Heritage
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Informationen
Allgemeine Angaben
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| Label: |
Roadrunner Records |
| Durchschnittswertung: |
9.6/15 (5 Rezensionen) |
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Besetzung
| Mikael Åkerfeldt |
Vocals, Guitars, Mellotron, Piano, FX |
| Martín Méndez |
Bass |
| Martin Axenrot |
Drums, Percussions |
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| Fredrik Åkesson |
Guitars (rhythm), Guitars (lead) |
| Per Wiberg |
Keyboards, Hammond Organ, Piano, Fender Rhodes, Wurlitzer |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Heritage
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2:05
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| 2. |
The Devil's Orchard
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6:40
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| 3. |
I Feel the Dark
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6:40
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| 4. |
Slither
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4:03
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| 5. |
Nepenthe
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5:40
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| 6. |
Häxprocess
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6:57
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| 7. |
Famine
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8:32
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| 8. |
The Lines in My Hand
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3:49
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| 9. |
Folklore
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8:19
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| 10. |
Marrow of the Earth
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4:19
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| Gesamtlaufzeit | 57:04 |
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Rezensionen

Hier kommt ein Spaltpilz. Einer zudem, der gleich in zwei verschiedene Richtungen spaltet: Zum einen die Opeth-Fans und die ehemaligen Opeth-Fans, zum anderen die, die hier innovativen Prog erkennen, zum anderen die, die es nicht tun.
Noch jemand, der gespalten werden will?
Diese Platte ist schon auseinandergenommen worden, bevor sie überhaupt jemand gehört hat. Darf ein Death-Metal-Growler aufhören, zu growlen (Skandal!)? Darf eine Death-Metal-Band aufhören, eine Death-Metal-Band zu sein? (Skandal!) Darf eine Death-Metal-Band eine Progband werden?
No klor!
Die Fans werden drüber streiten, ob man sich nicht einfach hätte umbennen sollen. Klar, möglich. Ist halt ein wirtschaftliches Risiko. Man stelle sich vor, Yes hätten als Cinema weitergemacht, Genesis als Dewderonomy, Spock's Beard als Scotty's Hairstyle und Opeth als Opel. Ich meine, man wird sehen, ob sich Twix jetzt mit dem neuen Namen "Pausenduo" eine neue hippe, coole, junge Käuferschaft erschließen kann.
"Heritage" ist all das: Kein Metal-Album, kein lautes Album und kein Growl-Album. Dafür ist es all jenes nicht: Es ist ein Progalbum, ein leises Album, ein Klargesang-Album. Aber nichts davon ist es so richtig. Und das kommt so:
Mit "Heritage" beginnt das Album mit einem ruhigen, jazzigen Klavierintro, das hier und da durch einige Barockharmonisierungen angereichert wurde. Das klingt sehr schön, ist allerdings allenfalls für ein Death-Metal-Album innovativ. Jenseits dieses Genres dürfte man nur gähnen - andererseits ist "Heritage" ja nicht einmal ein Death-Metal-Album...
Mit "The Devil's Orchard" folgt gleich darauf ein richtiger Progsong, einer mit soviel Vintagekeys zudem, dass auch Leute, die den staubigen 70er-Prog vor allem über seinen Sound definieren, auf ihre Kosten kommen dürften. Abgesehen davon ist der Song durch sein schön verwickeltes Riff und die letzte auf Anhieb einleuchtende Melodie des Albums ein Highlight der Scheibe. Erst "Famine" wird wieder mit so einem klassischen Progrock-Riff aufwarten.
Wenn "Heritage" mit solchen Songs mal auf den Punkt kommt, ist es ein wirklich starkes Album. Doch ihnen stehen auf der anderen Seite Stücke wie "I Feel The Dark" gegenüber, die entweder zu lange oder zu unkonzentriert wirken. Sie tragen allenfalls ein wenig zu der anderweitig viel überzeugender erzeugten trübselig-herbstlichen Atmosphäre des Albums bei - aber eben vor allem zu dem Eindruck, dass "Heritage" manchmal allzu breiig vor sich hinmäandert. Dass die Melodien solcher Songs nicht gerade auf den Punkt kommen, trägt dazu nur seinen planlosen Teil bei.
