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24111 Rezensionen zu 16476 Alben von 6407 Bands.
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Beardfish

Destined Solitaire

(Siehe auch: Leitfaden "Retroprog")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009
Besonderheiten/Stil: RetroProg; Zappaeskes
Label: InsideOut
Durchschnittswertung: 11.5/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Rikard Sjöblom Vocals, Keyboards, (Left speaker) Guitars, Accordion, Percussion
Robert Hansen Bass, Background Vocals
Magnus Östgren Drums, Percussion
David Zackrisson (Right speaker) Guitars, Background Vocals, Percussion

Tracklist

Disc 1
1. Awaken The Sleeping 6:01
2. Destined Solitaire 10:53
3. Until You Comply Including Entropy 15:21
4. In Real Life There Is No Algebra 4:33
5. Where The Rain Comes In 8:29
6. At Home... Watching Movies 1:53
7. Coup De Grâce 9:48
8. Abigail's Questions (In An Infinite Universe) 9:12
9. The Stuff That Dreams Are Made Of 10:40
Gesamtlaufzeit76:50


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 4)


Beardfish sind die großen Integratoren des Retro-Prog. Das haben sie bereit mit "Sleeping In Traffic" Teil 1 und Teil 2 bewiesen. "Destined Solitaire" setzt nahtlos dort an, wo die beiden vorhergehenden Alben aufhörten. Damit erfinden Beardfish weder sich, geschweige denn den Prog neu, vervollkommnen aber das, was sie bisher schon auszeichnete, nämlich mit einer geradezu unverschämten Leichtigkeit die Eigenheiten verschiedener Prog-Stilrichtungen aufzunehmen und zu einem kohärenten Ganzen zu verbinden, das dann zwar ungemein vertraut, aber eben doch nach "typisch Beardfish" klingt.

Zum einen sind Beardfish natürlich nahezu makelloser Retro-Prog. Wenn man aber den Finger darauf legen müsste, von welcher Band sie besonders inspiriert sind, wird es schwierig. Am ehesten klingen ihre klassisch proggigen Passagen nach den 70er-Jahre-Kaipa: Die Vorherschaft einer erdigen Hammond-Orgel in den Keyboard-Sounds, Kompositionen, die das rockige gleichermaßen zum Zuge kommen lassen wie vertrack-verspielte Passagen und durchaus komplexe Song-Strukturen, aber immer mit Lässigkeit serviert. Kaipa selbst eiferten natürlich ihrerseits schon britischen Vorbildern nach, und so findet man auch bei Beardfish sanfte Echos von Gentle Giant oder ELP, aber (fast) nie allzu offensichtliches Kopieren.

Zu diesem symphonischen Prog-Erbe kommen Canterbury-Anklänge, vor allem an "Hatfield & The North", z.B. in "Until You Comply", die vor allem durch die Lockerheit und das trotz melodischer Schnörkel bruchlose Fließen der Präsentation entstehen. Schließlich vervollkommnet Frank Zappa den Mix. Dabei balancieren "Beardfish" allerdings gelegentlich auf dem Drahtseil allzu deutlicher Heldenverehrung: Die zweite Hälfte von "Abigails Questions (In An Infinite Universe)" ist quasi Beardfishs Version von "Inca Roads".

Trotzdem: Es ist einfach beeindruckend, wenn eine Gruppe mit solcher Selbstverständlichkeit absolut locker aufzuspielen weiß, ohne dabei kompositorische Kompromisse machen zu müssen. In dieser Hinsicht gibt es im Retro-Bereich wenige Bands, die Beardfish folgen können.

Anspieltipp(s): Fast egal
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.7.2009
Letzte Änderung: 24.7.2009
Wertung: 12/15
Eigentlich 11, aber ein Bonus-Punkt für Lässigkeit

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 2 von 4)


Beinah wären Beardfish vielleicht als Rückgrat von The Tangent von der Bildfläche verschwunden. Das wäre ein herber Verlust für die Szene geworden. Aber glücklicherweise kam ja alles ganz anders und so liegt nun das vierte Album der Schweden in vier Jahren vor. Und trotz dieser fast schon Stolt'schen Dimension des Outputs lassen sich auf "Destined Solitaire" keine Abnutzungserscheinungen feststellen.

Schon das Cover-Artwork, welches, wenn man das Digipak aufklappt, ein zusammenhängendes Bild über die ganze Länge ergibt, zeigt welche Hingabe und Liebe in diesem Album steckt. Außerdem weißt die psychedelische Farb-, Formen- und Bilderorgie schon daraufhin, dass diese Klangfarbe auch musikalische mehr Raum im Beardfish-Sound gewonnen hat. Darüberhinaus zeigt aber auch die gemeinsame Tour und die ersten Ansätze der Zusammenarbeit mit The Tangent deutliche Einflüsse. Der relaxte Canterbury-Klang, der viele The Tangent-Stücke auszeichnet, taucht nun auch bei Beardfish immer mal wieder auf, mit "Until You Comply including Entropy" als Höhepunkt, denn dieser Song würde auch auf einem Tangent-Album nicht als fremd auffallen.

