Ralph Bernascone
Bemerkungen
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Sir Ralph Bernascone gehört zu den etwas älteren Semestern der Prog-Genies, obwohl er stets ein großes Geheimnis um sein wahres Alter gemacht hat und sein echtes Geburtsjahr bis heute niemals angab. Als gesichert gilt nur Folgendes:
Er wurde als Spross einer uralten englischen Adelsfamilie geboren und beschäftigte sich seit frühester Kindheit mit jeder Art von Musik. Im Alter von neun Jahren hörte er den Namen Mozart und beschloss, bis zu seinem zehnten Lebensjahr mindestens neun Symphonien zu komponieren. Der Plan zerschlug sich jedoch nicht zuletzt seiner Eltern wegen, die sich Sorgen um die geistige Gesundheit ihres Sohnes machten und ihn deswegen auf eine Militär-Akademie schickten ? eine Idee, die sich nicht unbedingt im Sinne ihrer Erfinder auswirken sollte. In den Folgejahren beschäftigte Bernascone sich vornehmlich mit Marschmusik, was seiner künstlerischen und menschlichen Weiterentwicklung auch nicht gerade förderlich war, und so zog er als Offizier in den Falkland-Krieg, wo er angeblich in einer Schlacht fiel.
Viel später stellte sich jedoch heraus, dass Bernascone seinen Tod auf dem Schlachtfeld nur vorgetäuscht hatte, um endlich einmal ungestört komponieren zu können; diese Wahrheit kam durch einen Professor für Kompositionslehre ans Tageslicht, den Bernascone in seiner neuen Heimat beschäftigt hatte: Er besaß mittlerweile ein großes Landgut auf den Falkland-Inseln, auf dem er einheimische Arbeitskräfte beschäftigte, die mit ihm seine erzkonservativen politischen Ansichten teilten und sich die alte Kolonialherrschaft heimlich zurückwünschten.
Inzwischen hatte aber seine intensive Beschäftigung mit den Komponisten der Klassik und Romantik Früchte getragen: Bernascone hatte schon Jahre vor dem Falkland-Krieg sein erstes Album ?The cheese at he post? aufgenommen und ? nachdem seine neue Identität als Gutsherr bekannt geworden war ? zog er nach England zurück, um sein Werk einer begeisterten Menge zu präsentieren. Die Live-Uraufführung fand mitten auf der Tower-Bridge statt, die zu diesem Zweck für Passanten gesperrt wurde, und die Klänge seines Albums wurden von den Glocken des Big Ben kongenial begleitet. Der Ansturm von Fans dieses ungewöhnlichen Künstlers wurde so groß, dass es am Ufer der Themse zu spontanen Gegendemonstrationen empörter Punker kam, die sich besonders gegen Bernascone?s politische Ansichten richteten ? unbestätigten Gerüchten zufolge war nämlich die ganze Punk-Bewegung ursprünglich vor allem dieses Mannes wegen entstanden. Es kam aber schon während besagter Uraufführung der Verdacht auf, die Menschenmenge der Fans sei nur deshalb so groß geworden, weil Bernascone allen Freibier und Gratis-Cheddar-Käse (siehe Albumtitel!) ausgegeben hätte.
Trotz dieser Turbulenzen sollte der Erfolg seines ersten Albums mäßig bleiben, und Bernascone musste selbst erkennen, dass die Zeit für seine Art von Musik nicht gerade günstig war. Eines Tages las er in der Times eine Kritik über Rick Wakeman und Keith Emerson, die von einem Musikjournalisten als ?boring old farts? bezeichnet wurden, und von dieser Titulierung fühlte auch Bernascone sich spontan angesprochen. Er veröffentliche zwar noch eine Reihe von Alben, und später brachte er seine komplette CD-Sammlung auf den Markt (er besaß nämlich nur CDs, die er selbst zuhause aufgenommen hatte), aber seine kreativste Zeit war um.
Schließlich verschwand er wieder aus der Szene, nachdem er seinen Manager angewiesen hatte, auf Reporter-Fragen nach seiner Person stets zu antworten: ?Ralph Bernascone is on holiday?. Spaßeshalber sollte dieser Satz auch nach dem Verschwinden des Namensträgers gelegentlich auf Prog-Alben anderer Künstler auftauchen. Über Bernascones derzeitigen Aufenthalt ist nichts bekannt; es mehren sich aber Gerüchte, denen zufolge er bis heute Einfluss auf Prog-Veröffentlichungen nehmen soll ? Manche behaupten sogar, der Satz ?The king is dead, so worship me? auf dem aktuellen Arena-Album ?Pepper?s ghost? beziehe sich auf ihn. Andere sagen, Bernascone sei längst an einer Überdosis Cholesterin gestorben. Ich persönlich halte diese Möglichkeit für die wahrscheinlichere.
(Henning Mangold)
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