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Daniel Schröder

Der Komponist Frank Zappa. Über die Aktualität der "Neuen Musik"

über: Frank Zappa



Der Komponist Frank Zappa. Über die Aktualität der

Informationen

Erscheinungsjahr: 2012
ISBN: 978-3-941310-28-5
Verlag: Büchner
Verlagsort: Darmstadt


Rezensionen


Von: Nik Brückner


Noch'n Buch für Leute, die sich für die Musik, die sie mögen, auch interessieren. Ein ziemlich anspruchsvolles allerdings.

In Daniel Schröders "Der Komponist Frank Zappa" geht es, nun ja, um den Komponisten Frank Zappa. Wobei man das gleich einschränken muss. Denn Schröder lässt Alben wie "Cruising with Ruben & the Jets" außen vor, will sagen, die Rock-Alben allgemein, und konzentriert sich auf die sechs E-Musik-Alben des Meisters: "Orchestral Favorites", "London Symphony Orchestra" (Vol. I & II), "Boulez Conducts Zappa: The Perfect Stranger", "The Yellow Shark" und "Everything Is Healing Nicely". Er folgt dabei Zappas eigenem Wunsch, als ernstzunehmender Komponist wahrgenommen zu werden, ebenso wie seiner gleichzeitigen Kritik an ebenjenen ernstzunehmenden Komponisten – kurz: Er legt die Widersprüche in Zappas Auseinandersetzung mit der E-Musik offen.

Ausgangspunkt dabei ist Zappas wiederholte Bezugnahme auf Edgar Varèse, die Schröder anhand zahlreicher Vergleiche zwischen Werken der beiden, anhand der kompositorischen Tatsachen auf ihren Realitätsgehalt und ihre Tragfähigkeit überprüft. Er geht dann aber über den Varèse-Bezug hinaus und blickt auf Einflüsse, oder mögliche Einflüsse, die Komponisten wie Strawinsky, Boulez, Nancarrow, die Minimalisten, Stockhausen, Cage, Ligeti, Brown und andere mehr auf ihn hatten oder gehabt haben könnten.

Dabei kommen die bekannten Elemente und Methoden Zappas zur Sprache: Seine Auffassung des eigenen Schaffens als ständig in der Entwicklung befindliches Gesamtwork-in-progress, einschließlich seines Xenochronie-Konzepts, die Project/Object-Theorie, die Ideologie des Anything, anytime, anyplace for no reason at all, die Collagetechnik und anderes mehr. Was das konkrete Komponieren angeht, blickt Schröder sodann auf Zappas Vokabular, insbesondere seine Chord Bible und seinen Umgang mit Clustern (mit Bezugnahme auf Nicolas Slonimskys Thesaurus of scales and melodic patterns), die Auflösung instrumentaler Hierarchien, Gestaltung von Raumtiefe, den Umgang mit wechselnden Taktarten (insbesondere im Vergleich zu Strawinsky) und anderes mehr.

Schröder wirft einen klaren und unvoreingenommenen Blick auf Zappas Werk und es verwundert nicht, dass er am Ende vor allem Widersprüche aufzeigt: "Zappas Werk vereint auf diese Art Gegensätze wie Postmoderne und Subjektivität, Subjekt als Objekt, kontrollierte Indetermination, Emanzipation des Klangs und temperiertes System, Anti-Haltung ohne Verneinung, Geräusch und Diatonik, Primat des Ohrs trotz Konstruktivismus, Zitat als Zitat, ohne zu zitieren." Es liegt nicht in seiner Absicht, Zappa auf den Punkt zu bringen, schon gar nicht auf einen unkritischen. Dem studierten Musikwissenschaftler entgehen nicht die Grenzen von Zappas handwerklichen Fähigkeiten und er scheut sich auch nicht, sie zur Sprache zu bringen. Gerade deshalb gelingt ihm auf neu 120 Seiten ein differenziertes und kritisches Porträt des Komponisten Frank Zappa, ohne ihn dabei bloßzustellen oder uninteressant wirken zu lassen. Das ist schon ein Kunststück.

P. S.: Das Buch ist 2017 auch auf Englisch erschienen.

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