Der geschulte Proghörer dürfte sich allerdings selbst bei solchen Songs über manche Referenz in die Vergangenheit freuen: Mellotronstreicher streicheln ihm die Ohren und es gibt Anspielungen an Schlagzeugpatterns und Basslinien der vermutlich nicht jedem Opeth-Fan geläufigen französischen Zeuhl-Band Magma, die so eindeutig sind, dass sie keine Zufälle sein können. Immerhin heißt die Platte "Heritage". Solche kleinen intertextuellen Hommagen werten das Album an vielen Stellen immer wieder auf.
Richtige Tiefpunkte gibt es allerdings auch unter diesen Hommagen: nichts gegen Dio, aber was soll die Dio-Reminiszenz "Slither" hier?
Die Freunde klassischen Progs dürften allerdings mit Zunahme der Laufzeit das Interesse an diesem Album verlieren. Denn nach "The Devil's Orchard" treten seine Einflüsse schnell zugunsten wenig eingängiger, jazzig-avantgardistischer Melodien und new-artrockiger Klänge zurück: Stücke wie "Nepenthe" oder "The Lines in my Hand" dürften eher Hörern gefallen, die an Bands wie Porcupine Tree oder Coheed and Cambria Gefallen finden. Wer sich schon immer gefragt hat, warum das Progbands sein sollen, sollte bei "Heritage" vielleicht nicht gleich beherzt zugreifen, nur weil er irgendwo gelesen hat, dass das die beste Prog(metal)scheibe der letzten Jahre sei. Das liest man derzeit auch über Alben von Dream Theater, Mastodon und Arch/Matheos - und nicht zu unrecht.
Mit "Nepenthe" und seinem zurückhaltend treibenden Rhythmus fängt sich das Album wieder, erinnert hier und da an Canterbury-Bands und dürfte daher vielleicht auch für den einen oder anderen aufgeschlossenen Jazzhörer interessant sein. Ob die auf die Idee kommen werden, Opeth anzutesten?!?
Von da an wird "Heritage" bis zum Ende kein Album mehr, das sich dem Hörer ungehemmt an den Hals wirft. Auch wenn die Musik alles andere als klassisch-frickelig ist: sie bleibt in ihren besseren Momenten schwer zugänglich, verschlossen, will erarbeitet, besser: erlebt werden. Dreimal hören reicht dann nicht, vielleicht zündet es ja beim siebten Mal. Mit Songs wie "The Lines in my Hand" andererseits wird sie aber auch immer wieder mittelmäßiger Alternative-Rock, den man nicht unbedingt braucht, schon gar nicht von Opeth.
Schlechte Kritiken zu diesem Album mögen falsch sein - ein Progwunderwerk ist "Heritage" aber auch nicht. Dafür ist hier zu vieles zu hören, was ich anderswo schon konziser gehört habe. "Heritage" ist mutig, probiert vieles aus, wirkt im Ganzen aber eher tastend, manchmal unsicher. Wäre das Album nicht so heterogen, hätten sich Opeth auf die atmosphärisch-schrägen, ästhetizistischen Momente beschränkt und den Nu-Prog auf eine Bonus-CD verbannt, könnte "Heritage" aber ohne Weiteres das Kleinod sein, dass zu sein ihm so nur in seinen besten Momenten gelingt.
