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Leitfaden: Rock In Opposition (RIO)
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22917 Rezensionen zu 15653 Alben von 6069 Bands.
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Leitfaden:

Rock In Opposition (RIO)



Am 12. März 1978 fand in London ein Konzert statt, das von der Gruppe "Henry Cow" und deren Manager Nick Hobbs organisiert worden war. Titel der Veranstaltung: "Rock In Opposition", kurz: RIO. Zusammen mit Henry Cow traten an diesem Abend folgende Bands auf: Univers Zero (Belgien), Stormy Six (Italien), Zamla Mammaz Manna (Schweden) und Etron Fou Leloublan (Frankreich). Die Gruppen kannten sich schon seit einiger Zeit und hatten den jeweils anderen bei Auftritten in ihren Heimatländern geholfen bzw. diese erst ermöglicht. Das Konzert im März 1978 aber war so etwas wie der Gründungsmoment einer gemeinsamen Initiative, einer oppositionellen Künstlervereinigung.

Noch im selben Jahr, im Dezember 1978, trafen sich die Mitglieder der fünf Gruppen in Etienne Konods "Sunrise Studio" in der Schweiz, um die Ziele von "Rock In Opposition" näher festzulegen. Bei dieser Gelegenheit wurden zudem die Bands Art Bears, Art Zoyd und Aqsak Maboul in die Vereinigung aufgenommen, die dadurch auf acht Mitglieder anwuchs.

Dauerhaft erfolgreich war die RIO-Initiative nicht. Es gab einige gemeinsame Konzerte, darunter drei RIO-Festivals, und man organisierte den gemeinsamen Vertrieb der eigenen Tonträger. Doch bis zum Ende des Jahrzehnts schliefen die Aktivitäten wieder ein. Was blieb, waren die freundschaftlichen Beziehungen und Kontakte, die immerhin zu einer ganzen Reihe von Kooperationen und gemeinsamen Plattenproduktionen führten. Und es blieb der Name RIO, der sich nach und nach zur gängigen Bezeichnung für ein Prog-Untergenre entwickelte.

Was ist nun RIO? Gibt es einen speziellen RIO-Stil? Im Begleitheft der 1980 erschienenen LP "Macchina Maccheronica" der Gruppe Stormy Six heißt es dazu:

"Rock In Opposition ist ein Zusammenschluss von Musikgruppen, deren Gemeinsamkeit in der Kompromisslosigkeit besteht, mit der sie an der Entwicklung ihrer eigenen Musikform arbeiten - in Opposition zu einem von der angloamerikanischen Musikindustrie weitgehend beherrschten Markt. RIO ist der Versuch, die unkoordinierten Aktivitäten auf einen Nenner zu bringen, d.h. Erfahrungen über Produktions- und Distributionsmöglichkeiten auszutauschen und in einer Art gegenseitiger Selbsthilfe die Interessen der jeweils anderen Gruppen im eigenen Land zu vertreten."

Nach einer Aufzählung der RIO-Bands setzt der Text so fort:

"Die RIO-Gruppen machen eine Musik, die immer wieder das Hören und Neuhören herausfordert, im Gegensatz zu einer musikalischen "Masche", mit der der etablierte Musikmarkt das Publikum immer wieder aufs Neue zum Kauf animiert. Die RIO-Gruppen arbeiten kaum auf der Grundlage der Kanäle des Musikgeschäftes, sie stützen sich vielmehr auf die Arbeit alternativer Plattenverlage und -vertriebe und politisch linker Bewegungen."

Hiermit ist eigentlich alles Wichtige über RIO gesagt. RIO ist kein Stil im engeren Sinn, sondern steht für eine bestimmte Herangehensweise ans Musikmachen. Abseits der etablierten Kompositions- und Produktionsschemata sollte Musik ohne kommerzielle Kompromisse entstehen - als Ausdruck ungebremster Kreativität, Experimentierfreude und Virtuosität. Die Hörer sollten sich mit neuartigen Musikideen auseinandersetzen. Je nach Band kam eine mehr oder weniger stark ausgeprägte politische Linksorientierung hinzu.

In stilistischer Hinsicht waren sich die acht Ur-RIO-Bands nicht sonderlich ähnlich. Henry Cow spielten einen hochkomplexen Canterbury-Jazzrock, Univers Zero und Art Zoyd einen von der Neoklassik beeinflussten Kammerrock. Die Art Bears betrieben schrägen Artrock, die Stormy Six machten Protestsong-Folkrock, Zamla mischten Jazz- und Folkrock mit Kirmesalbernheiten und Etron Foul Leloublan schufen meist bizarre, dadaistische Rocksongs mit gelegentlichem Jazz- und Folkeinschlag.

Die Rockjournalistik, wenn sie denn überhaupt über diese Gruppen berichtete, packte die RIO-Bands einfach in eine neue Schublade und sprach trotz aller musikalischen Unterschiede von einem neuen "Stil", der denselben Namen wie die Künstlerbewegung erhielt: eben RIO. Richtig ist, dass sich eine ganze Reihe von Gruppen und Musikern durch die RIO-Bands, insbesondere durch Henry Cow und Univers Zero, haben beeinflussen lassen. Hier liegen gewisse Ansätze zu einem "Stil", der aber mindestens genauso schlecht definiert ist wie "Prog" im allgemeinen. Zur Groborientierung lässt sich sagen: RIO steht häufig für eine komplexe, zumindest im Rockkontext avantgardistisch anmutende Musik mit Tendenzen zum Kammerrock und/oder zur freieren Improvisation.

In diesem Leitfaden sollen die acht ursprünglichen RIO-Bands und ihre repräsentativsten Alben vorgestellt werden. Dazu kommen einige direkte Ableger der Ur-Bands, die noch während bzw. kurz nach der RIO-Bewegung entstanden sind.

Andere Gruppen, die in zeitlicher Nähe ähnliche Musik machten oder einen ähnlichen kompositorischen bzw. konzeptionellen Ansatz hatten - z.B. Albert Marqoeur, Hellebore, Debile Menthol, Peter Frohmader (Nekropolis), Nazca, Thinking Plague, 5uu's, Motor Totemist Guild, Muffins, Lacrymosa, Picchio Dal Pozzo und Begnagrad - werden in einem späteren Leitfaden gesondert behandelt.

Die Hauptliste

Aksak Maboul (Belgien)


Un peu de l'âme des bandits, 1980
Aksak Maboul: Un peu de l'âme des bandits

"Aksak Maboul" (manchmal auch "Aqsak Maboul" geschrieben) ist eine Kombination aus dem türkischen Wort für bestimmte ungerade Rhythmen und dem aus dem Arabischen stammenden Wort für "verrückt". Der Bandname ist programmatisch zu verstehen. Die beiden belgischen Musiker Marc Hollander und Vincent Kenis veröffentlichten 1977 - unterstützt von einem Dutzend Gastmusiker - unter diesem Namen das Album "Onze danses pour combattre la migraine", das eine wüste Mischung von 17 teils eher skizzenartigen Stücken zwischen Avantgarde, Weltmusik und Kinderreimen beinhaltete.

Nach dem ersten Album wurden Aksak Maboul zu einer regulären Band ausgebaut, was sich auch im Sound des zweiten Albums "Un peu de l'âme des bandits" niederschlägt. Es wurde ganz im Sinne der Vernetzung der RIO-Szene zusammen mit Kollegen von Henry Cow (Fred Frith und Chris Cutler) sowie Univers Zero (Michel Berckmans) eingespielt. Der ekletische Ansatz wurde beibehalten, aber in stringentere Formen gegossen. Verspielt-schräge Linien mit leicht angestaubtem Charme (vor allem durch die Präsenz von Berckmans Fagott) treffen auf Tango im Salon-Sound, kammermusikalische Neuklassik, henry-cow-artige verquere Kompositionen mit hektischer Rhythmik, arabisch angehauchte Weltmusik-Versuche, Tonband-Experimente, sogar auf Pseudo-Punk, der mit nasalen Fagott-Klängen kontrastiert wird.

Zwar war "Un peu de l'âme des bandits" die letzte Veröffentlichung von Aksak Maboul, aber Marc Hollander blieb aktiv: Ganz ähnlich wie Chris Cutler es mit "Recommend Records" tat, gründete er 1981 in Brüssel die Plattenfirma "Crammed", die sich unabhängiger Musik aus aller Welt und verschiedenen Genres (Experimentelles, Weltmusik, Elektronik, Soundtracks etc.) verschrieben hat.

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Art Bears (Großbritannien)


Winter Songs, 1979
Art Bears: Winter Songs

Art Bears verdankten ihre Existenz einem Zufall. Im Jahr 1978, nach vergeblichen Bemühungen, ein Nachfolgealbum zu Henry Cows "In the praise of learning" zu schreiben, sahen Fred Frith und Chris Cutler den Zeitpunkt gekommen, sich kürzeren Kompositionen mit Gesang zu widmen. Da das nicht so recht zu Henry Cow passte, musste ein neues Projekt her: Art Bears waren geboren.

Der Longtrack von Tim Hodgkinson, an dem der erste Versuch scheiterte, die vierte Studioplatte von Henry Cow fertigzustellen, findet sich unter dem Titel "Hold to the zero burn, imagine" auf Hodgkinsons Soloalbum "Each in our own thoughts". Auch die meisten Songs von "Hopes and Fears", dem Debütwerk von Art Bears, sind noch mit dem Gedanken an Henry Cow entstanden.

Daher ist "Winter Songs" von 1979 als erstes "richtiges" Album von Art Bears zu sehen. Die Unentschlossenheit von "Hopes and Fears" ist auf "Winter Songs" einem ausgereiften Konzeptwerk über die Welt des Mittelalters gewichen. Chris Cutler steuerte dazu - neben seinem von Tonbandexperimenten durchsetzten Schlagzeugspiel - Texte bei, die den Basreliefs der Kathedrale von Amiens gewidmet waren. Fred Frith betätigte sich als Multiinstrumentalist und enorm kreativer Songschreiber, der in seinen Kompositionen Einflüsse wie Moderne Klassik, Chanson, Jazz, Folk und Avantgarde verarbeitete. Friths düstere Songs wurden durch den unverwechselbaren Gesang von Dagmar Krause veredelt.

Das letzte Werk von Art Bears blieb das etwas weniger songorientierte, aber musikalisch nicht minder wegweisende "The World as it is today" von 1980, das im Gegensatz zu "Winter Songs" mit politisch engagierten Texten und Titeln (einem Merkmal der RIO-Bewegung) aufwartete.

2004 brachte das Label Recommended Records eine den Art Bears gewidmete 6-CD-Box raus, die neben drei remasterten Originalalben auch einige Live-Aufnahmen und zahlreiche kreative Neubearbeitungen des Art Bears-Materials von anderen Musikern beinhaltete.

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Art Zoyd (Frankreich)


Génération Sans Futur, 1980
Art Zoyd: Génération Sans Futur

Art Zoyd wurden 1969 in der nordfranzösischen Stadt Valenciennes von dem Multi-Instrumentalisten Rocco Fernandez gegründet. In dieser Frühzeit war die Band vor allem von Musikern wie Frank Zappa und Captain Beefheart beeinflusst. Einziges Tondokument dieser Phase ist eine Single mit dem Titel "Sangria".

Bereits damals wechselten die Bandmitglieder häufig, und schon 1975 war von der Urbesetzung niemand mehr dabei. Dafür stießen in diesem Jahr Gérard Hourbette und Thierry Zaboitzeff dazu, die von da an bis kurz nach der Jahrtausendwende die Hauptkomponisten von Art Zoyd bleiben sollten. Unter ihrer Leitung änderte sich der Stil der Band fundamental; anstelle der üblichen Rockinstrumente basierte die Musik nun auf dem Einsatz klassischer Instrumente, vor allem von Violine und Trompete. Musikalische Inspiration bezog man jetzt hauptsächlich aus moderner Klassik und Free Jazz.

Die ersten drei Alben der Band, "Symphonie pur le jour où brûleront les cités" (1976), "Musique pour l'Odyssée" (1979) und "Generation sans futur" (1980) zählen zweifellos zu den Klassikern des Genres. Schrille Trompeteneinsätze in Verbindung mit kräftigen, kratzigen, oft auch fast unerträglich quietschenden Streichern erzeugen eine bizarre, oft sehr düstere Stimmung.

1983 wurde der bekannte Choreograph Roland Petit auf Art Zoyd aufmerksam und beauftragte sie mit der Musik zu seinem Ballett "Le Mariage du Ciel et de l'Enfer", die 1985 erschien. Ab der zweiten Hälfte der 80er Jahre begann sich die Musik von Art Zoyd in eine stärker elektronische Richtung zu entwickeln. In dieser Zeit wandte sich die Band auch vermehrt der Vertonung von Stummfilmen zu, darunter Klassikern des deutschen expressionistischen Films wie "Nosferatu" und "Faust", aber auch kaum bekannten Streifen wie dem 1921 in Schweden entstandenen Film "Häxan".

Etwa seit Mitte der 90er Jahre agieren Art Zoyd als praktisch rein elektronische Band. 1997 trennte sich Thierry Zaboitzeff von Art Zoyd, Hauptkomponisten sind neben G. Hourbette nun Patricia Dallio und Kasper T. Toeplitz.

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Etron Fou Leloublan (Frankreich)


Les Poumons Gonfles, 1982
Etron Fou Leloublan: Les Poumons Gonfles

Etron Fou Leloublan steht offensichtlich für "etron fou le loup blanc", was direkt übersetzt "verrückter Kot der weiße Wolf" bedeutet. Diesen eigenartigen Namen gaben der Bassist Ferdinand Richard und der Schlagzeuger Guigou Chenevier Mitte der 70er Jahre ihrem Bandprojekt. Mit einer wechselnden Zahl von Mitspielern und Gastmusikern spielten die beiden fünf Studioalben (davon zwei in Zusammenarbeit mit Fred Frith) und eine Live-LP ein. Nach dem Erscheinen von "Face Aux Eléments Déchainés" (1985) hat sich die Band aufgelöst.

Gleich mit ihrer ersten LP - "Batelanges" - schufen die beiden Franzosen eine sehr eigensinnige Musik, die vom abwechslungsreichen Schlagzeug- und Perkussionsspiel Cheneviers und insbesondere vom virtuosen Bass Richards dominiert wird. Seinem 6-saitigen Fender entlockt er eine ausgesprochen vielseitige Palette von Tönen und vereinigt damit die Klangwelten von Bass und E-Gitarre. Eine wichtige Rolle spielt auch Richards Gesang - mehr ein engagiert-aggressives Rezitieren - mit dem die dadaistisch-bizarren Texte zum Besten gegeben werden.

