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19284 Rezensionen zu 13077 Alben von 4951 Bands.
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Leitfaden:

ProgMetal



Progmetal ist wie viele Subgenres des Progressive Rock ein Crossover-Genre. In diesem Fall ist es eine Mischform aus Prog und Heavy Metal. Da wir es mit dem Progressive Rock mit einer vornehmlich durch Strukturen, mit dem Heavy Metal dagegen mit einer vornehmlich durch den Sound geprägten Musik zu tun haben, liegt der Verdacht nahe, dass Progmetal einfach Progressive Rock mit "Heavy-Sounds" (stark verzerrten Gitarren, Blastbeats) ist. Doch so einfach liegt der Fall nicht. Denn der Progmetal lässt sich, wie auch der Prog und der Metal selbst, noch weiter in (beliebig) viele Subgenres unterteilen.

Die Anfänge des Progmetal liegen, wie oft zu lesen ist, bei Rush. Tatsächlich beziehen sich viele frühe Progmetal-Alben auf Rush, unüberhörbar ist das z. B. bei Atheist, Pestilence und Voivod. Gleichzeitig, also in den 1980er Jahren, bauten aber auch reinrassige Metalbands komplexere Elemente in ihre Musik ein, Iron Maiden etwa oder Metallica.

Ein "Jahr 0" des Progmetal gibt es demnach nicht. Vielmehr bildet er sich Mitte, Ende der 80er über zunächst nur vereinzelte Alben nach und nach heraus. Die wichtigsten bands in dieser Phase waren Fates Warning, Watchtower und Dream Theater. Die Intiative ging dabei also eindeutig von der Metalszene aus, die damals weitaus lebendiger und differenzierter war als die kaum noch vorhandene Progszene. Es gibt aber ein Jahr, das als Wasserscheide gelten kann: das Jahr 1991/1992. Innerhalb kürzester Zeit erschienen damals Alben, die den Progmetal endgültig als Genre etablierten. Danach ging es vor allem um Weiterentwicklung, Ausdifferenzierung und - es ist eben Metal - um höher, schneller und weiter.

Zu den Alben die damals Anfang der Neunziger das neue Genre endgültig definierten, gehörte Dream Theaters "Images And Words", dessen Wirkung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Nach "Images and Words" explodierte der Progmetal geradezu, und allerorten sprossen Bands aus dem Boden, die Dream Theater und all den anderen nachzueifern versuchten. Seitdem "frickeln" Gitarristen, und Keyboarder sind nicht mehr ausschließlich für In- und Outro zuständig. In vielen Fällen, vor allem im sogenannten Tech-Metal, artete die neue Lust am schnellen und vertrackten Spiel zu unerträglichen "Frickelorgien" aus.

Inzwischen haben sich viele Bands etabliert, die mal eher heavy, mal eher proggy sind und dabei erfolgreich auf den Spuren der frühen Pioniere wandeln. Allerdings wird vieles als "Prog"-Metal bezeichnet, was eigentlich nur fehlerfrei gespielter Metal mit Keyboards und sauberer Produktion ist. Auf der anderen Seite hat der Prog-Virus auch die härteren Metalregionen infiziert, progressiver Thrashmetal (Anacrusis, Tourniquet) oder sogar progressiver Deathmetal (Opeth, Atheist) ist mittlerweile recht erfolgreich und für aufgeschlossene Progrocker einen Versuch wert.

Über die Jahre entwickelte sich der Progmetal zeitweilig zum regsten Subgenre des Progressive Rock. Die Kollision der beiden Welten führte aber auch ganz allgemein zu einer Weiterentwicklung, auch im Prog selbst. Zusätzlich führte dieser Zusammenstoß dazu, daß viele Metal-Hörer auch den übrigen Prog kennenlernten und umgekehrt der eine oder andere Progger Gefallen am eher unkomplizierten Speed-, Thrash- oder Powermetal fand.

Die hier aufgeführten Bands stellen eine Auswahl an wichtigen Vorreitern und Newcomern der Progmetal-Szene dar.

Die Hauptliste

Atheist (USA)


Unquestionable Presence, 1991
Atheist: Unquestionable Presence

Die 1984 gegründete amerikanische Death-Metal-Band Atheist spielte zwischen 1989 und 1993 drei Alben ein, die Heavy Metal und Progressive Rock zu verbinden suchten. Als herausragend gilt heute "Unquestionable Presence" (1991), das Jazzharmonien, Progelemente und Latin-Rhythmen in den Death-Metal der Band integrierte, so das eine Art Tech-Death-Album entstand. Und obwohl "Unquestionable Presence" im Vergleich mit gleichzeitigen Alben etwa von Death, Voivod oder Pestilence vielleicht nicht unbedingt am allerbesten abschneidet, so ist es mit seiner früher Ausformulierung des Progmetal doch bis heute ein unumstrittener Klassiker des Genres.

