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La Düsseldorf

Viva

(Siehe auch: Leitfaden "Deutscher Prog der 70er Jahre")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1978
Besonderheiten/Stil: Krautrock; Punk; sonstiges
Label: Captain Trip
Durchschnittswertung: 12.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Klaus Dinger Gesang, Percussion, Gitarre, Keyboards
Thomas Dinger Gesang, Percussion
Hans Lampe Percussion

Gastmusiker

Andreas Schell Klavier bei "Cha Cha 2000"
Harald Konietzko Bass bei "Geld" und "Cha Cha 2000"

Tracklist

Disc 1
1. Viva 2'36
2. White Overalls 2'06
3. Rheinita 7'37
4. Vögel 1'27
5. Geld 6'22
6. Cha Cha 2000 20'01
Gesamtlaufzeit40:09


Rezensionen


Von: Holger Grützner @ (Rezension 1 von 2)


Zwar kenne ich den Vorgänger dieses Werkes nicht, jedoch bin ich felsenfest davon überzeugt, dass es sich hier um das Meisterwerk der Dinger Brothers handelt. So etwas gelingt nur einmal im Leben. Schade, dass dieses Kleinod nach anfänglichem Erfolg so sang- und klanglos von der Allgemeinheit vergessen wurde. Diese Platte ist Rausch, Rausch und nochmals Rausch. Die Pathosverächter werden sie hassen - was soll's! Anno '81 löhnte ich 120 Ostmark, um in ihren Besitz zu kommen und habe es keine Sekunde bereut. Diese Platte war der totsichere Türöffner ins geizig-besorgte Herz anderer Plattenbesitzer auf der ständigen Jagd nach neuen musikalischen Drogen. "...und was hättest du im Gegenzug zu bieten?" "La Düsseldorf, including Rheinita." Glänzende Augen all überall und sofortige Überlassung anderer Kostbarkeiten von Yes bis..(tapfer sein, lieber Leser!) Nina Hagen Band zwecks Überspielung.

.....und so baut sich dieses Wunderwerk auf: Erdgeschoss: Trommeln und nichts als Trommeln! 1.Stock: Sound. Nix Overture! Volle Breitseite...Sphärenklänge? Heute im Sonderangebot! Wieviel Tonnen soll'n 's denn sein? Let there be weltall. Keep your Synthie dröhning! 2. Stock: Lets brüll together - aba alläää! "Es lebe uns're Welt! Die Liebe und das LEBENN!!!" In bester Südwestnordostkurven-- Manier. Prollverarsche oder Reminiszenz an der Masse dumpfeste Freizeitgestaltung? "New style hit the city: white overalls! Overalls, overalls.... Over all!" geht es nahtlos punkig weiter, um auch der Salonrevoluzzer- Fraktion den Finger zu zeigen. Musikalisch pures Dynamit. Ergreifend!

Es folgt Sturm Nr.2: Er kündigt sich sphärisch an, das Tellstarintro der Tornados von anno '62 läßt grüßen, dann ein akustisch unverständliches Sekunden-Rezitativ: "... Rheinitaaaa!" schließlich ein Chor - ein Satz: "Herr erbarme dich!" Blumm-bummbummbummbummbumm..... Schüchtern wagt sich ein Klavier ein minimalistisches Motiv vorzuschlagen - und: Die wohl am häufigsten mißbrauchte Unterlegmusik für Veranstaltungshinweise und Abspänne des spät70er Rundfunks entwickelt sich zur Soundmauer. Phil Spector Rekorde sind von nun an Geschichte. Fast 8 Minuten lang - Pathos total. Für mich, nach "how the gipsy was born" von Frumpy, das zweitbeste Stück westdeutscher Rockmusik. Immerwieder schön.

Doch dann ......... kalter Entzug: anderthalb Minuten Vogelzwitschern. Stimmen der Vögel unserer Heimat. Gerade will dich das langweilen, da regnet es spinettähnliche Synthietonleitern in die Idylle. Kraftwerks "Model"? Nee, eine resignierte Stimme hebt zum Klagestakkato an: "Geld. Ist das Trauma dieser Welt. Geld. Bis die Welt in Scherben fällt....", um sich hinein zu schaffen, "Geeld! Gääld!! Immer nur GÄÄÄÄLD!"

Soweit die Seite 1 der ursprünglichen Vinylausgabe.

