SUCHE
Erweiterte Suche
Leitfaden: ProgMetal
Dream Theater
Fates Warning
Pain of Salvation
Psychotic Waltz
Queensryche
Shadow Gallery
Sieges Even
Symphony X
Threshold
Watchtower
Persönliche Tips
Anacrusis
Magellan
Opeth
Voivod
STATISTIK
23869 Rezensionen zu 16310 Alben von 6333 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Leitfaden:

ProgMetal



Progmetal - die Mischform aus Prog und Heavy Metal. Wie soll man eine kurze Einleitung zu dieser Kombination finden, wenn bereits die zugrundeliegenden Gattungen in verschiedenste Stile unterteilt werden?

Nun, vielleicht kann man das "Jahr 0" des Progmetal an einem Album festmachen, das - wie die dahinter stehende Band - bis heute schlicht als Synonym für Progmetal verstanden wird. Das Jahr: 1992, die Band: Dream Theater, das Album: Images And Words. Seitdem "frickeln" Gitarristen, und Keyboarder sind nicht mehr ausschließlich für In- und Outro zuständig. Doch selbst Dream Theater haben schon vor ihrem Megaseller musiziert, und es finden sich natürlich auch noch andere Heavy Bands, denen man bereits vor 1992 den Stempel proggy aufdrücken kann. An erster Stelle stehen sicher Fates Warning, die grossen Einfluss auf Dream Theater ausübten. Aber es gab - von Queensryche bis zu Watchtower - durchaus auch in den 80er Jahren schon Bands, die Elemente des Prog verarbeiteten (Iron Maiden) oder gar ganz gezielt auf "Progressivität" hinarbeiteten (Voivod).

Nach "Images and Words" explodierte dieser "neue" Zweig des Metal aber geradezu, und allerorten sprossen Bands aus dem Boden, die Dream Theater nachzueifern versuchten - was aus finanziellen Gründen oder auch wegen mangelnder technischer Versiertheit an den Instrumenten meist kläglich scheiterte. In anderen Fällen artete die neue Lust am schnellen und vertrackten Spiel zu unerträglichen "Frickelorgien" aus.

Inzwischen haben sich viele Bands etabliert, die mal eher heavy, mal eher proggy sind und dabei erfolgreich auf den Spuren von "Images and Words" wandeln. Allerdings wird vieles als "Prog"-Metal bezeichnet, was eigentlich nur fehlerfrei gespielter Metal mit Keyboards und sauberer Produktion ist. Auf der anderen Seite hat der Prog-Virus auch die härteren Metalregionen infiziert, progressiver Thrashmetal (Anacrusis, Tourniquet) oder sogar progressiver Deathmetal (Opeth, Atheist) verkaufen sich zwar nicht besonders gut, sind allerdings auch für aufgeschlossene Progrocker einen Versuch wert.

Die Kollision der beiden Welten führte zu einer allgemeinen Weiterentwicklung, sowohl im Prog als auch im Metal. Zusätzlich führte dieser Zusammenstoß dazu, daß viele Metal-Hörer auch den übrigen Prog kennenlernten und umgekehrt der eine oder andere Progger Gefallen am eher unkomplizierten Speed-, Thrash- oder Powermetal fand.

Die hier aufgeführten Bands stellen eine Auswahl an wichtigen Vorreitern und Newcomern der Progmetal-Szene dar - und auch das "heilige" Album darf natürlich nicht fehlen.

Die Hauptliste

Dream Theater (USA)


When Dream and Day Unite, 1992
Dream Theater: When Dream and Day Unite

Images and Words, 2011
Dream Theater: Images and Words

Als 1989 das Debüt Album "When Dream and Day unite" erschien, war es zwar nicht das erste seiner Art, aber es darf dennoch zu den Pionier-Leistungen des Prog Metal gezählt werden. Auch schlug es damals schon heftig ein, wenngleich vorerst nur in "eingeweihten Kreisen". Abgefahrene Instrumentalpassagen, komplexe Kompositionen, die den Fokus nicht verlieren, weit überdurchschnittliches Können aller Instrumentalisten und trashige Metal-Einlagen ergaben eine Mischung aus Yes, Rush und Metallica, die bis dahin nicht gehört worden war. Auch der relativ gleichwertige Einsatz aller Instrumente - alles durfte frickeln, alles durfte rocken - war ungewöhnlich, denn vor allem die Keyboards wurden von älteren Prog Metal Bands bis dahin recht stiefmütterlich behandelt. Bei all dem darf man aber nicht vergessen, dass die Platte auch ihre Schattenseiten hat. Besonders die katastrophale Produktion verdient Schelte, durch sie geht leider viel Druck verloren. Und auch der damalige Sänger - Charlie Dominici - klingt über weite Passagen überfordert.