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Death (USA)


The Sound of Perseverance, 1998
Death: The Sound of Perseverance

Deaths „The Sound Of Perseverance“ (1998) ist eines der wenigen Alben, die mit voller Berechtigung als Meilensteine gelten dürfen. Und das gleich in zwei Genres: Der viel zu früh und viel zu tragisch verstorbene Chuck Schuldiner, hat damit sowohl im Death Metal als auch im Prog Metal ein Zeichen gesetzt. Er führte den Death Metal an seine technischen Grenzen und zeigte den Progmetallern, was Härte sein kann.

Das wahrlich markerschütternde Album ist zudem ein veritables Konzeptalbum, das sich mit dem Kampf zwischen Gut und Böse im Innern eines jeden Menschen auseinandersetzt.

Höhepunkt des Albums – oder doch zumindest besonders repräsentativ – ist der Song “Spirit Crusher“, das mit einem krummtaktigen Bassrelief beginnt, bis es sich mit bluttriefenden Gewittergitarren und den grausamen Gekrächze Schuldiners in die Hörnerven des Hörer fräst. Hoffnungslosigkeit, Kälte und Härte sind die Gefühle, die hier vorherrschen. Unterbrochen wird das Riffgewitter dann durch jazzig-avantgardistische Passagen, die den Song immer wieder in neue Richtungen Haken schlagen lassen. Ein Meisterwerk.

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Dream Theater (USA)


Images and Words, 1992
Dream Theater: Images and Words

A Dramatic Turn of Events, 2011
Dream Theater: A Dramatic Turn of Events

Dream Theater ist einer der wichtigsten Vertreter des Progressive Metal und nach Tool vermutlich der zweit-erfolgreichste. und als eine der kommerziell erfolgreichsten Bands dieses Genres. Die 1985 von den Berklee-College-of-Music-Studenten John Petrucci, John Myung und Mike Portnoy unter dem Namen "Majesty" gegründete Band verband in der Folge pathetische Melodien, die vom klassischen Stadionrock beeinflusst sind, mit technisch äußerst anspruchsvollen Instrumentalpassagen, die dem Tech-Metal entlehnt wurden, zu einer stilistisch eigenständigen Musik, die immer wieder zwischen harten Metalklängen und Retroprog hin und her pendelt.

Mit ihrem zweiten Album "Images and Words" (1992) gelang der Band der Durchbruch: 600.000 verkaufte Exemplare allein in den USA und die Hitsingle "Pull Me Under" machten die Band schlagartig bekannt und das Album zu einem der einflussreichsten in der Geschichte des Progressive Metal. "Images and Words" enthielt zudem den Longtrack Metropolis Pt. 1: "The Miracle and the Sleeper", der einige Jahre später in Form eines ganzen Albums, "Metropolis Pt. 2: Scenes from a Memory", seine Fortsetzung fand.

Der Ausstieg des Schlagzeugers Mike Portnoy 2010 schockierte die Fans zunächst, doch konnte die Band 2011 mit "A Dramatic Turn of Events" eines der stärksten Alben ihrer Geschichte vorlegen. Einflüsse aus Tech-Metal, AOR und Retroprog fanden hier zu einer zuvor kaum je erreichten Balance, was in durchgehend starken Songs auf einer Platte ohne Durchhänger zum ultimativen Ausdruck des Dream-Theater-Stils kam.

Neben ihrem Engagement für Dream Theater sind alle Bandmitglieder auch in weiteren Projekten tätig. Allen voran Mike Portnoy, der sich sehr für die Förderung junger Prog- und Metal-Musiker einsetzt und in vielen Projekten spielt, darunter Transatlantic, Liquid Tension Experiment und Neal Morses Band.

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Fates Warning (USA)


Awaken the guardian, 1986
Fates Warning: Awaken the guardian

Fates Warning stehen wie eigentlich nur noch Dream Theater für den Begriff "Progmetal". Anders als Dream Theater haben sie jedoch ihre musikalische Laufbahn als (fast) reine Metalband begonnen. Auf ihren frühen Alben spielten sie eine rauhe Version von Iron Maiden's New Wave of British Heavy Metal, erst auf ihrem dritten Album "Awaken the guardian" lösten sie sich ganz von ihren Wurzeln und veröffentlichten gleich die wichtigste Progmetalplatte der 80er Jahre. "Awaken the guardian" besticht durch einzigartige Gitarren, weit überdurchschnittliches Drumming und einprägsame Melodien, deren Tiefen durch den damaligen Sänger John Arch gekonnt ausgelotet werden. Den Musikern gelingt es, atmosphärische Intensität zu schaffen, ohne auf die im Progmetal erst durch Dream Theater in Mode kommenden Keyboards zurückgreifen zu müssen. Hier stimmt einfach alles, das Album besitzt genug Komplexität, um nicht langweilig zu werden und geht trotzdem leicht ins Ohr. Es ist daher verständlich, daß "Awaken the guardian" großen Einfluß auf den Progmetal der 90er hatte.

Von den vielen Fates Warning-Platten, die diesem Meilenstein folgten, könnte man die meisten in dieser Liste unterbringen. Doch sei nur kurz erwähnt, daß "Perfect symmetry" von 1989, aber auch die aktuelle Platte der Amerikaner, "Disconnected" aus dem Jahr 2000, längst ihren Platz im Progmetal-Olymp eingenommen haben.

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Mastodon (USA)


Crack the Skye, 2009
Mastodon: Crack the Skye

Mastodon starteten als Death-Metal-Band, die allerdings bald zu einem Sound fand, der Barrieren zwischen gleich mehreren Musikrichtungen einreißt: Die Band verbindet auf „Crack the Skye“ (2009), ihrem bislang besten Album, mühelos Death Metal, Sludge, Djent, Alternative, Nu Metal, Prog und Alternative zu einem überraschend eigenständigen, zwischen sphärischer Mystik und unzweideutiger Härte pendelnden Progmetal . Dabei zeigen sie sich, was den Prog angeht, mal von Tool, mal von King Crimson, mal von Pink Floyd beeinflusst. "Crack the Skye" bildet den Abschluss eines 4-Alben-Zyklus über die vier Elemente, seither haben sie sich wieder einfacher getrickter, geradlinigerer Musik verschrieben. Dennoch darf man gespannt sein, wozu das Potenzial dieser Band sie noch befähigen wird.

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Meshuggah (Schweden)


Nothing, 2002
Meshuggah: Nothing

Nicht ganz so revolutionär wie die beiden Erstlingswerke, nicht so kompromisslos wie „Chaosphere“ und noch nicht so abgenutzt wie „Catch 33“, „ObZen“ und „Koloss“. „Nothing“ ist Meshuggahs Konsens(Meister-)werk. Meshuggah waren Anfang der 90er das Gegengift zu Grunge und Hüpfmetal, waren brutaler als der verwaschene, skandinavische frühneunziger Black-Metal und industrieller als der kommerziell gewordene Industrialrock/Metal. Meshuggah beziehen ihre Brutalität aus dem Rhythmus, dem sich alles andere musikalisch unterordnen muss. Das war in dieser Konsequenz neu und hat sich bis heute bei Meshuggah nicht geändert. Hier wurde die Grundlage des Djent geschaffen, der damals noch technischer Trash-Metal hieß. Und wo ist der Prog? Soli gibt’s nur vereinzelt, und wenn sie auftauchen, gleichen sie jazzigen Improvisationen. Komplexe Songaufbauten sucht man meist auch vergebens. Meshuggah sind Rhythmus und dort sitzt auch der Prog. Was hier in der Rhythmusgruppe im Mikrokosmos geschieht, ist unglaublich, und dass dieses komplexe Geäst auch noch ohne Ende groovt, ist wahrlich einer Aufnahme in die Progmetal-Hall-of-Fame wert. Wer Progmetal mit Dream Theater und Fates Warning verbindet, wird sich hier wohl schwer tun und seine Hörgewohnheiten umstellen müssen. Wer sich aber darauf einlässt, findet in Meshuggah einen der originellsten Vertreter der Metalszene und (wie sich in den Jahren noch herausstellen sollte) einen bedeutenden Erneuerer des ProgMetals. Und wer sich an den schrägen, aber seltenen Soli nicht satthören kann, dem sei Fredrik Thordendals Solo Scheibe „Sol Niger Within“ empfohlen.

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Pain of Salvation (Schweden)


The Perfect Element I, 2000
Pain of Salvation: The Perfect Element I

Mitte bis Ende der 90er Jahre schien die Innovationskraft des Prog Metal ein Ende zu haben. Neue Bands beschränkten sich meist darauf mehr oder minder gelungene Plagiate der vier großen "alten" Prog Metal Bands zu produzieren. Viele Bands waren entweder in der Versenkung verschwunden oder dem Primitiv-Rock anheimgefallen. Einzelne Musiker haben kreative Durchhänger ihrer Hauptbands in diversen Side-Projects und Supergroups zu überwinden versucht. Die Aufnahme eines neuen "Klassikers" wie "A Pleasant Shades of Gray" von "Fates Warning" blieb hingegen die Ausnahme.

In dieser recht verfahrenen Situation hatten "Pain of Salvation" 1997 Erbarmen mit den gebeutelten Hörern und sorgten für frischen Wind. Weit entfernt davon die großen Alten einfach kopieren zu wollen, verarbeiteten die Schweden in ihrer Musik die unterschiedlichsten Einflüsse von Dream Theater bis "Rage against the machine" und haben sich auf diese Weise ihre eigene musikalische Nische geschaffen.

Der dritte Output dieser kreativen Band - "The Perfect Element I" - fasst die Stärken der beiden Vorgänger zusammen. Während das Album, ähnlich dem direkten Vorgänger "One Hour by the Concrete Lake" (1998), zwar durch atmosphärische Dichte zusammengehalten wird, eifert es dem ersten Pain of Salvation-Album - "Entropia" - doch insofern nach, als die einzelnen Songs trotzdem eigene Identität haben. Dieser Spagat ist auf "One Hour.." noch nicht so gelungen, bzw. war nicht so gewollt. Außerdem zeigt "The Perfect Element", ein Konzeptalbum mit Überlänge, die typischen Pain of Salvation-Trademarks: Zum einen die im Prog Metal sehr seltene Balance aus technischem Können, kompositorischer Tiefe und emotionsgeladenem Spiel. Zum anderen die herausragende Stimme des Sängers, Komponisten und Textschreibers Daniel Gildenlöw, die manchmal binnen Sekunden von aggressivem Grunzen zu zartem Hauchen wechselt. Der Gesang ist sicherlich maßgeblich für die Ausdrucksstärke der Musik.

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Panzerballett (Deutschland)


Panzerballett, 2005
Panzerballett: Panzerballett

Panzerballett sind das Hirnkind des studierten Gitarristen und Komponisten Jan Zehrfeld, der 2004 Jazz und Metal zum Jazzmetal zusammenführte, um der Aggression einen Weg in den Jazz zu eröffnen. Panzerballett spielen seither sowohl Eigenkompositionen von Zehrfeld als auch verkrasste Coverversionen mehr (Deep Purple, AC/DC, Nicole) oder weniger (Weather Report, Zappa) abwegiger Songs aus Rock, Pop und Jazz im Soundgewand des Metal, das unter anderem durch Instrumente wie das Saxophon, gewisse stilistische Einflüsse u. a. zum Jazz hin geöffnet wird. Dabei sind Panzerballett einerseits von Jazz- und Funk-, andererseits von Prog- und Extreme-Metal-Bands beeinflusst, bewahren sich aber ihre Eigenständigkeit durch ihr außergewöhnlich hohes spielerisches Niveau und die ebenso spielerische Herangehensweise an ihre Musik. Dies brachte ihnen viel Anerkennung ein, u. a. Auftritte bei der Zappanale, Konzerte mit John McLaughlin und Chick Corea, Fernsehauftrittre und ein Feature im Spiegel.

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Pestilence (Niederlande)


Spheres, 1993
Pestilence: Spheres

Die niederländische Tech-Death-Metal-Band Pestilence wurde 1985 von Randy Meinhard, Patrick Mameli und Marco Foddis gegründet. Nach zwei, drei Alben im Thrash- bzw. Death-Metal-Genre, die vor allem durch den damals neuartigen gutturalen Gesang auffielen, legten sie 1993 mit "Spheres" einen der großen Progmetal-Klassiker vor. Neben King Crimson und vor allem Rush flossen auch Elemente aus Jazz und Fusion in den Stil der Band ein. Das Album floppte jedoch und so löste sich die Band 1994 auf. Erst 2008 fand man wieder zusammen.

"Spheres" hockt zwischen allen Stühlen: Tech, Death, Prog und Fusion werden zu einer überraschend gut funktionierenden Mischung aus Rush abgelauschten Melodien, Jazzharmonien, Dissonanzen, krummen Takten und andauernden Breaks zusammengeführt. Die gelegentlich allzu enge Orientierung an Rush anno 1979 nimmt man der Band angesichts ihres immensen Können nicht übel. Der Sound ist dabei für ein Metal-Album ungewöhnlich hardrockig, also für einen z. B. mit Rush sozialisierten Hörer ohne Probleme zu verdauen. Der vollkommen melodiefreie Kreischgesang von Patrick Mameli ist für den Hörer, der Metal nicht gewohnt ist, allerdings gewöhnungsbedürftig. Doch auch in diesem Bereich ist "Spheres" weniger extrem als andere Alben. Womöglich ist die Scheibe deshalb gefloppt?

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Psychotic Waltz (USA)


Into the everflow, 1992
Psychotic Waltz: Into the everflow

Die Amerikaner "Psychotic Waltz" veröffentlichten ihre ersten Platten in der Zeit, in der auch Dream Theater erfolgreich wurden, bevorzugten aber eine andere, weniger technische und mehr auf Atmosphäre bedachte Spielart des Progmetal. Ihre vier Alben, die zwischen 1990 und 1996 erschienen, begeisterten zwar die Fachpresse und eine Schar von Musikliebhabern, trotzdem mußten sich die Musiker nach fast jeder CD eine neue Plattenfirma suchen, an kommerziellen Erfolg war nie zu denken. Heute, fünf Jahre nach ihrer Auflösung, scheint die Band fast vergessen zu sein, während man sie vor knapp 10 Jahren als psychedelische Alternative zum Traumtheater fast anerkannt hatte.

