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eclipsed-Redaktion

Rock. Ein eclipsed-Buch. Das Gesamtwerk der größten Rock-Acts im Check: alle Alben, alle Songs



Rock. Ein eclipsed-Buch. Das Gesamtwerk der größten Rock-Acts im Check: alle Alben, alle Songs

Informationen

Erscheinungsjahr: 2013
ISBN: 978-3868526462
Verlag: Sysyphus
Verlagsort: Aschaffenburg


Rezensionen


Von: Nik Brückner


Ein Eclipsed-Buch!

Eine knappe Autostunde von da wo ich schreibe, wird seit Jahren das Magazin „Eclipsed“ hergestellt. In all dieser Zeit hat sich bei den Machern eine immense Kompetenz angesammelt, die in einem Heft, das jeden Monat auf 106 Seiten durchaus auch beschränkt ist, nicht immer so zur Geltung kommen kann, wie sie könnte. Gerade die Bewertungen sind da ein Punkt, an dem sich viele reiben. Doch was sollen die Macher des Hefts tun? Wir können uns hier auf den ebenso virtuellen wie unbegrenzten babyblauen Seiten endlos auslassen (und ich selbst bin unter den Sündern der erste) - im Eclipsed darf eine Rezension 5x11cm nicht überschreiten. Da muss man schnell zum Punkt kommen – für eine differenzierte Betrachtung bleibt da wenig Raum. Die Macher versuchen, das mit so genannten Einkaufszetteln auszugleichen, doch auch die müssen sich auf zwei, drei Seiten beschränken. Immerhin ist diese Rubrik mittlerweile zum Klassiker avanciert: Die Alben eines Künstlers werden in die sechs Kategorien „Kaufrausch“, „Pflichtkauf“, „Qualitätskauf“, „Verlegenheitskauf“, Fehlkauf“ und „Außer Konkurrenz“ eingeordnet und prägnant besprochen.

Doch auch dabei ist Kürze geboten, und so haben die Macher des Hefts nun aus ihrer Not eine Tugend gemacht: Sie stellen „alle Alben, alle Songs“ von 20 Bands in einem schwergewichtigen, 260seitigen Einkaufs-äh-Zettelblock (29,7cm x 24cm!) vor: David Bowie, Kate Bush, Can, Alice Cooper, Deep Purple, The Doors, Genesis, Jimi Hendrix, Jethro Tull, King Crimson, Kraftwerk, Led Zeppelin, Manfred Mann's Earth Band, Marillion, Pink Floyd, Queen, The Rolling Stones, Rush, Yes und Neil Young sind die Künstler, um die es hier geht. Sechs davon kann man zum Prog im engeren Sinne, drei weitere zum Prog im weiteren Sinne rechnen. Ich fokussiere im Folgenden vor allem auf die Kapitel zu den Progbands.

Zu jeder Band gibt es zunächst eine knappe Einleitung, in der die Bandgeschichte zusammengefasst wird. Gut so, denn die Geschichte jeder dieser Bands ist zig Mal musikjournalistisch aufgearbeitet worden, wie der Auswahlbibliographie am Ende des Bandes zu entnehmen ist. Da braucht es kein wortreiches Wiederkäuen durch die Eclipsed-Kollegen. In einem Kasten finden sich Hard Facts: Gründungsjahr, Bandmitglieder, Katalog, Nebenprojekte, solche Dinge.

Interessant ist dann eine Timeline, die, die Wertungskategorien des Hefts übernehmend, die auf einem Zeitstrahl angeordneten Studioalben der Band tabellarisch rankt. Natürlich ist diese Art der starken Verkürzung des Blickwinkels äußerst provokant: Queens „The Works“ soll genauso beschissen sein wie „Hot Space“? Yes’ „Magnifuckation“ genauso gut wie „Tales from Topographic Oceans“? Natürlich nicht! Und genau darin liegt der Sinn eines solchen Rankings: Es regt zur Diskussion an. Richtig sein muss es dafür gar nicht – gut dagegen schon.

