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Big Big Train

The Underfall Yard

(Tipp des Monats 1/2010)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009 (15.12.2009)
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label: Eigenvertrieb
Durchschnittswertung: 12.25/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

David Longdon Lead Vocals, Flute, Mandolin, Dulcimer, Organ, Glockenspiel, Tambourine, Keyboards
Andy Poole Bass, Keyboards, Producer, Vocals
Greg Spawton Guitars, Keyboards, bass, Vocals

Gastmusiker

Nick D'Virgilio Drums, Vocals
Dave Gregory Guitars, Sitar, Ebow, Mellotron
John Foyle Cello
Rich Evans Cornet
John Truscott Tuba
Nick Stones French Horn
Dave Desmond Trombone
Jem Godfrey Synth Solo "The Underfall Yard"
Francis Dunnery Guitars "The Underfall Yard"

Tracklist

Disc 1
1. Evening Star   (Instrumental) 4.53
2. Master James Of St. George 6.19
3. Victorian Brickwork 12.33
4. Last Train 6.28
5. Winchester Diver 7.31
6. The Underfall Yard 22.59
Gesamtlaufzeit60:43


Rezensionen


Von: Fix Sadler (Rezension 1 von 4)


Big Big Train mausern sich zum (heimlichen?) Highlight des RetroProg. Die Band - inzwischen aus einem Kern-Trio (Longdon, Poole, Spawton) bestehend - bietet höchstwertige Produktionen und abwechslungsreiche Kompositionen. Konnte bereits der Vorgänger als angedeutete VDGG-Verbeugung herhalten, so erklingen auf The Underfall Yard fast schon victorianische Klänge. Zitiert werden hier Genesis, Yes und auf eine wunderbar unaufdringliche Art und Weise Lizard von King Crimson. Verantwortlich dafür ist das Mini-Orchester mit Cello, Trombone, Cornet und so fort.

Es sind erhabene und zu Tränen rührende Momente, wenn sich im Finale von Victorian Brickwork die Bläser-Sätze und das elektrischen Ensemble ergänzen. Aber auch schon das Album-Intro Evening Star wuchtet die Scheibe auf höchstes Niveau. Because war meine erste Assoziation, eröffnet doch ein brillanter Chorgesang - von der neuen Stimme David Longdon grossartig in Szene gesetzt - dieses stimmungsvolle Album. Beeindruckend die Schlagzeugarbeit von NDV, erneut zeigt ihm eine britische Band, wie er es mit Spock's Beard zukünftig angehen könnte. Ein faszinierender Instrumental-Einstieg der durch das anschliessende Master Of St. James noch einmal aufgewertet wird. Tiefe Arrangements, druckvoller Bass, sensationell stimmungsvolle Augenblicke entfachen schon die ersten 10 Minuten. Flöte, Brass, Streicher, akustische Gitarren. Retro-Herz, was willst Du mehr?

Wer die rockig-bratzigen Momente des Vorgängers sucht, wird eventuell enttäuscht. Auch der Schrägfaktor ist nicht mehr da. Für Tempo sind Big Big Train noch nie zu haben gewesen. Die Platte bietet wunderschöne, frühlingshafte, manchmal melancholische, meist positive Musik und entwickelt trotz aller Rückgriffe auf bekannte Muster eine eigene Identität.

David Longdon ist ein "kleiner Peter Gabriel", Flöte inklusive (auch er hatte sich mal um den vakanten Sängerposten bei Genesis nach Phil Collins bemüht), Andy Poole bietet viele Rickenbacher-Sounds und scheint sich einiges von Dave Meroes abgeschaut zu haben. Greg Spawton gibt uns den Hackett und bekommt durch Dave Gregory sensationelle Unterstützung. Der moderne New-Artrock-Sound ist um ein möglichst authentisches Retro-Erlebnis zu vermitteln auf der Strecke geblieben. Auch das Artwork gibt sich hier konsequent, eine naive Malerei in geschmackvollen Rottönen.

Wenn ich einen Schwachpunkt an dieser hochklassigen Scheibe ansprechen soll, so wäre dieser für mich am ehesten beim etwas "dudeligen" Longtrack zu finden. Doch bitte keine Missverständnisse, die Platte ist durch und durch gelungen, die "kürzeren" Stücke kommen nur exakter auf den Punkt. Vor allem die drei Stücke zu Beginn der Scheibe sind schlicht und einfach RetroProg in Perfektion.