Aber Beardfish haben sich mitnichten zur Copy-Band entwickelt. Nein, wie schon auf ihren früheren Alben integrieren sie munter allerlei Einflüsse von 70er Jahre-Orgelrock über Gentle Giant, ELP oder ihren Landsleuten Samla Mammas Manna bis hin zum verehrten Frank Zappa. Gut gemischt machen sie daraus ihre ebenso melodische wie verspielte wie dann doch auch eigenständige Beardfish-Musik. Auf "Destined Solitaire" wieder etwas relaxter als auf dem sehr rockigen Vorgänger "Sleeping in Traffic, Part 2", aber keinesfalls weichgespült. Ihre humoristische Ader haben sich die vier Jungs auch erhalten und so sprühen die Songs vor kleinen Gimmicks, schrägen Einfällen und Überraschungen. Da ist die Growl-Passage im Titelsong vielleicht sogar noch der platteste Einfall, obwohl einen die Einlage ganz schön hochschrecken lässt. Aber keine Angst, dass ist auch nur ein kurzes, augenzwinkerndes Gimmick, wie es hier eben soviele gibt.

"Destined Solitaire" bedient die Retroprog-Schiene aufs Beste, ohne nur allzu ausgelatschte Wege wiederzukäuen. Nein, die Schweden beweisen, dass man auch in diesem Genre ein frisches Album ohne falschen Kitsch und Pathos produzieren kann. Spieltechnisch kann man den Jungs eh' nichts vorwerfen und der Gesang passt zur Musik wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Empfehlung!

Anspieltipp(s): Destined Solitaire, Abigail's Questions
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.8.2009
Letzte Änderung: 23.3.2013
Wertung: 12/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 3 von 4)


Einmal mehr setzen Beardfish zu einer Reise in den Kosmos des klassischen Prog an. Die Psychedelic-Anteile werden diesmal wieder etwas heruntergefahren, dafür die Jazz-/Zappa-/Canterbury-Anteile erhöht. Destined Solitaire ist ein Album das swingt. Und es steckt voller Details und Abwechslungsreichtum. Manchmal übertreiben sie es aber etwas, etwa in der kirmesmäßigen zweiten Hälfte von Until you comply. Da die Schweden die Chefs an ihren Instrumenten sind, klingt aber alles schön locker eingespielt.

Die Jungs haben's echt drauf. Wohlfühlprog ohne Grenzen. Nur... allmählich stellt sich ein bisschen das Neal Morse/Roine Stolt-Syndrom ein: Man hat das Gefühl, dass Beardfish beliebig viele Alben von etwa gleichhoher Güte einspielen können: mal mit etwas mehr Psychedelic, mal mit etwas mehr Jazzrock, mal mit etwas mehr... was ist es nächstes Mal?

Anspieltipp(s): Where the Rain comes in, Until you comply
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.9.2009
Letzte Änderung: 17.9.2009
Wertung: 11/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 4 von 4)


Wer sich unsere Rezensionen zum Retroprog regelmäßig durchliest, muss sich über die hohen Wertungen für dieses Album ja eigentlich wundern. Kann (uns) Retroprog denn überhaupt noch Spaß machen?

Er kann! Wenn er so intelligent und witzig gemacht ist wie der von Beardfish. Und damit zeigt sich, dass das Flowerkingsundnealmorsebashing, das wir hier angeblich betreiben, wenn wir es wirklich betrieben, tatsächlich eben nur und explizit ein Flowerkingsundnealmorsebashing wäre, und nicht zum Ziel hätte, das gesamte Subgenre in Verruf zu bringen. Und das wäre auch eigentlich recht verquer, denn wenn es etwas verdient hätte, gebasht zu werden, dann das Retrogenre als Ganzes (weil sein Zweck irgendwie nicht einzusehen ist und seine Hörer sich so als Zielgruppler fühlen müssen) und nicht jene Bands, die diese Art Prog auf so hervorragende Weise zu spielen verstehen, dass man ihnen dafür eigentlich nur Lob zollen kann.

Wie dem auch sei: Tatsächlich wandeln sich offenbar auch Retrotrends in sich, wenn ihnen eine lang genuge Lebensdauer vergönnt ist, was sie kompliziert macht, und damit überhaupt erst interessant. Waren die Flower Kings, Neal Morse und Konsorten spannend, so lange sie neu waren, so sind Beardfish spannend, weil und (vor allem:) insofern sie neu sind. Und das sind sie in zweierlei Hinsicht: Zappaeskes hörte man bisher kaum im Retroprog, schnelle jazzige Gesangsläufe mit ungewöhnlichen Tonintervallen ebensowenig, Beardfish (und das ist die zweite Hinsicht) eingeschlossen, - und schon ist eine höchst vergnügliche Mischung angerichtet. Keinen alten Wein in neuen Schläuchen, neuen Wein in alten Schläuchen (und genau so sollte guter Retroprog sein) bietet mit "Destined Solitaire" ein Album, das genau in jene Richtung weist, in die die Flower Kings nach 2002 ("Unfold the Future") hätten abbiegen sollen. Antesten!

Anspieltipp(s): "Until You Comply Including Entropy", "Abigail's Questions (In An Infinite Universe)"
Vergleichbar mit: Flower Kings, Neal Morse - aber eben in den schwächeren Passagen
Veröffentlicht am: 18.9.2009
Letzte Änderung: 1.10.2009
Wertung: 11/15
Ungefährliches Retroprogspeerspitzenalbum für Spaß ohne Reue

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Beardfish

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2003 Fran En Plats Du Ej Kan Se 10.00 1
2006 The Sane Day 11.50 2
2007 Sleeping In Traffic: Part One 12.00 1
2008 Sleeping In Traffic: Part Two 11.40 5
2011 Mammoth 11.00 2
2012 The Void 10.75 4
2015 + 4626 - Comfortzone 11.00 2

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