Und darum werden auf den folgenden Seiten nun all die Alben dieser Tabelle eingehender besprochen. In der Kaufrausch-Kategorie teilen sich dabei je zwei Alben eine Seite, in den anderen Kategorien sind es vier. Zwei Spalten Bewertung werden dabei ergänzt durch einen Kasten mit Hard Facts: Veröffentlichungstermin, Lineup, Produzent, Studio, Laufzeit, solche Infos sind selbstverständlich, besonders interessant sind aber die Remaster-Tipps (bei der unübersichtlichen Flut an Reissues für Einsteiger äußerst hilfreich) und die Rubrik „Gut zu wissen“, die Wissenswertes, aber auch Skurriles und Witziges versammelt. Ergänzend kommen in Auswahl ein paar Pressestimmen und Äußerungen der Musiker hinzu. Und natürlich sind die Songs noch mal einzeln gerankt.

Über die Seiten verstreut finden sich weitere Listen: Die Top 30 Songs, spannender die Top 5 Bonustracks, die Top 5 für Freaks (das sind Insidertipps wie Remixes, veröffentlichte Demos oder skurrile Liveaufnahmen) und die Top-5-Alben für Einsteiger. Hinzu treten „Ausserdem“-Kästen, in denen z. B. Box-Sets besprochen werden, des weiteren Besetzungstimelines, Single-Charts mit den erfolgreichsten Auskopplungen und als schlichte Liste eine komplette Diskographie mit Studio-Alben, Live-Alben, Compilations, Videos/DVDs, Box Sets und so weiter. Sehr interessant finde ich die jeweils erschwingliche acht Alben umfassende Liste artverwandter Alben, weil dies dem intuitiven Weg, auf dem die Leute sich neue Musik erarbeiten, wohl am ehesten entspricht. Hier erscheinen etwa bei Genesis die Bands England, IQ und It Bites, bei Yes Glass Hammer, Spock’s Beard und Moth Vellum – aber auch Dream Theater und Brufords „Feels good to me“ – es wurde also offensichtlich auf die größtmögliche stilistische Bandbreite Wert gelegt. Gut so!

In den gleichen Zusammenhang gehört eine Art Stil-Stammbaum, der musikalische Wurzeln, Einflüsse der Zeitgenossen und die Wirkung auf Nachfolger übersichtsartig darstellt. Das ist in seiner Knappheit leider kaum zu gebrauchen, hier bedürfte es eines ausführlichen Kommentars dazu, worin die stilistische Verwandtschaft besteht. Man kann nicht einfach erklären, dass Yes mit Miles Davis, Jean Sibelius und CSN etwas gemeinsam haben. Was wäre das? Ein Bandstammbaum wäre stattdessen (oder zusätzlich?) interessanter gewesen: Wie sind Yes, ELP, Asia, GTR, Genesis personell verwandt? Auch auf diese Weise lassen sich stilistische Bezüge nachvollziehen und Hörbiographien entwickeln, auf etwas handfesterer Grundlage.

Aber das ist tatsächlich meine einzige Kritik an diesem Band. Denn, um es auf den Punkt zu bringen: Das Buch gefällt mir weitaus besser als das Heft, einfach, weil die Autoren hier mal den Platz haben, sich auszutoben. „Rock“ ist mit seinem Ansatz, mit seiner Aufmachung und mit seinen spannenden Seitenblicken in der gesamten Progliteratur einzigartig, und das nicht nur im deutschsprachigen Raum. Es bringt mit seinem Fokus auf der Musikkritik, seinen bunten Rubriken und seinem schwungvollen Stil frischen Wind in ein oft recht schwerblütiges Musikliteraturgenre. Die Bewertungen sind ebenso provokant wie kompetent: Provokant, weil sie einem hin und wieder den Kamm anschwellen lassen und damit genau die Reaktion erzeugen, die es braucht: Aufmerksamkeit und kritisches Hinterfragen (auch der eigenen Meinung); und kompetent, was es äußerst interessant macht, nach Gegenargumenten zu suchen. Es sind Rubriken wie „Gut zu wissen“ oder „Top 5 für Freaks“, die das profunde Wissen der Macher jenseits googlebarer Information unter Beweis stellen.