Aber das Erstlingswerk war ja bei weitem nicht alles. Bereits der Nachfolger "Images and Words" gilt heute als DER Klassiker des Prog Metal, als eine Platte, die eine Revolution ausgelöst hat. Eine Scheidelinie trennt seitdem zwei Arten von Bands und Platten: Die einen klingen (oder möchten gerne klingen) wie Dream Theater, die anderen ganz explizit nicht. Für jede Neuerscheinung wird "Images and Words" zum wichtigen Referenzpunkt - bezeichnender Weise meist um klarzustellen, dass die jeweilige Band NICHT wie Dream Theater klingt.

Obwohl die Platte deutlich technikorientierter und komplexer war als der Vorgänger, dürfte sie eine der kommerziell erfolgreichsten Prog-CDs der 90erJahre sein. Auch musikalisch gilt sie als Meilenstein. Mit Stücken wie "Take the Time", "Learning to Live" und besonders "Metropolis Pt.1" enthält sie die Sorte Übersongs, die einen echten Klassiker ausmachen.

Ganz klare Sache, wer diese CD nicht besitzt, kennt nur die halbe Wahrheit des Prog Metal!

Zum Seitenanfang



Fates Warning (USA)


Awaken the guardian, 1986
Fates Warning: Awaken the guardian

A pleasant shade of gray, 1997
Fates Warning: A pleasant shade of gray

Fates Warning stehen wie eigentlich nur noch Dream Theater für den Begriff "Progmetal". Anders als Dream Theater haben sie jedoch ihre musikalische Laufbahn als (fast) reine Metalband begonnen. Auf ihren frühen Alben spielten sie eine rauhe Version von Iron Maiden's New Wave of British Heavy Metal, erst auf ihrem dritten Album "Awaken the guardian" lösten sie sich ganz von ihren Wurzeln und veröffentlichten gleich die wichtigste Progmetalplatte der 80er Jahre. "Awaken the guardian" besticht durch einzigartige Gitarren, weit überdurchschnittliches Drumming und einprägsame Melodien, deren Tiefen durch den damaligen Sänger John Arch gekonnt ausgelotet werden. Den Musikern gelingt es, atmosphärische Intensität zu schaffen, ohne auf die im Progmetal erst durch Dream Theater in Mode kommenden Keyboards zurückgreifen zu müssen. Hier stimmt einfach alles, das Album besitzt genug Komplexität, um nicht langweilig zu werden und geht trotzdem leicht ins Ohr. Es ist daher verständlich, daß "Awaken the guardian" großen Einfluß auf den Progmetal der 90er hatte.

Von den vielen Fates Warning-Platten, die diesem Meilenstein folgten, könnte man die meisten in dieser Liste unterbringen. Doch sei nur kurz erwähnt, daß "Perfect symmetry" von 1989, aber auch die aktuelle Platte der Amerikaner, "Disconnected" aus dem Jahr 2000, längst ihren Platz im Progmetal-Olymp eingenommen haben.