Das dritte Album der Gruppe - "Les Poumons Gonfles" - war das erste, auf dem ein Tastenspieler zum Einsatz kam, was die klangliche Palette und den Abwechslungsreichtum der Musik deutlich erweiterte. Produziert wurde die LP von Fred Frith, der in zwei Stücken auch aktiv an Gitarre und Violine tätig ist. In den kompakten Nummern wird ein komplexer Avantgarderock geboten, der sich einer stilistischen Klassifizierung weitgehend entzieht. Klanglich ausgewogen, druckvoll produziert und abwechslungsreich gestaltet ist "Les Poumons Gonfles" sicher eine der gelungensten Einspielungen von Etron Fou Leloublan. Es sei daher als ideale Einstiegsplatte in die bizarre Musik der Franzosen empfohlen.

Guigou Chenevier gründete Mitte der 90er die Formation Volapük, während Ferdinand Richard die Band Ferdinand et les Philosophes ins Leben rief. Beide Musiker sind bis heute aktiv, haben weitere Solo-Alben eingespielt und waren an unzähligen Projekten im RIO-Bereich beteiligt. 1991 erschien unter dem Bandnamen Fred & Ferd auch ein Duo-Album von Richard und Fred Frith ("Dropera").

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Fred Frith (Großbritannien)


Gravity, 1980
Fred Frith: Gravity

Gitarrist Fred Frith ist vielleicht das umtriebigste ehemalige Henry-Cow-Mitglied. Schon zu Henry-Cow-Zeiten veröffentlichte er ein erstes Album in Eigenregie. Es steckte voller avantgardistischer Soli, in denen er durch eine präparierte Gitarre die Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments auslotete. Nach dem Ende von Henry Cow verschrieb Frith sich zunächst bei den Art Bears - zusammen mit Chris Cutler und Dagmar Krause - einer erweiterten Kunstlied-Tradition. Anschließend war er mit einer Vielzahl unterschiedlichster, stets avantgardistisch angehauchter Unternehmungen aktiv, nicht nur in Bandprojekten - wie mit Bill Laswell bei "Massacre" oder mit John Zorns "Naked City" -, sondern auch (ähnlich wie Frank Zappa) als Komponist neutönender Klassik mit dem Ensemble Modern. Sogar als Co-Autor einer Avantgarde-Rock-Oper trat Frith zusammen mit Ferdinand Richard von Etron Fou Leloublan hervor.

"Gravity", Friths erste Solo-Scheibe nach dem Ende von Henry Cow, profitiert von seinen Verbindungen zur RIO-Szene: Auf der ersten LP-Hälfte wirken die schwedischen Zamla Mammaz Manna als "Begleitband" mit, auf der zweiten die amerikanischen "Muffins". Hinzu kommen weitere Musiker wie Marc Hollander von Aksak Maboul. Das Thema von "Gravity" ist nominell Tanz. (Darin liegt eine interessante Parallele zu Robert Fripp: Als dieser nach seiner King-Crimson-Auszeit ungefähr gleichzeitig wieder ins Rockgeschäft einstieg, tat er es mit der "League of Gentleman", die explizit als Tanzband konzipiert war.) Disco-Klänge gibt es bei Frith aber nicht zu hören. Es geht auf teils rockiger, teils folkiger Basis eher schräg und ausgefuchst zu, zugleich aber auch quirlig und charmant, mit einer ordentlichen Portion Humor. Daher könnte "Gravity" eines der bestgeeigneten Alben sein, um in die große und für viele auch abschreckende Welt des RIO hineinzuschnuppern.

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Henry Cow (Großbritannien)


In Praise of Learning, 1975
Henry Cow: In Praise of Learning

"[M]ir klingt das alles auf Dauer zu atonal und spröde." (Manfred Gillig 1974 in der Sounds über Henry Cows "Legend"). "Über alle Zweifel erhaben ist Henry Cows 'In Praise of Learning'." (Manfred Gillig 1975 in der Sounds).

Dass Henry Cow, als sie 1968 von Gitarrist Fred Frith und Saxophonist Tim Hodgkinson gegründet wurden, sehr bluesbeeinflusst gewesen sein sollen, kann man ihren späteren Alben kaum noch anhören: Nichts scheint weiter voneinander entfernt zu sein als erdiger, gefühlsbetonter Blues und Henry Cows komplexe, kantige, oft atonale Gebilde zwischen moderner Klassik (auf Rockinstrumentarium gespielt), freiem Jazz und klangmalerischer Avantgarde. Diese Mischung brachten die Engländer zwischen 1973 und 1978 auf vier Studioplatten und einem Live-Album zu Gehör. Insofern ist die erste Reaktion von Kollege Gillig durchaus nachvollziehbar: Henry Cow sind das, was Engländer einen "acquired taste" nennen. Dazu passt, dass ihre wohl zugänglichste Scheibe "In Praise of Learning" heißt.

