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Jürgen Legath u.a.

Sounds. Platten 66-77. 1827 Kritiken.



Sounds. Platten 66-77. 1827 Kritiken.

Informationen

Erscheinungsjahr: 1979 (Nur noch antiquarisch erhältlich)
ISBN:
Verlag: Zweitausendeins
Verlagsort: Frankfurt/M.


Rezensionen


Von: Ralf J. Günther


Der "Musikexpress" hieß vor einigen Jahren noch "Musikexpress/Sounds". Die Zeitschrift "Sounds" war 1966 entstanden und bis Januar 1983 selbständig erschienen. Dem Musikexpress, der ihren Namen danach vereinnahmte, hatte sie journalistisch einiges voraus. Manche heute recht bekannte Namen wie etwa Diedrich Diedrichsen nutzten das Blatt als Basis für ihre publizistische Laufbahn.

Die Entwicklung von Sounds liefert ein Spiegelbild vieler musikalischer Entwicklungen der 60er, 70er und beginnenden 80er Jahre. Die Zeitschrift war zunächst von relativ großem Interesse am Jazz geprägt, begann dann aber - nicht zuletzt unter dem Eindruck von Frank Zappa - den Rock in den Mittelpunkt zu rücken. Einige Jahre lang wurden die großen Rock-Acts der Zeit (inklusive der Progheroen) zwar kritisch beäugt, aber doch auch bejubelt. Gegen Ende der 70er erfolgte der Umschwung in Richtung auf Punk und New Wave. Gestandene Mitarbeiter zogen sich unter dem Eindruck zurück, den Umbruch nicht angemessen vermitteln zu können. Die Redaktion wurde für junge Kräfte geöffnet, die aus der neuen Lehre so freudig eine Heilsbotschaft machten, dass Leserbindung und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Blattes leider beim Teufel landeten.

Wie es sich für eine Musikzeitschrift gehört waren in Sounds regelmäßig Plattenbesprechungen zu finden. Unter den Rezensenten finden sich die Namen bekannter deutscher Musikjournalisten wie Ingeborg Schober, Karl Lippegaus, Jürgen Legath, Jörg Gülden u.v.a. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Auch mancher weniger begabte Schreiberling war zu finden, aber das Panorama dieser Rezensionen, das von umständlichen Würdigungen bis hin zu fröhlichen Beleidigungen reichte, lieferte dem Leser doch viele wichtige Orientierungspunkte.

1979 - damals existierte das Blatt noch - gab der Zweitausendeins-Verlag eine Sammlung sämtlicher bis 1977 erschienenen Sounds-Plattenbesprechungen heraus. Stattliche 1562(!) Seiten umfasste das kleinformatige Buch. Ein Fundus von Sinn und Unsinn, nicht zuletzt über zahllose Progbands, der einem ein Gefühl dafür vermitteln kann, wie man über diese Musik in den 70ern abseits der puren Faneuphorie dachte, nämlich häufig durchaus differenziert und manchmal auch restlos naiv. Jedenfalls ist schon allein der von 1966 bis 1977 reichende Zeitschnitt des Bandes für die Geschichte des Progs von unstrittiger Bedeutung. Wobei man allerdings hinzufügen muss: Nicht jede Seventies-Band, die den Progwütigen der Gegenwart lieb und teuer ist, schaffte es damals in Deutschland die Wahrnehmungsschwelle so recht zu überschreiten. Selbst eine Gruppe wie PFM kommt in dem Buch nur eher am Rande vor (und außerdem gar nicht gut weg).

Bücher zu besprechen, die seit 25 Jahren vergriffen sind, das erscheint auf den ersten Blick vielleicht sinnlos. Aber im Zeitalter von Online-Antiquariaten und von Ebay sieht die Sache anders aus. Fast alles lässt sich heute recht leicht beschaffen. Für BBS-Leser (und BBS-Schreiber) wäre diese Anschaffung sicher lohnend. Was ich versprechen kann: Die Lektüre ist unterhaltsam, weil die Autoren ihr Metier beherrschen. Und zuweilen noch unterhaltsamer, weil sie es manchmal auch nicht beherrschen.

