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IZZ

The Darkened Room

(Tipp des Monats 12/2009)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009 (14.11.2009)
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; ArtPop; RetroProg
Label: Doone Records
Durchschnittswertung: 11.5/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Tom Galgano Keyboards, Vocals
Paul Bremner Electric & Acoustic Guitars
Brian Corelian Electronic & Acoustic Drums & Percussion
Greg DiMiceli Acoustic Drums & Percussion
John Galgano Bass, Guitars, Vocals, Keyboards
Anmarie Byrnes Vocals

Tracklist

Disc 1
1. Swallow Our Pride 5.16
2. Day Of Innocence   (Instrumental) 2.56
3. Regret 4.32
4. Can't Feel The Earth, Part I 4.39
5. Ticking Away 2.47
6. Can't Feel The Earth, Part II 10.37
7. Stumbling 5.24
8. The Message 3.07
9. 23 Minutes Of Tragedy 7.00
10. Can't Feel The Earth, Part III 5.08
Gesamtlaufzeit51:26


Rezensionen


Von: Fix Sadler (Rezension 1 von 4)


1999 veröffentlichen die New Yorker Brüder Galgano mit ihrer Band IZZ das noch unausgereifte, aber aufhorchen lassende Debut Sliver of a Sun. Mit ihrer Spielfreude und Vermengung moderner wie klassischer Prog-Elemente lässt die Band auf grosses hoffen. 2002 folgt das eigentümliche und sehr beeindruckende Album I move und etabliert den Ruf der Band, eine der modernen Combos mit klassischer Prägung zu sein. Es folgt das Konsolidierungs-Album ampersand volume 1 und nun scheint die Band zum grossen Satz bereit. Das Meisterwerk steht vor der Tür, der Tisch für "das kommende Dingen" ist gedeckt. IZZ wird die Band sein, die den "klassischen" Prog wieder in das Gesichtsfeld des Mainstream-Publikum versetzen wird, so wie in den 90er Jahren Spock's Beard, nur intensiver. Es folgt der Absturz...

Mit My River Flows (2005) und dem folgenden Live-Album (2007) verabschiedete man sich gewiss nicht von qualitätvollem RetroProg, dennoch war die besondere Ausstrahlung und Atmosphäre der Band wie weggeblasen. Dieser dynamische Mix aus Rumgequietsche, Electrosounds, ArtPop und klassischem Prog im Fahrwasser von ELP. Das freche Vermengen von scheinbar unvermengbaren Sounds und Stilen. Weg, aus, vorbei! Meine Enttäuschung war gross, wenn ich dem gepflegt-langweiligen RetroProg der Band auch nichts anderes vorwerfen konnte, als eben nur noch eine von vielen gutklassigen RetroBands zu sein.

Vier Jahre nach dem jähen Absturz aus dem Prog-Olymp kommt die Band mit ihrem neuen Studio-Album daher. Was ist zwischenzeitlich passiert? Laura Meade ist ihres Weges gegangen und hat die Band verlassen. Ansonsten ist das Lineup stabil. Und mit was ist nun zu rechnen? Mit einem Neustart!

The Darkened Room ist der erste Teil eines zweiteiligen Konzept-Werks. Worum es geht überlassen die Galganos dem Eindruck des geneigten Hörers. Insofern verabschiede ich mich natürlich sofort aus der Inhalts-Diskussion, sie interessiert mich nicht. Musikalisch setzt man 2009 da an, wo die Band uns 1999 noch relativ irritiert hat stehen lassen. Soll heissen: The Darkened Room klingt wie die logische Folge von Sliver Of A Sun. Natürlich ist das Album hervorragend produziert und wird uns deshalb nicht irritieren, aber die Spielfreude, die teils folkloristische Note, das lustvolle, ungebundene Musizieren, das vermengen von Stilen ist zurück. Nicht so konsequent wie auf I Move, nicht so abgezockt, nicht so selbstsicher, sondern wieder so schüchtern und tastend wie anno 1999. Ein Neustart der mir deutlich mehr gefällt als der direkte Vorgänger.

Beginnend beim "Ambient-Intro" Swallow Your Pride, über das akustische bis fetzige Instrumental Day Of Innocence, zur "experimentierwütigen" Emerson-Verbeugung und ersten Teil der Album-Trilogie Can't Feel The Earth, bis hin zum grossen Musical von 23 Minutes Of Tragedy ist das alles unheimlich abwechslungsreich, ungebunden, frei von der Leber musiziert und mitreissend. IZZ machen wieder Spass, sind wieder wilder und haben aufgehört einen Retro-Sound zu verwalten. Dabei ist alles wunderbar routiniert aufeinander eingestellt. Gesang der Galganos und Anmarie Byrnes, abwechselungsreiche, teils trippige Percussion, akustische und elektrische Elemente, moderne Sounds und klassische Prog-Einflüsse.