In ihrer Musik mischen sich harte Progmetal-Riffs - in der Anfangsphase an die frühen Fates Warning erinnernd - mit einer entspannten 70er-Jahre-Atmosphäre, was Psychotic Waltz zu den Erfindern einer Art Hippie-Progmetal macht. Hinzu kommt die spärlich eingesetzte Querflöte des Sängers und Bandleaders Buddy Lackey, die - wie sollte es anders sein - Querverweise zu Jethro Tull ermöglicht. Prägender für die Musik ist allerdings Lackeys einzigartige, wunderschön rauchig-klagende Stimme, an der sich bis heute noch Sänger im Progmetal-Bereich orientieren.

Mit "Into the everflow" gelang den Musikern das Kunststück, den auf ihrem recht sperrigen Debut eingeschlagenen Weg fortzuschreiten, ihre Kompositionen aber eingängiger und trotzdem intensiver zu gestalten. So wirkt diese Platte wie ein einziger farbenfroher (Drogen-)Rausch, ein Trip in surreale Welten, der mit einem Besuch bei Jimmy Hendrix ausklingt. Neben einer gelungenen Ballade und einigen wenigen härteren Tracks finden sich hier mehrere längere Lieder mit vielen Stimmungswechseln und Ideen für mehr als ein Album, was diese Platte auch heute noch zu einem Erlebnis macht - wenn man das Glück hat, jemanden zu finden, der sie einem verkaufen möchte.

Nach "Into the everflow" setzten Psychotic Waltz auf kürzere Songs und der psychedelische Anteil der Musik trat stärker in den Vordergrund. "Mosquito" und "Bleeding" enthalten zwar immer noch sehr gute Musik, sind aber unter Gesichtspunkten des Progmetals nicht mehr ganz so interessant.

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Shining (Norwegen)


in the kingdom of kitsch you will be a monster, 2005
Shining: in the kingdom of kitsch you will be a monster

Die Norweger Shining starteten einst als "Post-Bop-Jazz"-Band, bevor sie sich mit 2005 „in the kingdom of kitsch you will be a monster“ einem tobsüchtigen, pegelsprengend kreischenden Stahlgewittermetal zuwandten, der einem bei jedem Hören zwei, drei Zentimeter tief die Haut abfrisst. Dazu kleidet sich die Band seither der martialischen Ästhetik gemäß, die ihre Musik ausstrahlt.

Der musikalische Gehalt ist bei all der überintensiven Soundgewalt schwergewichtig, aber nicht überfodernd. Shining setzen klassische Elemente des Progmetal ein - Gefrickel mit kleinen Intervallen, Stop-and-Go-Passagen, krumme Rhythmen, ineinander verwobene Linien, die von zwei oder mehreren Instrumenten gespielt werden - wenn auch in deutlich höherem Tempo und mit viel heftigem Geschrei. Dazu erzeugen elektronische Effektgeräte einen nervtötenden Soundrausch.

„in the kingdom of kitsch you will be a monster“ markiert den Wendepunkt in der Bandgeschichte, das 2010er Album "Blackjazz" mag dagegen der bisherige Höhepunkt der Bandgeschichte sein.

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Sieges Even (Deutschland)


A sense of change, 1991
Sieges Even: A sense of change

Keine deutsche Band in dieser Liste? Nicht ganz. Zwar fand die Geburtsstunde des modernen Progmetals Mitte der 80er Jahre vornehmlich in den USA statt, aber auch in Deutschland machten in dieser Zeit einige Bands von sich reden. So erschien 1988 mit "Life Cycle" das technisch sehr anspruchsvolle Debutalbum der süddeutschen "Sieges Even" um die Brüder Holzwarth. Die Platte weiß auch heute noch als eingängigere Version des Watchtower-Gefrickels mit politischen Texten zu gefallen. Zwei Jahre später kam als Haupteinfluß überraschenderweise Rush hinzu, "Steps" von 1990 wurde dennoch ein äußerst schwer zugängliches Album, da zu verkopft und abgehoben komponiert.

Ähnlich intellektuell und anspruchsvoll, aber dennoch voller Atmosphäre, Dynamik und Melodie erschien dann 1991 das verträumt-lyrische "A sense of change". An Watchtower erinnert hier nichts mehr. Gitarre und auch das Schlagzeug orientieren sich an den besten Momenten der 80er-Platten von Rush, die Kompositionen sind allerdings viel vertrackter. Keyboards finden sich immer noch nicht, dafür steht im Mittelpunkt des Titelsongs ein Streichquartett. Nicht nur dieser einmalige Einsatz von Streichern, auch die konzentrierte, nie nachlassende Spannung der Musik erinnert an "Perfect Symmetry" von Fates Warning. Vervollkommnet wird die Platte durch die warme, ausdrucksstarke Stimme des neu zur Band hinzugestoßenen Sängers Jogi Kaiser. Eingängige Melodien finden sich zwar nur selten, diese würden zu den abstrakten Texten der Lieder auch nicht passen. Dennoch weiß der Gesang den Hörer zu fesseln. Insgesamt ist der Platte nur die unüberhörbare Nähe zu den kanadischen Allroundprogrockern vorzuwerfen.