| Anspieltipp(s): |
"The Devil's Orchard", "Famine", "Slither" |
| Vergleichbar mit: |
Anekdoten, SGM, Comus |
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| Veröffentlicht am: |
19.9.2011 |
| Letzte Änderung: |
4.11.2011 |
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Der vergangene September sollte aus Sicht der Fans von klassischem Prog bzw. traditionellem Progmetal ein echtes Highlight gewesen sein: Dream Theater, Arch/Matheos, Redemption und neuerdings auch Opeth. Davon fällt letzteres Album, das nun hiermit besprochen werden soll, interessanterweise am meisten "retro" aus. Wer hätte sowas vor zehn, fünfzehn Jahren gedacht? Es ist allerdings auch kein Geheimnis, dass Mikael Åkerfeldt schon seit geraumer Zeit ein Faible für 70er-Platten hat, wenngleich er in einem zu "Watershed"-Zeiten von der Plattenfirma (?) veranstalteten Prog-Quiz gegen Steven Wilson gnadenlos untergegangen ist.
Aber nun zur Musik: Nach dem düster-jazzigen Klavierintro "Heritage" geht es also mit "The Devil's Orchard" fast so retroproggig wie nur möglich los. Leicht angezerrte Gitarre, Hammondorgel und klanglich nicht ganz ans Mellotron heranreichende Keyboard-Streicher sorgen für einen ziemlich traditionellen Sound, wobei insbesondere die jazzigen Breaks das ganze aber mehr nach der italienischen denn nach der britischen Schule klingen lassen. Die Herkunft von Opeth aus dem Metalgenre lässt sich allerdings nie ganz verleugnen, in diesem Song tritt sie z.B. bei den etwas unbeherrscht wirkenden Distortion-Gitarren in der Mitte des Stückes auf. Ebenso hätte sich wohl keine der großen 70er-Bands ein "God is dead" als Refrain getraut.
Insgesamt ist der Einstieg für das Album durchaus archetypisch. Interessant ist der immer wieder gebotene Gegensatz zwischen folkig-ruhigen und somit reichlich düsteren Passagen und in die Vollen gehenden Abschnitten mit zahlreichen Remineszenzen an klassischen Hadrock. Dies tritt z.B. in "Slither" zutage, dass anfangs als Rainbow/Deep-Purple-Verschnitt durchgehen könnte, aber mit einer etwas melancholischeren und mehr zurückhaltenden Variante typischer Steve-Howe-Akustiknummern endet. Immer wieder finden sich auch jazzige Einsprengsel, wie man sie im Progkontext entweder aus dem erwähnten Italoprog kennt, oder aber von den King Crimson der Wetton/Bruford/Cross-Ära. Hierfür sind "Nepenthe" und "Häxprocess" schöne Beispiele, zumal sie von Grundstimmung und Aufbau her deutlichst an Nummern wie "The Night Watch" oder "Providence" erinnern. Heißt also: Ziemlich formlose Passagen, in denen zwischen kärglicher Instrumentierung mal für kurze Augenblicke Stille herrscht, wechseln sich ab mit wilden, aber nicht zu harschen Ausbrüchen.
Welche klassischen Puzzleteile kann sich der Hörer noch zusammensuchen? Da gebe ich mal ein paar Winke: Die Flöten von Ian Anderson und Andy Latimer sowie das "Larks' Tongues In Aspic"-Hauptriff in "Famine". Authentische Fripp-Gitarrensounds in "Nepenthe". Düstere Percussionsounds, wie man sie, um mal einen weiteren Crimso-Mucker zu nennen, unter anderem von Jamie Muir kennt. Für solcherlei Sammler gibt's sicher noch vieles zu erkunden, womit auch einhergeht, dass insgesamt doch eher wenig hiervon originär nach Opeth klingt. Der eheste Anknüpfungspunkt an die Vorgängerwerke ist vermutlich Mikael Åkerfeldts Gesang. Die Einordnung in den Bereich "New Artrock" kann ich insofern nachvollziehen, dass die Band durchgehend mit einer ziemlichen Leichtigkeit agiert: Trotz der genannten Retrogressionen und viel Abwechslungsreichtum klingt das Album nicht sklavisch nach den angebeteten Jahrzehnt, sondern fast immer locker und transparent. Außerdem wirkt die Musik bei aller genannten Düsternis nur selten wirklich "schwer" oder bedrückend. Das kann aus der Sicht mancher Zeitgenossen allerdings auch ein Mangel sein.