So, und da es unmöglich ist, aus anderthalbtausend Seiten eine angemessene Zitatauswahl zu treffen, beschränke ich mich auf einen einzigen Satz von Karl Lippegaus: "Die Einfallslosigkeit auf der ganzen Linie ist in jeder Sekunde präsent, zum Beispiel in den lustlos umhertapsenden Improvisationen, oft über uralten Akordfolgen und einem desinteressierten Drummer." Welche BBS-Rezensenten und Leser sich hier wohl ins Fäustchen lachen dürfen? Welche ein Tränchen zerdrücken müssen?

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Von: Christian Rode


Ein paar Ergänzungen:

Das kleine Format - etwa postkartengroß - und der schwarze Einband gepaart mit der immensen Dicke lassen das Buch wie eine Bibel erscheinen. Es hat sogar einen Lesefaden... Doch ein Absolutheitsanspruch lässt sich mit dem gleichwohl amüsanten wie lehrreichen Wälzer nicht verbinden.

Die Rezensionen beginnen in spärlicher Zahl im Jahr 1966, aber damals war das Sounds noch ein reines Jazzmagazin. Da liest man nichts von Beatles, Byrds oder Beach Boys, sondern von Ornette Coleman, Sonny Rollins und Albert Ayler. Erst die letzte Rezi des Jahres 1966 beginnt mit den bedeutungsschweren Worten: "In aller Stille hat sich eine musikalische Revolution vollzogen, die von den meisten Jazzfreunden gar nicht bemerkt wurde: In den letzten zwei Jahren hat sich eine Rockmusik entwickelt, die heutige Gefühle repräsentiert. Eric Burdon & die Animals, die Beatles, die Rolling Stones, Jimi Hendrix, The Byrds, Jefferson Airplane, Pink Floyd, The Fugs, Blues Project, Love, Big Brother and the Holding Company, The Grateful Dead, Bill Butterfield Blues Band, Bob Dylan, The Quicksilver Messengers und The Mothers of Invention - sie alle machen eine Musik, die auf dem Blues basierend, den Anspruch auf Kunstmusik erhebt." So beginnt die Kritik zu The Mothers of Invention/Freak Out. In der Tat: 1965/66 hatte sich der banale Rock'n'Roll und Beat zur Kunstmusik gemausert. Fortan begleitete das Sounds den vielschichtigen Weg dieser modernen Musik.

Allerdings hatten die Rezenten, die sich ja zumindest anfangs noch aus Jazzkreisen rekrutierten, anscheinend Schwierigkeiten, eine bedeutsame Gruppe auf Anhieb zu erkennen. Dies zeigt sich daran, dass sie - zumindest soweit es Progbands betrifft, anderes habe ich nicht intensiv genug nachgeprüft - in der Regel frühestens das zweite Album einer Band besprochen haben. Genesis beginnt mit Nursery Cryme, Gentle Giant mit Three Friends, King Crimson mit In the Wake of Poseidon, Pink Floyd mit A Saucerful of Secrets, Yes mit Fragile usw. Das ist schon etwas ärgerlich. Ärgerlich ist auch, dass das Interesse an bereits bekannten Bands hin und wieder erlahmte. So finden sich etwa alle Genesis-Alben ab Nursery Cryme besprochen - mit Ausnahme von The Lamb lies down on Broadway. Warum auch immer. Und Emerson, Lake & Palmer werden nur sehr lückenhaft verrissen - eine der wenigen Progbands, die im Sounds überhaupt keinen Stich machten. Das Phänomen ist allerdings stilübergreifend. Musiker, die sie nicht mochten, werden generell auch gerne mal vollständig übergangen (Uriah Heep etwa) oder mit einer Besprechung abgefertigt (Deep Purple, Cat Stevens).

Neben den klassischen Bands werden aber auch immerhin Canterbury, RIO und Zeuhl-Sachen besprochen wie Caravan, Henry Cow und Gong, Magma immerhin mit zwei Alben.

Progbands werden - zumindest bis 1972 - fast immer positiv besprochen. Ab 1973 zeigen sich dann Risse durch Yes und Pink Floyd, deren Gigantismus - wie zuvor schon bei ELP - die Sounds-Leute abgestoßen hat. "Yes ist schon fast ein Fall für den Rock-Psychater. Die Jungs leiden anscheinend an Größenwahn." (Yes - Tales from Topographic Oceans) Auf eine Mauer der Ablehnung sind auch Kansas gestoßen: "Was diese Typen mit ihrem europäischen Klassik-Hardrock-Verschnitt da auf die Beine gebracht haben, ist an seichter Unpersönlichkeit fast nicht mehr zu überbieten." (Kansas - Leftoverture). Genesis hingegen erhielten bis zuletzt (Wind & Wuthering) wohlwollende Kritiken, was zuletzt einem Manfred Gillig zu verdanken ist, der auch Alan Parsons I Robot (2. Platte der Band!) über den grünen Klee lobte: "Eine fesselnde Platte, bei der eigentlich jeder auf seine Kosten kommen müßte." Überhaupt lässt sich bei den Prog-Rezis kein grundsätzlicher Negativtrend ab Mitte der 70er Jahre behaupten. Mike Oldfield hat einige gute Kritiken erhalten ("ein kleines Meisterwerk" Tubular Bells), ebenso wie Van der Graaf Generator, Henry Cow oder Gong.

Deutsche Bands wie Amon Düül II, Can, Tangerine Dream, Kraftwerk etc. werden gut besprochen. Die deutsche Szene insgesamt wird allerdings häufig blockweise abgehandelt (Rubrik: "Platten aus Deutschland"), was auch schon mal für Proggies relevante Gruppen treffen kann, z.B. Eloy, die nur mit einem Satz erwähnt werden: "Wie hundert andere deutsche Bands auch spielen Eloy auf Floating und Amos Key auf First Key: melodisch, technisch sauber, aber ohne zündende Funken."

Das Buch ist insgesamt aber einfach eine Fundgrube für Freunde der Rockmusik zu ihrer Blütezeit. Dies wird auch - wie schon angemerkt - durch z.T. witzige Texte lesefreundlich unterstützt. Kürzeste Rezis: "Mott the Hoople - Live: Tot!?" "Barclay James Harvest - Everyone is everybody else: If everyone is everybody else, then Barclay James Harvest is the Poor Man's Moody Blues." Oder: "Und jetzt Beckenbauer an Müller Tooor! Neeiin! Abseitsuuuuuuuuhoooooh? Uwe Seeler hat über's Tor geschossenuuuuuuuhhhoooooo... Vielleicht kann Mütterchen EMI uns mal erklären, wieso George Martin, statt die Beatles in der Hollywoodbowl zurechtzumixen, das Spiel HSV gegen Bayern München aufnahm? (Letzteres übrigens auch mehr schlecht als recht!)" Wer das Album kennt, weiß, wie Recht der Rezensent hier hatte...

Grundsätzlich wäre es schon schön gewesen, wenn zu dem Bandindex noch ein Rezensenten- und Titelindex hinzugekommen wäre. Das hätte den Gebrauchswert des Bandes durchaus gesteigert.

Das Besondere an dem Buch ist aber einfach, dass es den klassischen Prog in seinem historischen Kontext anhand von Rezensionen porträtiert und zwar aus damaliger, zeitgenössischer Sicht. Das ist authentisch und das macht Spaß. Auch wenn die BBS soweit es den Prog betrifft - natürlich - vollständiger und fundierter sind. ;O)

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