1974 nahmen Henry Cow zusammen mit der Gruppe Slapp Happy eine LP namens "Desperate Straights" auf. Dabei entstand die Idee, beide Bands zu fusionieren. Obwohl dies nicht funktionierte (zwei Drittel von Slapp Happy verließen Henry Cow bald wieder), schlug sich die Kunstlied-Tradition im Sinne Kurt Weills, in der Slapp Happy standen, auf "In Praise of Learning" nieder. Das Album ist veredelt durch den teutonisch-bizarren, aber einzigartigen Gesang von Dagmar Krause. Henry Cow kommen hier in den durchkomponierten Stücken - bei aller Schrägheit und Komplexität - dem traditionellen Progressive Rock am nächsten. Hinzu treten allerdings sperrige freie Kollektivimprovisationen mit nachträglichen Studio-Manipulationen, die einen wichtigen Eckstein von Henry Cows Musikphilosophie ausmachten.

"Um mit Überzeugung handeln zu können, war es wichtig, daß wir unseren Standpunkt bestimmten und eine Musikphilosophie entwickelten, die das Kommerzielle ablehnte und versuchte, vorrangig soziale Werte und die der Form des Rock eigenen expressiven und ästhetischen Qualitäten zu entfalten." (Chris Cutler ca. 1983 über Henry Cow)

Henry Cow waren auf der einen Seite musikalische Experimentatoren, die etwa versuchten, das Aufnahmestudio so zu behandeln, wie es seiner Rolle als unverzichtbares Element einer Rockproduktion entsprach: als ein eigenes Instrument. Ferner versuchten sie das Rockinstrumentarium mit der kompositorischen Raffinesse und Fortschrittlichkeit der zeitgenössischen Klassik zu verbinden (wobei sie mit Fagott und Streichern auch selbst "klassische" Instrumente einsetzten). Zum andern war die Gruppe Henry Cow ein soziales Experiment. Sie vertrat offensiv stark links ausgerichtete politische Positionen, traf bandinterne Entscheidungen "basisdemokratisch" und übte sich dabei in ausgiebiger Konsensfindung. Zudem gründete sie mit befreundeten europäischen Gruppen die "Rock In Opposition"-Bewegung, die diesem Leitfaden den Titel gibt. Ursprünglich wollte der Zusammenschluss weit abseits von Mainstream und Musikindustrie v.a. ein solidarisches Netzwerk aufbauen, um einen Rahmen für gemeinsame Konzerte und für den musikalischen Austausch zu schaffen. Erst später, als künstlerisch ähnlich gelagerte Gruppen auftauchten, wurde "RIO" zu einem musikalischen Genre umgedeutet - und "Henry Cow" zu dessen Urvätern.

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News From Babel (verschiedene)


Letters Home, 1986
News From Babel: Letters Home

Mitte der 80er, in den für den progressiven Rock sehr mageren Jahren, rief der ehemalige Henry-Cow-Schlagzeuger Chris Cutler das in jeder Hinsicht progressive Projekt News From Babel ins Leben. Der Name sowie einige von Cutler geschriebene Songtexte wurden durch George Steiners Buch "After Babel" inspiriert.

Komponistin aller Stücke von News From Babel war die durch ihre Zusammenarbeit mit Henry Cow bekannt gewordene britische Mutltiinstrumentalistin Lindsay Cooper (Saxophone, Keyboards, Fagott), die durch ihr Fagottspiel den Kammerrock-Charakter der Combo unterstrich.

Eine zweite Multiinstrumentalistin bei News From Babel war die US-Musikerin Zeena Parkins (akustische und elektrische Harfen, Akkordeon, Keyboards). Als geschätzte Gastmusikerin (u.a. bei Fred Frith, Skeleton Crew, John Zorn, Björk, Ikue Mori und Yoko Ono) ist sie auf inzwischen über 70 CDs zu hören.

"Letters Home" besticht durch erstklassige Avantgarde-Songs mit Anklängen an Moderne Klassik, Chanson und Klezmer-Folklore. Auf dem Album sind verschiedene Gastsänger zu hören, darunter Dagmar Krause, die ehemalige Vokalistin von Slapp Happy, Henry Cow und den Art Bears, sowie die Canterbury-Legende Robert Wyatt.

News From Babel waren von 1983 bis 1986 aktiv und hinterließen mit "Work Resumed On The Tower/Sirens and Silences" (aufgenommen 1983-84) und "Letters Home" (aufgenommen 1985-86) zwei empfehlenswerte Alben.

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Present (Belgien)


Le Poison Qui Rend Fou, 1985
Present: Le Poison Qui Rend Fou

1974 gründete der belgische Gitarrist Roger Trigaux zusammen mit Schlagzeuger Daniel Denis das düstere Kammerrock-Ensemble Univers Zero. Nach "Heresie", dem zweiten Album, verließ er 1979 die Gruppe, da er seine Vorstellung eher elektrisch-rockbasierter Sounds und stärker durchkomponierter Nummern bei den akustisch ausgerichteten Univers Zero nicht realisieren konnte. Der Abschied scheint aber freundschaftlich verlaufen zu sein, denn sowohl Denis als auch Univers-Zero-Bassist Christian Genet wirkten 1981 auf dem Debütalbum "Triskaidekaphobie" ("Angst vor der Zahl 13") von Trigaux' neuer Band "Present" mit.