Seite 2 wird von nur einem Stück gefüllt: "Cha cha 2000". 20 Minuten! Heute bekannt und beliebt. Damals bei Erscheinen der Platte zunächst ein Grund, zu befürchten, es könnte sich, wie bei allzuvielen Krautrockereignissen, um einen Rillenfüller der Marke - "Heute komponieren wir mal nicht." - handeln.

Aber schon die erste Anhörung beruhigt diese Ängste. Zwar beklaut man sich ein bisschen selbst - im Mittelteil klingt es manchmal kurz Rheinita verdächtig- aber man kann das ja wohlwollend als beabsichtigte Binnenrahmung interpretieren. Alles bleibt rhythmisch und melodisch im Gleichgewicht. Steigerung hier... melancholische Verschnaufpause da.....nirgends kakophone Soundchecksamples, keine Chance zum Absingen der üblichen pseudointellektuellen Sprechblase: "Meisterhaft werden hier Songstrukturen zerlegt, was unser gesellschaftliches Sein quasi intuitiv durch Geräusch konterkariert." Aus DEN Kinderschuhen sind Dingers hörbar raus. Dickes Lob dafür!

Textlich ist, wie meist im damaligen Deutschrock, nicht viel los. "We need better leaders, who love us and don't sheat us!" Ist schon das höchste an Botschaft. Naja, für Osthörer ein bisschen heu-eu-eu-Effekt. Westhörern wird die Zeile in "Cha cha 2000" vermutlich gar nicht groß aufgefallen sein.

Aber dieser Drumsound unter den Mitgrölparolen! 3 von 6 Members sind als Perkussionisten ausgewiesen und hämmern, was das Zeug hält. Kraftwerk goes Powerpop!

Overiggens: Don't listen and drive, it may smash ya on the baum! Believe me! Yeah.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: amoklaufenden Kraftwerk z.Zt. von Menschmaschine
Veröffentlicht am: 21.5.2002
Letzte Änderung: 22.5.2002
Wertung: 13/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 2)


"VIVA" ist für mich das vielseitigste und gelungenste Album von La Düsseldorf. Vom gröhlenden Titelstück über das punkige "White Overalls" und das romantische Instrumentalstück "Rheinita" geht es mit "Geld" wieder zurück zu punkigen Klängen. So versammelt die erste Seite schon die typischen La Düsseldorfschen Stilmerkmale, wobei die Musik insgesamt gitarrenlastiger ist als auf dem Debutalbum. Noch stärker als dort sind alle Stücke vom Dinger-typischen Minimalismus geprägt, der sich auch hier wieder vor allem in der einfach gehaltenen Rhythmik zeigt. Gerade bei "Rheinita" wird die rhythmische Monotonie auf die Spitze getrieben, dazu die äußerst schlichte Melodie - trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist dies eines der schönsten Stücke in Klaus Dingers Schaffen.

Die eigentliche Krönung folgt im langen "Cha Cha 2000", das in der Vinylversion die gesamte zweite Seite einnimmt. Bis zum abrupten Einsetzen eines langsamen Klavierparts nach etwa der Hälfte der Spielzeit entwickelt sich das Stück eigentlich kaum. Dennoch hat man zu keiner Zeit den Eindruck, hier werde eine Drei-Minuten-Idee endlos ausgewalzt. "Cha Cha 2000" gibt es übrigens auch in einer Version von Dingers späterem Projekt La! Neu?, wo es eine Doppel-CD füllt.

Noch eine kleine Korrektur zu Holgers Rezension: 3 von 6 aufgeführten Musikern seien als Percussionisten ausgewiesen, heißt es da. Das stimmt, tatsächlich aber sind die 6 Musiker in Wirklichkeit nur 5, denn hinter dem separat gelisteten Nikolaus von Rhein verbirgt sich kein anderer als Klaus Dinger selbst.

Nachtrag 07/2005: Im Sommer 2005 sind alle drei "La Düsseldorf"-Alben bei Warner als Remaster-Ausgaben wiederveröffentlicht worden.

Anspieltipp(s): Rheinita, Cha Cha 2000
Vergleichbar mit: Neu!, vor allem das 75er Album
Veröffentlicht am: 19.6.2003
Letzte Änderung: 8.7.2005
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von La Düsseldorf

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1976 La Düsseldorf 11.00 1
1980 Individuellos 8.00 1

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