SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
21.4.2018
Holger Czukay - Movies
20.4.2018
HeKz - Invicta
TesseracT - Sonder
19.4.2018
The Grandmothers of Invention - Live in Bremen
Robert John Godfrey - 70th Birthday Concert with The Enid. Live at Union Chapel
RTFACT - Life Is Good
18.4.2018
WorldService Project - Serve
The Pink Mice - in Synthesizer Sound
Dry River - Circo de la Tierra
17.4.2018
Homunculus Res - Della stessa sostanza dei sogni
Forever Twelve - Home
Metaphor - Entertaining Thanatos
16.4.2018
Delusion Squared - Anthropocene
Roxy Music - For Your Pleasure
The Pink Mice - in action
Perfect beings - Vier
Metaphor - The Sparrow
15.4.2018
radio massacre international - zabriskie point
ARCHIV
STATISTIK
24538 Rezensionen zu 16776 Alben von 6533 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Jan Zehrfeld

Analyse und Darstellung der stilistischen Entwicklung der schwedischen Heavy-Metal-Band MESHUGGAH

über: Meshuggah



Informationen

Erscheinungsjahr: 2003 (Diplomarbeit)
ISBN:
Verlag: Hochschule für Musk Nürnberg-Augsburg / Richard-Strauss-Konservatorium München
Verlagsort: Nürnberg / Augsburg / München


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen


Jan Zehrfeld ist weithin bekannt als Gitarrist und Sprachrohr der Jazz-Metal-Institution Panzerballett, und sein Ruf, seine credibility gründet nicht zuletzt einer durchscheinenden akademischen Ausbildung. Vor einigen Jahren wurde Zehrfelds aus dem Jahr 2003 datierende Diplomarbeit im Fach "Jazzgitarre" mit dem Titel "Analyse und Darstellung der stilistischen Entwicklung der schwedischen Heavy-Metal-Band Meshuggah" öffentlich zur Verfügung gestellt (hierzu bitte dem Link folgen). Das sollte Anlass genug sein, dem akademischen Wirken von Herrn Zehrfeld mal auf den Zahn zu fühlen.

Gegliedert ist die mit 66 Seiten verhältnismäßig kompakte Arbeit in vier wesentliche Kapitel: Zunächst einmal wird abrissartig die Geschichte des Heavy Metal aufbereitet und anschließend ähnlich knapp die Biografie von Meshuggah nacherzählt. Dann werden Meshuggah anhand ihrer Stilistik in den Kontext des Metal-Genres eingeordnet, ehe im letzten Kapitel sowas wie der methodische Hauptteil der Arbeit folgt, nämlich die Transkription und Analyse dreier Meshuggah-Stücke, die jeweils unterschiedliche Epochen der Bandhistorie repräsentieren sollen.

Nun, Zehrfelds Heavy-Metal-Geschichte erzählt jedenfalls keine großartigen Neuigkeiten, geht dabei aber recht ausführlich auf die Begriffsherkunft und die Attributierung einzelner Elemente der Subkultur (eine Unterscheidung zwischen Musikstil und Szene unternimmt Zehrfeld dabei eher nicht) als Pionierleistungen einzelner Bands. Beispielsweise werden hier die Kiss-Bühnenshow oder Eddie Van Halens Einführung des Tapping-Spiels herausgehoben. Dankenswerterweise leistet sich Zehrfeld hier nicht den Fauxpas, vom berüchtigten "allerersten" Auftreten diverser Elemente zu schreiben, sondern verwendet weniger festnagelnde Formulierungen wie "einführen" oder "revolutionieren". Zehrfelds Meshuggah-Biografie (inklusive mehrseitiger Diskografie einschließlich Tracklisten und Besetzungen) hingegen breitet ebenfalls hinlänglich bekannte Fakten aus, wobei hier aber freilich zu berücksichtigen wäre, dass die Arbeit schließlich quasi vor Wikipedia und den Metal Archives entstanden ist.

Spannender ist dagegen die Auflistung der Einflüsse anhand von Interviewaussagen - dort tauchen immerhin Rush und Allan Holdsworth auf, unkommentiert erwähnt werden noch Chick Corea, Chet Baker, Tori Amos, Marillion (!) sowie Earth, Wind & Fire. Es folgen Ausführungen zum Gitarren-Equipment (eher wenig interessant) und deren Tuning (schon relevanter, aber etwas kurz) und schließlich die stilistische Einordnung. Dabei fallen durchaus schlaue Sätze ("Heavy Metal ist eine Stilrichtung, die sich sehr stark durch ihren Klang definiert.[...] Stark verzerrte Gitarren produzieren die charakteristische Klangfarbe des Heavy Metal [...]." - Nik Brückner, übernehmen Sie!) und interessante Erkenntnise werden ausgebreitet: Im Laufe der Meshuggah-Diskografie werden die klanglichen Unterschiede zwischen (achtseitiger) Gitarre und Bass aufgehoben, und die Zusammenarbeit von Saiteninstrumenten und Schlagzeug wird zum "rhythmische[n] Konzept". Die Essenz dieses Kapitels ist hingegen bizarr banal: Es handle sich, so Zehrfeld, bei Meshuggah eben um eine Metal-Band, weil die Gitarren verzerrt sind, die Musik laut ist und Jens Kidman mehr schreit und brüllt denn singt. Wenn's denn mehr nicht ist...