Mit Heavy Metal hat "A sense of change" zwar nur noch in den seltensten Momenten etwas zu tun, aber lieber ein bißchen in diese Schublade gepresst als völlig vergessen. Die Platte ist auch heute noch problemlos zu erwerben.

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Tool (USA)


Lateralus, 2001
Tool: Lateralus

Um es gleich vorweg zu nehmen: Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum sind Tool keine Alternative-Band. Sie sind auch keine Metal-Band. Tool sind, und das werden sie selbst nicht müde zu betonen, eine Progressive-Rock-Band. Und wenn man das ernst nimmt, was man angehörs der Musik nicht anders kann, haben wir hier die erfolgreichste und bekannteste Progband der Gegenwart vor uns. Und das kam so: In den Neunziger starteten die vier Musiker als wüste Metalcombo, mit dem `96er Album "Ænima" kam dann jedoch eine Wende hin zu einem hoch stilisierten und stark an der Spätphase King Crimsons orientierten Progmetal. Mit „Lateralus“ (2001) brachten sie diesen neuen Stil dann erstmals auf den Punkt: Düsteren Alternative-Metal, brachiale Riffs, in teilweise haarsträubend komplexen Polyrythmen für Leute, denen King Crimson nicht hart genug sind. Dazu der oft gequält dünne Gesang des enigmatischen Maynard James Keenan, der oft mit dem Rücken zum Publikum und in SM-Maskerade auftritt. Dazu drehen Tool selbst äußerst verstörende Videos (Gitarrist Adam Jones war einige Jahre lang als Special Effects Designer tätig).

Diese Videos haben, ebenso wie die Texte der Band, stark zu ihrem Image als hermetische und okkulte Gemeinschaft beigetragen. Mikrokosmos und Makrokosmos werden thematisiert, Innen und außen, in Form von Architektur, von Sektionen, aber auch banal als Fistingszene. Tool lieben es darüber hinaus, die Öffentlichkeit mit falschen Album- und Songtiteln, Schwadronierereien über Okkultismus und erfundene Philosophen und schrägen religiösen Verlautbarungen hinters Licht zu führen. Dass sie nur alle paar Jahre ein Album veröffentlichen, trägt zum Mythos dieser Band bei.

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Voivod (Deutschland)


Nothingface, 1989
Voivod: Nothingface

"Nothingface" ist Voivods Beitrag zur Gründungsgeschichte des Progmetal. Das fünfte Album der Kanadier erschien 1989 und ist bis heute die kommerziell erfolgreichste Scheibe der Band. Und das, obwohl sie sich damit vom Thrash-Metal ab- und zum damals ziemlich unpopulären Progressive Rock hinwandten. Auch verzichtete Sänger Denis Belanger zugunsten eines klaren, melodischen Gesangs gänzlich auf Screams. Zudem setzte die Band Samples und Synthesizer ein, im Metal so was wie ein Sakrileg.

"Nothingface" erzählt die Geschichte des post-nuklearen Vampirs Voivod weiter, der bereits auf den ersten Alben der Band vorkam. Hier zieht sich Voivod in sich selbst zurück, was einer Art Selbstzerstörung gleichkommt. Denn die Rückkehr zur ursprünglichen Identität scheitert letztlich. Um dieses Konzept umzusetzen, orientierte man sich an Vorbildern wie Pink Floyd ("Nothingface" enthält sogar eine Coverversion von "Astronomy Domine"), King Crimson und Rush, übersetzten diese stilistischen Einflüsse aber in die Sprache eines kalten, fast sterilen Post-Metal, der zu dieser Zeit ziemlich einzigartig war. Erst mit "Negatron" (1995) besann sich die Band wieder auf ihre Thrash-Metal-Wurzeln.