Big Big Train sind tatsächlich der neue Stern am RetroProg-Himmel und überstrahlen derzeit alles. Wer auf die klassischen Klänge der Big 4 (bei denen man in 9 von 10 Fällen ELP ausnehmen kann) steht, der muss diese grossartige Platte haben. Selbst heillose Retro-Verächter werden diesem beeindruckenden Treiben wohlwollend zuhören. Ich verwahre mich noch gegen eine Höchstnote, aber wenn sie das Niveau des Perfect Cosmic Storm (vom Vorgänger) und der drei Stücke zu Beginn von The Underfall Yard auf einem Album bündeln, dann kratzen Big Big Train am Klassiker-Status. So ist es nur das beste RetroProg-Album in 2009.

Erhältlich auf der Homepage der Band und ab 15.12.2009 über die üblichen Kanäle.

Anspieltipp(s): Victorian Brickwork
Vergleichbar mit: Genesis & Yes mit leichtem Lizard-Flair (wegen Kammerorchester - musikalisch ist es eher "unschräg")
Veröffentlicht am: 28.11.2009
Letzte Änderung: 28.11.2009
Wertung: 12/15
Evening Star / Master Of St. James / Victorian Clockwork: 15 Punkte | sensationelles RetroProg-Album

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Von: Thomas Schüßler @ (Rezension 2 von 4)


Mit "The Underfall Yard" vertonen Big Big Train ein Loblied auf die englische Ingenieurskunst des viktorianischen Zeitalters, angefangen von Brunels Eisenbahnprojekt (Last train), über die Geschichte des Bristoler Hafens (The underfall yard) bis hin zu dem Taucher, der die Winchester Cathedral quasi im Alleingang vor dem Einsturz bewahrt hat (Winchester diver). Leider sind die Texte etwas schwammig, so dass man in das Gesungene alles mögliche hineininterpretieren könnte.

Mit David Longdon (der auch mal als Phil Collins-Ersatz bei Genesis im Gespräch war, dann aber gegenüber Ray Wilson den kürzeren zog) haben sie einen begnadeten Sänger gefunden, der noch dazu die tollen mehrstimmigen Satzgesänge arrangiert hat. Darüberhinaus ist er als Multiinstrumentalist tätig und gibt einen veritablen Peter Gabriel an der Flöte ab. Aber auch all die Gastmusiker sind top, angefangen von dem über alle Zweifel erhabenen Nick d'Virgilio, über den grandiose Gitarrensoli beisteuernden Dave Gregory, und auch die Herren Godfrey und Dunnery, die im abschließenden Titeltrack aufspielen, sind nicht zu verachten. Allerdings werde ich irgendwie das Gefühl nicht los, dass sich Big Big Train für all die schwierigen, musikalischen Parts Gäste geholt haben, die die eigenen spielerischen Unzulänglichkeiten (?) übertünchen. Keine Ahnung, ob dem wirklich so ist, ist nur ein Eindruck, da alle Soli von den Gästen gespielt werden. Solange das Ergebnis aber derart genial ausfällt, ist mir das reichlich egal!

Das tollste ist aber, wie das Mini-Orchester integriert wurde. Das Cello ist in Prog-Produktion, gerade auch im Retro-Prog, ein immer wieder gern gesehener Gast. Anders sieht es hingegen mit der Blechblasfraktion aus. Aber derart äußerst gediegen, wie hier die Bläsersätze arrangiert wurden, könnte man glatt noch ein Fan von sowas werden. Erinnert mich, gerade in der momentanen Vorweihnachtszeit, an diverse Bläserkreise, die die Fußgängerzonen und Kirchenkonzerte unsicher machen. Also bitte nicht abschrecken lassen, das ist wirklich sehr hörenswert!

Ich kann mich Fix' Urteil nur anschließen: Big Big Train sind zur Zeit im Retro-Prog das Maß der Dinge. Mit "The Underfall Yard" setzten sie einen letzten Glanzpunkt im Prog-Jahr 2009!

Anspieltipp(s): The Underfall Yard (kann man sich kostenlos von der Homepage in sehr guter Qualität herunterladen und beinhaltet alle Elemente, die dieses Album auszeichnen)
Vergleichbar mit: Genesis, Yes
Veröffentlicht am: 20.12.2009
Letzte Änderung: 20.12.2009
Wertung: 13/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 3 von 4)


Das Projekt Big Big Train geht mit The Underfall Yard nach dem beeindruckenden Vorgängeralbum wieder einen Schritt zurück. The Underfall Yard lebt nicht mehr von diesem eigentümlichen Kontrast aus Retro und Moderne wie er in erstaunlicher Frische auf The Difference Machine zu hören war. Dafür gibt es wieder ein diesmal durchgängig schön altertümelndes Konzept mit der britisch-viktorianischen Eisenbahngeschichte im Mittelpunkt.

