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Will Romano

Close to the Edge. How Yes's Masterpiece defined Prog Rock

über: Yes



Close to the Edge. How Yes's Masterpiece defined Prog Rock

Informationen

Erscheinungsjahr: 2017
ISBN: 978-1-61713-617-7
Verlag: Backbeat Books
Verlagsort: Milwaukee, WI


Rezensionen


Von: Nik Brückner


Ziemlich genau ein Jahr ist es her, da durfte ich mich über meine tausendste Rezension freuen. Und wie es bei einigen Babyblauen Rezensenten gute Tradition ist, hatte ich mir für diese runde Zahl ein besonderes Album ausgesucht: "Close to the Edge" von Yes. Das Album ist nun 45 Jahre alt, und immer noch landet es bei Umfragen nach dem besten Prog-Album aller Zeiten regelmäßig auf Platz eins. Es lohnt sich also, immer noch, diesem Album seine Aufmerksamkeit zu widmen, und genau nachzuhören, was es so unverschämt gut macht. In meine Rezension zu "Close To The Edge" ließ ich darum alles Wissen einfließen, das ich bis dato über dieses Album angesammelt hatte.

Und nur ein paar Monate später erschien ein 290-Seiter über genau dieses Album....

Und der Autorname ließ nichts Gutes für meine Rezension erwarten, hatte Will Romano sich in seinen Büchern "Mountains come out of the sky" und "Prog Rock FAQ" als äußerst kompetenter Autor erwiesen, der durch seine Nähe zu den Musikern und seine lange Karriere als Journalist und Interviewer auch aus dem Abstand mehrerer Jahrzehnte noch zahlreiche Details zutage fördern kann, die selbst glühenden Fans noch unbekannt sind. Ausgerechnet der schreibt nun ein Buch über "Close to the Edge"? Da war ein Standardwerk zu erwarten!

Und Romano enttäuscht nicht. Seine Stärken liegen, wie wir wissen, im journalistischen Ausforschen kleiner und kleinster Details in Bereichen wie Bandgeschichte, Entstehungsgeschichte, und, ja, auch Rechtsgeschichte. Schließlich stehen Bands im Zentrum eines Geflechts von Verträgen und Interessen höchst unmusikalischer Natur, das war bei Yes 1972 nicht anders. Doch Romano setzt nicht erst 1972 an, auch nicht bei der Gründung der Band Yes. Sein Buch setzt mit einer Geschichte des Progressive Rock ein, genauer gesagt im Herbst 1967, wenn dieser Ausdruck zu ersten Mal aufkommt. Dies geschah im Rahmen des neuen Radioformats FM, im Umkreis der damals wichtigen Piratensender und im Nachklang der psychedelischen Musik. Es folgt eine Bandgeschichte, die Yes von den Anfangsjahren bis zu den Aufnahmen zu "Close to the Edge" mit zunehmendem Detailreichtum verfolgt. Und wieder sind unter diesen Details viele, die selbst langjährigen Fans noch unbekannt sein dürften. Hierin liegt die Stärke des Buchs.

Schwieriger wird es, wenn es um die Musik geht. Wer das Album kennt, wer vielleicht schon das eine oder andere darüber gelesen hat, wird nichts entdecken können, was ihm die Musik über das hinaus erschließt, was er schon weiß. Schade ist, dass Romano nicht wenigstens das, was bereits über die drei Stücke geschrieben wurde, vollständig erfasst und in seinen Text integriert. Nicht missverstehen: Romano beschreibt die Musik durchaus, er tut das auch recht ausführlich, bleibt dabei aber immer ein wenig mehr an der Oberfläche, als es angesichts dessen, was zu den Stücken bereits geschrieben wurde, notwendig wäre. So lesen wir z. B. wieder einmal, dass das Intro des Titelstücks von Chaos geprägt ist, und erfahren dabei lediglich einiges (wenn auch interessantes) über die Fähigkeiten Steve Howes als Solist. Dass das Chaos des Intros aber geradezu einfach strukturiert ist (Squire spielt eine aufsteigende Bassline über drei Oktaven, Wakeman spielt dieselbe Figur in doppelter Geschwindigkeit, und Howe improvisiert darüber), und gerade darin seine Genialität liegt, spart Romano aus. Er geht stattdessen stärker auf andere Abschnitte ein, erwähnt etwa die Polymetrik in "Total Mass Retain", hält sich bei "I get up I get down" auf und diskutiert dann die verschiedenen Aspekte der Verwendung einer Kirchenorgel.

