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Frank Zappa, Peter Occhiogrosso

I am the American Dream

über: Frank Zappa



I am the American Dream

Informationen

Erscheinungsjahr: 1992 (In Amerika 1989 als "The Real Frank Zappa Book" erschienen)
ISBN: 3-442-32536-6
Verlag: Goldmann
Verlagsort: München


Rezensionen


Von: Marcus Kästner


„I am the American Dream“ oder „The Real Frank Zappa Book“, wie es im englischen Original heißt, wurde von Frank Zappa in Zusammenarbeit mit dem Musikjournalisten Peter Occhiogrosso geschrieben. Zappa beschreibt darin gar nicht oft genug, wie sehr er eigentlich Bücher hasst. Es ist lediglich seine Absicht gewesen, ein wenig Licht in das Dunkel zu bringen; denn was die Person Frank Zappa angeht, sammelten sich im Lauf der Jahre viele Gerüchte und falsche Darstellungen in den Printmedien an. Wer kennt zum Beispiel nicht das Gerücht, Zappa hätte bei einem Auftritt in den 70ern einen Haufen auf die Bühne gemacht?

Wie dem auch sei, dieses Buch sollte die geschehenen Dinge um eine der schillernsten Persönlichkeiten im Rockbusiness des letzten Jahrhunderts aus der Sicht eben jener widerspiegeln. Nebenbei offenbarte es Zappa die Möglichkeit, seine Ideen und Ansichten einem breiten Publikum vorzutragen. Im Klappentext beschreibt er daher sein Buch wie folgt:

„Eine Autobiographie wird gewöhnlich von jemandem geschrieben, der sein Leben für besonders erstaunlich hält. Ich halte mein Leben in keiner Hinsicht für erstaunlich – allerdings ist die Möglichkeit, sich in gedruckter Form über nebensächliche Dinge zu verbreiten, äußerst verlockend.“

Die Vielzahl von Kapiteln lassen sich in drei große Bereiche aufteilen:

1. Wer ist Frank Zappa?

Zappa macht seine Kindheit weniger an Daten als an Ereignissen, die damit verbunden sind, fest. So lernt man eine Person kennen, die ihre halbe Kindheit damit verbrachte, von Ort zu Ort zu ziehen und somit nur noch bestimmte Erinnerungen an das jeweilige Zuhause davongetragen hat.

Zappa erscheint dem Leser, im Gegensatz zur öffentlichen Meinung, als (fast) vollkommen normaler Mensch, der nach Beenden der Highschool lediglich seinen Träumen folgte, sich mit kleinen Jobs über Wasser hielt und stetig seinem Ziel treu blieb: Musik zu machen.

2. Zappas Musik

Zappa beschreibt seine musikalischen Einflüsse und wie er dazu gekommen ist, selber Musik zu machen. Von den Anfängen mit kleinen Gruppen, die Coversongs in Kneipen spielten, über die „Mothers Of Invention“, die erste Gruppe, mit der er einen Plattenvertrag bekam und die über Nacht das Musikbusiness auf den Kopf stellte, bis zu seinen Soloprojekten, die Erfahrung mit Orchestern und die Darstellung seiner Live-Ensembles.

Er verliert selten ein allzu positives Wort über seine Mitmusiker, was weniger daran liegt, dass er nur von schlechten Musikern umgeben, sondern eher an der Tatsache, dass Zappa absoluter Perfektionist war. Dies führte dazu, dass er sich Anfang der 80er des letzten Jahrhunderts mehr und mehr mit dem Synclavier beschäftigte. Ein Computer, der Zappas Ideen punktgenau umsetzen und wiedergeben konnte.

Seine Arbeit als Musikproduzent beschreibt Zappa bis ins kleinste Detail. Sei es das Mischpult oder digitale und analoge Aufnahmemechanismen, fast schon akribisch zeigt er dem Leser den Großteil seiner Arbeit und die damit verbundenen Strapazen, ohne jedoch seine Liebe und Hingabe für das Produzieren missen zu lassen.

Viel mehr jedoch als seine Musik traten schon immer Zappas Texte in den Vordergrund. Er nahm nie ein Blatt vor den Mund, und gerade als die amerikanische Regierung ein Gesetz verabschieden wollte, dass Kinder und Jugendliche vor dem Erwerb „obszöner Musik“ schützen wollte, protestierte Zappa auf seine Art und Weise: Seine Texte wurden noch abgründiger, schmutziger. Sie blieben jedoch eines: realitätsnah.

Verteilt über das ganze Buch befinden sich Zappas Texte, im deutschen Anhang sogar mit Übersetzung. Er analysiert und beschreibt sie und zeigt so dem Leser, dass sich die „Ferkeleien“ lediglich auf der Oberfläche befinden. Die Kernaussage steckt zwischen den Worten und ist ein Abbild dessen, was unsere Gesellschaft und unseren Zeitgeist ausmacht.

3. Zappas Ansichten

Angefangen bei den Kommentaren über Musik(er), über Reflexionen der amerikanischen und europäischen Gesellschaft bis hin zu Verbesserungsvorschlägen des amerikanischen Wirtschaftssystems und der Politik im Allgemeinen: Zappa erscheint dem Leser einmal mehr als gebildeter Mann, der sich zu allem und jedem eine Meinung bilden konnte und dies auch getan hat.

Er offenbart dem Leser seine Philosophie, hat dabei kein gutes Wort für religiösen Fanatismus, für Religion allgemein und ihre Vertreter übrig. Sein Hohn und Spott zielen vor allem auf amerikanische Fernsehshows mit christlich-kommerziellem Inhalt ab. Ein weiteres Lieblingsthema Zappas war die Politik. Er stellt die Moral der amerikanischen Politiker in Frage und wirft dabei Themen auf den Tisch, die gerade in unserer Zeit (des angefangenen Jahrtausends) mehr Bedeutung denn je haben. Im Endeffekt, so seine Ansicht, ist alles eine Frage des Geldes und der persönlichen Interessen der Obrigkeit.

Umso faszinierter war er daher von dem Zusammenbruch des Ostblocks und der neugebildeten demokratischen Staaten. Der Leser erfährt von seiner Freundschaft zu dem damaligen tschechischen Präsidenten Vaclav Havel und eine versteckte Ankündigung: Zappa wollte sich für das Amt des amerikanischen Präsidenten aufstellen lassen. Leider konnte er, nachdem ihm Krebs diagnostiziert wurde, dieser Idee nicht mehr nachgehen. Dies geschah wenige Wochen nach Erscheinen des Buches.

Gegen Ende des Buches präsentiert Zappa noch einige seiner kühnen Ideen, die es nicht geschafft haben, in die Tat umgesetzt zu werden.

Ich selbst kannte Zappa seit meiner Kindheit als genialen Musiker mit einem etwas pervertierten Sinn für Humor. Dieses Buch zu lesen, veränderte mein Bild dieses Mannes vollkommen.

Er war nicht mehr länger das enfant terrible des Underground. Ich lernte ihn so kennen, wie er war: Ein Querdenker, Visionär und Genie – jedoch vollkommen bodenständig und kein bisschen unkontrolliert oder verrückt. Im Gegenteil, aus Zappas Worten spricht Vernunft. Ich denke, dass wenige Leute eine derart aufgeklärte Weltsicht haben und hatten.

Zu dem Buch an sich bleibt zu sagen, dass es über weite Strecken recht schwere Kost ist, da Zappa gerne mit (teilweise schlecht eingedeutschten) Phrasen jongliert, dabei eine Vielzahl von Fremdwörtern verwendet und vor allem auf der musikalischen Ebene auf einem recht hohen Niveau verweilt.

Ich habe es trotzdem verschlungen. Zappas Zynismus und sein unnachgiebiger Humor treiben mich als Leser immer weiter von Seite zu Seite. Besondere Highlights: „Die Anthropologie einer Rockband“ und „Sabberndes Britannien!“.

Lediglich die letzten Seiten – das Zerwürfnis über die amerikanische Politik – ziehen sich aus meiner Sicht etwas zu langatmig dahin. Ein Fakt, der aufgrund der amüsanten Unterhaltsamkeit des restlichen Werkes aber getrost untergeht.

Sollte man noch ein Exemplar dieses Buches auf dem Flohmarkt oder im Second-Hand-Shop ergattern (es ist nämlich leider „out of print“*), so schlage ich vor, unbedingt zuzugreifen. Nicht nur Zappa-Liebhaber kommen auf ihre Kosten. Es sei denn, man könnte durch seine Worte im Glauben verletzt werden.

* Das englische Original ist allerdings nach wie vor verfügbar (Danke an Udo)

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