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Mike Rutherford

The Living Years

über: Mike Rutherford



The Living Years

Informationen

Erscheinungsjahr: 2014
ISBN: 978-1-4721-0981-1
Verlag: Constable & Robinson
Verlagsort: London


Rezensionen


Von: Günter Schote


Als mir das Internet ein Buch von Mike Rutherford mit dem Titel „The Living Years“ ankündigte, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Wenngleich der Bassist und Bartträger so eine Art stiller Star seiner Stammband war, hatte er bei mir nie den Ruf eines wilden Rockers, dessen Memoiren ich verschlingen würde. Zudem hat mich seine Zweitband Mike & the Mechanics nie groß interessiert. Einst äußerte er in einem Interview, dass der Song „The Living Years“ von seinem kurz zuvor verstorbenen Vater bzw. seinem Verhältnis zu ihm handelt. Nun also ein Buch gleichen Namens. Die Karriere der Mechaniker und ein melancholischer Nachruf auf seinen Vater…dies klang nicht sehr spannend…Vorbestellt habe ich ohne große Erwartungen.

Und dies war alles andere als ein Fehler, denn „The Living Years“ präsentiert sich als Genesis-Buch, ein essentielles geradezu, das nüchtern und ohne aufgesetzten Humor, das Sozialleben innerhalb der Band aus der Sicht Rutherfords beschreibt. Rutherford entpuppt sich dabei als alles andere als ein Langweiler. Selbst die Passagen, die von seinem Daddy handeln, haben bis auf die ganz frühen Rückblicke in der Regel einen Genesis-Bezug. Als Genesis-Fan habe ich die Seiten wahrlich verschlungen.

Man erfährt ein wenig von Mikeys Kinder- und etwas mehr über seine Jugendtage. Man erfährt, wie er Ant Philips kennenlernte und später Tony und Peter. Rutherford erzählt wie er in Charterhouse rebellierte und wie seine Eltern mit seinem Wunsch, sich als Musiker zu versuchen, umgingen. Er gönnt sich selbst dabei keine Schonung und gönnt auch seinen Genossen keine Schonung. Ant, seinen alten Kumpel, outet er als Heulsuse und wenn man über vier Seiten am Stück keine Sticheleien gegen Tony Banks gelesen hat, ist das schon viel.

In der Tat lässt er kaum ein gutes Haar an seinem Mitstreiter. Banks ist spießig und langweilig, wird nie einen Hit schreiben, weil seine Texte völlig ungelenk sind und wenn man „Tony, nein!“ sagt, dann ist er auch noch drei Tage lang eingeschnappt. Ja, auch Banks ist eine Heulsuse, laut Rutherford. Im ernst, als ich das Buch las, sah ich die letzte minikleine Hoffnung auf eine Genesis-Reunion schwinden, weil Banks nach der Lektüre nie wieder ein Wort mit Rutherford reden wird. Vielleicht bin ich selbst ja auch nur eine Heulsuse. Wie gesagt, er hält mit kaum einer Peinlichkeit hinterm Berg. Er gibt zum Besten, wie er alles Bewusstseinserweiternde ausprobierte, wie sein Vater ihn anschließend aus dem Polizeigewahrsam abholte und warum er die USA so faszinierend fand.

Ant war sein engster Kumpel, Peter von Beginn an ein erst zu nehmender Künstler mit albernen Kostümen, Phil ein Vollblutmusiker und ein wirklich klasse Kerl, Steve ein toller Gitarrist, der leider zu wenig Ellbogen für Genesis hatte und Tony ging grußlos und ohne Abendbrot ins Körbchen, wenn mal jemand anderes seine Keyboards zu berühren wagte.

Dieses Buch kann ich allen Genesis-Fans empfehlen. Zwar geht Rutherford in seinem Resümee weniger auf die Musik ein, die selbstverständlich auch ihren Platz in „The Living Years“ findet, doch sind seine Erinnerungen an das Tourleben und das damit verbundenen sozialen Miteinander innerhalb der Genesis-Maschine ebenfalls höchstinteressant. Auch wirft das Buch ein neues Licht auf Mike Rutherford selbst. Dass Außenstehende ihn neben Gabriel, Collins, Banks oder auch Hackett immer etwas übersahen, während Fans seine Rolle innerhalb der Band durchaus einzuschätzen wussten, ist klar. Aber dass er ein recht tougher Kerl zu sein scheint, der durchaus über Leichen gehen kann, war mir neu. Und er ist ein Kiffer vor dem Herrn. Und offensichtlich stolz drauf.

Auf den letzten Seiten geht's dann endlich um Mike & the Mechanics. Für ein paar Seiten. Lange hält er das nicht aus. Schon geht’s wieder um Collins. Um Gabriel. Um Genesis. Rutherford liebt Genesis. Im Wesentlichen beschreibt Rutherford die Entwicklung Genesis‘ von Ende der 60er bis Ende der 70er. Warum nun ausgerechnet die hier abgedruckten Anekdoten und Ereignisse ausgewählt wurden weiß nur der Autor selbst. Auch die Parallelhandlungen (das Marineleben seines Vaters sowie das Kennen- und Liebenlernen und endlich auch Babymachens von und mit seiner Frau Angie) sind recht holprig integriert. Letztendlich sind die 240 Seiten jedoch eine sehr, sehr lesenswerte Ergänzung zu „Chapters & Verse“.

Es gibt ja diesen Song „…from the eastside…to the westside…”, den ich für den peinlichsten Song aller Zeiten halte. Er sei Mike Rutherford hiermit ausdrücklich verziehen.

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