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24279 Rezensionen zu 16594 Alben von 6469 Bands.
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Popol Vuh (Dt.)

In den Gärten Pharaos

(Siehe auch: Leitfaden "Krautrock")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1972 (CD-Reissue 2004, SPV)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Krautrock
Label: Pilz
Durchschnittswertung: 10/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Florian Fricke Moog Synthesizer, Orgel, Fender Piano
Holger Trützsch Afrikanische, türkische Percussion
Frank Fiedler Moog-Synthesizer-Mixdown

Tracklist

Disc 1
1. In den Gärten Pharaos 17:37
2. Vuh 19:48
3. Kha-White Structures 1   (Bonustrack CD-Reissue SPV) 10:15
4. Kha-White Structures 2   (Bonustrack CD-Reissue SPV) 10:09
Gesamtlaufzeit57:49


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 4)


Die Formation Popol Vuh (so heisst das "Buch des Rates" der guatemalischen Quiché-Indianer) um Florian Fricke gehört zu den Pionieren des deutschen Krautrock bzw. der neuen elektronischen Musik; "In den Gärten Pharaos" ist ihr zweites Album.

Das Titelstück beginnt mit den Geräuschen plätschernden Wassers, dazu gesellen sich nach und nach chor-artige Synthesizer-Stimmen, die fast an einen mittelalterlichen Choral erinnern. Schliesslich kommt ein bewegter Conga-Rhythmus dazu, die Synthesizerstimmen erinnern jetzt mehr an 'singende Weingläser', bis sie schliesslich durch ein glockig vor sich hin plingendes E-Piano abgelöst werden. Das Ganze verströmt eine besonnene, fast sakrale und durchaus hypnotische Stimmung, und durch die Kombination von Naturgeräuschen, Synthesizern und Percussion wird auch eine gewisse Farbigkeit und Lebendigkeit heraufbeschworen, die dem Garten eines Pharaos vielleicht sogar angemessen ist.

Nichtsdestotrotz bin ich nicht ganz sicher, ob man den gleichen Effekt nicht auch erreichen könnte, wenn man einen halbwegs begabte Sechsjährigen vor einen Synthesizer setzt und ihm erklärt, dass er nur die schwarzen Tasten benutzen dürfe und ihm dann noch einen Conga-Spieler aus der örtlichen Hippie-Kommune zur Seite stellt... Naja, Schwamm drüber.

Auf der zweiten Seite wird dann schweres Geschütz aufgefahren: eine Kirchenorgel türmt zusammen mit Synthesizer und Stimmen gewaltige, düstere Akkorde, gegen die die auch hier wieder vertretenen Konga-Rhythmen einen schweren Stand haben. Deren Rolle übernimmt allerdings die entfesselte, drängende und schwellende Beckenarbeit. Die pastorale Idylle des pharaonischen Gartens weicht hier Endzeitstimmung und Strafgericht, und obwohl eigentlich weniger Abwechslung herrscht als auf der ersten Seite, gefällt mit "Vuh" wegen der viel grösseren Intensität der Musik deutlich besser.

Vor allem Fans der frühen Tangerine Dream müsste "In Den Gärten Pharaos" auf jeden Fall Spass machen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.5.2002
Letzte Änderung: 27.5.2002
Wertung: 9/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 4)


Auch "In den Gärten Pharaos" wurde 2004 im Rahmen der Gesamtreedition der Alben von Popol Vuh von SPV neu aufgelegt, remastered, in hübschem Digipack und versehen mit zwei umfangreichen Bonusstücken. Etwas ärgerlich sind die Beihefte, die den SPV-CDs beigefügt sind. Da geben Zeitzeugen und Freunde ihre Erinnerungen und Ansichten über Florian Fricke und die Musik von Popol Vuh zum Besten. Das wäre zwar nicht weiter schlimm, aber leider sind diese in jedem der verschiedenen CD-Reissues mehr oder weniger dieselben. Ich hätte es viel interessanter gefunden, stattdessen ein paar Informationen über die jeweilige LP, die beteiligten Musiker, die Stücke und auch die Bonustracks vorzufinden.

