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Daniel Logar

Progressive Metal am Beispiel von Dream Theater

über: Dream Theater



Informationen

Erscheinungsjahr: 2014
ISBN:
Verlag: Eigenverlag
Verlagsort: Wien


Rezensionen


Von: Nik Brückner


Unglaubliche Geschichte!

Unglaubliche Geschichte!

Basauf.

Schreibt uns neulich ein Typ an, Daniel Logar, und fragt, ob wir seine Fachbereichsarbeit besprechen würden. Keine Ahnung, was eine Fachbereichsarbeit ist! Klingt aber wissenschaftlich, also: ja klar.

Mammer.

BG, BRG, BORG Wien - wer weiß schon, was das ist!

Ich also die Lesung gemacht. Umso lieber, als die Arbeit auf deutsch ist und nur 50 Seiten hat. Wissenschaftlich liest sie sich drum aber nicht weniger. "Progressive Metal am Beispiel von Dream Theater". Thematreffer: Logar zeigt überzeugend, was an Dream Theater Progressive Metal ist, und was am Progressive Metal Dream Theater ist. Er beginnt mit einer angenehm kurzen Bandgeschichte, nach dem Motto: Was hundertfach online ist, muss man nicht zum hunderteinsten Male wiederkäuen. Guzo. Die Diskographie ohne die ganzen Schnickschnackalben, die Compilations, Fanclubexklusiva, Ihr wisst schon, auch gut. Konzentration auf's Wesentliche ist bei Fans (und Logar ist einer) gemeinhin nicht sehr weit verbreitet. Es folgt ein Umriß (das ist immer besser als eine Definition) des Progressive Rock, mit interessanten Überschriften: Anstelle abgenudelter (und nie zutreffend gewesener) Kriterien wie: Longsongs, Konzeptalben, ungewöhnliche Instrumente etc. liest man bei Logar etwas über Mentalität und Ästhetik (aha! So wird ein Schuh draus!), Kunstanspruch und Kommerz (jaja, auch den gibt's im ach so kunstansprüchlerischen Prog). Dann eben doch noch ne Defi, geschenkt, und wir sind bei den stiltypischen Merkmalen des Progmetal, die bei Dream Theater eine Rolle spielen: Modifikationen bekannter Instrumente, exotische Instrumente, Keyboardwizardry, Rhythmik & Metrik, ein Lieblingsthema unter DT-Fans, Harmonik und Melodik, natürlich nicht ohne einen Absatz über den Tritonus, Skalen. Viele Ganztonleitern bei Dream Theater, das wusste ich nicht! Hat sich die Lektüre schon gelohnt.

Dann Formalia. Logar analysiert die Struktur von "A Nightmare to Remember" und "Overture 1928", sehr granular, sehr stringent, und sehr klug.

Ein paar Probleme hat die Arbeit, die betreffen aber nie nicht ihren Kerngehalt. Logar schreibt z. B. "Double Bass", meint damit aber ein Drumset und nicht einen Kontrabass. Kann er nix für, ist ein typischer Fehler bei Deutschsprechern. Er übernimmt hier und da scheinbar sichere Erkenntnisse, die sich bei genauerem Hinsehen als gar nicht so gesichert herausstellen würden. Aber auch dabei geht es immer nur um Dinge, die für seine Arbeit nebensächlich sind: So wird mal wieder nicht erklärt, warum "Operation: Mindcrime" ein Progmetal-Album sein soll (tatsächlich ist es weder noch), und irgendwo steht dann doch wieder, es gebe im Prog besonders viele Konzeptalben. Aber wie xakt, alles nicht wichtig, die Kernthesen der Arbeit schmälert das in keinem Moment.

So! Und jetzt kommt's. Ich maile klug mit dem Kerl, wir diskutieren über die üblicherweise genannten Merkmale des Progressive Rock, die ich fast allesamt für Unsinn halte (Beipiel: Konzeptalben, die gibt's in jeder Musikrichtung), wir diskutieren über postmoderne Theorie (die hoffentlich bald mal ganz gewaltig in die Progforschung einbricht) und über den Ansatz Bernward Halbscheffels. Und dann schreibt der Mann, wie alt er ist.

18.

In Wort: Achtzehn.

Mich hauz fast vom Stuhl.

Der isn Schüler!

Mensch, mit achtzehn bin ich auf Bäume geklettert, hab Lehrern Plastikhundescheiße auf die Kühlerhaube gelegt, und hab Annette Schleicher auf dem Schulhof allenfalls ganz verstohlen mal nachgeschielt! Und dieser Typ schreibt über Ganztonleitern, kennt Ausdrücke wie "F#-Mixolydisch" und schreibt, wortwörtlich, "Viel Spaß bereitete mir das Analysieren von Passagen aus Dream-Theater-Stücken."

"Viel Spaß bereitete mir das Analysieren von Passagen aus Dream-Theater-Stücken."...

Was ist nur mit der Jugend los...

"Die Komplexität und Vielschichtigkeit dieser Art von Musik ist für mich einfach faszinierend" - den Satz können viele von uns sagen. Aber was er wirklich bedeutet, bzw. was es bedeutet, die Komplexität und Vielschichtigkeit dieser Art von Musik wirklich zu verstehen...

Leute, diese Arbeit ist klasse. Der Typ ist ein Schüler, und schreibt auf Hochschulniveau. Und mehr noch: Logar kriegt es hin, einem zu zeigen, wie viel Faszination im Verstehen liegen kann. Wer glaubt, Analyse (auch gern mal abfällig "Zerpflücken" genannt) würde die Faszination eines Kunstwerks schmälern, der sollte das hier dringend mal lesen. Denn das Gegenteil ist der Fall: Der Mann redet von Spaß! Man sollte sich diese Arbeit besorgen, wenn man mal in seiner Muttersprache richtig viel über Prog lernen will.

Von einem Achtzehnjährigen.

Der Text findet sich hier.

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