"A pleasant shade of gray" von 1997 fällt jedoch in einem solchen Maß aus der Reihe, daß es hier eigens vorgestellt werden soll. Auf der Platte befindet sich nur ein einziger Song, der allerdings in 12 Abschnitte unterteilt ist. Die Musik ist recht ruhig gehalten, es handelt sich nur teilweise um Heavy Metal im engeren Sinne. Die Keyboards, die sich nun auch bei Fates Warning finden, werden vom ehemaligen Dream Theater-Tastenzauberer Kevin Moore gespielt. Die Effekte, die er seinem Instrument entlockt, haben großen Anteil an der unverwechselbaren Stimmung, die die Platte ausstrahlt. "A pleasant shade of gray" erschließt sich nicht beim ersten Hören, dazu fehlt es an einprägsamen Melodien. Mit der Zeit wird dem Hörer die filigrane und melancholische Atmosphäre der Platte jedoch vertrauter. Man entdeckt wiederkehrende Motive, Spannungsbögen und erhält eine Ahnung vom Gesamtkonzept dieses Meisterwerks. Eine Platte, die wie dazu geschaffen ist, Kritiker und Belächler des progressiven Metals davon zu überzeugen, daß auch hier Alben veröffentlicht werden, deren Komplexität und musikalische Intensität den Vergleich mit den Klassikern des Progressiv Rock nicht scheuen müssen.

Zum Seitenanfang



Pain of Salvation (Schweden)


The Perfect Element I, 2000
Pain of Salvation: The Perfect Element I

Mitte bis Ende der 90er Jahre schien die Innovationskraft des Prog Metal ein Ende zu haben. Neue Bands beschränkten sich meist darauf mehr oder minder gelungene Plagiate der vier großen "alten" Prog Metal Bands zu produzieren. Viele Bands waren entweder in der Versenkung verschwunden oder dem Primitiv-Rock anheimgefallen. Einzelne Musiker haben kreative Durchhänger ihrer Hauptbands in diversen Side-Projects und Supergroups zu überwinden versucht. Die Aufnahme eines neuen "Klassikers" wie "A Pleasant Shades of Gray" von "Fates Warning" blieb hingegen die Ausnahme.

In dieser recht verfahrenen Situation hatten "Pain of Salvation" 1997 Erbarmen mit den gebeutelten Hörern und sorgten für frischen Wind. Weit entfernt davon die großen Alten einfach kopieren zu wollen, verarbeiteten die Schweden in ihrer Musik die unterschiedlichsten Einflüsse von Dream Theater bis "Rage against the machine" und haben sich auf diese Weise ihre eigene musikalische Nische geschaffen.

Der dritte Output dieser kreativen Band - "The Perfect Element I" - fasst die Stärken der beiden Vorgänger zusammen. Während das Album, ähnlich dem direkten Vorgänger "One Hour by the Concrete Lake" (1998), zwar durch atmosphärische Dichte zusammengehalten wird, eifert es dem ersten Pain of Salvation-Album - "Entropia" - doch insofern nach, als die einzelnen Songs trotzdem eigene Identität haben. Dieser Spagat ist auf "One Hour.." noch nicht so gelungen, bzw. war nicht so gewollt. Außerdem zeigt "The Perfect Element", ein Konzeptalbum mit Überlänge, die typischen Pain of Salvation-Trademarks: Zum einen die im Prog Metal sehr seltene Balance aus technischem Können, kompositorischer Tiefe und emotionsgeladenem Spiel. Zum anderen die herausragende Stimme des Sängers, Komponisten und Textschreibers Daniel Gildenlöw, die manchmal binnen Sekunden von aggressivem Grunzen zu zartem Hauchen wechselt. Der Gesang ist sicherlich maßgeblich für die Ausdrucksstärke der Musik.

Zum Seitenanfang



Psychotic Waltz (USA)


Into the everflow, 1992
Psychotic Waltz: Into the everflow

Die Amerikaner "Psychotic Waltz" veröffentlichten ihre ersten Platten in der Zeit, in der auch Dream Theater erfolgreich wurden, bevorzugten aber eine andere, weniger technische und mehr auf Atmosphäre bedachte Spielart des Progmetal. Ihre vier Alben, die zwischen 1990 und 1996 erschienen, begeisterten zwar die Fachpresse und eine Schar von Musikliebhabern, trotzdem mußten sich die Musiker nach fast jeder CD eine neue Plattenfirma suchen, an kommerziellen Erfolg war nie zu denken. Heute, fünf Jahre nach ihrer Auflösung, scheint die Band fast vergessen zu sein, während man sie vor knapp 10 Jahren als psychedelische Alternative zum Traumtheater fast anerkannt hatte.