Unterm Strich sind Opeth mit "Heritage" so ziemlich auf der Retro-Prog-Schiene angekommen. Bisweilen, etwa in Passagen von "Häxprocess", "Folklore" oder "Famine", könnte man fast meinen, "Hinterland" von Wobbler zu hören. Das wäre auch der nächste Hinweis: Skandinavische 90er-Größen wie Änglagård oder Anekdoten, mit denen schon die genannten Norweger immer wieder verglichen wurden, liegen auch hier nicht fern. Mit diesen Bands teilt man neben ebenso Veranlagung zur herbstlichen Melancholie. Härtetechnisch ist "Heritage" allerdings ein verhältnismäßig ruhiges Album ohne die harschen Elemente, die man vor dem Hintergrund von Opeth nun wirklich erwarten würde. Wenn die Lieder einigermaßen gut ins Ohr gehen, stimmig aufgebaut sind und schöne Melodien haben, dürfte das aber auch nur die Leute stören, die King Crimson in erster Linie mit Gefrickel assoziieren.
Wie beurteilt man ein solches Album nun? "Heritage" ist ein für Opeth durchaus mutiges und vor allem in der Wahl seiner Mittel kompromissloses Album, was wohl auch honoriert werden sollte. Songs schreiben können Åkerfeldt und Kollegen ja sowieso, allerdings muss ich hier anmerken, dass die Nummern in der Mitte des Albums ("Nepenthe" bis zum Anfang von "Famine") etwas zu ruhig ausgefallen sind. Wirklich hörenswert sind aber das eingängige "The Devil's Orchard", das erdrückende und jazzig gestimmte "I Feel The Dark" und schließlich noch das kunstvoll aufgebaute "Folklore". Gerade letzteres sucht in diesem Jahr seinesgleichen.
Problematisch ist an "Heritage" natürlich, dass es den Retroprog und seine Vorbilder ja schon längst gibt. Hier kann man Opeth sicher nicht die Erfindung neuer Musikstile oder eine Erweiterung der Grenzen der zeitgenössischen Popmusik (um es mal mit der Gentle Giant'schen Selbstauffassung auszudrücken) zuschreiben. Stattdessen gilt es hier "lediglich" überwiegend gute, stimmungsvolle Musik und auch den Verdienst, das Extrem-Metal-Publikum mit klassischen, wenn auch eher gemäßigten 70er-Sounds zu konfrontieren. Letzteres ist allerdings angesichts der ganzen "Okkult"-Bands der letzten drei, vier Jahre aber auch keine wirkliche Pionierleistung.
| Anspieltipp(s): |
Jordrök, Fracture, Rubato Industry. Ach nee, die sind da ja gar nicht drauf ;-) |
| Vergleichbar mit: |
Den ruhigen Momenten JEDER im Text genannten Band. |
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| Veröffentlicht am: |
27.9.2011 |
| Letzte Änderung: |
16.12.2011 |
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Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. [?] Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; den sobald du davon isst, wirst du sterben. (Gen. 2, 8-16)
Ein Baum entsprang inmitten der Einöde, und die Früchte, die er trug, waren Schwedenköpfe. Von fern und nah kamen Menschen, um vom Baum zu kosten, über die grünen Hügel von jenseits der roten und blauen Seen und aus den brennenden Städten, die da hießen Sodom und Gomorrah. Tief unter der Erde, zur wildwuchernden Wurzel des Baumes aber saß ein janusköpfiger Teufel und vergiftete den Baum, so dass die Köpfe, wo sie zur Erde fielen, alsbald verrotteten und nur die hohlen Schädel zurück ließen...
Die Inspirationen für das Cover des 10. Opethwerkes sind vielfältig: die Bildkomposition erinnert an The Moody Blues In Search of the Lost Chord, der Stil an die alptraumhaften Tryptichen des Hieronymus Bosch, die Motive an das Alte Testament. Es ist das Erbe ? oder die Erbsünden? ? der alten Welt. Schon bald wird einem Nietzsche aus den Boxen klingen. Wenn das obskur klingt, dann klingt es genau richtig: Heritage ist ein obskures, hermetisches Werk.
Klar ist nur: Der Progressive Death Metal, der die Mannen um Mikael Akerfield einst definierte und der im intensiven Watershed bis über seine Grenzen hinausgeführt wurde, ist (vorerst?) Geschichte. Stattdessen wandet man sich in geborgte Roben. Das Album geht zurück zu den Wurzeln, des Progressive Rock ebenso wie der Musik, die Opeth selbst geschaffen haben. Aber ist es auch gute Musik?
Mutig ist es in jedem Fall. Und das ist auch nicht einfach nur retro, nicht einfach Kopie der Klassiker, sondern durchaus radikaler. Im Grunde machen Opeth hier etwas ganz Unerhörtes: sie erschaffen sich selbst als ihre eigenen musikalischen Vorfahren neu und schaffen jetzt das Erbe, das sie auf ihren vorigen Werken angenommen haben. So hätten sie klingen können, wären sie in den 70ern dabei gewesen. Was für ein Experiment! Trotzdem noch einmal die Frage: Ist es auch gute Musik?
Lassen Sie es mich einmal so sagen: Wenn Nik schreibt, das Heritage nichts so richtig ist, dann hat er vollkommen recht. Das liegt aus meiner Sicht vor allem daran, dass hier die Essenz dessen, was Opeth eigentlich ausmachte verdunstet ist: Hörst du Alben wie Blackwater Park, Ghost Reveries oder Watershed dann ist es, als würde vor dir der tiefschwarze Abgrund der Hölle gähnen, und doch ist da die Gewissheit, dass Engel an deiner Seite gehen, dass auch im finstern Tal wahre Schönheit blüht. Die Schweden hatten stets zwei Gesichter. Es war der Kontrast der tonnenschweren, unheilschwangeren Riffs und Akerfields Growls mit seinem klaren Gesang und den ebenso eingängigen wie ätherischen Akustikpassagen, die ihre Musik mit einer ungeheuren Spannung erfüllte und ihr einen Richtungssinn gab. Opeth hatten vom Baum der Erkenntnis gegessen. Brachiale Gewalt und fragile, erhabene Schönheit, Gut und Böse, Tod und Leben ? alles vereint zu einem stimmigen Widerspruch. In einem Wort: Transzendenz.
Zwar wusste man vielleicht nicht immer, wohin die musikalische Reise führte, aber man konnte sich sicher sein, dass sie auf etwas hinauslaufen würde. Bei Heritage habe ich das erste Mal das Gefühl, im Irgendwo loszugehen und im Nirgendwo anzukommen. ?Mäandern? ist das rechte Wort, Nik! Der Düsterfolk der alten Opeth ist geblieben ? ?Marrow of the Earth? hätte auch auf jedem anderen Album der Schweden stehen können. Ansonsten aber tändelt man mit klassischem Progrock, liebäugelt mit Jazzfusion und kokettiert mit einem guten Schuss Hardrock, alles Marke 70er. Man lässt die Füße in den Wassern des Styx baumeln, wo man früher auf den Grund des Mariannengraben tauchte und den Hörer gleich mitnahm und wieder hinaufführte! Den meisten Stücken auf Heritage fehlt entweder jede Richtung, oder man läuft und verläuft sich in allen Richtungen gleichzeitig - und dass, obwohl sie oft deutlich kürzer ausfallen als die alten Heldentaten. Ausnahmen sind ?The Devil?s Orchard?, das starke ?Famine? (inklusive Ian Anderson Gedächtnisflöte) und recht camelige ?Folklore.? Ansonsten ?passiert? Schönheit immer noch, aber wenn, dann scheint es Zufall zu sein. Ein Songfragment nach dem anderen versickert im Treibsand der Willkür, ohne, dass es groß auffiele.
Mehr als das abgründige, experimentelle Watershed hat Heritage den Charakter eines amorphen, höhepunktsarmen Übergangswerks. Es ist ein Dämmerungsalbum: eine gewisse Faszination strahlt es dabei schon aus, doch es ist eher ein laues Unbehagen, weit davon entfernt, den Sog früherer Werke zu entfalten. Nicht Inferno, nicht Paradiso. Eher Fahrstuhlmusik fürs Fegefeuer.
| Anspieltipp(s): |
The Devil's Orchard, Famine, Folklore |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
28.9.2011 |
| Letzte Änderung: |
29.9.2011 |
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2011 ist ein Jahr großer Alben geworden! Ich denke dabei zwar erfreulicher- und erstaunlicherweise zugleich zunächst an beeindruckende Neuerscheinungen aus deutschen Landen wie Seven Steps to the Green Door, Flaming Row, Toxic Smile oder Frequency Drift. Aber auch Opeth liefern Hörenswertes. Ähnlich wie sein Kumpel Wilson wendet Mikael Akerfeldt den Blick weit zurück in die 70er Jahre. Da Akerfeldt aber nicht die Crimson-Scheiben jener Jahre neu abgemischt hat, fällt sein Bezugsrahmen diffuser und damit origineller aus. Opeth lassen sich nicht festnageln.
Das Wichtigste dabei aber weiß jeder, der diese Rezi jetzt liest, schon längst: Opeth sind nicht mehr Opeth, sondern via musikalischer Zeitreise ihre eigene Vorläuferband vor Erfindung des Death Metal geworden. Der Proggie ist das Leben auf der Zeitschleife des ständigen Deja-vu ja irgendwie gewohnt...
Es gab schon mal so ein Experiment im Hause Opeth. Das war dieses Album Damnation, das so gar nicht dem entsprach, was man bis dahin mit Opeth verbunden hatte. Damals klangen Opeth nämlich mehr nach Steven Wilson als Wilson selbst. Die Prog-Welt war ganz aus dem Häuschen, aber Opeth-Fans wandten sich folgerichtig von ihren einstigen Heroen ab und hörten fortan lieber Porcupine Tree... Aber Damnation schien nur ein kurzes Intermezzo zu sein. Heritage zeigt nun aber, dass es durchaus Langzeitwirkung hatte. Nur diesmal hat es die Band besser gemacht, denn die Erbengemeinschaft Opeth weiß noch wie man rockt!
Den sich selbst auf Heritage neu erfindenden Opeth mangelt es gleichwohl an Biss, wenn man das Album mit seinen Vorgängern vergleicht. Sicher, die Band rockt so prächtig, wie es Bands in den 70er-Jahren vor Erfindung des Metal aus dem Geiste des Punk vorgemacht haben. Ritchie Blackmore hätte sicherlich seine Freude an Akerfeldts Gitarrenspiel, wenn er nicht mittlerweile diesen Renaissance-Kram machen würde. Wobei auf Heritage als Gegenpart zum 70er-Jahre Hardrock folgerichtig sanfte Folklore zu finden ist, die wieder für das Opeth-typische Wechselspiel von Härte und Sanftheit sorgt. Außerdem gibt es diese prächtigen Mellotronwellen, von denen Proggies seit jeher in andere Sphären fortgetragen werden.
Nur wird auf Heritage allgemein die Härte zurückgefahren, neben den Growls auch gleich der ganze Metal eliminiert. Das hat nostalgischen Charme und war auch einfach mal nötig, weil man ja nicht immer das Gleiche machen will und weil ein Hochschrauben der Härte, das sonst notwendig gewesen wäre, der Band nicht gefallen hätte. Und den Hörern - zumindest denen, die auf diesen babyblauen Seiten lesen! - vermutlich auch nicht.
So gesehen war die Entwicklung zu Heritage aus babyblauer Sicht genau die richtige Entscheidung. Die Songs haben genau soviel Drive und Dynamik, dass sie mitreißen und genau soviel Differenziertheit, dass sie den anspruchsvollen Hörer zu fesseln vermögen. Und die Qualität der Songs ist vorzüglich. Aber das gelegentliche Growlen fehlt mir ehrlich gesagt doch...
| Anspieltipp(s): |
The Devil's Orchard, Häxprocess |
| Vergleichbar mit: |
Opeth minus Death Metal |
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| Veröffentlicht am: |
11.10.2011 |
| Letzte Änderung: |
23.5.2012 |
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Wenn ich auf die bisher besprochenen Alben von Opeth gucke, stelle ich doch mit Verwunderung fest, dass die wirklich progressiven Alben bisher noch nicht besprochen wurden. "Orchid", "Morningrise", "My Arms Your Hearse" waren in ihrer Art und zum Zeitpunkt ihres Erscheinens, einzigartig. Gut, manchmal lukten sie Richtung Edge of Sanity (kein Wunder Dan Swanö hatte die beiden ersten Alben produziert), hin und wieder blitzten 80er Jahre Metallica auf, aber im Großen und Ganzen, war das neu, was Mitte der Neunziger von Candlelight-Records kredenzt wurde. Die Grundsteine für eine der eigenständigsten Metal-Bands des Planeten waren gelegt. Dissonante Riffs, Labyrinthartige Songaufbauten, harsche Growls und Blastattacken tief aus den Norwegischen Wäldern, immer wieder unterbrochen von cleanen Gesängen (die an die damals ebenfalls im Unterholz wütenden Ulver erinnerten) und wunderschönen Akustikpassagen, die meist zu einem epischen Ende überleiteten. Katatonia standen ihnen vielleicht in Melodik und Melancholie noch am nächsten. Nicht alles was in die überlangen Songs gepackt wurde, konnte die Spannungskurve halten, dennoch steigerten sie die Vorfreude auf die wirklich magischen Momente. Unterstützt mit viel Hall erzeugten diese 3 Alben eine Atmosphäre, die bis dato unerhört war. Ähnliches gelang vielleicht noch ihren Landsmännern von In the Woods, den frühen The 3rd and the Mortal, ihren schwedischen Brüdern im Geiste Godgory und den damals noch doomigen Anathema. Soll man nun diesen Zeiten nachtrauern? Jein. Progressiver Rock war für Mikael Akerfeldt schon immer ein Thema, jetzt liegt er offen auf dem Tisch. Was seit „Orchid“ von Album zu Album offenkundiger wurde, findet jetzt seinen Höhepunkt. Jetzt ist der Sound der Vorbilder erreicht. Und Opeth...sind (fast) verschwunden. Nein, schlecht ist das nicht. Nur, will ich es authentisch, greife ich zu den Vorbildern King Crimson, Jethro Tull, Popol Vuh oder ihren jüngeren Brüdern, Landberk und Anekdoten. Wie Markus schon sagte, es klingt wie ein Übergangswerk, Höhepunktarm und leider auch Gesichtslos. Vielleicht nimmt Herr Akerfeldt bei dem nächsten Album die Karten wieder vom Tisch und mischt sie neu. Ich muss nicht alles sehen, um mich begeistern zu können. Ein kleines bisschen Mysterium darf bleiben, dies formt nicht nur eine Persönlichkeit, sondern auch ein gutes Album.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
da gibt es leider zu viele... |
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| Veröffentlicht am: |
22.3.2012 |
| Letzte Änderung: |
22.3.2012 |
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