. Das Veröffentlichungsdatum ist auch schon festgelegt, Roadrunner wollen es am 24. September auf den Markt bringen. Wir sind also noch mittendrin und es wird wieder eine sehr interessante Zeit werden. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie es sich entwickeln wird. Denn jeder Album-Zyklus beinhaltete bisher eine ständige Vergrößerung und daher bin ich gespannt, wie es weitergehen wird.

BBS: Kannst du uns schon etwas über die Richtung der Musik verraten? Wird es wieder in die etwas härtere Richtung gehen?

SW: Nein, ich denke dieses Mal werden wir uns wieder etwas vom Metal entfernen, der Sound wird wieder etwas klassischer werden. Es ist ein 55minütiger Musikfluss. Das kann man auf gewisse Art und Weise über all unsere Alben sagen, aber ich glaube auf diesem Album werden wir den nächsten Schritt machen. Die Musik fließt kontinuierlich auf eine Art und Weise, wie es bisher noch nicht der Fall gewesen ist.

Es wird dieses Mal kein lyrisches Konzept geben, aber die Musik selbst ist durch den Musikfluss an ein Konzept angelehnt. Mit diesem Fluss werden wir die nächste Stufe in Sachen musikalischer Kontinuität erreichen. Ich denke es werden einige Elemente von meinem neuen Soloalbum auf dem neuen Porcupine Tree-Album zu finden sein. Mehr Industrial-, Electronic-Elemente, weniger Metal, mehr Songwriter-Elemente, fast schon wie ein klassischer Song-Zyklus. Aber ich weiß nicht. Vielleicht sollte ich Porcupine Tree an jemand anderen verkaufen!

BBS: Nein, bloß nicht!

SW: Na ja, es wird auf jeden Fall wieder etwas anders werden als zuvor!

BBS: Und neben Porcupine Tree, wird es da noch andere Projekte geben?

SW: Nicht wirklich. Na ja, ich würde gerne mit meinem Soloalbum auf Tour gehen, aber alles in allem wird sich mein komplettes Jahr auf das neue Porcupine Tree-Album konzentrieren, d.h. das Album schreiben, aufnehmen und veröffentlichen. Und nach der Veröffentlichung werden wir wieder auf Tour gehen. Aber nach der Aufnahme des Albums wird ein kleines Zeitfenster zur Verfügung stehen, also im Sommer vor der Veröffentlichung. Und in der Zeit möchte ich ein paar Konzerte mit meinem Soloalbum geben. Ich hoffe, dass das klappt, denn zuerst einmal muss ich ja eine Band zusammenstellen. Aber alles in allem wird es definitiv wieder ein Porcupine Tree-Jahr werden.
(Michael Büttgen)

Personell verwandte Bands (Pfadfinder)


Bass Communion; Blackfield; I.E.M.; Marco Minnemann; The Mute Gods; no-man; Porcupine Tree; Storm Corrosion

Alle besprochenen Veröffentlichungen von Steven Wilson

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2004 Unreleased Electronic Music 10.00 1
2009 Insurgentes 10.20 5
2009 NSRGNTS RMXS - 1
2011 Grace For Drowning 11.67 6
2012 Get All You Deserve 13.67 3
2013 Drive Home 13.00 2
2013 The Raven That Refused To Sing And Other Stories 11.44 10
2014 Cover Version 10.00 1
2015 Hand.Cannot.Erase. 11.43 7
2015 Transience - 1
2016 4 1/2 9.33 3
2017 To the Bone 8.67 3

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