An die erste Hälfte von I Move kommt dieses Album nicht heran. Aber das muss es auch nicht, wenn man so losgelöst abrockt und wortwörtliche Spielfreude vermittelt. Die Band mag was sie tut und was fiele mir ein das in Abrede zu stellen? Ich hatte mir einst einen oder zwei Schritte mehr erhofft, aber der Schritt zurück zum Ursprung tut der Band sehr gut, zumal sie die Reife und Qualität hat um zu überzeugen. Ich mag diese Platte überaus gerne und habe meinen Frieden mit einer Band gemacht, der ich vermutlich zu viel abverlangt habe. Aber wenn The Darkened Room sozusagen Sliver Of A Sun Part II ist, dann mag ja vielleicht doch noch I Move II folgen. Und wenn das dann eben so viel besser ist wie dieses zum Vorlagengeber, na... dann hammers doch!

Anspieltipp(s): 23 Minutes Of Tragedy (sollte alles drin sein, was dieses Album auszeichnet)
Vergleichbar mit: Sliver Of A Sun reloaded in besser produziert
Veröffentlicht am: 23.11.2009
Letzte Änderung: 30.11.2009
Wertung: 11/15
Toller RetroProgArtPop

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Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 2 von 4)


„Swallow Our Pride“ ist ein schöner Opener, live wie im Studio und so genießen wir diesen Song auf „The Darkened Room“ wie schon auf dem NEARFest-Livealbum, diesmal gar etwas länger (sonst ist sowas ja in der Regel andersrum).

Ob eine Band „abgestürzt“ ist, weil sie ein anderes als das erwartete (erhoffte) Album veröffentlicht hat, sei mal dahingestellt – immerhin ist „The Darkened Room“ gerade mal die vierte 'vollständige' Veröffentlichung von IZZ in 10 Jahren. Ob „The Darkened Room“ eine gewisse Rückwendung zum Debüt „Sliver of a Sun“ darstellt, kann ich mangels Kenntnis dessen (ich kenne nur die beiden Songs vom Livealbum) nicht beurteilen. Es ist ehrlich gesagt auch egal.

Denn „The Darkened Room“ ist ein tolles Album geworden, welches schlicht für sich stehen kann. IZZ rehabilitieren sich quasi als Band, von der man offensichtlich zunächst mal nichts erwarten sollte, denn sie machen ohnehin, was sie wollen. Jetzt hat man den Retroprog-Anteil wieder zurückgefahren, der besteht eigentlich nur noch in gelegentlichen ELP- und Genesis-Reminiszensen. Ansonsten wuselt sich die Band durch locker-flockige, verspielte, melodische, packende Rockmusik, die einfach Progressive Rock im besten Sinne, ohne Stilschubladen, darstellt. Guter Gesang, packende Gitarrenarbeit (vor allem die elektrische, auf der akustischen mag ich Bremner nicht so), knackiger Bass, abwechslungsreiches Schlagzeug, alles da. Hymnisch-melodische Passagen wechseln sich mit sanften Gefrickel ab, hier dürfte lediglich die extreme Schrägfraktion zuwenig gefordert werden, ansonsten sollten schlicht alle Prog-Interessierten zumindest Spaß an dem Album haben. Selbst die Synthie-Aversen werden Tom Galganos typische Quietsch- und Kreischeinlagen mit einem Schmunzeln quittieren, weil sonst wären es nicht IZZ, die hier aufspielen.

Wenn man ein Beispiel für die Leichtigkeit, mit der IZZ ihre Musik präsentieren, hören will, dann zieht man sich am besten mal den Übergang von „Can't Feel The Earth, Part I“ zu „Ticking Away“ rein... von ELP-Bombast zu locker-flockigem Singer-Songwriter-Prog mit einem Fingerschnippen und nichts wirkt gekünstelt oder angestrengt.

„The Darkened Room“ ist ein Konzeptalbum, es geht um die menschliche und persönliche Entwicklung mit Irrungen und Wirrungen, soweit ich das verstanden habe, teils ein eher düsteres Thema (wie ja auch der Album-Titel suggeriert). Dazu ist die Musik vielleicht einen Tick zu fröhlich geraten, das wäre aber schon der einzige Mecker, der mir zu diesem Album einfällt. Und vielleicht noch die Anmerkung, dass IZZ immer noch zuwenig aus ihrer doppelt besetzten Drumsektion machen, aber was soll's.

Der Endspurt 2009 beschert uns eine Fülle guter bis hervorragender Alben, „The Darkened Room“ ist eines davon. Glückliche Proggies!