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Watchtower (USA)


Energetic Disassembly, 1985
Watchtower: Energetic Disassembly

Control and Resistance, 1989
Watchtower: Control and Resistance

Die Amerikaner Watchtower gelten zusammen mit Dream Theater und Fates Warning als Pioniere des Progressive Metal. Ihr erstes Album "Energetic Disassembly" aus dem Jahr 1985 wird oft als das erste Progressive-Metal-Album der Geschichte bezeichnet. Wie dem auch sei: Mit ihren lediglich zwei Alben prägten sie den Stil des Progmetal bis heute entscheidend mit. Unter den frühen Bands des Genres waren es Watchtower, die ihr Ohrenmerk vor allem auf die technischen Aspekte ihrer Musik richteten, was ihrer Musik das Etikett "Tech-Metal" einbrachte, ein Ausdruck, der sich mittlerweile längst als Genrename etabliert hat. Während ihr Debüt noch von den vier Gründern, Billy White, Rick Colaluca, Jason McMaster und Doug Keyser eingespielt worden war, war es in der Folge Whites Ersatzmann, der Gitarrist Ron Jarzombek, der die Band entscheidend prägte.

Das zweite Album "Control and Resistance" (1989) sollte schließlich die entscheidende Ausformulierung des Tech-Metal werden: Alles ist etwas mehr auf die Spitze getrieben, das Album ist komplexer, frickeliger, unruhiger, gewagter, schneller - und gleichzeitig souveräner und lässiger als das Debüt. Die Komplexität ist eindrucksvoll, die virtuose Umsetzung noch mehr. Dennoch (oder gerade deswegen?) blieb der große Durchbruch aus. 1994 löste sich die Band schließlich auf. In der Zwischenzeit war es vor allem Jarzombek, der mit seinen im weiteren Umfeld des Tech-Metal angesiedelten Projekten auffiel, darunter v. a. Blotted Science und Spastic Ink. Darüber hinaus ist der Einfluss der Band immens: Unter anderem zeigen sich Bands wie Behold... The Arctopus, Spiral Architect oder die deutschen Sieges Even von Watchtower beeinflusst. Inzwischen gibt es Watchtower wieder, ein lange angekündigtes Comeback-Album ist allerdings immer noch nicht erschienen.

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Tipps abseits der Hauptliste

Anacrusis (USA)


Screams and whispers, 1993


Diese Band und insbesondere diese Platte sind ein schönes Beispiel dafür, daß fernab des Progmetal-Mainstreams recht unbekannte Juwelen ihrer Entdeckung harren. Vielleicht wird gerade "Screams and whispers" dieser Tage aus seinem Dornröschenschlaf erlöst, denn das Album wurde 1999 wiederveröffentlicht und der Name der Band fällt in Interviews überraschend oft.

Bei "Screams and whispers" handelt es sich um das vierte und letzte Album der aus Bridgeton bei St. Louis (Missouri) stammenden Thrasher. Nachdem man sich mit dem ähnlich genialen Vorgänger "Manic Impressions" einen Ruf als düstere und technisch versierte Thrash-Band erspielt hatte, erweiterten die Musiker 1993 die Grenzen ihrer Musik, fügten einfach gehaltene, aber um so stimmungsvollere Synthie-Klänge hinzu und schufen eine atmospärische Dichte, die in ihrer Melancholie an manche Wave-Band erinnert. Dabei bleiben Anacrusis immer noch eine aggressive Thrashband. Der unglaublich vielseitige Sänger und Gitarrist Kenn Nardi kreischt mitunter ähnlich derb wie auf dem Vorgängeralbum und auch die Gitarren versuchen in einigen der Lieder noch thrashige Ausfälle, aber das emotionale Chaos verbirgt sich auf "Screams and whispers" meist unter einer zähen Schicht aus kontrolliertem Gleichmut, was die Musik nur noch bedrohlicher und intensiver wirken läßt.

Ein einzigartiges Album, das den Hörer in seinen Bann schlägt und nicht mehr losläßt.

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Magellan (USA)


Test of Wills, 1997


Die kalifornische Band Magellan um die beiden Brüder Trent und Wayne Gardner hat bislang drei Alben auf dem Magna Carta Label veröffentlicht. Die Band ist stilistisch im Grenzbereich zwischen modernem Progressive Rock und Prog Metal einzuordnen. Auf sämtlichen Alben wird der Bombastfaktor sehr groß geschrieben. Das Debüt "Hour Of Restoration" (1991) glänzt mit dem fantastischen Longtrack "Magna Carta". Sämtliche Titel der Band stammen aus der Feder von Trent Gardner, der neben den Keyboards auch für den Gesang verantwortlich zeichnet. Mit dem nachfolgenden Album "Impending Ascension" (1993) wurde der schon auf dem Debüt vorhandene Bombast nochmals überboten.

Kritiker werfen der Band zum Teil hoffnungslose Überfrachtung vor, die nichts als Kälte verbreitet. Der Einsatz an Technik ist bei Magellan wahrlich immens und teilweise irrwitzige Keyboardläufe wetteifern mit harten Gitarrenriffs. Wer aber auf unendlichen Bombast mit einer gehörigen Portion an Härte steht, wird dennoch Gefallen an dem wunderbar "überfrachteten" Sound von Magellan finden. Die Einzigartigkeit und Stärke der Band liegt gerade in dem als klinisch kalt kritisierten Sound.

