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Jerry Lucky

The Progressive Rock Handbook



The Progressive Rock Handbook

Informationen

Erscheinungsjahr: 2008
ISBN: 9781-894959-76-6
Verlag: Collectors Guide Publishing
Verlagsort: Burlington, Ontario, Canada


Rezensionen


Von: Nik Brückner


Jerry Lucky gehört nicht zu den Autoren, denen wir auf diesen Seiten Kränze winden und auch sein neuestes Buch, "The Progressive Rock Handbook", ist nicht dazu angetan.

Das geht schon damit los, dass das Buch nicht korrekturgelesen wurde. Da heißt es schon mal "Another words", wenn "In other words" gemeint ist, und es beschleicht einen der Verdacht, dass Lucky das Buch diktiert hat und er ein ziemlicher Murmler ist. An anderen Stellen hat man Deja-vus - Lucky hat einfach Passagen mehrfachverwendet.

Das Handbuch gliedert sich in zwei Teile. Voransteht ein einleitender Teil, der ein paar harte Fakten über Quellen, Einkaufsmöglichkeiten, Websites, Festivals und Genres ebenso enthält wie Luckys eigenen Gedanken zum Prog im Allgemeinen, es folgt eine Liste von 3300 Bands, die jeweils kurz beschrieben und mit einer Auswahldiskographie versehen sind. Dazu aber später.

Lucky ist ein Neoprog- und Symphonic-Fan. Das merkt man seinem Buch an allen Ecken und Enden an. So beginnt er gleich damit, 10 (oder so) Gründe für seine These zu versammeln, "Days of Future passed" von den Moody Blues sei das erste Prog-Album gewesen, ganz so als wäre das wichtig. Sicher hat das Album seinen schlechten Ruf nicht in allen Aspekten verdient, aber Luckys Apologetik ist wohl weniger der Notwendigkeit geschuldet, ein erstes Prog-Album auszumachen als vielmehr der Tatsache, dass er auf das Album steht. Viel interessanter wäre es gewesen, zu thematisieren, warum es eben kein erstes Album gab, und den fließenden Übergang von Proto-Prog zu Prog zu beschreiben.

Mag man über solche Dinge noch streiten können, disqualifiziert sich Lucky im nächsten Abschnitt selbst. Hier reagiert er auf die (vollkommen gerechtfertigte) Kritik an seinen letzten Büchern, sie seien zu oberflächlich (shallow) gewesen. Lucky nimmt diese Kritik zum Anlass, Plattenkritik mit Musikanalyse zu verwechseln (letztere wurde von seinen Lesern eingefordert, erstere nicht) und auf Kritiker loszugehen. Man kommt schon ins Gähnen, wenn man seine Argumente nur aufzählt: Kritiker hätten einen Neidkomplex, sie würden kritisieren, weil sie selbst keine Musik schreiben könnten, durch Kritik sei noch keine Band besser geworden und so weiter. Noch schlimmer: Lucky verwechselt zudem zwei Bedeutungen von Kritik: die neutrale, die auf Analyse und Beschreibung ausgerichtet ist, und die umgangssprachliche, die er, so macht es den Eindruck, mit "Niedermachen" gleichsetzt. Und so wurschtelt er sich seitenweise durch verquere Argumente, die letztlich absurderweise in der seiner eigenen Grundhaltung widersprechenden - aber korrekten - Aussage gipfeln, man solle Geschmack nicht mit Qualität verwechseln.

Es folgt die unvermeidliche Auseinandersetzung mit den zynischen Massenmedien und den Plattenläden, die Prog einfach nicht wahrnehmen wollen, Lucky schlägt vor, in Läden immer wieder nach der Prog-Abteilung zu fragen und bei Radiosendern anzurufen, ob sie nicht mal was Progressives spielen wollen. Lucky hilft uns diskriminierten Proghörern darüber hinaus dadurch, dass er uns für die 10 (oder so) häufigsten Vorwürfe gegen den Prog (er sei prätentiös, nicht progressiv, zitiere sich andauernd selbst etc.) handliche Gegenargumente liefert, damit wir endlich einmal zurückschlagen können.

Daraufhin psychologisiert er ein wenig über die unterschiedlichen genetisch-sozialen Dispositionen von Frauen und Männern zum Prog und die Frage, ob Qualität nicht vielleicht eine Sache des Alters ist: "Magie" (was immer das auch sei, Qualität ist jedenfalls etwas anderes) hätten vor allem die Alben, die wir in unserer Jugend gehört haben. Und er kommt zu dem Schluss, dass Yes' "Magnification" genauso gut ist wie "Close to the Edge", dass wir heute aber zu alt (zu erfahren? zu abgeklärt?) sind, um das zu (wie er sagen würde:) spüren.

Das Ganze mündet schließlich im Rahmen eines Genreüberblicks in eine zigseitige Apologetik des Neoprog, der letztlich einfach die Fortführung des Symphonic-Genres sei (korrekt), die aber wieder so verquer und subjektiv argumentiert, dass man Lucky passagenweise nicht mehr folgen kann. Sein Kreuzzug gegen die Neoprog-Verächter bleibt dabei derart oberflächlich, dass die meisten Argumente rein rhetorische sind (à la: Neoprog zitiert lediglich die großen Vorbilder? Welche Musik tut das denn nicht) und sich der Verdacht aufdrängt, dass Lucky nur deswegen Analyse und Kritik zu einem Feindbild vermischt, weil sie ihm selbst nicht besonders liegen.

Hauptteil des Buches sind dann die 3300 Artikelchen zu einzelnen Bands. Beispiel: Der Yes-Eintrag umfasst 11 Zeilen und 21 Diskographie-Einträge. Zu der Band fällt ihm ein, dass sie dem Symphonic-Genre zuzurechnen sei, dass die Keyboards "soaring" und der Bass "bottom end" (gerade das ist ja bekanntlich nicht der Fall) seien und dass sie lange Stücke produziert habe. In dieser Weise beschreibt er sämtliche Bands, bis runter zu solchen, die nur mal eine einzige selbstproduzierte Kassette veröffentlichten, zum Plattenkauf ist das in keinem Fall ausreichend.

Plattenkritiken sind nicht dazu da, den eigenen Neidkomplex auszuleben, sie sollen auch nicht die Musik oder die Künstler verbessern, sie haben den (alleinigen?) Zweck, Menschen bei der Kaufentscheidung zu helfen. Keiner der Artikel Luckys könnte das, was den Rückschluss erlaubt, dass sie keine Kritiken sind. Genau die hätte es aber gebraucht.

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