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GLOSSAR: I
Improvisation
Intertextualität
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Glossar:

I



Improvisation:


Weiß ein improvisierender Musiker eigentlich immer ganz genau, wie der Ton klingen wird, den er als nächstes anschlägt? Von wegen. Ein erfahrener Improvisator baut sich den größten Teil seiner Darbietung aus fertigen Bausteinchen wie Skalen, Akkorden, Melodiefragmenten, Sounds oder rhythmischen Mustern zusammen, von denen er weiß, dass sie im jeweiligen Kontext funktionieren. Ohnehin praktiziert man in den meisten musikalischen Traditionen keine "freie" Improvisation, sondern Mischformen aus Improvisation und Komposition: Der Musiker hat sich an bestimmte Vorgaben wie festgelegte Skalen, Akkordfortschreitungen, Rhythmen oder formale Abläufe zu halten und füllt in der Darbietung dieses Gerüst dann improvisatorisch aus.

Die in der Rockmusik am meisten verbreitete Form der Soloimprovisation gewinnt ihre Melodiebögen aus Skalen (Tonleitern), die zu bestimmten Akkordfolgen passen. Darauf kann man sich mit einiger Sicherheit bewegen, wenn man das Gehör dafür besitzt, wann eine melodische Linie in eine nichtdissonante Note aufgelöst werden muss. (Zu den sog. modalen Skalen vgl. bei > modal.)

Selbst dann, wenn in der musikalischen Improvisation spontane Kreativität mit größtmöglicher Freiheit kultiviert wird, steht hinter dieser Freiheit immer eine Art selbst gewählter Zwang, der Zwang nämlich, Musik in "Echtzeit" zu erzeugen - direkt während des Spiels. Man könnte Improvisation also als musikalischen Problemlösungsversuch angesichts begrenzter Zeit beschreiben. Ziel ist es, die spontane Erfindung anzuregen - gemäß der Erfahrung, dass man die besten Ideen eben oft nicht beim gezielten Nachdenken hat, sondern ganz zufällig als "momentane Eingebung". Dem Improvisator gibt dabei sein musikalisches Vokabular die grundlegende Sicherheit bei der Interaktion mit den Mitspielern. Dies erlaubt ihm, sich weitgehend auf die nicht festgeschriebenen Aspekte der Musik zu konzentrieren. Im besten Fall entstehen dabei Klänge, die anders strukturiert sind als Kompositionen und mit Ideenverknüpfungen glänzen, die einem beim Stückeschreiben nie eingefallen wären. (rjg); (rd)

Modal

Siehe auch: besprochene Alben mit dem Stilmerkmal improvisiert

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Intertextualität:


Prog-Musiker sind ja oft sehr versiert in ganz verschiedenen Stilen, was dann oft in der Einbindung aller möglicher Musiken, von Klassik über Folk, Latin und Jazz bis hin zur Avantgarde zum Ausdruck kommt. Dies können Übernahmen verschiedenster Art sein, etwa Neuarrangements klassischer Stücke, einzelne Zitate, witzige Anspielungen, Parodien, Stilzitate und so weiter. ELP sind damit berühmt geworden, bei ihnen finden sich Bezüge in die Klassik und die Avantgarde hinein ebenso wie zu Jazz, Dixieland, Ragtime, Music Hall, Rock 'n' Roll, Filmmusik und natürlich Folk und Rock. Das lateinische Wort "textura" ('Gewebe') aufgreifend nennt man so ein Gewebe von Bezügen "Intertextualität". Es sind also nicht nur Texte gemeint, sondern alle möglichen Produkte menschlicher Kultur. Der Begriff steht dann für das Phänomen, dass nichts einfach im freien Raum geschaffen wird, sondern immer schon auf anderes bezogen ist, das dann auch für immer darin präsent ist – ja das bereits Vorhandene ist sogar unabdingbare Voraussetzung dafür, dass etwas entstehen kann.

Ein Werk, in unserem Fall ein Musikstück, ist also niemals autonom, es ist unvermeidlich immer ein Mosaik von Zitaten, letztlich eine Umformung anderer Werke, ob gewollt oder ungewollt. Man kann keine Rockmusik schreiben, ohne auf den Rock Bezug zu nehmen, der dann wiederum in jeder Rockmusik immer gegenwärtig ist. Dieser Blick auf Kultur als ein dicht und immer dichter gewobenes Netz von Bezügen marginalisiert im Extremfall den Künstler, in unserem Fall den Musiker: Nicht mehr er steht im Zentrum der Betrachtung, sondern die von ihm losgelöste Musik, der „Text“, der gewissermaßen sich selbst ständig neu schreibt, bzw. von seinen so genannten Prätexten geschrieben wird. Ein Prätext ist dabei ein Text, der in irgendeiner Form im betrachteten Text präsent ist, sei es, dass aus ihm zitiert, auf ihn angespielt, er parodiert oder kritisiert wird, sei es, dass er unbeabsichtigt, etwa durch Genrezugehörigkeit oder die kulturellen Rahmenbedingungen, unter denen ein Text entsteht, gegenwärtig ist. Der betrachtete Text kann dabei natürlich selbst wieder Prätext für andere Texte werden, und er ist es im Normalfall mit vielen anderen.

Progressive Rock ist in diesem Zusammenhang besonders interessant, weil er die intertextuellen Bezüge von Anfang an zu seinem Thema gemacht hat und sie auf diese Weise gerade hier besonders deutlich zutage treten. (nb); (nb)

Selbstreferenzialität; Eklektizismus; Postmoderne

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Beiträge von: Ralf J. Günther (rjg), Ralf Damaschke (rd), Nik Brückner (nb)

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