Das düstere Image von Univers Zero behielten Present bei, aber wie angekündigt stärker elektrisch und rhythmusbetont als die Vorgängerband. (Ironischerweise bewegten sich Univers Zero mit ihrem 1981er Album selbst in eine ähnliche Richtung, wenn auch immer noch auf der Basis akustischer Instrumente). Während "Triskaidekaphobie" noch einige Längen enthielt, ist die Vision von Trigaux auf "Le Poison Qui Rend Fou" (1985) restlos überzeugend umgesetzt: Mit kantigen, scharfen, chromatischen Melodielinien und starker Dominanz des Tritonus in der Harmonik spielen Present einen intensiven, elektrifizierten Kammerrock, der teilweise (etwa im verqueren Walzer von Teil 2 des Titelstücks) fast surreale Züge annimmt.

Nach "Le Poison Qui Rend Fou" war es einige Jahre ruhig um Present, bis Trigaux zusammen mit seinem Sohn Reginald Anfang der 90er im Gitarrenduo als "Present C.O.D. Performance" auf Tour ging. Daraus entwickelte sich schließlich eine neue Komplettbesetzung, u.a. mit Dave Kerman von der amerikanischen Neo-RIO-Band "5 UU's" am Schlagzeug. Dies resultierte in zwei Live-Alben (1996 "Live!" und 2005 der Archiv-Veröffentlichung "A Great Inhumane Adventure" mit Aufnahmen von 1998). 1998 kam außerdem eine neue Studio-CD namens "Certitudes" heraus, wieder mit Denis am Schlagzeug sowie Bassist Guy Segers von Univers Zero. "Certitudes" war deutlich im Sound von "Triskaidekaphobie" und "Le Poison Qui Rend Fou" verwurzelt, wurde aber von den bizarren Gesangsversuchen der beiden Trigaux' belastet.

Diese Schwächen machte man schon ein Jahr später in erneut veränderter Besetzung (mit Kerman und weiteren Musikern aus Frankreich, den USA und Israel) vergessen: Das Studio-Album "No. 6" führte Present stärker denn je ins Zeuhl-Territorium, mit grollendem dominanten Bass-Spiel und heftigen, düster-repetitiven Kompositionen voller Hypnotik. Der Ansatz wurde 2001 auf "High Infidelity" weiter verfeinert. Seitdem spielen Present zwar selten, aber regelmäßig live - im wesentlichen in der Besetzung von "No.6" und "High Infidelity". Ein neues Studio-Album war schon für 2005 angekündigt, wurde wegen technischer Probleme aber immer wieder verschoben und ist bis dato (Januar 2007) noch nicht erschienen.

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Stormy Six (Italien)


Macchina maccheronica, 1980
Stormy Six: Macchina maccheronica

Stormy Six entstanden in den 60er Jahren als eine von unzähligen Beat-Bands in Mailand. Immerhin traten sie 1967 auf der ersten Italien-Tournee der Rolling Stones als deren Vorgruppe auf. 1969 erschien die erste LP der Stormy Six - "Le idee di oggi per la musica di domani" -, die eine recht zeittypische Mischung aus Beat und Psychedelischem bot.

Mit dem Beginn des neuen Jahrzehnts wandte sich die Gruppe verstärkt einem linken Protestsong-Rock mit Westcoast- und Folkloreeinflüssen zu, mit dem sie ihre nächsten beiden LPs füllte: "L'Unità" (1972) und "Guarda giù dalla pianura" (1974). Auch das 1975 erschienene "Un biglietto del tram" enthielt hauptsächlich roten Folkrock, doch die aufwendige Instrumentierung ließ schon gewisse progressive Züge erkennen. Richtigen Prog gab es dann auf dem fünften Album der Band zu hören. "L'Apprendista" (1977) bietet einen komplexen, vielschichtig instrumentierten Folkprog, weiterhin versehen mit sozialkritischen, linkslastigen Texten. Gelegentlich erinnert die Musik insbesondere aufgrund der anspruchsvoll arrangierten mehrstimmigen Gesangseinlagen an Gentle Giant.

Die Stormy Six hatten die Mitglieder von Henry Cow Mitte des Jahrzehnts bei einem Konzert in Mailand kennengelernt. Der Kontakt blieb bestehen, so dass die Italiener von Chris Cutler zu dem in der Einleitung erwähnten, legendären Konzert vom März 1978 nach London eingeladen wurden. Die Bekanntschaft mit der Formation um Cutler und Frith hinterließ auf dem 1980 erschienenen sechsten Album der Gruppe deutliche Spuren. Auch "Macchina maccheronica" (1980) basiert auf einer Art von Folkrock, aus dem heraus sich die komplexen, meist gutgelaunten Kammerrock-Kompositionen entwickeln. Streichinstrumente und Bläser bestimmen die Musik, zurückhaltend begleitet von Bass und Schlagzeug. Die E-Gitarre von Franco Fabbri und die ab und zu aufbrausende Rhythmusabteilung sorgen aber dafür, dass das Ganze fest in rockmusikalischen Gefilden verankert ist.