Zu der auf "In den Gärten Pharaos" zu findenden Musik hat sich Udo ja schon recht erschöpfend ausgelassen. Das Titelstück ist ein recht ruhiges Klangbild: Wasserplätschern, schlichte Synthesizersounds, fast hektisches Congaklappern und - nach gut 12 Minuten - ein perlendes, jazziges E-Piano. Der Vergleich mit dem auf den schwarzen Tasten herumpatschenden Sechsjährigen trifft vielleicht stellenweise, und wie so oft im Krautrock und der elektronischen Musik stellt sich hier die Frage, ob das nun Kunst oder dilettantisches Rumprobieren ist - die erzeugte Stimmung ist allerdings durchaus faszinierend.

"Vuh" bietet dann gewaltige Klangmassen, Kirchenorgel, hallende und dröhnende Beckenklänge, Synthesizeruntermalung, Stimmen ... gigantisch, sakral, intensiv ... grandios!

Zwei Bonusstücke gibt es auf dem SPV CD-Reissue: "Kha-White Structures 1" und "Kha-White Structures 2" (beide etwas über 10 Minuten lang). Das sind mehr oder weniger unspannende Synthesizerimprovisationen, Spielereien mit dem Moog, die Fricke wohl nicht dazu ausersehen hatte, dass sie irgendwann einmal veröffentlicht werden. Wie gesagt ist dem Booklet leider nicht zu entnehmen wann, wo und weshalb diese Stücke auf Tonträger verewigt wurden. Teil 1 bietet trötige Pseudorohrblattklänge (klingt wie eine Oboe, ein Fagott oder irgendeine nahöstliche Schalmei), Teil 2 eher quietschig-flötendes, an- und abschwellende, vibrierende Klänge, übereinandergeschichtet, monoton und langatmig. Muss man nicht unbedingt gehört haben.

Nach den Aufnahmen zu dieser Scheibe hat Fricke sich sakral-akustischer Musik zugewandt. Mit "Vuh" hat er jedenfalls eine der beindruckensten Schöpfungen des Krautrocks hinterlassen, die jeder, der sich für dieses Genre interessiert, einmal gehört haben sollte!

Anspieltipp(s): Vuh
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.10.2004
Letzte Änderung: 2.12.2004
Wertung: 11/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 4)


Eigentlich hatte ich das Kapitel Popol Vuh mit Affenstunde abgehakt, aber inspiriert durch eine TV-Dokumentation über Krautrock, in der auch Popol Vuh auftraten, habe ich mir doch noch den Zweitling der Münchener zugelegt. Und der gefällt mir gleich deutlich besser.

Das Titelstück steht noch in der Tradition von Affenstunde: formlose Synthesizer-Klänge, unterlegt mit wildem Congagetrommel. Im letzten Drittel des Stücks tritt dann plötzlich ein perlendes E-Piano dazu, das einen ganz leichten Anflug von Jazz bringt - eine interessante Wendung.

Ganz anders Vuh: mächtig dröhnende Orgel und dramatische Beckenschläge schaffen eine wahrhaft sakrale Atmosphäre. Grandios und klar der Höhepunkt des Albums.

Die beiden in der Remaster-Ausgabe enthaltenen Bonustitel, über deren Herkunft man leider rein gar nichts erfährt, finde ich keineswegs so uninteressant wie Kollege Achim. Beide sind ausschließlich elektronisch instrumentiert und erinnern etwas an die monolithischen Frühwerke eines Klaus Schulze (besonders der zweite Titel). Ja, das ist monoton, aber auf eine durchaus faszinierende Weise! Die verwendeten Klangfarben erinnern an arabische Musik und verleihen den Stücken einen zusätzlichen Reiz.