Anspieltipp(s): für einen ersten Überblick: "23 Minutes of Tragedy"
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.11.2009
Letzte Änderung: 29.11.2009
Wertung: 12/15
Gleiche Wertung wie für "I Move", auch wenn das vielleicht besser ist, aber nur weil ich damals zu niedrig gezogen habe, will ich "The Darkened Room" nicht bestrafen

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Von: Sal Pichireddu @ (Rezension 3 von 4)


Ihr 2002 erschienener Zweitling (Es lebe die Alitteration!) I Move ist das Album, an dem man Izz immer messen wird, denn was die New Yorker auf diesem Album versprachen, haben sie auf den folgenden Alben (bewusst?) nicht eingelöst. Sie sind nicht die neuen Spock's Beard geworden (Prog sei's gedankt!) und sie sind auch nicht die großen Innovatoren des Progressive Rock geworden. Sicher, auf dem Minialbum ampersand volume 1 und dem letzten regulärem Studioalbum My River Flows blitzte immer wieder etwas von der Genialität der Band auf, insgesamt konnte die Band mich allerdings über eine gesamte Albumlänge (und schon gar nicht über längere Zeit) nicht überzeugen und so rechnete ich damit, dass Izz von Album zu Album ein wenig mehr in die Belanglosigkeit rutschen würden. Ich bin hocherfreut darüber, dass sie mich jetzt Lügen strafen.

"The Darkened Room" ist vordergründig vom Klang her kein Nachfolger des experimentellen "I Move" geworden. Izz 2009 sind deutlich konventioneller im Sound (will sagen, deutlich mehr 'retro') als 2002, der Anteil an 'alten Klängen' hat zugenommen, was allerdings dem Gesamtsound zugute kommt. Dennoch ist "The Darkened Room" alles andere als nur 'ein weiteres RetroProg-Album' geworden. Dazu tragen vor allem die abwechslungsreichen und eben nicht 'altmodischen' Kompositionen bei, die in eine Retro-Produktion eingeflochten wurden. Dazu kommen dann die schönen Gesangslinien und Chöre, die sich Tom und John Galgano mit der hinreißenden Anmarie Byrnes teilen und (last but not least) die ungewöhnlich groovige Rhythmus-Sektion mit zwei Drummern (Brian Corelian und Greg DiMiceli) und dem exzellenten John Galgano am Bass. Vielleicht ist das der entscheidende Unterschied zum schnell verblassenden Vorgänger "Ny River Flows": Izz spielt auf "The Darkened Room" nur mit den Retro-Elementen, nutzt sie als Stilmittel (genauso wie die offenen und verdeckten Yes-, Genesis-, und Keith Emerson-Zitate), aber sie versuchen kein 'waschechtes' Retro-Album hinzulegen, im Gegenteil: Sie durchbrechen bewusst Klischees. In den Liner Notes steht eine Anmerkung zur Bedeutung des Albumtitels, der mir symptomatisch für die wieder erstarkten Izz erscheint: »We hat it when bands try to fit everything into the concept«. Es ist genau diese unverkrampfte, spielerische Attitüde, die wir bei Izz seit "I Move" vermisst haben.

"The Darkened Room" ist ein sehr gut aufgebautes, detailreiches und unverwechselbares Prog-Album geworden; eines der besten, die dieses Jahr überhaupt erschienen sind.

Anspieltipp(s): Swallow Our Pride, 23 Minutes Of Tragedy
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.11.2009
Letzte Änderung: 30.11.2009
Wertung: 12/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 4 von 4)


Zunächst einmal Applaus für eine der Bands, die es mit zwei Alben in Folge geschafft hat, den Tipp des Monats der Babyblauen abzuräumen! Das sollte auch mal erwähnt werden. Aber IZZ haben es auch wieder einmal verdient.

Der Unterschied zwischen The Darkened Room und seinem Vorgänger My River flows fällt dabei übrigens längst nicht so gravierend aus wie der zwischen My River flows und dem vielgelobten I Move, das aus heutiger Sicht allerdings schon ein wenig zeitgeistig gestrickt wirkt. Bei The Darkened Room ist der I Move - Ansatz daher wohl auch nicht zufällig erneut ausgespart geblieben.

Die bedeutsamen Unterschiede, die einzelne Rezensenten zwischen My River flows und The Darkened Room ausmachen können, bewegen sich meines Erachtens mehr im "gefühlten" Bereich. The Darkened Room präsentiert IZZ nämlich wiederum als amerikanische Retro-Prog-Band mit typischem wohltönend-melodiösem Retroprog-Flickenteppich und sattem, kraftvollem Sound. Die Unterschiede zum Vorgänger sind eher gradueller als qualitativer Natur. Es geht allenfalls noch verspielter zu.

Die Grundstimmung des Albums ist nämlich, wenn man vielleicht vom Anfang absieht, keinesfalls so düster wie es Titel und Cover verheißen. Wenn die Musik nicht so hinreißend verspielt wäre – der Hang zum Ornament ist diesmal noch deutlicher ausgeprägt -, müsste man glatt ein „Thema verfehlt“ setzen. So aber ist The Darkened Room einfach ein höchst lebendiges Stück amerikanischen Retroprogs in einer Tradition, zu deren bestimmenden Vertretern IZZ mittlerweile selbst gezählt werden dürfen.

Anspieltipp(s): Can't feel the Earth, Pt. 1, Swallow our Pride
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.12.2009
Letzte Änderung: 10.12.2009
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von IZZ

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1999 Sliver of a Sun 10.75 4
2002 I move 12.25 4
2004 ampersand volume 1 10.50 2
2005 My River Flows 10.60 5
2007 Live at NEARfest 9.50 2

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