Im Vergleich zu den Produktionen der RIO-Kollegen ist die Musik der Stormy Six etwas ruhiger und delikater, zudem spielen die Texte eine größere Rolle. Die Gruppe war in linken Kreisen auch in Deutschland einigermaßen populär. Unter dem Namen Nudelmaschine traten die Italiener Ende der 70er, Anfang der 80er auch auf mehreren Festivals in der DDR auf.

Mit "Al volo" erschien 1982 die letzte Studio-LP der Mailänder, die danach getrennte Wege gingen. 1993 kam es zu einer Reunion der Stormy Six, bei der die Live-CD "Un concerto" mitgeschnitten wurde. Schließlich erschien 1999 noch eine Doppel-CD mit Live-Aufnahmen aus den Jahren 1976-82 ("Megafono").

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Univers Zero (Belgien)


Ceux Du Dehors, 1981
Univers Zero: Ceux Du Dehors

Univers Zero entstanden 1974 aus einer Vorgängerband namens Necronomicon. In der Frühzeit spielte man elektrischen Jazz mit Blechbläsern, diese wurden jedoch bald durch Holzblasinstrumente (Fagott, Oboe) ersetzt. Gleichzeitig traten nunmehr Schlagzeuger Daniel Denis und Gitarrist Roger Trigaux als Hauptkomponisten hervor, während vorher die Stücke meist im Kollektiv entstanden.

Beides führte zu einem musikalischen Stilwechsel - hin zu einem düsteren, stark von zeitgenössischer Klassik beeinflussten Sound, der auch als "Kammer-Rock" bezeichnet wird. Er prägte die ersten beiden Alben der Band, "1313" (1977) und "Hérésie" (1979). 1978 wurden Univers Zero offiziell Mitglied der "Rock in Opposition"-Bewegung.

Nach "Hérésie" verließ Trigaux die Band, um seine eigene Formation Present zu gründen, die an anderer Stelle in diesem Leitfaden beschrieben wird. Auf einen neuen Gitarristen verzichtete man, das nachfolgende "Ceux du Dehors" (1981) wurde fast ausschließlich auf akustischem, eher in der Klassik beheimateten Instrumentarium eingespielt.

"Ceux du Dehors" kann man ohne weiteres als Höhepunkt im Schaffen von Univers Zero betrachten. Es wendet sich etwas ab von den düsteren Klängen der beiden Vorgänger, legt mehr Wert auf bewegtere Rhythmik, bietet aber dennoch alles andere als leicht verdauliche Kost.

Im Laufe der 80er Jahre wurde die Band immer stärker von finanziellen Problemen und internen Spannungen geplagt. Nach zwei weiteren Alben, "Uzed" (1984) und "Heatwave" (1986), beschloss Daniel Denis, die Gruppe aufzulösen und sich Soloprojekten zu widmen.

Nach knapp einem Jahrzehnt Pause wurden Univers Zero 1997 reformiert, zwei Jahre später folgte mit "The Hard Quest" ein neues Studioalbum, dem in 2002 "rhythmix" und 2004 "Implosion" folgte. 2006 war die Band dann erstmals live auf einem Tonträger zu hören.

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Zamla Mammaz Manna (Schweden)


Familjesprickor, 1980
Zamla Mammaz Manna: Familjesprickor

Samla Mammas Manna wurden schon 1970 in Uppsala von Lars Hollmer (Tasten), Lars Krantz (Bass) und Hasse Bruniusson (Schlagzeug) gegründet. Im selben Jahr nahm die Band in Hollmers Heimstudio ("The Chickenhouse") ihre erste, selbstbetitelte LP auf, die 1971 erschien. 1972 stieß der Gitarrist Coste Apetrea dazu, mit dem drei weitere LPs eingespielt wurden: "Maltid" (1973), "Klossa Knapitatet" (1974) und "Snorungarnas Symfoni" (1976). Im Herbst 1976 lösten sich Samla erst einmal auf, da Apetrea die Band verließ.

Im Januar 1977 entschlossen sich Krantz, Hollmer und Bruniusson die Band wiederzubeleben und integrierten als viertes Bandmitglied den Gitarristen Eino Haapala. Um die Umbesetzung und den Neuanfang zu demonstrieren, nannte man sich nun "Zamla Mammaz Manna". Zamla veröffentlichten noch im selben Jahr das Doppelalbum "För Äldre Nybegynnare/Schlagerns Mystik". Nach umfangreichen Konzertourneen, meist zusammen mit anderen RIO-Bands, erschien erst 1980 das teilweise live aufgenommene Album "Familjesprickor".