Das Eclipsed wird immer wieder kritisiert: Aus der Prog-Ecke kommt der Vorwurf, es sei zu sehr ein AOR-Heft, aus der AOR-Ecke heißt es, es sei zu sehr ein Prog-Heft. Doch das ist Unsinn. Die Jungs wissen schon sehr genau, was sie tun. Das Eclipsed kann nicht nur über Present, Aranis und mirthKon berichten, schließlich wollen die Macher nicht Pleite gehen. Und es kann nicht nur über Hendrix, Uriah Heep und Manfred Mann berichten, denn das machen schon alle anderen, und die Macher wollen schließlich nicht… - genau. Wenn das Eclipsed aber doch ein wenig aufpassen muss, dann weil immer ein wenig die Gefahr besteht, zum Altherrenheft zu werden. Das wird bei diesem Buch, dass den Fokus des Hefts in konzentrierter Form umso sichtbarer macht, besonders deutlich: Es entspricht dem Gewicht des Bandes, wie etabliert sein Inhalt doch ist. Die jüngste hier vertretene Band ist Marillion – und die ist vierunddreißig Jahre alt. Einige andere sind gar seit Äonen nicht mehr aktiv. Bleibt also zu hoffen, dass im bereits konzipierten zweiten Band neben den hier sträflich ignorierten Beatles (immer noch die größte Band aller Zeiten) und ELP (in den 70ern eine der fünf bestverdienenden Bands weltweit) auch ein paar jüngere, noch aktive Bands Platz finden. Kandidaten gibt es mit Dream Theater, Spock’s Beard oder Porcupine Tree genug. Die sind deutlich jünger und trotzdem etabliert. Dies kann allerdings wiederum keine Kritik an den Machern von Heft und Buch alleine sein, denn es ist nahezu das gesamte Progschrifttum, das immer noch suggeriert, dass es nach 1978 keine relevanten (Progressive) Rock mehr gegeben habe: implizit, schlicht und einfach dadurch, dass es jüngere Bands ignoriert. Aber das ist ein Thema für einen anderen Ort.

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Von: Christian Rode


Rock - lautet der Titel. Und dieses Buch liegt tatsächlich wie ein Fels in der Hand. Kollege Brückner hat dieses „Gesamtwerk der größten Rock-Acts im Check“ ausführlich beschrieben. Und dem ist - was die opulente Ausstattung betrifft - nichts hinzuzufügen. Alle rein musikalischen Veröffentlichungen werden besprochen, nicht so vollständig sieht es bei den DVDs aus. Und auch wer die monatlichen Einkaufszettel im Eclipsed schon kennt, kommt an diesem Monumentalwerk mit seinen vielen sinnvollen Erweiterungen nicht vorbei. Von daher vorab eine klare Kaufempfehlung auch meinerseits: irgendwo zwischen Pflicht- und Qualitätskauf!

Ich möchte nur ein wenig den Blick auf kritische Punkte lenken, die m. E. etwas mehr Augenmerk verdienen. Da ist zum einen die Auswahl der Musiker. Ich komme immerhin auf etwa ein Dutzend Acts, die für den Leser unserer babyblauen Seiten von Interesse sein dürften! Und auch der Rest hat im großen und ganzen aufgrund seiner rockhistorischen Bedeutung gewiss Interesse verdient. Dennoch kann man sich fragen, wer fehlt und wer vielleicht nicht so dringend unter den „größten Rock-Acts“ zu finden sein sollte. Okay, es ist der erste Band, wie auf dem Titelblatt zu lesen ist. Daher darf man vielleicht hoffen, dass im zweiten Band auch wegweisende Rock-Acts des behandelten Zeitraums wie die Beatles, die Beach Boys, Tangerine Dream, ELP, The Who, Zappa, Dylan und Black Sabbath zu finden sein werden. Da ist also noch jede Menge Stoff für einen weiteren „Rock“ drin. Zudem ist der behandelte Zeitraum sicher ausbaubar und könnte mit großen Bands der letzten 30 Jahre angereichert werden. Aus diesem Zeitraum findet sich inkonsequenterweise nur Marillion im Buch wieder, was vermutlich den Vorlieben der Redaktion geschuldet ist. Selbigen Vorlieben ist wohl auch die Aufnahme von Alice Cooper und Kate Bush zu verdanken.

„Die Bewertungen sind ebenso provokant wie kompetent: Provokant, weil sie einem hin und wieder den Kamm anschwellen lassen und damit genau die Reaktion erzeugen, die es braucht: Aufmerksamkeit und kritisches Hinterfragen (auch der eigenen Meinung).“ So ist es. Aber von einem solchen Werk wie „Rock“ erwarte ich nicht nur Spaß am Schmökern und Anstöße zur eigenen Reflexion, sondern auch kompetente Kaufempfehlungen. Die Redaktion macht ihre Sache dabei im allgemeinen nicht schlecht. Und sie hat es sich auch nicht leicht gemacht: „Es war teilweise ein hartes Ringen: Bei manchen Songs wurde um jeden Punkt gekämpft und lange keine Einigung erzielt.“ erläutert die Redaktion ihr Vorgehen im Vorwort. Manchmal scheint dabei jedoch ein „fauler Kompromiss“ erzielt worden zu sein. Bei der Leib- und Magenband des „Eclipsed“ stört mich, dass die außerordentlich guten und einflussreichen frühen psychedelischen Alben der Band nur zwischen Pflicht- und Qualitätskauf rangieren. Und bei den Rolling Stones sollen die ersten beiden Alben, gespickt mit Coverversionen, die psychedelischen Alben der Stones aus dem Jahr 1967 „Between the Buttons“ und „Their Satanic Majesties Request“ überflügeln. Seit wann schätzt das Eclipsed die Psychedelia so gering ein?

Aber es gibt Gewichtigeres: Bei King Crimson werden die Alben der Jahre 1970 und 1971 nur im mittleren Feld angesiedelt, da wo in den 80ern „Beat“ zu finden ist. „Starless and Bible Black“ hingegen, das „Verlegenheitsprodukt“ des Jahres 1974 wird mit „Red“ und „In the Court“ in den Kaufrausch befördert, während das ungleich bedeutendere „Larks' Tongues in Aspic“ nur als Pflichtkauf erscheint. Und bei Rush schafft es „Hemispheres“ nicht in den „Kaufrausch“ (wie „2112“, „Moving Pictures“ oder „Grace under Pressure“) und „A Farewell to Kings“ und „Permanent Waves“ verfehlen selbst den Pflichtkauf. Last not least scheint sich in der Redaktion eine Ablehnungsfront gegenüber Yes „Tales from Topographic Oceans“ gebildet zu haben, die diesen Prog-Meilenstein auf eine Stufe mit „Tormato“ stellt (Qualitätskauf). Da sind aus meiner Sicht also schon einige ärgerliche „Schnitzer“ dabei. Und ich denke, es werden nicht wenige Prog-Fans zu einem ähnlichen Urteil kommen.

Nichtsdestotrotz: „Rock“ ist ein Buch, um sich zu unterhalten und sich inspirieren zu lassen. Ein wirklich repräsentatives Buch für den Bücherschrank, das man gerne zur Hand nimmt, weil es wirklich sehr umfassend informiert und - von den genannten Ausrutschern abgesehen - wirklich kompetente Kaufberatung bietet.

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