Dieser konzeptionelle Ansatz bestimmt auch den Sound des Albums, der wieder mehr an das heimelige Album Gathering Speed anknüpft, aber qualitativ deutlich über dessen Mittelmaß hinaus geht! Die neu hinzugekommenen Blasinstrumente, die aber keineswegs ständig das Klangbild dominieren, sondern sehr gezielt eingesetzt werden, wirken zwar eher konservativ als progressiv, schaffen aber doch eine sehr stimmige Atmosphäre. Es werden bei mir allerdings keine Erinnerungen an King Crimson wach, sondern vielmehr an das Rewiring Genesis-Projekt des auch hier wieder zu hörenden Nick D'Virgilio. Und so sind es eben ganz klar Genesis (und auch Yes), die bei diesem Album musikalisch Pate gestanden haben.

Und das ist ein kleiner, aber mir zumindest leider etwas bitter aufstoßender Wermutstropfen, dass die großen Vorbilder (quasi die Big-Zwo des Neo-Retro-Prog) v.a. ab Victorian Brickwork den eigenen Ansatz von Big Big Train etwas überschatten. Daran Schuld ist z.T. auch der neue, immer noch als Genesis-Ersatz gut denkbare Sänger David Longdon. Dass er auch anders kann, zeigt er bei Master James of St. George. Aber Genesis-Fans, die ihre Lieblinge gerne gut wiedererkennbar bei anderen Bands wiederfinden, sollten damit keinerlei Probleme haben. Und auch wenn sich immer wieder ein gewisses Klon-Feeling einstellt, lassen sich Big Big Train nicht darauf reduzieren.

The Underfall Yard ist ein Album, das sich träumerisch in die Gehörgänge schmiegt und ganz viel historische Atmosphäre verbreitet. Und gerade das vom Ansatz her vollkommen überzeugende Zusammenwirken von Konzept und Musik lässt das Album aus der Vielzahl der Neuveröffentlichungen im Retrobereich herausragen. Bei der Umsetzung wäre nur noch mehr eigenes Profil wünschenswert gewesen.

Anspieltipp(s): Master James of St. George, Victorian Brickwork
Vergleichbar mit: Genesis, Yes, Rewiring Genesis
Veröffentlicht am: 31.12.2009
Letzte Änderung: 15.1.2010
Wertung: 11/15

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Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 4 von 4)


Da wir ja hier Alben rezensieren und nicht unbedingt deren Interpreten, kann ich „The Underfall Yard“ nahezu uneingeschränkt loben.

Big Big Train bauen auf „The Underfall Yard“ eine absolut stimmige und auch in sich konsistente Atmosphäre auf. Herrlich altmodische Klänge werden in langen, ausgearbeiteten Songs geradezu zelebriert. Das wäre fast schon zuviel des Guten, wenn die Engländer nicht verstünden gelegentlich aus dem getragenen Mid-Tempo auszubrechen und auch mal zu rocken oder einfach einen kleinen Sympho-Overkill einzustreuen. Neuzugang David Longdon ergänzt das Duo Poole / Spawton ganz hervorragend und verfügt über eine tolle Stimme mit so einem sympathischen Peter Gabriel-Timbre. Hier droht auch die einzige wirkliche Gefahr für dieses Album, denn gelegentlich wird die Nähe zu Genesis allzu deutlich und da könnte man schon das Klon-Wort in den Mund nehmen. Aber letztlich bekommen Big Big Train immer rechtzeitig die Kurve und überschreiten niemals die Grenze zwischen Inspiration und Kopie.

Allerdings wären Big Big Train auf diesem Album wohl deutlich weniger furios, wenn sie sich nicht auf ihre Gastmusiker verlassen könnten. Allen voran Spock’s Beard-Drummer Nick D’Virgilio, der mit seinem eleganten, druckvollen und groovigem Drumming Maßstäbe setzt. Aber auch die bekannten Herren, die dem abschließenden Longtrack ihren Stempel aufdrücken, oder die Mitmusiker an Streichern und Bläsern, die in verschiedensten Tracks für Stimmung sorgen, sind wichtig für das Gelingen des Albums.

Um die Kollegen nochmals zu bekräftigen: „The Underfall Yard“ ist für Retro-Prog-Fans ein Pflichtkauf. Darüberhinaus ist es eines der schönsten Alben des Jahres 2009 und in meiner persönlichen Top 10-Liste locker auf Platz 2.

Anspieltipp(s): eigentlich geht alles
Vergleichbar mit: Stimmungsvoller Retroprog in der Tradition von Genesis & Co.
Veröffentlicht am: 25.1.2010
Letzte Änderung: 25.1.2010
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Big Big Train

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1997 English boy wonders 7.50 2
2002 Bard 10.00 2
2004 Gathering Speed 9.50 2
2007 The Difference Machine 12.33 3

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