In ihrer Musik mischen sich harte Progmetal-Riffs - in der Anfangsphase an die frühen Fates Warning erinnernd - mit einer entspannten 70er-Jahre-Atmosphäre, was Psychotic Waltz zu den Erfindern einer Art Hippie-Progmetal macht. Hinzu kommt die spärlich eingesetzte Querflöte des Sängers und Bandleaders Buddy Lackey, die - wie sollte es anders sein - Querverweise zu Jethro Tull ermöglicht. Prägender für die Musik ist allerdings Lackeys einzigartige, wunderschön rauchig-klagende Stimme, an der sich bis heute noch Sänger im Progmetal-Bereich orientieren.

Mit "Into the everflow" gelang den Musikern das Kunststück, den auf ihrem recht sperrigen Debut eingeschlagenen Weg fortzuschreiten, ihre Kompositionen aber eingängiger und trotzdem intensiver zu gestalten. So wirkt diese Platte wie ein einziger farbenfroher (Drogen-)Rausch, ein Trip in surreale Welten, der mit einem Besuch bei Jimmy Hendrix ausklingt. Neben einer gelungenen Ballade und einigen wenigen härteren Tracks finden sich hier mehrere längere Lieder mit vielen Stimmungswechseln und Ideen für mehr als ein Album, was diese Platte auch heute noch zu einem Erlebnis macht - wenn man das Glück hat, jemanden zu finden, der sie einem verkaufen möchte.

Nach "Into the everflow" setzten Psychotic Waltz auf kürzere Songs und der psychedelische Anteil der Musik trat stärker in den Vordergrund. "Mosquito" und "Bleeding" enthalten zwar immer noch sehr gute Musik, sind aber unter Gesichtspunkten des Progmetals nicht mehr ganz so interessant.

Zum Seitenanfang



Queensryche (USA)


Operation Mindcrime, 1988
Queensryche: Operation Mindcrime

Queensryche spielten zunächst mit "The Warning" ein klassisches Metal-Album ein, das aber immerhin schon den Longtrack "Roads To Madness" mit Symphonieorchester enthielt. Es folgte "Rage For Order": verspielter Technokraten-Metal. Das dritte Album brachte der nordamerikanischen Progmetal-Band um Geoff Tate und seine Mannen schließlich den gewünschten Erfolg und Durchbruch.

Ausgerechnet ein düsteres Konzeptalbum (inhaltlich an Clockwork Orange angelehnt) mit nunmehr durchschlagenden Progressiv-Elementen und einem schrecklichen Cover verhalf der Band zu weltweitem Erfolg. Über eine Stunde wird auf diesem Album aus einem Guß musiziert - Soundeffekte und Übergänge à la Pink Floyd, verspielte Longtracks, aber auch kurze, harte Rocknummern geben der Scheibe eine beeindruckende Atmosphäre. Kurz: Es gab schon erfolgreichen und guten Progmetal, ehe Dream Theater mit Images And Words eine Lawine lostraten. Das folgende Album Empire war aus "progressiver Sicht" ein Flop, allerdings das bis dato kommerziell erfolgreichste Werk der Truppe. Schließlich gab es noch das Album Promised Land, welches auf andere Art und Weise als Operation Mindcrime Maßstäbe im harten, atmosphärischen Art-Rock setzte. Es folgten die üblichen musikalischen Differenzen, Hauptsongwriter Chris DeGarmo durfte noch eine "Quasi-Grunge"-Platte mit der Band aufnehmen (Hear In The Now Frontier), verabschiedete sich, die Band verlor den Plattenvertrag und das letzte Lebenszeichen war die ebenso erfolg- wie belanglose Scheibe Q2K - Schade...

Zum Seitenanfang



Shadow Gallery (USA)


Tyranny, 1998
Shadow Gallery: Tyranny

Bereits in den 80er arbeiteten Sänger Mike Baker und Bassist Carl-Cadden James bei der Band Sorcerer zusammen. Nach Anfängen mit Coverversionen von Yngwie Malmsteen und Rush waren die beiden bald auf der Suche nach einer eigenen Band und mit Gitarrist / Keyboarder Gary Wehrkamp fanden sie den passenden Mitmusiker, um schließlich 1991 Shadow Gallery zu gründen und als zweite Band beim amerikanischen Prog-Label Magna Carta einen Vertrag zu erhalten.

Schon auf dem unbetitelten Debüt finden sich die Trademarks, auf die man auch auf späteren Aufnahmen immer wieder stößt: die elegante Verbindung von Melodien und nötiger Härte, von kraftvollem Chorgesang und filigranen Vokalharmonien sowie eine gesunde Mischung aus Komplexität, epischen Longtracks und Zugänglichkeit. Shadow Gallery beweisen, dass man interessanten Prog Metal auch ohne Technikgebolze spielen kann. So zeigte das Debüt bereits gute Ansätze, die volle Kraft und ihr ganzes Können entfalteten die Amerikaner aber erst auf den nachfolgenden Alben.

Beim zweiten, dem 95er Werk "Carved in stone", hatte man das Line-Up zugunsten eines organischeren Sounds durch weitere Musiker ergänzt, um bei Fans und Kritikern noch mehr Zustimmung zu erhalten. Mit dem 98er Konzeptalbum "Tyranny", auf dem auch Dream Theater-Sänger James LaBrie und Royal Hunt-Shouter D.C. Cooper Gastauftritte hatten, lieferte die Band aus Pennsylvania schließlich ihr abwechslungsreichstes Album ab, das selbst im deutschen Magazin Rock Hard zur Platte des Monats gekürt wurde.

Zum Seitenanfang



Sieges Even (Deutschland)


A sense of change, 1991
Sieges Even: A sense of change

Keine deutsche Band in dieser Liste? Nicht ganz. Zwar fand die Geburtsstunde des modernen Progmetals Mitte der 80er Jahre vornehmlich in den USA statt, aber auch in Deutschland machten in dieser Zeit einige Bands von sich reden. So erschien 1988 mit "Life Cycle" das technisch sehr anspruchsvolle Debutalbum der süddeutschen "Sieges Even" um die Brüder Holzwarth. Die Platte weiß auch heute noch als eingängigere Version des Watchtower-Gefrickels mit politischen Texten zu gefallen. Zwei Jahre später kam als Haupteinfluß überraschenderweise Rush hinzu, "Steps" von 1990 wurde dennoch ein äußerst schwer zugängliches Album, da zu verkopft und abgehoben komponiert.

Ähnlich intellektuell und anspruchsvoll, aber dennoch voller Atmosphäre, Dynamik und Melodie erschien dann 1991 das verträumt-lyrische "A sense of change". An Watchtower erinnert hier nichts mehr. Gitarre und auch das Schlagzeug orientieren sich an den besten Momenten der 80er-Platten von Rush, die Kompositionen sind allerdings viel vertrackter. Keyboards finden sich immer noch nicht, dafür steht im Mittelpunkt des Titelsongs ein Streichquartett. Nicht nur dieser einmalige Einsatz von Streichern, auch die konzentrierte, nie nachlassende Spannung der Musik erinnert an "Perfect Symmetry" von Fates Warning. Vervollkommnet wird die Platte durch die warme, ausdrucksstarke Stimme des neu zur Band hinzugestoßenen Sängers Jogi Kaiser. Eingängige Melodien finden sich zwar nur selten, diese würden zu den abstrakten Texten der Lieder auch nicht passen. Dennoch weiß der Gesang den Hörer zu fesseln. Insgesamt ist der Platte nur die unüberhörbare Nähe zu den kanadischen Allroundprogrockern vorzuwerfen.

Mit Heavy Metal hat "A sense of change" zwar nur noch in den seltensten Momenten etwas zu tun, aber lieber ein bißchen in diese Schublade gepresst als völlig vergessen. Die Platte ist auch heute noch problemlos zu erwerben.

Zum Seitenanfang



Symphony X (USA)


The Divine Wings of Tragedy, 1997
Symphony X: The Divine Wings of Tragedy

Nach zwei eher halbgaren Platten schufen Symphony X 1997 ihr Highspeed Meisterwerk "The Divine Wings of Tragedy". Zwar konnten sie mit ihrer flitzefingerigen Mischung aus Dream Theater, Yngwie Malmsteen und gelegentlichem symphonischen Bombast nichts wirklich Neues liefern. Trotzdem haben sie ein eigenes unverkennbares Klangbild kreieren können, welches mittlerweile schon reichlich Nachahmer gefunden hat. Obwohl die Kompositionen gelegentlich aus kaum mehr als ultraschnell gespielten Gitarre/Keyboard-Läufen bestehen, und sich die "geschwindigkeitsbereinigte" Komplexität in Grenzen hält, macht die Platte einfach Spass. Was unter anderem am überzeugenden Sänger, den eingängigen Melodien und der ungemein knackigen Produktion liegt.