Kurzum, wer die kosmischen Klänge der frühen 70er mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.9.2006
Letzte Änderung: 15.9.2006
Wertung: 10/15

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Von: Michael Hirle @ (Rezension 4 von 4)


„In den Gärten Pharaos“ beginnt dort, wo die „Affenstunde“ aufhörte: die Geister die man dort beschwor, scheinen jetzt ihr Lied zu singen. Und wie das so mit Geistwesen ist, sie sprechen eine andere Sprache. Wortlose Choräle rein elektronisch erzeugt. Anfangs klingt dies wirklich gruselig. Das Klangspektrum ist noch nicht erweitert. Aber die Herangehensweise ist eine andere, weg von den Klangwolken des Vorgängers hin zu gesanglichen Sphärenklängen. Klingt erst mal paradox. Aber würde man die Harmonien für menschliche Stimmen umschreiben, wäre die Musik in der Nähe eines György Ligeti. Obwohl die „Affenstunde“ wilder, in den Klängen schroffer war, wirkt die neue Ordnung genauso unheimlich wie manche Chorstücke Ligetis oder, wer es nicht gut mit der Musik von Popol Vuh meint, wie der Soundtrack eines Ed Wood Horrorstreifens.

Anders „Vuh“. Hier werden die Geister wieder zurück in ihr Reich getrieben. Mächtige Orgelakkorde und reichlich Schlagwerk verbinden sich zu einem Klangrausch, den ich in ähnlicher Intensität erst wieder auf dem „Schlafes Bruder“ Soundtrack zu Ohren bekam. Hier weilt das Sakrale noch in einer riesigen Kirche bevor es eine Platte später wieder zum Menschen entlassen wird („...wo zwei oder drei...“) und sich in sanft, pastoralen Klängen entlädt. Wie von meinen Vorrednern schon gesagt und hiermit bestätigt, ein, wenn nicht das Highlight der ganz frühen Popol Vuh.

Die Bonustracks sind zwar bisher unveröffentlicht, aber wirklich vermisst hat man sie bisher auch nicht. Ich sage das bei Popol Vuh Stücken eigentlich nie, aber diese haben mich doch durch ihre Sirenenhaftigkeit ein wenig genervt und machen die vibrierende Stimmung der ersten beiden Stücke ziemlich schnell und ziemlich gründlich zunichte. Da lob ich mir die Platte, die dann endet, wenn es am Besten ist.

Anspieltipp(s): Vuh
Vergleichbar mit: dem Vorgänger und führt dessen Klangspektrum zum Gipfel
Veröffentlicht am: 23.8.2012
Letzte Änderung: 23.8.2012
Wertung: 10/15
ohne Bonustracks wärs ne 11

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Popol Vuh (Dt.)

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 Affenstunde 9.50 4
1972 Hosianna Mantra 11.33 3
1973 Seligpreisung 10.50 2
1974 Aguirre 9.75 4
1974 Einsjäger & Siebenjäger 11.00 3
1975 Das Hohelied Salomons 11.00 3
1976 Letzte Tage - letzte Nächte 10.67 3
1976 Yoga - 1
1977 Coer De Verre (Herz aus Glas) - Soundtrack 12.00 1
1978 Nosferatu (Soundtrack) 10.00 1
1978 Brüder des Schattens - Söhne des Lichts 9.00 2
1979 Die Nacht der Seele - tantric songs 13.00 1
1981 Sei still, wisse ICH BIN 12.00 1
1982 Fitzcarraldo - 1
1983 Agape-Agape, Love-Love 12.00 1
1985 Spirit of Peace 11.00 1
1987 Cobra Verde (Soundtrack) 10.00 1
1991 For you and me 12.00 1
1993 Sing, for Song Drives Away the Wolves - 1
1994 Gesang der Gesänge - 1
1994 City Raga - 1
1995 Kailash - Pilgerfahrt zum Thron der Götter (VHS) - 1
1996 Shepherd's Symphony - Hirtensymphonie - 1
1999 Messa di Orfeo 12.00 1
2011 Revisted & Remixed 1970 - 1999 - 1

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