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Die Babyblauen Annalen
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24276 Rezensionen zu 16591 Alben von 6468 Bands.
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Die Babyblauen Prog-Annalen

1966-1969



Von: Achim Breiling


In den sechziger Jahren wurde nicht nur der Progrock geboren, sondern auch ich. Anders als beim Prog ist meine Geburtsstunde allerdings eindeutig festlegbar: 1968 war's, im Sommer, ein paar Wochen bevor russische Panzer in die CSSR einrollten. Natürlich habe ich von der damaligen Musik nicht allzu viel mitbekommen, und es sollten gut zwanzig Jahre vergehen, bis ich dieses Versäumnis nachholen konnte.

Und der Prog? Irgendwann Ende des 7. Jahrzehnts ist er wohl entstanden. Doch was war die erste Prog-Platte oder das erste Stück Musik, das man als "Progrock" bezeichnen könnte? Natürlich kann und will ich diese Frage nicht definitiv beantworten. Der Begriff "Progressiver Rock" ist, wie so viele Stilbezeichnungen im Rockbereich, im Grunde eine Erfindung der Plattenindustrie, die damit die Musik ihrer jeweiligen Bands als fortschrittlich, neu und besonders erfindungsreich anpries. Progressiv hieß damals - und daran hat sich bis heute wohl nichts geändert - also vieles. Doch damit war es noch lange kein "Prog", zumindest nicht das, was wir heute, aus der sicheren Entfernung von über dreißig Jahren darunter verstehen.

Rockmusiker begannen Mitte der 60er Jahre zur typischen Rock'n'Roll- bzw. Beatbesetzung aus E-Gitarren, Bass und Schlagzeug weitere Instrumente hinzuzufügen, Tasteninstrumente zuerst, aber auch Exotischeres wie Flöte, Saxophon, Violine und Blechbläser. Mit dem Mellotron und verschiedenen Synthesizern waren im fraglichen Jahrzehnt auch eine Reihe von Tasteninstrumenten entstanden, ohne die es den Prog nicht hätte geben können (auch wenn einige dieser Instrumente ursprünglich mitunter gar keine Tasten hatten).

Im Laufe des Jahrzehnts begann man die Studiotechnik auch für Rockaufnahmen voll auszunutzen. Bands spielten ihre Stücke nicht länger mehr oder weniger "live" im Studio ein, sondern produzierten ihre Alben mehrspurig. Eine wichtige Rolle spielten hier die späteren LPs der Beatles, denn die Gruppe verbrachte nicht nur Wochen damit, ihre Stücke perfekt zu produzieren, sondern sie auch zu ausgefeilten Alben zusammen zu stellen. Hier lag eine weitere Neuerung der 60er. LPs waren nicht mehr einfach Ansammlungen von Single-Tracks, sondern konnten zu mitunter sorgfältig konzipierten Werken werden, bei denen auch die Covergestaltung und die zugrundeliegende Hintergrundgeschichte Bedeutung erlangen konnten. Die LP lief damit der Single den Rang als Hauptausdruckmittel vieler Rockgruppen ab. Die Musiker hatten mehr "Platz" zur Verfügung, was längere und komplexere Stücke ermöglichte.

Die wichtigste Entwicklung war aber wohl, dass viele Musiker genug hatten vom Beat-Einerlei der frühen 60er Jahre. Sie versuchten etwas anderes und neues zu machen. Dieses Suchen und Versuchen führte Ende des Jahrzehnts zu einer erstaunlichen stilistischen Vielfalt, die folkloristische Elemente, klassische Vorbilder, Jazz und Exotisches (vornehmlich aus Indien) mit Rock und Blues vermischte. Wie immer war die Musikjournaille schnell mit neuen Namen zur Hand: Bluesrock, Brassrock, Folkrock, Psychedelischer Rock, Hardrock, Rockoper, Jazzrock, Boston-Sound, Westcoast, Baroque-Rock, Meditativer Rock, Klassik-Rock und natürlich Progressive Rock.

Welche war nun die erste Prog-Band? The Nice, die schon 1968 klassische Themen zitierten und adaptierten? Oder die Holländer von Ekseption? Oder Ars Nova aus den USA, die Ähnliches nicht viel später taten? Waren es Soft Machine, die spätestens mit "Volume 2" 1969 eine eigenständige Verschmelzung von Jazz und Rock boten? Oder waren es Colosseum, denen im selben Jahr mit "Valentyne Suite" etwas Vergleichbares gelang und die zudem eins der ersten, eine ganze LP-Seite füllenden Mammutstücke vorstellten? Ein paar Monate später legten Pink Floyd mit "Atom Heart Mother" einen noch ambitionierteren Longtrack vor, in den sie sogar einen Chor und ein Orchester integrierten. Unzählige weitere Bands und Alben könnte man hier anführen, denen eine gewisse Bedeutung im "Proto-Prog"-Bereich zugebilligt werden könnte. Trotzdem gebührt wohl King Crimson die Ehre, mit ihrem Debüt die Scheibe produziert zu haben, auf der die typischen Prog-Elemente zum ersten Mal so richtig voll ausgeprägt sind. Die 70er Jahre konnten kommen!

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Alben-Auslese 1966-1969


Colosseum - Valentyne Suite

Frank Zappa - Uncle Meat

Jethro Tull - Stand Up

King Crimson - In The Court Of The Crimson King

Pink Floyd - Ummagumma

The Beatles - Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band

The Beatles - The Beatles ("White Album")

The Moody Blues - Days Of Future Passed

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