Sicher eine Band, die eher im Metal-Lager anzusiedeln ist als im Prog, aber Stücke wie "The Accolade" und das Titelstück gelten mit ihren Bombaststellen, mehrstimmigen Chorgesängen und ausladenden Kompositionen zu Recht als ProgMetal-Klassiker und machen den Kauf der Platte zur Pflicht. Nur allzu Schräges darf man nicht erwarten.

Zum Seitenanfang



Threshold (Großbritannien)


Wounded land, 1993
Threshold: Wounded land

Als 1993 dieses erste von bisher fünf Studioalben der Engländer veröffentlicht wurde, wollten die Kritiker die britische Antwort auf Dream Theater gehört haben. Dabei machen Threshold eine eher unspektakuläre und unkomplizierte Musik, weit entfernt vom instrumentalen Wettstreit amerikanischer Musikstudenten, allerdings bis heute auch ohne deren Erfolg. Die frühen Platten der Band hatten stattdessen eine unterschwellige Neoprog-Schlagseite. Dazu paßt, daß Gitarrist Karl Groom auch Pendragon produzierte und "Wounded Land" auf dem IQ-Label "GEP" veröffentlicht worden ist.

Auffällig ist der gesellschaftskritische Anspruch, den Threshold zumindest auf ihrem Debut an ihre Musik stellen, die Texten sprechen Themen wie Umweltzerstörung und Drogenmißbrauch an. Der Erfolg dieser Platte ist nicht zuletzt der recht bekannten Stimme von Damian Wilson zu verdanken, dem hier einer seiner besten Auftritte gelingt. Bei Threshold hielt es ihn allerdings nicht besonders lange. Insgesamt steht dort bereits der dritte Sänger hinter dem Mikrophon. Zu Wilsons melancholischem Gesang gesellen sich auf "Wounded Land" zwei Gitarren, die die Musik auf Metal trimmen, und nahezu ebenbürtige Keyboards. Den Instrumenten werden insbesondere in den längeren Liedern der CD gelungene solistische Ausbrüche gestattet. Die Eigenständigkeit der Musik liegt aber nicht in den instrumentalen Fertigkeiten der einzelnen Musiker, sondern in der Verbindung der Melodien des Neoprog mit der Power und dem Groove einer Metalband.

Heute hört sich das Album nicht mehr ganz so frisch an, auf ihren aktuellen CDs hat die Band ihren Stil auch verfeinert und modernisiert. Die Bezeichnung "Klassiker" verdient aber nur "Wounded land", hier findet sich mit "Paradox" auch ein Lied, das bis heute auf keinem Konzert der Band fehlen darf. Das Album wird im September 2001 auf InsideOut wiederveröffentlicht.

Zum Seitenanfang



Watchtower (USA)


Control and Resistance, 1989
Watchtower: Control and Resistance

Watchtower sind dafür, daß wir sie zu den Klassikern zählen, die wohl unbekannteste der "alten" Bands. Dies dürfte vor allem daran liegen, daß sie schon nach ihrem zweiten Album, dem hier vorgestellten "Control and Resistance", die Arbeit eingestellt haben. Aber diese Band hat praktisch im Alleingang jenes Sub-Genre des Prog Metal gegründet, welches man heute wahlweise Technical- oder Mathematical-Metal nennt. Wer Bands wie Power of Omens, Spiral Architect oder Spastic Ink (ebenso mit Watchtower Ober-Frickel-Guru Ron Jarzombek an der Gitarre) schätzt, kommt an "Control and Resistance" kaum vorbei.

Unvorbereitete Zuhörer seien aber gewarnt, denn derart hektische und frickelig-abgefahrene Musik kriegt man auch im Prog selten zu hören. Schlagzeug, Gitarre und Baß häkeln ein so dichtes und verzwicktes Gewebe, dass man Knoten im Gehirn kriegt. Leider versucht der Sänger auch mit seiner Stimme zu "frickeln", was ziemlich schief geht und den Genuß an dieser Platte deutlich trübt. Wem die Musik aber nicht technisch genug sein kann, der wird hier Erfüllung finden.