Relevanter ist dagegen der Unterabschnitt zur Rhythmik: Als Besonderheit des Stils der Band wird die Polyrhtythmik bei Beibehaltung eines grundlegenden 4/4-Takts erwähnt. Zudem wird anhand von Notenbeispielen (aus den transkribierten Stücken) die rhythmische Ambiguität aufgezeigt, entweder krummtaktige Phrasen oder aber den geraden Grundrhythmus hören zu können. Danach folgen nun die ziemlich ausführlichen Transkriptionen: Zu "We'll Never See The Day" (von "Contradictions Collapse"), "Beneath" (von "Destroy Erase Improve") und "Closed Eye Visual" (von "Nothing") wird jeweils die Struktur visualisiert, einzelne Riffs identifiziert und ihre Verwendung in der Struktur angegeben. Die einzelnen Riffs werden dabei nochmals mit Blick auf Harmonik, Rhythmik, Interaktion mit anderen Instrumenten und auch Spieltechnik sowie Klang analysiert und teilweise mit einigen der von Meshuggah erwähnten Vorbildern assoziiert.

Und dann? Tja, hier wird dann ein ganz wesentlicher Mangel dieser Arbeit offenkundig: Zehrfeld mag gut im Beobachten, Beschreiben und Transkribieren sein, versäumt es jedoch oftmals, Schlüsse aus seinen Feststellungen zu ziehen. Entsprechend gibt es hier keine abschließende Aussage, die die gewonnenen Erkenntnise zu den Meshuggah-Riffs auf den Punkt bringt oder auch nur einen generellen Trend in der stilistischen Entwicklung der Band unterstreicht. Stattdessen gibt es fast nur Transkriptionen mit Erläuterungen, was zwar an sich akkurate Arbeit ist, diese Informationen für den Leser aber nicht im geringsten weiterverarbeitet. Eine Fleißarbeit ohne Mehrwert, irgendwie. Ansonsten hätte dieser Mangel auch schon in der Struktur der Arbeit und dem Fehlen einer Zusammenfassung bzw. eines Schlussworts erahnt werden können.

Unterm Strich erscheint mir damit der wissenschaftliche Wert von Jan Zehrfelds Diplomarbeit eher diskutabel, zumal die weitergehende Einordnung von Meshuggah - insbesondere ihre Abgrenzung gegenüber anderen Bands und eine Beurteilung der titelgebenden stilistischen Weiterentwicklung - nicht stattfindet. Einzig jenen Hörern, die am exakten Innenleben eines Meshuggah-Riffs interessiert sind (also letztlich wohl die Zielgruppe "Gitarristen"), kann Zehrfeld hier eine Menge bieten. Und als Einsicht in den kreativen Werdungsprozess von Jan Zehrfeld "als Jazzgitarrist, dessen musikalische Wurzeln tief in der harten Rockmusik verankert sind" (so die zugehörige Stilblüte aus der Einleitung - können Wurzeln irgendwo ankern?) taugt die Arbeit wahrscheinlich ebenfalls. Aber gut, das Fach hieß ja auch "Jazzgitarre" und nicht etwa "Komposition".

Zum Seitenanfang

Von: Nik Brückner


Ich möchte Gunnars Rezension noch ein wenig, wie soll ich's ausdrücken, justierend ergänzen. Er schreibt, es fehle der Arbeit an Schlüssen. Im Singular verstanden, stimmt das: Es gibt kein Schlusskapitel, das die Ergebnisse von Zehrfelds Untersuchungen interpretierend zusammenfasst. Wenn man sich aber die Mühe macht (und eine Mühe ist es), Einzelergebnisse aus den verschiedenen Kapiteln selbst zusammenzuklauben, dann ergibt sich vielleicht doch so etwas wie ein Ergebnis: Zehrfeld beschreibt, wie sich der Stil der Band gewandelt hat, und zwar hin zu einer formalen Vereinheitlichung ihrer Musik auf allen Ebenen.

Gunnar hat ein paar Punkte schon genannt, etwa die klangliche Annäherung der (achtseitigen) Gitarren und des Basses. In die gleiche Richtung geht das zunehmende Triggern des Schlagzeugsounds, verbunden mit der Verwendung eines Noise Gate. Das geht wiederum Hand in Hand mit der Vereinheitlichung des Gesangsbildes: Die Backing Vocals mit ihren verschiedenen Klangfarben verschwinden aus den Songs, Kidmans Gesang wird monotoner und gleichförmiger.

Auf der Ebene der Komposition zeigt sich Ähnliches: Zehrfeld zeigt, dass die Anzahl der Riffs pro Stück abnimmt, dass das Schlagzeug immer weniger variiert und stattdessen zunehmend die gleichen Patterns über die jeweils gleichen Takte spielt - und wie wir heute wissen (die Arbeit ist 2003 entstanden und immerhin schon 13 Jahre alt) hat auch die Polyrhythmik abgenommen, zugunsten eines Unisono von Gitarren, Bass und Schlagzeug beim gewohnt gleich haarsträubenden Krummtaktgewitter der Band.

Es ist, wenn ich das richtig herausgelesen habe, diese formale Vereinheitlichung der Musik, der Zehrfelds Arbeit auf die Spur gekommen ist. Gunnar hat Recht: Es wäre schön gewesen, das in einem zusammenfassenden Kapitel nochmal auf den Punkt gebracht zu bekommen.

Zum Seitenanfang

© 1999-2018; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum