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Bernward Halbscheffel

Lexikon Progressive Rock. Musiker, Bands, Instrumente, Begriffe.



Lexikon Progressive Rock. Musiker, Bands, Instrumente, Begriffe.

Informationen

Erscheinungsjahr: 2010
ISBN:
Verlag: Halbscheffel Verlag
Verlagsort: Leipzig


Rezensionen


Von: Ralf J. Günther


Die meisten Nachschlagewerke zur Rockmusik sind entweder Plattenverzeichnisse oder bieten Band- und Musikerbiografien. Mit dem "Lexikon Progressive Rock" geht Bernward Halbscheffel teilweise andere Wege, denn das Buch enthält zusätzlich auch Sachartikel, z. B. zu Instrumenten, Labels oder Stilen. Halbscheffel profitiert dabei von einer langen publizistischen Tätigkeit: Er gehört zu den Mitarbeitern des seit den 70er Jahren mehrfach neu herausgegebenen rororo-Rocklexikons und des von Tibor Kneif begründeten "Sachlexikons Rockmusik". Von 2003-2009 war er zudem Mitarbeiter in der Brockhaus-Lexikonredaktion. Schon seine Doktorarbeit widmete sich übrigens dem Thema "Rockmusik und klassisch-romantische Bildungstradition" (vgl. hier).

Inzwischen betreibt Bernward Halbscheffel seinen eigenen Verlag und diverse Webseiten, darunter www.roxikon.de. Die Inhalte dieser Seite sowie verschiedene Artikel des Sachlexikons Rockmusik bilden die überarbeitete und erweiterte Basis für das neue Nachschlagewerk, das auf 459 Seiten das Phänomen Progressive Rock zu umreißen versucht. Natürlich ist das Internet heutzutage eine Informationsquelle, mit der ein Einzelner nur noch schwer konkurrieren kann. Aber Halbscheffels Buch ist glücklicherweise keine reine Faktographie, sondern trotz der Lexikon-Form so etwas wie ein "Lesebuch". Der Autor hält sich mit eigenen Wertungen nicht zurück, neigt auch wie wir alle dazu, seine eigenen musikalischen Favoriten (z. B. Porcupine Tree) für musikalisch besonders bedeutsam zu halten, so dass man sich über viele Urteile abwechselnd nach Herzenslust freuen oder ärgern kann - beste Voraussetzungen für anregende Lektüre und fürs Nach-Denken.

Eine Mischung aus Personen- und Sachlexikon erscheint mir für das Thema ideal. Bei der Auswahl der Sachartikel wäre es aber sinnvoll, einige der musikalischen Allgemeinbegriffe wie "Dur" oder "Dreiklang" wegzulassen, um das Buch dafür in sich besser abzurunden. Denn es ist etwas frustrierend, wenn man unter dem Stichwort "Progressive Rock" z. B. erfährt, dass hier viele Kompositionen dem "Chaconne-Modell" folgen - es dazu aber keine Erläuterung gibt, weil das Stichwort "Chaconne" im Lexikon fehlt. (Dass man im Eintrag "Ostinater Bass" zumindest ein bisschen fündig wird, setzt bereits Kenntnisse voraus, die das Lexikon ja eigentlich vermitteln sollte.)

Halbscheffel vertritt die Ansicht, dass der Progressive Rock in seinem musikalischen Material selten über die Musik der Spätromantik hinauskommt. Daran ist natürlich - gerade im Hinblick auf die klassischen Bands wie Yes oder ELP - einiges dran. Man sollte trotzdem aufpassen, dass diese Sichtweise nicht irgendwann zum musikwissenschaftlichen Klischee gerinnt bzw. zu einer Art self-fulfilling prophecy wird. Die Bands und Stilrichtungen, denen das Lexikon seine überwiegende (nicht alleinige!) Aufmerksamkeit widmet, sind sicher geeignet, obige These zu unterstreichen. Denn der britische und amerikanische Prog-Mainstream ist ziemlich dominant vertreten. Auf diese Weise beißt sich die spätromantische Katze aber ein paar Mal zu oft in den eigenen Schwanz. Es hätte dem Buch gut getan, mit einer größeren geografischen auch eine größere musikalische Vielfalt ins Auge zu fassen. Immerhin: Skandinavien und Deutschland kommen noch recht häufig vor, ebenso die Niederlande (letztere allerdings nicht zuletzt wegen einer merkwürdigen Überrepräsentation der verschiedenen Projekte von Arjen Lucassen).

Vieles andere ist hingegen nur sehr schwach vertreten, Italien zum Beispiel, wo eine Gruppe wie Area schon in den 70ern selten ins spätromantische, dafür aber öfter mal ins avantgardistische Töpfchen griff. Auch der aus Frankreich stammende Zeuhl findet bei Halbscheffel nur geringe Berücksichtigung. Der Autor weist zwar darauf hin, dass diese einst von Magma initiierte Musik heute zum Beispiel in Japan sehr lebendig ist, er nennt dafür aber keine konkreten Beispiele. Die vielfältige japanische Progszene wird in dem Buch nicht behandelt - und zwar weder in ihren spätromantischen Ausprägungen (die es in Japan natürlich auch gibt) noch in ihren zeuhlig-punkig-jazzigen Varianten (à la Ruins), bei der sich das musikalische Material schlecht als Fortschreibung des 19. Jahrhunderts deuten lässt.

Halbscheffel stellt selbst fest, dass der Progressive Rock sich heutzutage wieder in einer Art "Underground" bewegt (einem dank des Internets allerdings ziemlich öffentlichen und globalen Underground). Zu diesem aus historischen und aktuellen Quellen gespeisten Underground gehören aber Bands wie Area, Ruins, Le Silo oder Alboth doch wohl ebenso sehr wie Pendragon, Arena, IQ und die Flower Kings - Gruppen, denen in dem Lexikon bemerkenswert viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Dass der Neo- und Retroprog ein paar mehr Fans hat als Zeuhl und andere unkonventonelle Spielarten rechtfertigt diese starke Gewichtung m. E. nicht. Gemessen am Gesamtmusikmarkt sind alle genannten Bands gleichermaßen bedeutungslos. Es sollte also in einem Lexikon zum Progressive Rock nicht nur um musikalische Wirkungen, sondern auch um musikalische Möglichkeiten gehen - und die weisen im "Prog" eben doch nicht immer nur ins 19. Jahrhundert zurück, nicht mal bei den Genre-Klassikern.

Das alles schmälert die Verdienste des Buches schon allein deshalb nicht, weil es begrüßenswert ist, dass überhaupt jemand den Mut zu einer solchen Publikation gefunden hat. Für Leser und Macher der BBS ist der Band eine nützliche Anschaffung, um im Thema Progressive Rock sattelfester zu werden - ob nun in Übereinstimmung oder im Widerspruch zu Halbscheffels Sichtweisen. Zu haben ist das Buch nicht im Buchhandel, sondern zum Preis von 35 Euro inklusive Versand nur beim Verlag direkt (www.halbscheffel.de).

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Von: Nik Brückner


Es ist schwer, ein so verdienstvolles Unterfangen wie das "Lexikon Progressive Rock", das zudem vermutlich kaum Käufer finden wird, zu kritisieren, weil man dadurch Gefahr läuft, dem Werk weitere mögliche Leser vorzuenthalten. Deshalb sei gleich vorweg gesagt, dass die einzelnen Kritikpunkte, die ich im Folgenden Ralfs wie immer äußerst treffsicherer Besprechung hinzufügen will, den Wert des Gesamtwerks nur punktuell schmälern und, was viel wichtiger ist, ohne Weiteres in jener zweiten Auflage zu beheben wären, die wir alle Bernward Halbscheffels "Lexikon Progressive Rock" wünschen.

Ralf hat, wie gesagt, die großen Verdienste des Lexikons bereits angesprochen: Die ebenso ungewöhnliche wie einleuchtende und erhellende Anlage (klar, was leuchtet macht hell), die nicht nur ein Nachschlagen, sondern (mir) auch ein Lernen ermöglicht, die Einordnung progrocklicher Phänomene in einen breiteren musikalischen Kontext sowie die teilweise glänzenden Einschätzungen und Urteile des Autors. Umso mehr fallen einige Unsauberkeiten auf, die eigentlich mit relativ wenig Mehraufwand hätten behoben werden können. Vom Korrekturlesen will ich gar nicht reden, obwohl es schon sehr auffällt, dass dieser eigentlich selbstverständliche Arbeitsgang bei dieser Veröffentlichung weggefallen ist. Was mich eher stört, ist, dass die Entstehung des Werks beim Lesen so augenfällig wird: Die Artikel wirken kompiliert und zu wenig aufeinander abgestimmt: Sie sind ganz offensichtlich zu sehr unterschiedlichen Zeiten entstanden und vor der Veröffentlichung nicht mehr überarbeitet worden. Kein Wunder eigentlich, ist hier doch das Roxikon (s. Ralfs Rezension) zum Lexikon gemacht worden. Diese Heterogenität schlägt sich sowohl in der allzu oft mit einem Hauch der 70er daherkommenden Sprache nieder (wenn etwa Popmusik beharrlich "Pop music" heißen muss), als auch im jeweils in die Artikel eingehenden Wissensstand. Der Artikel "Yes" z. B. ist bis 1980 äußerst fundiert, danach aber nahezu reine Phantasie, was sich z. B. in der seit den frühen Auflagen des nahe verwandten Rock-Lexikons mitgeschleppten Legende manifestiert, Eddie Jobson wäre in den 80ern mit Yes auf Tour gewesen. Auch fallen Urteile wie das, es gebe in jüngerer Zeit keine Zusammenarbeit zwischen Prog-Bands und Orchestern mehr, vor allem Hörern von Yes, Isildurs Bane oder Terry Bozzio auf, die sich in den letzten Jahren über genau solche Alben freuen durften.

Darüber hinaus stehen den bereits angesprochenen oft glänzend scharfen, fundierten und selbst für alte Hasen noch überraschend einleuchtenden Einschätzungen Halbscheffels hin und wieder recht schräge Urteile gegenüber: So verwundert beispielsweise die Behauptung, die Cover von Hipgnosis stünden in keinem Fall mit der Musik, die sie umhüllen, in Zusammenhang: Genau dieser ist jedoch seit Jahren in mehreren Publikationen nachzulesen. Auch die immer mal wieder absurde Züge annehmende Überschätzung der Band Porcupine Tree findet hier Eingang: Sie sei die derzeit bedeutendste Progband (was immer "bedeutend" bedeutet) - ein Urteil, das angesichts der Popularität der (ebenfalls im Lexikon vertretenen) Band Tool weit über den Prog-Hörerkreis hinaus mit einigem Recht bezweifelt werden darf. Immerhin verkaufen Tool an die 30 Mal mehr Tonträger. Die Fähigkeit zum klaren klaren Urteil ist umso wichtiger, je mehr Geschwafel kursiert, das wird in einer derart von wirtschaftlichen Erwägungen abhängigen Branche wie der Unterhaltungsindustrie, wo sich Magazine und Plattenfirmen - sagen wir - eng umschlungen an den jeweils anderen klammern, besonders deutlich. Aber Urteile müssen durch eine ausreichende Menge an Informationen fundiert sein, und die fehlt hier. Vielleicht ein Zeichen für den mangelnden Kontakt des Autors zur Prog-Szene?

Wie dem auch sei: Bernward Halbscheffel hat in jedem Fall ein verdienstvolles und umfangreiches Werk vorgelegt, das seinesgleichen wohl noch auf Jahre hinaus suchen wird - und das nicht nur im deutschsprachigen Raum. Die angesprochenen Mängel sind für sich genommen geringfügig und fallen allenfalls beim Kreuz- und Querschmökern aufgrund ihrer großen Zahl auf - beheben ließen sie sich ebenso leicht wie man die eigentlich progunabhängigen Artikel (z. B. "Klavier", "Tonart" oder "G") auf Prog trimmen könnte: etwa durch (zusätzliche) Beispiele aus dem Prog. Eine Leseempfehlung kann die gleichzeitige Empfehlung, beim Lesen vorsichtig zu sein, nicht schmälern!

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Von: Ralf J. Günther


Im Herbst 2013 liegt das "Lexikon Progressive Rock" in erweiterter Neuauflage vor. Der Autor hat dabei eine Reihe überflüssiger Einträge getilgt, insbesondere die Erklärung von Tonartbezeichnungen oder Tongeschlechtern, zu denen ein Lexikon über Progressive Rock nichts Spezifisches beizutragen vermag. Stattdessen sind neue Artikel hinzugekommen wie etwa der über Polyrhythmik, der zutreffenderweise betont, dass der Prog darauf nicht einmal im Bereich der Rockmusik ein Monopol beanspruchen kann.

Neu erfunden hat Halbscheffel sein Lexikon nicht, es handelt sich um eine aktualisierte Fortschreibung, die offenbar durch eine ensprechende Nachfrage seitens interessierter Leser ausgelöst wurde. Kein schlechtes Zeichen, wenn man bedenkt, dass seit der letzten Auflage gerade einmal drei Jahre vergangen sind.

Der Band hat jetzt statt rund 460 genau 560 Seiten, was übrigens allein dem Textteil zugutekommt, denn ein Register fehlt diesmal, soll aber - so zumindest der Plan - als Download im Netz nachgeliefert werden. Um den Zusammenhang mit seinem Buch Progressive Rock. Die Ernste Musik der Popmusik zu betonen, hat Halbscheffel die Neuauflage des Lexikons dem größeren Format des Zwillingsbuches angepasst.

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Von: Nik Brückner


Neulich schreibt mich Bernward Halbscheffel an und fragt, ob ich Interesse an der zweiten Auflage seines Lexikons "Progressive Rock" hätte. In seiner bescheidenen Art schrieb er, er habe hier und da mal ein bisschen drübergesehen, nichts gravierendes, und es brauche eigentlich keine neue Rezension.

Au contraire!

Halbscheffel hat den Band nicht nur mit feinzinkiger Gabel ausgemistet, er hat ihn auch auf den neusten Stand gebracht. So gibt es nun nicht nur Artikel zu aktuellen bis aktuellsten Bands wie Nosound, Knight Area oder Flying Colors, es sind auch alte Artikel runderneuert worden. Der Eintrag zu Yes enthält sogar einen Verweis auf Steven Wilsons Remix von "Close to the Edge" – der noch gar nicht erschienen ist.

Daneben setzt sich die in Halbscheffels Publikationen beobachtbare Tendenz fort, sich neueren Strömungen des Progressive Rocks zu öffnen. So findet sich hier Wissenswertes über Retroprog, Neoprog und New Artrock auch jenseits von Procupine Tree und Steven Wilson, deren Karriere Halbscheffel ja schon eine ganze Weile verfolgt. Er wirft sogar einen Blick auf den Progmetal, wenn auch noch sehr zurückhaltend. Eine seltsame Vorstellung, Bernward Halbscheffel beim Hören eines Death-Albums – aber dann auch wieder nicht!

Dabei hat sich Halbscheffel seinen klaren Blick ebenso bewahrt wie seine immer wieder erfrischende Fähigkeit, seine Beobachtungen in messerscharfe Formulierungen zu gießen. So schreibt er im Artikel "Progressive Rock": "Was der Fan oft übersieht: Bezeichnungen und Begriffe in der Rock- und Popmusik entstehen nicht, sondern sie werden gemacht und die Benennung eines musikalischen Sachverhaltes steht dabei keineswegs im Vordergrund" und entwickelt daraus eine Geschichte des Genres weniger als Stilgeschichte, sondern konsequent als Geschichte eines funktional ausgerichteten Inventars rockmusikalischer Mittel, die spätestens seit 1974 nahezu vollständig ausformuliert zur Verfügung stehen und seither von immer neuen Bands immer wieder neu, meist aber einfach nur anders zusammengesetzt werden, mal für einen "Massenmarkt von Ahnungslosen", mal haarscharf daran vorbei.

Dass es auch anders geht, zeigen ja eigentlich die RIO/Avant-Bands, die Halbscheffel (bis auf Art Bears und Henry Cow) aber erneut weitgehend ausblendet. Eine Erklärung dafür (neben ihrer vergleichsweise geringen Marktrelevanz) mag seine äußerst erhellende Problematisierung des Avantgarde-Begriffes in der Rockmusik liefern, dennoch wäre eine Ergänzung des Lexikons in dieser Richtung wünschenswert, schon allein deswegen, weil das Schrifttum über diese Spielart des Progressive Rock nicht gerade viele Seite umfasst und Halbscheffel mit seinem wissenschaftlichen Instrumentarium hier sicherlich so einiges zutage fördern könnte. Im Gegenzug könnte man etwa Artikel zu Ablegern von Mostly Autumn streichen.

Interessant wären auch, zumal in einem deutschen Lexikon, Artikel zum Eclipsed bzw. zu Fanzines im Allgemeinen (das englische "Prog" ist als wichtigste Zeitschrift zum Thema natürlich erwähnt), oder zur Würzburger Konzertreihe Freakshow (auch die Night of the Prog und das High-Voltage-Festival sind mit eigenen Artikeln vertreten). Trotz dieser - lässlichen! - Lücken (auch Artikel zur Postmoderne in der Musik oder zur Rolle des Internets ließen sich ergänzen) kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die zweite Auflage des Lexikons Progressive Rock zur Zeit die herausragende Publikation zum Thema in deutscher Sprache ist.

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