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Gregory Richard McCandless

Rhythm and Meter in the Music of Dream Theater

über: Dream Theater



Informationen

Erscheinungsjahr: 2009 (Dissertation an der Florida State University)
ISBN:
Verlag:
Verlagsort:


Rezensionen


Von: Nik Brückner


Greg McCandless legt die erste wissenschaftliche Arbeit über Dream Theater vor, seine Dissertation "Rhythm and Meter in the Music of Dream Theater", 2009 fertiggestellt und unter dem obigen Link für jedermann/frau kostenlos downzuloaden. Keine Sorge, auch wenn die Versuchung groß ist, ich werde mich jeglicher Guttenbergwitze enthalten: McCandless ist weder ein kleiner Angeber noch ein großer Betrüger, er hat die Arbeit selbst geschrieben - als wissenschaftlichem Pionier auf dem Forschungsgebiet Dream Theater blieb ihm auch nichts anderes übrig.

Und diese Arbeit dürfte für eine ganze Weile grundlegend bleiben, nicht nur als Standardwerk für jeden, der sich näher mit Dream Theater beschäftigen will, nein auch als Standardwerk für jeden Progstudenten. Denn mit "Rhythm and Meter" rückt McCandless den Focus auf die bestimmenden Progkriterien schlechthin. So zumindest seine Argumentation: Er schließt sich damit Durrell Bowman an, der in seiner Dissertation über Rush (2002) zeigte, dass metrische und rhythmische Komplexität das entscheidende Kriterium für Prog ist (zumindest bei Rush).

Bevor McCandless jedoch ausführlich auf diesen Aspekt von Dream Theaters Musik zu sprechen kommt, stellt er die Band in einer dankenswert kurzen Bandgeschichte/Diskographie vor. Es folgt ein Überblick über die Forschungliteratur und eine Einführung in seine Methodik. Interessant ist dabei sein im Progbereich neuartiger Ansatz: McCandless bringt in seine Beschreibungen seine persönlichen Höreindrücke ein. Nein, keine Angst, es folgt kein Einbruch hermetischer Subjektivität in die Progforschung, nein, es geht um beschreibbare Höreindrücke, die hier zur Diskussion gestellt werden. Beispiel: Die Band spielt ein Riff über mehrere Takte hinweg und mittendrin wechselt Schlagzeuger Portnoy den Rhythmus. DT-Fans wissen, was ich meine. Die Frage, die sich stellt ist: bis wohin hört man noch den alten Rhythmus und empfindet Portnoys neues Pattern als störend? Und ab wann hat man sich an die rhythmische Neuinterpretation des Riffs gewöhnt? McCandless' Überlegungen spielen sich auf dieser Ebene ab, und das müssen sie auch, denn schließlich fließen sie in seine Notationen ein, die die von ihm beschriebenen Beispiele illustrieren.

In einem ersten Hauptteil geht McCandless dann auf die wichtigsten stilistischen Charakteristika der Band ein. Und obwohl er diese klar herausarbeitet, verwundert es den Leser doch, wie klar er die Grenze zwischen Metal und Prog zu ziehen vermag. Klarheit dient der Verständlichkeit seines Textes, aber wenn diese klare Grenze quer durch ganze Songs gezogen wird, weil der Instrumentalteil rhythmisch komplex ist, der Vokalteil aber nicht, wirkt das doch etwas zu rigide (auch wenn es mir doch auf seltsame Weise sympathisch ist...). Aber McCandless lässt sich nicht beirren und spitzt diese Herangehensweise auch noch in einer Graphik zu, in der er sämtliche DT-Alben auf einem Graphen zwischen den Extrempunkten Prog und Metal anordnet. Spätestens hier überspannt er den analytisch-interpretatorischen Bogen.

Aber für seine weiteren Ausführungen hat das keinerlei Auswirkungen. Denn nun geht McCandless in die Vollen. Minutiös setzt er dem Leser die metrischen und rhythmischen Stilmittel der Band auseinander, darunter auch das vielen Fans sicherlich schon bekannte "DT-Motiv": Eine rhythmische Figur wird ein erstes Mal gespielt, bei einer ersten Wiederholung um wenige Töne nach hinten erweitert, bei einer zweiten Wiederholung wird erneut das Ausgangsmotiv gespielt, nur um schließlich bei der dritten und letzten Wiederholung noch weiter ausgebaut zu werden. Dream Theater erzeugen so ein Stolpern beim Hörer, der gezwungen ist, sich solche Stellen in mehrmaligen Hördurchläufen nach und nach mühsam zu erarbeiten, wenn er verstehen will, was die Band da macht - und nicht nur staunend mit heruntergeklapptem Kiefer davorstehen will. Womit wir wieder beim Höreindruck wären.

McCandless wartet mit einer ganzen Liste solcher Mittel auf, darunter natürlich auch polyrhythmische und polymetrische Spielweisen und die Reinterpretation von Riffs durch immer neue Schlagzeugpatterns, für die Portnoy ja berühmt ist. Wie weit man dieses Spiel treiben kann, zeigt er am Beispiel des Songs "Sacrified Sons" vom Album "Octavarium", dessen zentrales Riff im Verlauf des Stückes in nicht weniger als sechs verschiedene rhythmisch/metrische Kontexte gesetzt wird. Zusammen mit "Constant Motion" von "Systematic Chaos" dient dieser Song als Beispiel, anhand dessen in einem letzten Hauptabschnitt die vorher genannten metrischen und rhythmischen Stilmittel quasi am lebenden Objekt vorgeführt werden.

Doch damit nicht genug: In einem Anhang, der allein McCandless Monate an Arbeit gekostet haben muss, bringt er einen tabellarischen Überblick über metrische Phänomene in Dream Theaters Musik von "When Dream and Day unite" bis "Systematic Chaos", Song für Song.

Im Ganzen eine wirklich hervorragende Arbeit, die vom Leser zwar Einiges fordert, ihn aber im Tausch mit einem deutlich tieferen Verständnis der Musik Dream Theaters im Besonderen und des Progressive Rock im Allgemeinen belohnt.

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