Mit "And You and I" und "Siberian Khatru" ist es ähnlich. Interessant sind dabei Romanos (teils weit ausschweifende) Überlegungen zu einzelnen klanglichen Aspekten der Musik, die er dann oft mit textlichen und ideologischen in Verbindung bringt. Allerdings kommt er angesichts der bekanntlich weitgehend sinnfreien Texte dabei auch nicht weiter als seine Vorgänger: Meist werden einige Wörter aus den Lyrics herausgepickt, die in irgendeiner Weise zusammenpassen, und daraus dann eine Interpretation gebastelt. Die kann natürlich richtig sein - aber eben auch nicht. In diesem Fall sind es z. B. Wörter, die mit der Wassermetaphorik in Hermann Hesses "Siddharta" in Zusammenhang stehen (das Buch hatte Jon Anderson stark beeindruckt). Romanos Interpretationen klingen gut, aber ob sie richtig sind? Keine Ahnung, warum nicht einfach mal jemand die Leseliste Andersons abarbeitet - vieles davon ist ja bekannt - und damit dann an seine Texte herangeht. Das könnte sich als recht ertragreich erweisen. Wenn jemand dafür prädestiniert ist, dann Will Romano, der sich - auch in diesem Buch wieder - als hartnäckiger Rechercheur erweisen hat.

Viel interessanter ist es dann, dass Romano der Wassermetaphorik auch in Texten anderer Progbands der Zeit nachspürt, und dabei den größeren kulturellen Raum dieser Metaphorik aufschließt. Hier zeigt sich wieder seine Stärke: Sein immenses Wissen über den Progressive Rock. Auf diesem Gebiet macht ihm so schnell niemand etwas vor.

Eine weitere Stärke des Buches ist es, dass es das Album in seinen Kontext einordnet, nicht nur chronologisch (Romano setzt die Bandgeschichte über den Ausstieg Brufords, den Einstieg Whites, die anschließende Tour und die beiden "Yessongs"-Releases fort), sondern auch in den Gesamtkontext der damaligen Progszene. Das erreicht er unter anderem durch Interviewzitate von Zeitgenossen wie Keith Emerson oder Eddie Offord, von Yes beeinflussten Musikern in England, Amerika und anderen Ländern, aber auch von Tontechnikern, Managern und anderem Personal mehr. Und auch wenn Romano in den Archiven nicht alle Gerichtsakten, nicht alle Aufnahmeunterlagen finden konnte - er hat danach gesucht, in mehreren Ländern, das allein ist mehr Arbeitsaufwand als ihn sich die meisten Prog-Autoren leisten.

Der Umfang seiner Recherchen hat dabei vor allem den einen Effekt (der auch meine Rezension vom letzten Jahr plagt): Das Ergebnis ist exhaustiv. Bis auf die genannte kleine Schwäche in der musikalischen Analyse enthält dieses Buch wirklich alles, was man je über "Close to the Edge" wissen wollte. Manchmal sogar ein bisschen zu viel: Dass Brufords Ausstieg beleuchtet werden musste, und alles, was damit zusammenhängt (die langen Aufnahmesessions, die Verlockungen King Crimsons, die vertraglichen Winkelzüge), ist klar, aber wenn man sich als Leser dann in einer ausführlichen Besprechung der U.K.-Alben wiederfindet, fragt man sich doch, ob Romano nicht hier und da das eine oder andere hätte weglassen können.

Egal. Will Romano hat auch mit seinem dritten Buch über Progressive Rock wieder ein dickes Ausrufezeichen gesetzt: "Close to the Edge. How Yes's Masterpiece defined Prog Rock" ist das erwartete Standardwerk zum Album geworden, und kann jedem ans Herz gelegt werden, der sich über die Entstehung- und Wirkungsgeschichte dieses Meilensteins der Rockgeschichte ausführlichST informieren will.

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