Zum Seitenanfang



Tipps abseits der Hauptliste

Anacrusis (Deutschland)


Screams and whispers, 1993


Diese Band und insbesondere diese Platte sind ein schönes Beispiel dafür, daß fernab des Progmetal-Mainstreams recht unbekannte Juwelen ihrer Entdeckung harren. Vielleicht wird gerade "Screams and whispers" dieser Tage aus seinem Dornröschenschlaf erlöst, denn das Album wurde 1999 wiederveröffentlicht und der Name der Band fällt in Interviews überraschend oft.

Bei "Screams and whispers" handelt es sich um das vierte und letzte Album der aus Bridgeton bei St. Louis (Missouri) stammenden Thrasher. Nachdem man sich mit dem ähnlich genialen Vorgänger "Manic Impressions" einen Ruf als düstere und technisch versierte Thrash-Band erspielt hatte, erweiterten die Musiker 1993 die Grenzen ihrer Musik, fügten einfach gehaltene, aber um so stimmungsvollere Synthie-Klänge hinzu und schufen eine atmospärische Dichte, die in ihrer Melancholie an manche Wave-Band erinnert. Dabei bleiben Anacrusis immer noch eine aggressive Thrashband. Der unglaublich vielseitige Sänger und Gitarrist Kenn Nardi kreischt mitunter ähnlich derb wie auf dem Vorgängeralbum und auch die Gitarren versuchen in einigen der Lieder noch thrashige Ausfälle, aber das emotionale Chaos verbirgt sich auf "Screams and whispers" meist unter einer zähen Schicht aus kontrolliertem Gleichmut, was die Musik nur noch bedrohlicher und intensiver wirken läßt.

Ein einzigartiges Album, das den Hörer in seinen Bann schlägt und nicht mehr losläßt.

Zum Seitenanfang



Magellan (USA)


Test of Wills, 1997


Die kalifornische Band Magellan um die beiden Brüder Trent und Wayne Gardner hat bislang drei Alben auf dem Magna Carta Label veröffentlicht. Die Band ist stilistisch im Grenzbereich zwischen modernem Progressive Rock und Prog Metal einzuordnen. Auf sämtlichen Alben wird der Bombastfaktor sehr groß geschrieben. Das Debüt "Hour Of Restoration" (1991) glänzt mit dem fantastischen Longtrack "Magna Carta". Sämtliche Titel der Band stammen aus der Feder von Trent Gardner, der neben den Keyboards auch für den Gesang verantwortlich zeichnet. Mit dem nachfolgenden Album "Impending Ascension" (1993) wurde der schon auf dem Debüt vorhandene Bombast nochmals überboten.

Kritiker werfen der Band zum Teil hoffnungslose Überfrachtung vor, die nichts als Kälte verbreitet. Der Einsatz an Technik ist bei Magellan wahrlich immens und teilweise irrwitzige Keyboardläufe wetteifern mit harten Gitarrenriffs. Wer aber auf unendlichen Bombast mit einer gehörigen Portion an Härte steht, wird dennoch Gefallen an dem wunderbar "überfrachteten" Sound von Magellan finden. Die Einzigartigkeit und Stärke der Band liegt gerade in dem als klinisch kalt kritisierten Sound.

Mit dem Album "Test Of Wills" (1997) trieb man diese stilistische Eigenart auf die Spitze. Wenn dann Keyboarder Trent Gardner auch noch vehement in die Posaune bläst, so drängt sich der Begriff "Kultfaktor" auf". Die Kreativität dieser Band scheint keine Grenzen zu kennen.

Zum Seitenanfang



Opeth (Schweden)


Morningrise, 1996


Als kleiner, aber stetig wachsender Nebenzweig des Prog Metal hat sich die etwas obskure Mischung aus Death-Metal artigen Grunz-Gesang und den aus dem ProgMetal bekannten Zutaten etabliert. Als Vorreiter auf diesem Gebiet gelten eindeutig Opeth, welche sich schon 1990 formierten und aus einer Death-Metal Cover-Band entstanden sind. Schon früh emanzipierten sie sich von den extrem simplen Songs der 80er Jahre Death-Metal Bands und verbanden aggressive Gitarren und "Gesangs"-Arbeit mit vielschichtigen Songstrukturen und in diesem Bereich noch nie gehörten Harmonien.

Der erste Meilenstein des Subgenres und gleichzeitige Durchbruch der Band ist das 1996 erschienene zweite Opeth-Album "Morningrise". Auf gut 66 Minuten Spielzeit verteilen sich gerade mal fünf Stücke. Um das 20 Minütige Meisterwerk "Black Rose Immortal" scharen sich weitere vier ebenso überzeugende Longtracks in der 10 Minuten-Klasse. Das alleine war damals in Death-Metal Kreisen eine kleine Sensation.

Die Faszination der Stücke geht aber von der gelungenen Mischung aus harten Thrash-artigen Metal-Teilen, furiosem Schlagzeugspiel, den unvermeidlichen Vocals auf der einen Seite und langen endlos melodischen akustischen Passagen auf der anderen Seite aus. Auch der Gesang wechselt je nach Stimmung zwischen harschem Grunzen und klaren "normalen" Gesang. Natürlich ist dies für den normalen Prog Fans nicht unbedingt leicht verdaulich! Aber wenn man mal in diese Gefilde reinschnuppern möchte, ist diese Platte sicherlich erste Wahl.

Zum Seitenanfang



Voivod (Kanada)


The Outer Limits, 1993


Kanadische Bands haben immer schon Ausrufezeichen in Sachen Innovation gesetzt - die aus dem französisch-sprachigen Raum stammende Band Voivod bildet da keine Ausnahme, auch wenn sie zur härteren Fraktion im Lande zählt.

Die Ursprünge der Band finden sich im Industrial-Metal, wohin man nach einer Prog-Phase mehr oder weniger zurückkehrte. Die Alben Nothingface, Angel Rat und vorliegendes Meisterwerk fügen sich nur bedingt in die üblichen Progstrukturen - man musiziert hart, gitarren- und rhythmusbetont, kombiniert dies aber mit futuristischer Atmosphärik und leichtem Floyd-Touch, einer Band, die auch immer mal wieder durch Coverversionen (hier The Nile Song) geehrt wird. Wer bei Voivod nach Extrem-Frickel-Parts Ausschau hält wird sich enttäuscht sehen, es werden mehr verwobene Kompositionen in die Waagschale geworfen und immer wieder interessante Stimmungen aufgebaut. Bei technisiertem Metal wie diesem ist eine herausragende Produktion unabdinglich und Voivod erfüllen diesen Anspruch in jeder Form, konnte man doch auf die finanzielle Unterstützung von MCA Records bauen. Darüber hinaus besitzt Dennis Belanger genau die "Charakter-Stimme" um die perfekte Umsetzung musikalischer Science Fiction Movies abzurunden. Herzstück der Scheibe ist das 17-minütige Jack Luminous - in dem auch die vorher zumeist vergeblich gesuchten Breaks auftauchen. Ein Monstertrack über das tragische Schicksal des Aliens Jack, der auf die Erde kommt, um die Menschheit vor dem Diktator President X-D zu warnen. Die Menschheit glaubt nicht an Aliens, wird unterjocht und Jack zieht zum nächsten Planeten weiter... Diese augenzwinkernde Geschichte wird mit einer Tiefe erzählt, die einem einen Science Fiction-Comic vor das geistige Auge zaubert - alle Charaktere werden nachvollziehbar mit "Szenen-Musik" und entsprechendem Gesang gezeichnet. Alles in allem ein Beweis für die Stärke der Band, futuristische, anspruchsvolle und doch nachvollziehbare Musik zu spielen.

Voivod haben mit den drei Progmetal-Alben Nothingface, Angel Rat und v.a. The Outer Limits an der Geschichte dieser Spielart des Prog kräftig und vollkommen eigenständig mitgewerkelt, und auch wenn sie heute völlig andere Musik machen, gebührt ihnen der Respekt der Progrock-Szene.

Zum Seitenanfang



© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum