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24546 Rezensionen zu 16782 Alben von 6536 Bands.
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Robert Wyatt

Rock Bottom

(Archiv-Tipp 3/2005)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1974 (mehrere CD-Reissues auf Virgin und Hannibal)
Besonderheiten/Stil: Canterbury
Label: Virgin
Durchschnittswertung: 14.25/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Robert Wyatt Drums, Guitar, Keyboards, Vocals

Gastmusiker

Laurie Allan Drums
Alfreda Benge Vocals
Ivor Cutler Keyboards, Vocals
Mongezi Feza Trumpet
Fred Frith Piano, Viola
Hugh Hopper Bass
Mike Oldfield Guitar
Richard Sinclair Bass
Gary Windo Clarinets, Tenorsax

Tracklist

Disc 1
1. Sea Song 6:32
2. Last Straw 5:46
3. Little Red Riding Hood Hit The Road 7:41
4. Alifib 6:55
5. Alifie 6:32
6. Little Red Robin Hood Hit The Road 6:08
Gesamtlaufzeit39:34


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 4)


Mitte 1973 stürtzte Robert Wyatt bei einer Party aus einem Fenster und brach sich dabei das Rückgrat. Für den Schlagzeuger Wyatt eine, wie man sich leicht vorstellen kann, einschneidende Veränderung in seinem Leben, die sich auch auf seine Vorstellungen von Musik und sein Dasein als Künstler auswirken sollte. Fortan spielte Wyatt haupsächlich Klavier und Orgel und diverse Percussionsinstrumente, in den Mittelpunkt seiner Musik aber rückte nun vollends seine Stimme.

"Rock Botton" war Wyatts Überlebenszeichen, aber auch das erste Dokument seiner musikalischen Neuorientierung, auch wenn die Stücke des Albums meistenteils schon vor seinem Unfall konzipiert wurden (teilweise im Rahmen der geplanten Reunion von Matching Mole in neuer Besetzung). Eine Reihe exzellenter Musiker unterstützten Wyatt bei den Aufnahmen und machen "Rock Bottom" zu einer der beeindruckendsten Scheiben der Canterbury-Szene.

"Sea Song" ist ein Duo von Wyatt und Richard Sinclair. Ein wunderschönes getragenes Liebeslied (Textzitat: When you are drunk, you are terrific"!), mit viel Orgel und Bass, etwas Schlagzeug und Klavier, das sich im 2. Teil immer mehr steigert und sich in Wyatt-typische Stimmspielereien auflößt. "A Last Straw" geht in ähnlichen Weise weiter. Bass (Hugh Hopper) und Orgel bilden eine Art hypnotischen Teppich, über dem Wyatts wunderbarer Gesang schwebt. Dazu bearbeitet Laurie Allen dezent sein Schlaugzeug. Das Stück geht direckt über in "Little Red Riding Hood Hit The Road", welches dieselbe Melodie weiter ausspinnt, wobei nun Richard Sinclair den Bass bedient, Mongezi Feza sein Horn erklingen läßt und Ivor Cutler am Klavier zu hören ist. Ein magisches Stück, geradezu hypnotisch und dazu Wyatts eindringliche Stimme. Grandios!

"Alifib", eine Hommage an Wyatts Lebensgefährtin Alfreda Brenge, ist, ganz als Spiegel zur ursprünglich ersten LP-Seite, ein Duo, diesmal zwischen Hopper und Wyatt. Zu Hoppers perlendem Bass und ruhigen Keyboardklängen hört man erst nur Wyatts Atmen und Schnaufen, dann setzt getragener Gesang ein. Das Stück wird immer intesiver und geht in "Alife" über, vielleicht der Höhepunkt der Scheibe. Laurie Allan und Gary Windo (Sax und Bassklarinette) gesellen sich dazu und Windos geradezu wahnsinniges, ekstatisch-ausgeflipptes Spiel prägt dann auch dieses Stück. Dazu gibt es hypnotische Keyboradklangteppiche, Piano und Hoppers grandioser Bass. Das Ergebnis ist ein unglaublich packendes, ergreifendes, fast wahnsinniges Stück! Für "Little Red Robin Hood Hit The Road" fanden sich Mike Oldfield, Fred Frith, Laurie Allen und wieder Richard Sinclair zusammen, um Wyatt zu begleiten. Nach recht munterem Beginn, getragen vor allem von Oldfields Gitarre und Wyatts Gesang, gesellt sich im letzten Drittel des Stücks Friths Viola hinzu und Cutler rezitiert irgendetwas über kaputte Telefone, Teetrinken, Sonnenuntergänge und wasweißichnochalles. Schließlich klingt das Stück und die Scheibe mit Cutlers Lachen aus.

"Rock Bottom" ist meiner Meinung nach ein zeitloses Meisterwerk. Ein beeindruckender Trip durch Wyatts Seelenleben, ein höchst etherisches Gebräu, das durch seine Intensität geardezu betäubend wirkt. Rock Bottom erschien ursprünglich bei Virgin, mit einem von Alfreda Brenge gemalten Cover. Inzwischen ist die CD, mit neuem Cover (welches oben gezeigt ist), bei Hannibal wiederveröffentlicht worden.

Anspieltipp(s): Alifib, Alife
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.5.2002
Letzte Änderung: 23.5.2012
Wertung: 15/15

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 2 von 4)


Vollste Zustimmung zu Achims Besprechung: Selten gibt es Alben von so zerbrechlicher Schönheit zu hören. Spartanisch instrumentiert werden sechs Lieder dargereicht, eines besser als das andere. Die CD wirkt homogen wie wenig andere - Wyatt baut eine enorme Spannung auf, die sich erstmals in "Little red riding hood..." auflöst. Tolle Bläsersätze untermalen den Gesang und vermitteln so trotz aller Melancholie Leichtigkeit, ebenso die beiden Stücke "Alifib" und "Alife". Ist ersteres quasi Canterbury-Ambient-Musik mit sehr zerbrechlicher Akustikgitarre, steigert sich der zweite Titel nahtlos in ein furioses Freejazz-Happening an Bläsern, Trommeln und Klavier. Das abschließende "Little red Robin Hood..." zeigt u.a. tolle Oldfieldgitarren und eine sehr schöne Schlagzeugarbeit von Laurie Allen. Allein dieses Stück lohnt die ganze CD.

Fazit: 15 Punkte - ein Meisterwerk

Anspieltipp(s): durchhören
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.12.2004
Letzte Änderung: 30.12.2004
Wertung: 15/15

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Von: Thomas Schüßler @ (Rezension 3 von 4)


Um eines vorweg zu nehmen: auf diesem Album verarbeitet Robert Wyatt keineswegs seinen Unfall oder dessen Folgen. Denn ein Großteil der Songs wurde bereits vorher komponiert. Daraufhin musste er sein Leben und auch die Herangehensweise an seine Musik komplett überdenken. Schrieb er bislang für eine feste Band, in der jeder sein Instrument spielt und die anschließend damit auf Tournee geht, kann er sich jetzt ganz andere Freiheiten nehmen: Gastmusiker nach seinen Vorstellungen. Und so hat sich hier eine sehr illustre Schar an Zuarbeitern gefunden: Mike Oldfield, Hugh Hopper, Fred Frith, Richard Sinclair etc. Da Robert Wyatt natürlich jetzt sein Schlagzeug nicht mehr bedienen konnte, ist die Musik stattdessen auf seine Stimme und seine Keyboardarbeit ausgerichtet.

Das Ergebnis ist ein fragiles Meisterwerk von geradezu bedrückender Intensität. Zumeist eher ruhig gehalten mit melancholischem Unterton. Ein Highlight der Canterbury-Szene!

Einziger Wermutstropfen für mich (den ich gar mit Punktabzug bestrafen muss!): die letzten drei Minuten von "Little Red Robin Hood Hit The Road", wenn Fred Frith auf der Viola Volksweisen anstimmt und Ivor Cutler dazu mit sehr starkem schottischem (?) Akzent rezitiert - das will so gar nicht zum Rest der Platte passen, wirkt irgendwie als Fremdkörper. Was aber noch schlimmer für mich wiegt: dieser stark akzentuierte Spechgesang erinnert frappierend an modernen Gangsta-Rap. Und dafür habe ich nun überhaupt nichts übrig. Da die Platte damit ausklingt, bleibt für mich immer ein leicht fader Nachgeschmack, den diese tolle Platte eigentlich nicht verdient hat.

Anspieltipp(s): Alifib/Alife
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.7.2006
Letzte Änderung: 19.7.2006
Wertung: 13/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 4 von 4)


Rock Bottom ist mehr als nur ein Lebenszeichen Wyatts nach seinem verheerenden Fenstersturz. Die Verarbeitung dieses schrecklichen Unfalls steht im geistigen Zentrum des Werkes. Die musikalischen Ideen entstanden bereits im Winter 1972 auf einer Insel vor Venedig, aber die Aufnahmen fanden erst im Frühjahr 1974 statt. Dazwischen lag der Sturz der zur Querschnittslähmung führte. Und vor allem die langen Monate im Krankenhaus, in denen Robert Wyatt Gelegenheit hatte, seine neue Lebenswirklichkeit zu reflektieren und als erste therapeutische Maßnahme das bereits geplante Album neu zu konzipieren. Sein Gesang sollte deutlich stärker als bei Matching Mole im Zentrum der Darbietung stehen.

Ich weiß nicht, wie das Album ohne den Unfall, der Wyatts Leben veränderte, geklungen hätte. Aber so wie es eingespielt worden ist, zeugt es einerseits von einer gewissen Melancholie, dem Bewusstsein von der Verletztlichkeit des Lebens, andererseits aber auch von Wyatts unbeugsamem Lebenswillen, der in den Stücken von Rock Bottom deutlich aus seinem anarchischen Gemüt sprüht. Beides äußert sich äußerst überzeugend in Text und Musik.

Dieser Doppelcharakter macht das Album nicht gerade leicht erschließbar. Hinzu kommt die sehr eigenwillige Stimme und Intonation von Wyatt, dessen Gesangsdarbietung nahe am Jazz ist und sich hier in relativ hohen Tonlagen bewegt. Nach meinem Eindruck singt Wyatt hier emotionaler und stärker als auf den wenigen Gesangsstücken, die bei Matching Mole zu hören waren. Aber ich kann auch sehr gut Hörer verstehen, die wenig oder nichts mit dieser Art von Gesang, die manchmal geradezu tonlos-schräg klingt, anfangen können. Mit der Fähigkeit sich auf Wyatts Gesang einlassen zu können, steht und fällt der Genuss des Albums.

Hat man sich Rock Bottom aber erst einmal erschlossen, möchte man es als über weite Teile eher ruhiges, mehr innerlich wuselndes Werk aus der Canterbury-Scene nicht mehr missen. Über das rein Musikalische hinaus gewinnt es seinen besonderen Nimbus aber eben dadurch, dass es überwältigender Ausdruck der Rückkehr ins Leben unter sehr schwierigen Bedingungen ist. Dies so ergreifend rüberzubringen gibt dem Album seinen einzigartigen Charakter.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.4.2012
Letzte Änderung: 28.4.2012
Wertung: 14/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Robert Wyatt

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 The End of an Ear 11.00 1
1975 Ruth Is Stranger Than Richard 10.00 1
1982 Nothing can stop us 5.00 1
1986 Old Rottenhat 10.00 1
1991 Dondestan 14.00 1
1997 Shleep 12.00 1
1998 Dondestan (revisited) 14.00 1
2000 Soupsongs Live 12.00 1
2003 Cuckooland 12.00 1
2003 Solar Flares Burn For You 12.00 2
2005 Theatre Royal Drury Lane 8th September 1974 12.00 1
2007 Comicopera 12.00 1
2009 radio experiment rome, february 1981 11.00 1
2013 '68 9.00 1

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