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Billy Cobham

Spectrum


Von: Christian Jäger (Space Debris)


Billy Cobham gehört zu den herausragenden Jazz-Rock-Drummern seit den Siebziger Jahren – nicht zuletzt durch seine Mitgliedschaft beim Mahavishnu Orchestra, die von 1971-73 dauerte und die ihn entgültig zum Drummer-Star machte. Das 1973 produzierte Album "Spectrum" ist die Essenz des puren Jazz Rock mit einem gehörigen Schuß Funk. Im selben Jahr erreichte Cobham mit Stanley Clarke und Eumir Deodato in USA und England einen Top-Ten-Hit mit "Also Sprach Zarathustra".

"Spectrum" ist die erste Solo-Veröffentlichung von Billy Cobham und ist eine der wenigen Ausnahmen innerhalb dieses Genres, bei denen echte Spielfreude und Spielgefühl mit wunderbaren Sounds aus Jazz und Rock, Funk und Latin zu einer Fusion verschmelzen. Eines der wenigen wirklich progressiven Fusion-Alben, das Geschichte geschrieben hat. Leider auch Mitauslöser einer Flut von "Jazz Rock"–Veröffentlichungen, die fürchterliche Zirkuskunststücke und allerlei sportliche Verrenkungen von begabten Dudlern bringen sollten. Im Gegensatz zu vielen Jazz-Rock-LPs sind bei "Spectrum" z.B. tatsächlich Rock-(Gitarren)Sounds und -Spielgefühl zu finden, sowie echte Jazz-Sounds und -Strukturen, wobei hier Schnelligkeit und Virtuosität nicht als Übung und Angeberei, sondern als tatsächlich gefühlter Kern und als Mittel musikalischen Ausdrucks bestehen.

Garant dafür an der Gitarre ist der geniale Tommy Bolin (Ex-James-Gang, Ex-Zephyr, Ex-Energy, Ex-Deep-Purple). Er zeigte in den nächsten zwei Jahren auch noch auf zwei Soloalben und auf dem von ihm maßgeblich beeinflussten letzten 76er Deep-Purple-Album "Come Taste the Band" wie man erstklassigen Fusion derart gestaltet, daß Funk, Latin, Hardrock und Jazz zu einem leckeren Genuß verschmelzen. Bolins Sound ist unnachahmlich beseelt nicht zuletzt durch seinen Lieblingseffekt, das Echoplex. Jan Hammer als Meister des Moog-Synthesizers und E-pianos und Cobham mit seinen ureigenen Paradiddle-Rythmen und nie ausgezählten, sondern stets komplex-abenteuerlich angelegten Zauberbreaks und Rolls. Dazu ein Drumsound, der für die Hip-Hop-Szene noch heute Vorbild ist, und Kompositionen, die ihrer Zeit voraus waren. Genial auch die Bassthemen von Lee Sklar bei den Stücken "Red Baron" und "Stratus", die zu wahren Jazzrock-Hits wurden und noch heute gesampelt und kopiert werden und sowohl eingängig als auch clever und komplex genug sind, um noch heute zu reizen. Der Kern der Platte besteht also aus einem Quartett, das vor Spielfreude, Reiz und Coolness fast zu platzen scheint. Experimentierfreudig zeigt sich Cobham bei einigen Intros, wo er neben dem Naturset auch Moog-Synthesizer-Drums und Moog-Samples benutzt – sehr einzigartig!

Weitere zwei Kompositionen, nämlich "Le Lis" und der Titelsong "Spectrum" sind mit anderen Musikern eingespielt oder ergänzt. So tauchen alte Freunde wie Joe Farrell an Flöte und Sax, Ron Carter am Akustic-Bass und Ray Barreto an den Congas sowie Jimmy Owens an Flügelhorn/Trompete auf. Diese zwei Songs geben einen guten Vorgeschmack auf den künftigen Billy-Cobham-Sound, wie er auf sehr schönen Platten wie "Total Eclipsed", "A Funky Thide of Sings" oder "Crosswinds", die kurze Zeit später erschienen, zu hören ist.

Die Kompositionen sind allesamt aus der Feder des Billy Cobham, der auf dieser Platte bereits den Höhepunkt seines Schlagzeugspiels und Sounds erreicht hatte. Von Cobham gab es bis dahin bereits viele großartige Veröffentlichungen mit seinem außergewöhnlichen Drumstil, wie z.B. bei drei Mahavishnu–Platten, mehreren Miles-Davis-Platten und verschiedenen Platten mit Freddie Hubbard und Randy Weston - um nur die besten exemplarisch zu nennen. Bei "Spectrum" konnte er erstmals seine Ideen in den Mittelpunkt einer Produktion stellen, ohne dass dabei eine Drummer-LP als Selbstzweck entstanden wäre. Außerdem hört man Cobham nie wieder so cool und funky spielen wie auf dieser Platte.

Dieser sehr eigene Drumstil zeichnet sich vor allem durch die lateinamerikanischen Techniken aus, die Cobham auf das Schlagzeug übertrug und die er nahtlos und außer Konkurrenz mit dem Jazz und Rock verbunden hat. Noch dazu ist er einer der seltenen Drummer, der keinen spieltechnischen Unterschied zwischen der linken und der rechten Hand hat, und ein großartiges Double-Bassdrum-Spiel (siehe Song: "Quadrant 4") zeigt. Zudem setzte Billy Cobham wie kein andere die sog. "Paradiddle"-Drumfiguren ein; das sind quasi wie spiegelverkehrt wiederholte Figuren. Eine originelle Anspielung darauf findet sich im Namen seiner Produktionsfirma, die er "Bilham Cobly" nannte. Auch Cobhams Drum-Stimmung ist unglaublich auf seinen Stil potenziert und Vorbild für zahllose Drummer geworden.

Diese Platte gehört in jede halbwegs anständige Plattensammlung!

Noch ein Tipp: unbedingt als Vinyl kaufen, da dann der Sound umwerfend ist, im Gegensatz zum Sound auf CD, der zwar ok ist, aber etwas zu scharf und schriller ausfällt, als im Original geplant.

Bewertung: Eine volle und höchstobjektive 15 !:-)

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