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Horst Herold

Symphonic Jazz - Blues - Rock. Zum Problem der Synthese von Kunst- und Unterhaltungsmusik in symphonischen Werken des 20. Jahrhunderts



Symphonic Jazz - Blues - Rock. Zum Problem der Synthese von Kunst- und Unterhaltungsmusik in symphonischen Werken des 20. Jahrhunderts

Informationen

Erscheinungsjahr: 1999 (Dissertation)
ISBN: 3-8258-4296-7
Verlag: LIT-Verlag
Verlagsort: Münster


Rezensionen


Von: Ralf J. Günther


Es ist nicht jedermanns Sache, sich durch musikwissenschaftliche Studien hindurchzuarbeiten. Der sperrige Untertitel des vorliegenden Buches deutet jedoch unmißverständlich an, daß es sich hier um eine wissenschaftliche Arbeit handelt, genauer gesagt um die Dissertation des Verfassers, die als Band 5 der Reihe "Populäre Musik und Jazz in der Forschung" herausgegeben worden ist. Mag Herolds Arbeit folglich unter "normalen" Rockhörern auch wenig Leser finden, so sollte man auf ihr Vorhandensein dennoch aufmerksam machen. Studien dieser Art sind nach wie vor nicht gerade sehr häufig, und es stellt für etwaige Autoren sicher keine Ermutigung dar, wenn sie nicht auf die geringste Resonanz hoffen dürfen. Herolds Buch beschäftigt sich in der Hauptsache mit den Orchesterwerken des Deep Purple-Keyboarders Jon Lord, die hier als "symphonische Werke des 20. Jahrhunderts" ernst genommen werden. Eine "historische Betrachtung" liefert darüber hinaus Material für Vergleiche von Lords Rock-Orchesterwerken mit symphonisch orientierten Kompositionen, die einen Jazz- und Bluesbezug aufweisen. Im ersten Teil seiner Arbeit geht Herold dabei auf Werke von Gershwin (Rhapsody in Blue), Strawinsky (Ebony Concerto), Rolf Liebermann (Concerto for Jazzband and Symphony Orchestra), Bernhard Krol (Corno Concerto - A Study in Jazz) und William Joseph Russo (u.a. Three Pieces for Blues Band and Symphony Orchestra) ein.

Die Auseinandersetzung mit den Werken Jon Lords leidet an einem Mangel, dessen plötzliches Auftreten den Autor selbst überrascht haben dürfte: Mit der im Jahr 1999 zustande gekommenen Neueinspielung von Lords Concerto for Group and Orchestra hat die alte Aufnahme aus den 60er Jahren, auf die sich Herold bezieht, an Aussagewert verloren, zumal das damals agierende Royal Philharmonic Orchestra unter Malcolm Arnold nicht eben durch Präzision glänzte. Die Partitur des Concertos gilt seit langem als verschollen, doch hat der holländische Komponist Marco de Goeij sie neuerdings nach Gehör (und unter Zuhilfenahme einer alten Videoaufzeichnung) rekonstruiert. Obwohl Herold für seine Untersuchung mit Jon Lord Kontakt aufgenommen hat, ist dabei von der sich anbahnenden Neueinspielung offenbar nie die Rede gewesen. Ich fand die Lektüre der entsprechenden Abschnitte dennoch nützlich, weisen sie doch nach, daß Lords Musik bei allen Schwächen in einem höheren Maß strukturiert und durchdacht ist, als es dem Empfinden vieler Kritiker entspricht. Nicht folgen kann ich Herold allerdings bei seiner Wertschätzung der eher "glatten" Orchesterkompositionen Lords (wie v.a. Sarabande) zu Ungunsten experimentellerer Werke wie das in Zusammenarbeit mit Eberhard Schoener entstandene Windows. Letzteres mag zwar im gewissen Sinne eine gescheitertes Werk sein, gescheitert allerdings auf einer höheren - oder zumindest interessanteren - Ebene als "Sarabande".

Herolds Arbeit bietet viele Angriffsflächen. Unpassend und teilweise an der Sache vorbeigehend sind bestimmte Ausfälle gegen die Bücher Tibor Kneifs aus den 70er und 80er Jahren, die zum Besten gehören, was in Deutschland je über Rockmusik veröffentlicht worden ist. Da es den Rahmen der babyblauen Seiten sprengen würde, dies im einzelnen zu belegen, will ich für diese Behauptung hier nur das Recht auf subjektive Meinungsäußerung beanspruchen. Schwer ins Gewicht fallen hingegen die zahllosen Druckfehler, die sich zum Teil in peinlicher Manier sogar auf musikhistorische Begriffe wie "Tin Pan Alley" auswirken, das mehrfach als "Tin Pin Alley" auftaucht.

Trotz aller Kritik - es ist eine gute Sache, daß diese Untersuchung (die u.a. auch Bemerkungen zu Rick Wakeman und Keith Emerson enthält) zustande gekommen ist. Sie steht für die Notwendigkeit, sich auch auf der wissenschaftlichen Ebene mit einer mittlerweile so bejahrten Musik wie dem Rock auseinanderzusetzen.

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