Mit dem Album "Test Of Wills" (1997) trieb man diese stilistische Eigenart auf die Spitze. Wenn dann Keyboarder Trent Gardner auch noch vehement in die Posaune bläst, so drängt sich der Begriff "Kultfaktor" auf". Die Kreativität dieser Band scheint keine Grenzen zu kennen.

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Opeth (Schweden)


Morningrise, 1996


Als kleiner, aber stetig wachsender Nebenzweig des Prog Metal hat sich die etwas obskure Mischung aus Death-Metal artigen Grunz-Gesang und den aus dem ProgMetal bekannten Zutaten etabliert. Als Vorreiter auf diesem Gebiet gelten eindeutig Opeth, welche sich schon 1990 formierten und aus einer Death-Metal Cover-Band entstanden sind. Schon früh emanzipierten sie sich von den extrem simplen Songs der 80er Jahre Death-Metal Bands und verbanden aggressive Gitarren und "Gesangs"-Arbeit mit vielschichtigen Songstrukturen und in diesem Bereich noch nie gehörten Harmonien.

Der erste Meilenstein des Subgenres und gleichzeitige Durchbruch der Band ist das 1996 erschienene zweite Opeth-Album "Morningrise". Auf gut 66 Minuten Spielzeit verteilen sich gerade mal fünf Stücke. Um das 20 Minütige Meisterwerk "Black Rose Immortal" scharen sich weitere vier ebenso überzeugende Longtracks in der 10 Minuten-Klasse. Das alleine war damals in Death-Metal Kreisen eine kleine Sensation.

Die Faszination der Stücke geht aber von der gelungenen Mischung aus harten Thrash-artigen Metal-Teilen, furiosem Schlagzeugspiel, den unvermeidlichen Vocals auf der einen Seite und langen endlos melodischen akustischen Passagen auf der anderen Seite aus. Auch der Gesang wechselt je nach Stimmung zwischen harschem Grunzen und klaren "normalen" Gesang. Natürlich ist dies für den normalen Prog Fans nicht unbedingt leicht verdaulich! Aber wenn man mal in diese Gefilde reinschnuppern möchte, ist diese Platte sicherlich erste Wahl.

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Voivod (Kanada)


The Outer Limits, 1993


Kanadische Bands haben immer schon Ausrufezeichen in Sachen Innovation gesetzt - die aus dem französisch-sprachigen Raum stammende Band Voivod bildet da keine Ausnahme, auch wenn sie zur härteren Fraktion im Lande zählt.

Die Ursprünge der Band finden sich im Industrial-Metal, wohin man nach einer Prog-Phase mehr oder weniger zurückkehrte. Die Alben Nothingface, Angel Rat und vorliegendes Meisterwerk fügen sich nur bedingt in die üblichen Progstrukturen - man musiziert hart, gitarren- und rhythmusbetont, kombiniert dies aber mit futuristischer Atmosphärik und leichtem Floyd-Touch, einer Band, die auch immer mal wieder durch Coverversionen (hier The Nile Song) geehrt wird. Wer bei Voivod nach Extrem-Frickel-Parts Ausschau hält wird sich enttäuscht sehen, es werden mehr verwobene Kompositionen in die Waagschale geworfen und immer wieder interessante Stimmungen aufgebaut. Bei technisiertem Metal wie diesem ist eine herausragende Produktion unabdinglich und Voivod erfüllen diesen Anspruch in jeder Form, konnte man doch auf die finanzielle Unterstützung von MCA Records bauen. Darüber hinaus besitzt Dennis Belanger genau die "Charakter-Stimme" um die perfekte Umsetzung musikalischer Science Fiction Movies abzurunden. Herzstück der Scheibe ist das 17-minütige Jack Luminous - in dem auch die vorher zumeist vergeblich gesuchten Breaks auftauchen. Ein Monstertrack über das tragische Schicksal des Aliens Jack, der auf die Erde kommt, um die Menschheit vor dem Diktator President X-D zu warnen. Die Menschheit glaubt nicht an Aliens, wird unterjocht und Jack zieht zum nächsten Planeten weiter... Diese augenzwinkernde Geschichte wird mit einer Tiefe erzählt, die einem einen Science Fiction-Comic vor das geistige Auge zaubert - alle Charaktere werden nachvollziehbar mit "Szenen-Musik" und entsprechendem Gesang gezeichnet. Alles in allem ein Beweis für die Stärke der Band, futuristische, anspruchsvolle und doch nachvollziehbare Musik zu spielen.

Voivod haben mit den drei Progmetal-Alben Nothingface, Angel Rat und v.a. The Outer Limits an der Geschichte dieser Spielart des Prog kräftig und vollkommen eigenständig mitgewerkelt, und auch wenn sie heute völlig andere Musik machen, gebührt ihnen der Respekt der Progrock-Szene.

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