"Familjesprickor" ist das reifste und abwechslungsreichste Album der Schweden. Humorvolle Verspieltheit und Albernheiten, die auf den Vorgängerscheiben oft vorherrschend waren, halten sich hier mit "ernstem", sehr komplexen Jazzrock mit Kammerrock-Gepräge die Waage. Sehr ausgewogen und gleichzeitig mitreißend musiziert, gibt das Album einen exzellenten Eindruck von der Klangwelt der Gruppe.

Danach fiel die Band auseinander. Hollmer und Haapala machten aber als Duo weiter, aus dem sich 1982 die Band Von Zamla entwickeln sollte, die zwei Alben eingespielt hat ("Zamlaranamma" und "No Make Up"). Lars Hollmer veröffentlicht seit den frühen 80ern auch regelmäßig Solo-Alben. Bruniusson erreichte später durch seine Mitgliedschaft bei den Flower Kings einen weit größeren Bekanntheitsgrad, als er ihn mit Samla/Zamla je hatte.

1999 fanden sich Apetrea, Krantz, Hollmer und Bruniusson wieder unter dem Namen Samla Mammas Manna zusammen und spielten das Album "Kaka" ein. Eine weitere Samla-Reunion gab es 2002. Die vier Musiker gaben eine Reihe von Konzerten, wovon eines auf der - offenbar nur in Japan veröffentlichten - CD "Dear Mamma" festgehalten ist. Auf einigen Konzerten setzte sich Tatsuya Yoshida (Ruins) hinter das Schlagzeug. Seitdem ruhen die Aktivitäten der Band.

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Tipps abseits der Hauptliste

Massacre (Großbritannien)


Killing Time, 1981


Nach dem Ende von Henry Cow ließ sich Fred Frith in Amerika, genauer in New York nieder. Dort entstanden nicht nur seine ersten Solo-Alben, sondern auch ein Album mit zwei Mitgliedern der Band Material. Das Projekt lief unter dem Namen Massacre. Zu Massacre gehörten neben Frith der Bassist Bill Laswell und der Schlagzeuger Fred Maher. Das Trio existierte nur 8 Monate. In dieser Zeit gab die Band eine ganze Reihe von Konzerten (auch in Europa) und spielte das eingangs erwähnte Album ein. "Killing Time" besteht teils aus Studioaufnahmen, teils aus Konzertaufnahmen und ist eine der abenteuerlichsten, aber auch originellsten und radikalsten Hervorbringungen der RIO-Szene. Insbesondere die Vielfalt der Töne und Klangfarben, die Frith und Laswell mit E-Gitarre und Bass erzeugen, ist beeindruckend. Dazu kommen noch allerlei Klänge und Geräusche vom Casio, einem billigen Transistorradio, diverse Lautäußerungen und Mahers besessenes Schlagzeugspiel. Das Ergebnis ist ein ausgesprochen kantiges und intensives, aber erstaunlich organisiertes Klangchaos!

Ende der 90er Jahre kam es zu einer Massacre-Reunion. An die Stelle von Maher trat als Schlagzeuger der Brite Charles Hayward (Quiet Sun, This Heat). Das Trio Frith, Laswell, Hayward spielte zwei weitere, nicht minder interessante Alben ein: "Funny Valentine" (1998) und das Live-Album "Meltdown" (2001).

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Skeleton Crew (Großbritannien)


Learn to talk, 1984


Country of blinds, 1986


Zwei Jahre nach der Auflösung der Art Bears gründete Fred Frith Skeleton Crew. Durch den krankheitsbedingten Verlust von Schlagzeuger und Gitarrist wurde die Formation für die verbleibenden Fred Frith und Tom Cora zu einer echten Herausforderung. Anstatt Ersatz für die ausgeschiedenen Musiker zu suchen, betätigten sich die beiden als Multiinstrumentalisten. Sie spielten ihre Stamminstrumente Cello (Cora) und Gitarre/Geige (Frith), sangen die Songs ein, bedienten Bassgitarren, Keyboards, diverse Schlaginstrumente und selbstgebastelte Klangerzeuger. Auf dem Zweitwerk "The Country of Blinds" (1986) konnte die spartanische Klangwelt von Skeleton Crew um Orgel, elektrische Harfe, Akkordeon, Schlagzeug und Gesang von Zeena Parkins erweitert werden. Musikalisch bot Skeleton Crew vor allem kompakt-vertrackte Avant-Songs, die eine gewisse Aggressivität mit politisch engagierten Texten und theatralischem Gesang verbanden. Als Auflockerung dienten folkige Einsprengsel. Das erste Album "Learning to talk" (1984) beinhaltete darüber hinaus zahlreiche experimentelle Tonbandcollagen. 2005 kam eine remasterte Doppel-CD mit allen Stücken der beiden Alben und vielen Bonustracks heraus. Skeleton Crew sind eine heiße Empfehlung für alle, die Formationen wie die Art Bears und News from Babel zu schätzen wissen.

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